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Für Dich

Rudolf Stratz: Für Dich - Kapitel 9
Quellenangabe
pfad/stratz/fuerdich/fuerdich.xml
typefiction
authorRudolph Stratz
titleFür Dich
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
printrun44.-48. Tausend
year1921
firstpub1908
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IX.

In der Wohnung In den Zelten, die in wenigen Tagen das neue Ehepaar von Ulerici aufnehmen sollte, arbeiteten noch die Tapezierer. Vera und ihr Mann wollten gleich nach der Trauung einziehen. Sie hatten das Gefühl, daß es, wenn ein alter Junggeselle und eine geschiedene Frau sich heirateten, am besten ohne viel Gepränge und all das Drum und Dran abginge. Er wollte sich ursprünglich Veras Wunsche fügen, die Hochzeit im engsten Kreise zu feiern. Aber allmählich war die Liste der Eingeladenen unter seinen Händen immer mehr angeschwollen. Er konnte seinen späten Triumph nicht ganz unterdrücken, und schließlich ward es klar, daß es doch das herkömmliche Familienfest mit großer Tafel, Zusammenströmen der Verwandten und massenhaften Blumen, Toiletten und Reden werden würde. Und Vera selber durfte ja auch den Angehörigen ihres zweiten Mannes die Möglichkeit nicht nehmen, gerade sie, die geschiedene Frau, in ihrem Kreise willkommen zu heißen.

Der Freiherr von Ulerici befand sich in diesen Tagen in einer steigenden Erregung. Die Schweißtropfen perlten ihm auf der kahlen Stirne und sein gutmütiges Gesicht war gerötet, während er in der Maienhitze unten im Hof von dem neu gebauten Pferdestall her seiner Braut, mit der er sich hier verabredet hatte, bis zum Gittertor der Straße entgegeneilte und unterwegs noch zu dem Maurermeister zurückrief: »Nee, nee, Herr Dubberke – so taugen die Boxen den Deubel was! Das sag' ich Ihnen, als vereidigter Pferdemensch! Also das nu fix geändert! In einen Schweinestall stell' ich meine Tausendtalergäule nicht!«

Damit stieg er mit Vera, der er galant die Hand geküßt hatte, die Treppe hinauf. Sie waren nach jenem kurzen Zank vor Wochen längst wieder äußerlich einig. Sie hätten auch gar keine Zeit gehabt, sich auf die Dauer zu grollen. Es gab zu viel zu tun, und er sagte vergnüglich: »Na – nun setzen sich unsere Gäste schon so sachte in Trab ... Prerows sind seit gestern im Lande, Vater, Mutter und die drei Mariellen – die wollen sie wohl noch hier in der Eile 'n bißchen 'rausmustern – denn was so die Schneiderkünste um Ostrowo 'rum sind ... Ist dein Vater gekommen?«

»Ja. Heute früh! Ich komm' eben von ihm!«

Er keuchte und trocknete sich mit seinem Tuch das Gesicht. Sie mußte langsam steigen, um mit ihm gleichen Schritt zu halten, und sah ihn dabei von der Seite an und dachte sich: ›ob er immer so transpiriert oder ist das nur die Aufregung?‹ – und ärgerte sich über sich selber, daß sie auf solche dumme Einfälle kam, und mußte doch immer wieder innerlich etwas überwinden und eine zitternde Gereiztheit, zu der er ihr gar keinen Anlaß bot, unterdrücken, während sie vor ihm in die Wohnung trat und das alte, erkältende Gefühl hatte: ›Was tu' ich hier in den fremden Räumen?‹

