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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 101
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Wie Stülphändsch der Philosophus die Ehestandsbedenken traktiert

Nach diesen Worten sprach Pantagruel zu dem Philosophen Stülphändsch: »Nun, lieber Getreuer, ist die Lamp' aus Hand in Hand zu Euch gekommen. An Euch ist nun die Reih, zu reden. Soll Panurg freien oder nicht? – »Beides«, sprach Stülphändsch. – »Was sagt Ihr da?« frug Panurg. – »Was Ihr gehört habt«, antwortete Stülphändsch. – »Was hab' ich gehört?« frug Panurg. – »Was ich gesagt hab'«, antwortete Stülphändsch. – »Ha, ha, ha!« rief Panurg, »sind wir jetzt so weit? Ich passe ohn Trumpf. Heraus damit! Muß ich heiraten oder nicht?« – »Keins von beiden«, antwortete Stülphändsch. – »Der Teufel hol mich«, sprach Panurg, »wo ich nicht rapplig werd', und hol mich noch einmal, wo ich Euch kapier'. Wart, daß ich meine Brill hier ein wenig aufs linke Ohr ruck', ich hör' so besser.« –

In diesem nämlichen Augenblick sah Pantagruel an der Saaltür den kleinen Hund des Gargantua, den er mit Namen Kyne hieß, wie des Tobiä Schoßhündlein. Da sprach er zu der ganzen Gesellschaft: »Unser König ist nicht weit, lasset uns aufstehn.« Er hatte dies Wort noch nicht ausgesprochen, als Gargantua zu ihnen in den Speisesaal trat, und jeder aufstund, ihm Reverenz zu machen. Nachdem Gargantua die ganze Versammlung liebreich begrüßt, sprach er zu ihnen: »Ich bitt' euch, liebe Freunde, tut mir die Liebe, behaltet Platz und laßt euch in euern Gesprächen nicht stören! Gebt mir einen Stuhl ans Tischende und gebt mir einen Becher, daß ich aufs Wohlsein der ganzen Gesellschaft trinke. Nun saget an, wovon sprachet ihr?« – Pantagruel erzählte ihm, wie Panurg beim Nachtisch die Frage aufgeworfen habe, ob er freien solle oder nicht; darauf hätten ihm schon Hippothadäus und Meister Rundibilis Bescheid gegeben. Jetzt aber eben hätte der getreue Stülphändsch geredet, und zwar, wie ihn Panurg frug: soll ich frein oder nicht? habe er ihm zuerst geantwortet: Beides zugleich, und nachher aber: Keins von beiden. Panurg beschwert sich nun über so verschiedene Reden und Widersprüche und schwört, daß er daraus nicht klug werde. – »Ich merk wohl«, sprach Gargantua, »die Antwort lautet fast wie die, welche einst ein alter Weiser gab, als er befragt ward, ob er das und das Weib zur Frau habe. ›Ich hab' sie‹, sagte er; ›sie aber hat mich nicht; ich besitze sie, bin nicht von ihr besessen.‹« – »Gleichen Bescheid«, sprach Pantagruel, »gab auch eine Dirne in Sparta. Man frug sie, ob sie mit Männern zu schaffen gehabt hätte. ›Niemals‹, sprach sie, ›wenn schon zuweilen die Männer mit mir.‹« –

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