Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > François Rabelais >

Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 110
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
Schließen

Navigation:

Sechsunddreissigstes Kapitel

Wie Pantagruel und Panurg das Orakel der göttlichen Flasche zu besuchen sich entschließen

Aber einen ganz andern Punkt bedenkt Ihr nicht, und just da steckt der Knoten. Er hat mir die Flasche wieder eingehändigt. Was heißt das? Was will das sagen?« – »Vielleicht«, antwortete Pantagruel, »daß Euer Weib betrunken sein wird?« – »Im Gegenteil«, versetzte Panurg, »denn sie war leer. Ich schwör' Euch bei dem Rückenbein des heiligen Joseph: unser Triboullet der Würdige weist mich damit an die Flasche! Und hier erneuere ich mein erstes Gelübde und schwör' in Eurer Gegenwart, weder eine Brille an der Mütze noch einen Latz an der Hose zu tragen, bis ich mir das Wort der göttlichen Flasche zu meinem Vorhaben eingeholt habe. Ich hab einen klugen Mann zum Freund, der weiß genau Ort, Land und Gau, wo ihr Orakel und Tempel ist; er wird uns sicher hingeleiten. Laßt uns zusammen hin, ich fleh Euch an, schlagt mir's nicht ab. Ich werd' Euch auch der treueste Gesell auf dem ganzen Weg sein. Ich hab' Euch seit lang schon als Freund des Wanderns erkannt, und daß Ihr gern alle Tag was Neues sehen und lernen mögt. Wir werden wunderwürdige Ding sehn, traut meinem Wort.«

»Ganz gern«, versetzte Pantagruel, »allein bevor wir diese weite Fahrt voll Wagnis, voll augenscheinlicher Gefahren –« »Was für Gefahren?« fiel Panurg ein. »Die Gefahren laufen von mir auf sieben Meilen in die Runde, wo ich auch sein mag; wie die Obrigkeit abtritt, wenn der Fürst kommt, wie vor der Sonne die Nacht entweicht.« – »Ehe, sag' ich«, fuhr Pantagruel fort, »wir uns auf diese Reise begeben, muß dies und jenes berichtigt sein. Erst laßt uns den Triboullet wieder gen Blois heimsenden. Zweitens bedürfen wir guten Rat und Urlaub vom König, meinem Vater. Ferner müssen wir eine Sibylle uns zum Dolmetsch und Wegweiser suchen.« – Darauf antwortete Panurg, sein Freund Xenomanes wär hierzu tauglich, und überdies gedächte er auch durch das Laternenland zu reisen und sich da mit einer weisen ersprießlichen Laterne zu versehen, die ihnen für diesen Weg das sein solle, was die Sibylle für Aeneas war auf seinem Gang in Elysium. –

»Nach meiner Rechnung«, sprach Pantagruel, »werden wir eben nicht Grillen fangen unterwegs, das spür' ich schon. Es ist mir nur leid, daß ich nicht fertig Laternisch spreche.« – »Ich«, antwortete Panurg, »sprech's für euch alle, ich versteh's wie meine Muttersprache, mir ist es geläufig wies Abc:

Brißmarg dalgotbric nubstzne zos
Jsquebfz prusq; albok cringqs zacbac.
Misbe dilbarlkz morp nipp stancz bos.
Strombtz, Panurge walmap quost grufz bac.Phantasiesprache

Jetzt rate, Epistemon, was das heißt.« – Epistemon antwortete: »Es sind Namen von irrenden Teufeln, von fahrenden Teufeln, von kriechenden Teufeln.« – »Wahr gesprochen, mein schöner Freund«, versetzte Panurg, »es ist die Hoflaternensprache; ich will dir unterwegs darüber ein schönes Wörterbüchel machen, das sollst du so schnell intus haben, wie ein Maß Wein.«

»Bleibt also«, sprach Pantagruel, »nur übrig, daß wir den Willen des Königs, meines Vaters, hierüber hören und seine Erlaubnis dazu erbitten.«

 << Kapitel 109  Kapitel 111 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.