Die ganze Einrichtung war noch so funkelnagelneu. So unpersönlich. Vera dachte sich, während sie beide die Flucht von Gemächern durchschritten: ›Wer ist nun hier bei dem anderen zu Gast?‹ Ihr Verlobter war nicht so. Der fühlte sich schon als den Hausherrn, rückte Stühle und Tische zurecht und ließ seine massige Gestalt bald da, bald dort behaglich nieder, daß sie ihn einmal ganz geistesabwesend musterte und es ihr durch den Kopf ging: ›Wer ist nur der korpulente Herr, der in all den Zimmern da hintereinander Probe sitzt?‹ – Und in diesen Zimmern sollte sie von nun ab ihr Leben verbringen. Christoph von Ulerici rüstete sich schon, mit ihr hier vor Anker zu gehen. Er dehnte sich wohlgefällig in einem Klubsessel – ihr schien in ihrer Stimmung beinahe feindseliger Neugier, mit der sie ihn prüfte, als fange er schon an, sich nach Art bequemer älterer Herren gehen zu lassen – und dann begann er wieder mit einer bei ihm ungewohnten Lebhaftigkeit von dem Festessen im Kaiserhof zu sprechen. Dessen Arrangement hatte er Veras Vater unmöglich überlassen können! Danke gehorsamst! Da hätte es günstigsten Falls Rinderbrust mit Brühkartoffeln gegeben und deutschen Schaumwein dazu! Ein Glück, daß ihm jetzt ein Vetter das abnahm, auch ein Ulerici, der in der Familie der Intendant genannt wurde, weil er seit zehn Jahren die vergebliche Absicht hatte, es zu werden, seit er Dolman und Attila an den Nagel gehängt. Der machte so was tadellos, durchaus erstklassig – Hungerpoten saugen wollte der Freiherr Christoph von Ulerici an seinem Ehrentag nicht! Er schmunzelte und fing von der Tischordnung an, die ihm auch viel Kopfzerbrechen machte. Da war zum Beispiel der eine Verwandte, der sogenannte polnische Blumenau, dessen Sandklitsche bei den Kassuben lag. Der hatte doch nun mal die unterkittige Heirat gemacht! Wo verstaute man nur die Unglücksfrau bei Tisch? Ob vielleicht der kleine Fähnrich, der Joseph-Dietrich, der doch ohnedies ganz unten saß ...

»Lasse mich jetzt endlich mit diesen Leuten in Ruhe!« sagte Vera. Sie hatte sich ihm gegenüber hingesetzt, den Sonnenschirm quer über den Knieen, und war etwas blaß.

Er wechselte fügsam das Gespräch.

»Na ja – die Hauptsache ist ja auch nicht, wie die Gäste sitzen, sondern was sie futtern!« er fuhr mit einem vielverheißenden Gesichtsausdruck nach seiner Brusttasche. »Willst du einmal das Menü sehen, mein Herz?«

Sie biß sich auf die Lippen und blickte ihn wieder forschend und sonderbar grausam an. Er begriff, etwas verdutzt, daß dies auch kein glücklicher Vorschlag von ihm gewesen war. Er machte ihr nichts mehr recht in den letzten acht oder vierzehn Tagen. Was er auch sprach oder tat, alles mißfiel ihr. Nun versetzte sie: »Du ... hör mal...«

»Ja?« Er rückte eifrig näher. Er war schon froh, wenn sie einmal selber von etwas anfing. So sehr sie sich den ganzen Winter hindurch für den neuen Hausstand interessiert hatte, so groß war jetzt ihre Gleichgültigkeit gegen alles, was ihre Zukunft betraf.

»Ich muß dir mal was sagen, Christoph!«

»Bitte, mein Herz!«

»Wir hatten doch vor etwa vierzehn Tagen eine Auseinandersetzung wegen deines Verwandten, des Baron Sybold, der es für nötig hielt, mich auszuspionieren ...«

»Ach, rede mir nur nicht von dem Kerl!« sagte ihr Verlobter verdrießlich. »Mit dem hab' ich mehr Ärger, als er wert ist. Ich hab' ihn doch 'rausgeschmissen. Gestern schickt mir das Gewächs seinen Kartellträger! Hat ihn in irgend einem Krähwinkel ein Ehrenrat, oder was sich dafür hält, glücklich für satisfaktionsfähig erklärt. Was sagst du nun? Das kostet mich ein schönes Stück Geld!«

Die junge Frau hatte kaum zugehört. Sie schob mit einer Handbewegung diesen Gesprächsstoff zur Seite und fuhr fort: »Ich hab' dir doch damals versprochen, daß ich mit meinem ersten Mann nur in Angelegenheiten Karlas verkehren würde.«

»Ja.«

»Also: dies Versprechen hab' ich gebrochen, Christoph!«

»Was? Wieso?«

»Ich weiß auch nicht, wie es sich gemacht hat. Er besuchte mich, nur wegen des Kindes. Das hatte ich mir ausbedungen. Aber dabei gab ein Wort das andere. Schließlich haben wir uns gründlich ausgesprochen, wohl zwei Stunden lang ...«

