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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 116
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Fünftes Kapitel

Wie Pantagruel auf ein Schiff mit Reisenden traf, die aus dem Laternenland kamen

Am fünften Tag, als wir uns schon sacht um den Pol vom Äquator abwärts zu drehn begannen, entdeckten wir ein Handelsschiff, das auf uns zukam. Die Freude war nicht gering, sowohl bei uns als bei den Handelsleuten – bei uns, daß wir vom Meer, bei ihnen, daß sie vom Festland Nachricht erhielten. Als wir zusammenkamen, sahn wir, daß es Südfranzosen waren. Aus dem Gespräch und Verkehr mit ihnen erfuhr Pantagruel, sie kämen aus dem Laternenland; da war er, wie auch die ganze Schiffsmannschaft, noch einmal so froh. Denn auf unsre Erkundigungen nach dem Land und Sitten des Laternenvolks ward uns gemeldet, daß Ende nächsten Juli das laternische Generalkapitel anberaumt wäre, und wenn wir alsdann dorthin kämen, wir eine schöne, würdige und lustige Laternengesellschaft vorfinden würden; man träf' dazu schon große Anstalten, als wenn man recht aus dem Grund laternen wollte. Ferner teilten sie uns mit, daß, wenn wir das große Königreich Gebarim passierten, uns der Herr desselben, König Ohabé, stattlich empfangen und pflegen werde; denn er nebst seinem ganzen Volk sprächen französisch, und zwar Tourainer Mundart.

Während wir dies noch erkundigten, bekam Panurg mit einem Kaufmann, namens Zinshahn aus Taillebourg, Streit. Der Anlaß war folgender. Wie dieser Zinshahn den Panurg ohne Hosenlatz und mit der Brille an der Mütz sah, sagte er zu seinen Gefährten: »Schaut mal die saubre Hahnreifratz!« – Panurg, der wegen seiner Brille weit leiser denn gewöhnlich hörte, frug, als er diese Worte vernahm, den Handelsmann: »Wie Teufel soll ich Hahnrei sein, der ich noch nicht einmal ein Weib hab, wie du's hast? Denn das seh ich schon an deinem ungewaschnen Maul.«

»Wohl«, sprach der Kaufmann, »hab' ich eins, und gäb's nit hin für alle Brillen in ganz Europa, und nicht um die Lupen von Afrika. Denn, mit Verlaub, ich hab' eins der allerschönsten, bravsten und züchtigsten Weiber im ganzen Ort. Ich bing' ihr auch von meiner Reise einen schönen roten, elf Zoll langen Korallenzinken zum heiligen Christ mit. Was schiert's dich? Worein mengst du dich? Wer bist du? Woher kommst du? Wenn du von Gott bist, so gib Antwort, du saubrer Brillenaffe.«

»Ich frag' dich«, sprach Panurg, »wenn ich mit Fug und Übereinstimmung der vier Elemente jetzt dein so schönes, braves und züchtiges Weiblein schickschackuranzirapunzuliert hätte, so daß ihr der steife Gartengott Priapus, der hie frank und frei, von keinem Recht gefesselt, wohnt, so unglückseligerweise im Leib säß', daß er nicht wankt' und nicht wich und auf ewig drin bleiben müßt' wo du ihn nicht mit den Zähnen auszögst – was tätest du? Ließest ihn drinnen ewiglich? Wie? Oder zögest ihn heraus mit scharfem Zahn? Gib Antwort, o du islamitischer Hammel, der du von allen Teufeln bist!« – »Ich gäb dir«, antwortete ihm der Kaufmann, »einen Schwertstreich auf dein bebrilltes Ohr und schlüg dich, wie einen Hammel, tot.« – Damit griff er zu seinem Schwert. Allein er brachte es nicht vom Leder, wie ihr wohl wißt, daß alles Eisen zur See leicht Rost ansetzt, von wegen der vielen salzigen Feuchtigkeit. Panurg floh zu Pantagruel, aber Bruder Jahn zog seinen frischgewetzten Bangel und hätte den Kaufmann grimmig erschlagen, wenn nicht der Schiffspatron und die andern Passagiere Pantagruel gebeten hätten, auf seinem Schiff keinen Skandal zu gestatten. So ward ihr Zwist denn bald gestillt, Panurg und der Kaufmann schüttelten sich die Hände und tranken sich zum Zeichen vollkommener Sühne einen Ganzen zu.

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