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Gargantua und Pantagruel

François Rabelais: Gargantua und Pantagruel - Kapitel 100
Quellenangabe
typefiction
authorFrançois Rabelais
titleGargantua und Pantagruel
publisherWilhelm Goldmann Verlag
editorUlrich Rauscher
year1960
translatorGottlob Regis
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060905
projectid0bbb3292
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie die Weiber gewöhnlicherweise nach verbotenen Dingen trachten

»Zu der Zeit«, fuhr Karpalim fort, »als ich noch Kuppler in Orleans war, hatte ich kein triftigeres Argument, um die Damen aufs Stroh und zum Liebesspiel zu bringen, als wenn ich ihnen fein bündig, kräftig und recht abscheulich vorstellte, daß ihre Männer eifersüchtig auf sie wären. Steckt ihnen dieser Glauben nur erst einmal im Kragen, dann machen sie euch, so wahr mir Gott helfe, ihre Männer unfehlbar zu Hahnreis, und wenn sie's gleich weiß nicht wie anstellen müßten.« – »In der Tat«, sprach Pantagruel, »ich hörte einmal vom Papst Johann dem Zweiundzwanzigsten erzählen, daß, als er einst durch Fonthevrault kam, ihn die Äbtissin und frommen Mütter um einen Erlaß gebeten hätten, kraft dessen sie untereinander sich selbst Beicht hören dürften, weil doch die Ordensfrauen allerhand kleine heimliche Schwachheiten an sich hätten, die sie aus Scham sich scheuten, einem männlichen Beichtiger zu verraten. Weit freier und vertraulicher würden sie sich's einander selbst unter dem Siegel der Beicht bekennen. – ›Es ist nichts in der Welt‹, versetzte der Papst, ›das ich nicht gern euch gönnte; aber bedenkt: die Beicht muß verschwiegen bleiben, und ihr Frauen bewahrtet sie schwerlich.‹ – ›Erst recht besser als ein Mann!‹ versetzten sie. – Da gab ihnen der Heilige Vater ein Schächtelchen zur Aufbewahrung, in welches er einen kleinen Hänfling hatte stecken lassen, und bat sie hoch und heilig, sein Schächtelchen an einem geheimen und sichern Ort zu verschließen; dabei versprach er ihnen auf sein päpstliches Ehrenwort, ihre Bitte zu gewähren, wenn sie's wohl verborgen hielten, und legte ihnen zugleich ein scharfes Verbot auf, daß sie's bei Strafe der Kirchenzensur und ewigen Exkommunikation in keiner Weis öffnen dürften. Kaum war das Verbot ergangen, da juckte es ihnen schon in den Fingern, zu sehn, was drin wär, und sie lauerten darauf, bis nur einmal der Papst erst weg wäre, damit sie darüber herfallen könnten. Der Heilige Vater erteilte ihnen den Segen und begab sich wieder in sein Quartier. Er war noch nicht drei Schritte von der Abtei entfernt, da rannten schon die guten Schwestern haufenweis nach dem verbotnen Schächtlein hin, um es aufzumachen und zu sehn, was drin sei. Des andern Tags besuchte sie der Papst, wie sie glaubten in der Absicht, ihnen den Erlaß zu verleihen. Eh er jedoch ein weitres Wort sprach, befahl er, ihm das Schächtlein zu bringen. Es ward gebracht, das Vöglein aber war nicht mehr drin. Da bedeutete er sie freundlich, daß es doch wohl ein allzu schweres Stück für sie sein dürfte, die Beicht zu verschweigen, da sie dies ihnen so teuer befohlene Schächtlein auch nicht ein Weilchen zu hüten vermocht hätten.« –

»Um wieder auf unsern Hammel zu kommen«, sprach Panurg, »so heißt Euer Spruch aus dem Arztlatein ins Französische übertragen: ich soll nur immer keck drauf los frein und mich an keine Hörner stoßen. Das heiß ich mir mächtig schön getroffen, wie mit der Nas auf den Ärmel! Meister, ich denk', auf meinen Hochzeitstag werdet Ihr wohl anderwärts mehr zu tun haben mit Euern Kunden und werdet schwerlich erscheinen können? Ich exkusiere Euch. Es heißt ja:

Der Mist kann hoch so schmierig sein,
Der Salbenschmierer kniet sich drein Und fischt aus jeder Jauchenflut
Vergnüglich sich sein Hab' und Gut.«

»Ihr habt's nicht wohl behalten«, sprach Rundibilis, »der zweite Vers heißt:

Wir sehen's uns auf Krankheit an,
Doch ihr habt euer Maul daran.«

»Nichts, nichts«, antwortete Panurg, »dies zieht nicht. Versäumt nicht Eure pressanteren Sachen.« Drauf ging er sacht zu ihm hin und steckte ihm, ohne ein Wort zu sagen, vier Dukaten in die Hand. Rundibilis ließ sie nicht fallen, dann sprach er wie erschrocken, ganz entrüstet zu ihm: »He, he, he! das war nicht nötig, Herr! Doch vielen Dank, wenn's halt sein muß. Von schlechten Leuten nehm' ich nie nix; von braven Menschen schlag' ich nix aus. Ich steh Euch allzeit zu Befehl.« – »Für gute Zahlung?« frug Panurg. – »Versteht sich«, antwortete Rundibilis.

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