Der Freiherr von Ulerici hatte sich erhoben und war im Zimmer hin und her gegangen. Jetzt stand er, die Hände auf dem Rücken, vor dem offenen Balkon und sah über die grünen Wipfel des Tiergartens hinweg. Er war sehr ärgerlich. Aber er fürchtete sich vor neuen Szenen, jetzt, ein paar Tage vor der Hochzeit. Seine künftige Frau war ohnedies in letzter Zeit so rätselhaft und launisch. Er hatte auch seine natürliche Gutmütigkeit in sich, und so sagte er: »Hm! ... Nett ist das ja nun nicht ...«

»Das hab' ich ja auch nicht behauptet, Christoph!«

»Aber vielleicht war dir eine solche Aussprache, gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt, Bedürfnis. Ich will da nicht urteilen. Ich versteh' zu wenig davon. Ich war doch bisher 'n oller Hagestolz! Und da du es mir so offen sagst – also gehen wir darüber weg, Kind – nicht wahr?«

Er kam sich sehr großmütig vor in seiner Rolle des Verzeihenden. Es gab ihm endlich einmal das Wohlgefühl der Überlegenheit über sie, der er sich sonst immer weniger gewachsen fühlte. Er stand auf, schaute sich ängstlich um, ob keiner der in der Wohnung arbeitenden Handwerker es bemerke – dann neigte er sich zu ihr hernieder und küßte sie behutsam auf die Stirne. Sie war sitzen geblieben und ließ es ruhig geschehen. Gleich darauf versetzte sie hartnäckig: »Ja, aber am Mittwoch darauf haben wir uns wieder im Tiergarten getroffen.«

»Wa – was?«

»Ich weiß auch wieder nicht, wie sich das gemacht hat. Auf dem Bahnhof, wo ich Karla Adieu sagte, war er nicht. Das wußt' ich. Aber wie ich eine halbe Stunde später auf einer Bank im Grünen saß, stand er plötzlich vor mir ...«

»Nun – und da?«

»Da sind wir dann miteinander herumgegangen!«

Der Kürassier a. D. beugte seinen massigen Oberkörper vor und legte die rechte Hand aufmerksam an die Ohrmuschel. Diese Bewegung hatten früher auf dem Exerzierplatz seine Rittmeister und Leutnants wohl gekannt. Da zog sich jedesmal ein Donnerwetter zusammen.

»Verzeih!« sagte er höflich, während sich sein Gesicht dunkelrot färbte. »Ich weiß nicht ... aber mein Gehör fangt an zu leiden ... ich verstehe immer: Der Hauptmann Gisbert und du, ihr seid zusammen sozusagen spazieren gegangen ...«

»Ja. Zweimal um den Neuen See herum und dann bis an die Tiergartenstraße ...«

»Ja, bist du denn verrückt!« plötzlich brüllte er los, daß sie doch ein wenig erschrak und sich erhob. »Himmeldonnerwetter ja ... was ist denn in dich gefahren? ... Entschuldige das Gefluche ... aber da möchte man ja wirklich ... Nee, weißt du ... nee ... ich bin ein guter Kerl ... aber wenn du anfängst, mir so auf der Nase 'rumzutanzen – lächerlich machen lass' ich mich nicht! ... ich begreif' das alles gar nicht! Auch nicht, daß du es mir so ruhig erzählst ...«

»Gerade! – Das muß ich!«

»Und was habt ihr euch denn zu erzählen gehabt? Heraus mit der Sprache, wenn ich bitten darf! ... Jetzt will ich doch mal klar sehen ...«

»Ich hab' von mir geredet – die längste Zeit – lauter unnützes Zeug!«

»Und er?« »Er hat zugehört! Dann haben wir uns getrennt! Weiter nichts! ...«

Der Freiherr von Ulerici schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirne und starrte fassungslos auf die schöne, junge Frau, die gelassen vor ihm stand. Dann stampfte er auf und schrie: »Das lass ich mir aber nicht gefallen, Vera! Zu einem Popanz machst du mich nicht! Wie ich um dich angehalten hab', hast du ›ja‹ gesagt! Na – gut! Dann ist das aber auch zwischen anständigen Menschen abgemacht. Was dann noch dein verehrlicher erster Gatte zwischen uns herumzugeistern hat, das mag der Kuckuck wissen, aber ich nicht!«

Vera schwieg, als ginge sie die Sache, nachdem sie sie einmal mitgeteilt hatte, nichts weiter an. Das erboste ihn noch mehr, und er keuchte mit rotem Kopf: »Aber ich werde mir den Herrn mal kaufen! ... Ich werde ihn fragen, was er sich denn eigentlich denkt? Er ist doch auch Offizier, wenn auch man nur 'n Infanteriste! ... Er soll sich auch als Offizier benehmen ...«

»Ich weiß nicht, inwiefern er anders gehandelt hat! ...« sagte Vera kalt. »Laß ihn nur in Ruhe! Wenn du was willst, dann halte dich bitte an mich!«

»Ja – du! Mußte denn immer genau das tun, was andere Leute nicht tun? Wenn du nur Gott und die Welt herausfordern kannst, dann bist du schon froh! Aber als meine Frau hast du dir das abzugewöhnen – verstehst du – sonst ...«

»Was denn ... sonst?«

Er sah an ihrem Blick, daß sie zum Äußersten entschlossen war, daß es ihr vielleicht auf die Lösung ihres Verlöbnisses nicht mehr ankam. Sie versetzte: »Sag es mir nur ruhig ins Gesicht! Ich hab' ja sonst eine Unmasse Fehler – alle Welt versichert es mir einstimmig – aber feig bin ich nicht!«

»Und wenn mir das zu bunt wird –

»Du kannst ja tun, was du willst ... Im übrigen: es war das letzte Mal ...«

»Das soll dir einer glauben ...«

»Dann glaub es nicht!«

Es entstand eine Pause nach ihrer schroffen Antwort. Der Freiherr von Ulerici glättete mechanisch seinen schwarzen Zylinder, den er trotz der Maihitze trug, zwischen den Händen. Endlich frug er: »Und die Gründe?«

»Welche Gründe ...?«

»... daß du neuerdings so merkwürdig viel mit deinem früheren Mann verkehren mußt? ... Das kann nicht das Kind allein sein! Das Kind ist doch schon seit acht Jahren auf der Welt und hat euch doch nicht verhindert, euch zu trennen. Vera ... es ist doch auffallend ... du gibst es doch zu ... ihr könnt euch doch eigentlich nichts zu sagen haben ... du und er ... Oder doch?«

»Ach – bitte, laß mich!«

»Weiter bekomme ich keine Antwort? ... Und dabei kannst du dir doch vorstellen, Vera, daß man schließlich auf Vermutungen kommen muß, bei denen einem einfach der Verstand still steht ...«

Vera setzte sich am Fenster auf einen der eben vom Möbelhändler gekommenen, noch nach Firnis riechenden Stühle, sah hinaus und blieb stumm.

»Vera – wenn du mir nicht antwortest, geh' ich!«

»Bleib oder geh! Mir ist alles recht!«

Da nahm der Freiherr von Ulerici seinen Hut und lief davon, spornstreichs in das Hotel, in dem sein künftiger Schwiegervater wohnte.

Der alte von Vogt auf Neetzow rasierte sich gerade, als der Kürassier hastig bei ihm eintrat, in seinem Zimmerchen im vierten Stock, das er sparsam wie immer bewohnte. Er stand etwas unwirsch über die Störung auf. Das Messer zitterte in seiner unsicheren Hand.

»Na – wo brennt's denn, Christoph?« frug er. »Herrgott ... du siehst ja aus wie ein Puterhahn ...«

Der andere setzte sich. Er war erschöpft. Er bebte wie ein überheizter Dampfkessel. »Ich bin kein Popanz!« schrie er und wiederholte nach einer Weile, als habe jemand das Gegenteil behauptet: »Ich bin kein Popanz, Schwiegerpapa! Verhohnepiepeln lass' ich mich nicht! Auch von der Vera nicht!«

»Was ist der denn wieder in die Krone gestiegen?«

Während er in fliegendem Zorn berichtete, malte sich zunehmender Ärger auf den verwitterten Zügen des Alten, die auf der einen Seite faltig und braun, auf der anderen von der Seife weiß und schaumig waren, und er sagte endlich bedächtig: »Na – wenn sie dir jetzt ihr Wort gegeben hat, daß künftig ...«

»Veras Ehrenwort kenn' ich nun!« Der Freiherr von Ulerici hielt es auf seinem Platz nicht aus. Er sprang erregt auf und schlug mit der Faust auf den Tisch: »Ich bin kein Popanz!«

»Das hast du schon ein paarmal gesagt! ... Beweis es doch! Wenn du deine Braut nich mal bei der Stange halten kannst ...«

Der andere reckte sich in den Schultern. Er war beinahe einen Kopf größer als sein alter Schwiegervater, der klein und kriegerisch wie ein Kampfhahn zu ihm hinaufblinzelte.

»Jetzt wollen wir einmal deutsch reden!« versetzte er. »Ich pass' euch in euren Kram mit meinem Geld. Ach, rede nicht ... deine Hypotheken auf den Dächern von Neetzow ... die sieht man schon von der Station aus, wenn man ankommt. Die zeigt einem jeder Gänsejunge am Weg. Aber wenn du jetzt den Harmlosen spielst und den ganzen Unfug auf die leichte Achsel nimmst, bloß damit die Partie nicht in die Brüche geht ...«

Der Alte riß die Augen auf.

»Die ... Partie ... in die ... Brüche ... geht...« wiederholte er, als habe er nicht recht gehört. »Ja, erlaub mal: übermorgen ist Hochzeit ...«

»Oder auch nicht! ... Malträtieren lass' ich mich nicht ... verschimpfieren las' ich mich nicht ... Kinder ... reizt mich nicht zu sehr ... ich bin in einer Wut ... wenn ich nicht heute noch ausreichende Genugtuung bekomme, dann könnt ihr was erleben ...«

Der alte Junker ihm gegenüber wurde plötzlich gelassen.

»Weißt du, Christoph!« sagte er. »Daß meine Tochter ihrem ersten Mann davongelaufen ist, hat mir gar nicht gepaßt. Aber daß der zweite Mann ihr davonläuft, paßt mir noch viel weniger. Was ich mir nur auf alle Fälle ganz gehorsamst anzudeuten erlaube ...«

»Dann sorge dafür, daß deine Tochter sich vernünftig benimmt!«

Der Freiherr von Ulerici setzte sich und trommelte mit den Fäusten einen Düppeler Sturmmarsch auf dem Tisch. Otto Leberecht von Vogt sagte achselzuckend: »Ja – glaubst du, ich kenne meine Tochter nicht? Vera war von jeher meine Crux ... Prachtexemplar, aber stät'sch! Genau, was man bei Pferden 'nen Verbrecher nennt! ...«

»Da hattest du mich beizeiten darauf aufmerksam machen sollen ...«

»Hab' ich oft genug ...«

»Ach wo! – Mit beiden Händen habt ihr zugegriffen! ... Ihr wart froh! Ihr habt mich einfach ...«

Er sprach das Wort »hereingelegt« nicht aus, aber sein künftiger Schwiegervater schien etwas Ähnliches zu erraten. Seine hagere, kleine Gestalt wuchs förmlich um einen Zoll. Er fürchtete den großen, dicken Schwiegersohn nicht.

»Was heißt denn das, daß wir so aufeinander einschreien?« sagte er. »Wir sind doch nicht beim Pferdehandel, sondern reden von meiner ältesten Tochter. Soll ich etwa die Gäste wegschicken – die Musik abbestellen – mich vor der ganzen Altmark und halb Preußen bis auf die Knochen blamieren? – mein lieber Christoph – ich bin ein schlichter, alter Mann ... aber das tu' ich nicht! Und nun Schluß – was?«

»Ja – allerdings Schluß!« Der Freiherr von Ulerici wurde immer wütender. »Eine Frau, die mich verspottet, mag ich nicht! Soll ich dir mal was sagen: Sie hat ihren früheren Mann im Kopf!«

»Bist du verrückt?«

»Sie hat ihren früheren Mann im Kopf! ... Sie hat etwas mit ihm ...«

»Hör mal ... zum Donnerwetter ...«

»Ich meine – wenigstens in Gedanken ... sie beschäftigt sich fortwährend mit ihm ...«

»Sie ist froh, daß sie ihn los ist! ... Christoph ... ich verbitt' mir diese Hirngespinste ...«

»Es sind keine! ... Er steht zwischen ihr und mir. Ich fühl' es ganz deutlich. Da bin ich ja überflüssig. Da kann ich ja gehen! Sei so gut und fuchtele mir nicht immer mit deinem Rasiermesser so vor der Nase herum ... das macht einen ganz nervös ...«

»Ja – meine Hand ist zitterig!« sagte der Alte harmlos. »Das macht, wenn man so sachte über die sechzig kommt. Aber wenn ich das Messer mal an der Backe habe, dann schneid' ich mich nie! Das ist Übungssache – gerade wie bei der Pistole! Der Schießprügel – der wackelt bei mir auch hin und her wie besoffen. Aber die Kugel sitzt nachher doch immer im Schwarzen ...«

Das hieß mit anderen Worten: ›Aufgepaßt, Herr von Ulerici! Stehen bleiben, oder ich schieße! Schwiegersöhne, die im letzten Augenblick durch die Lappen wollen, riskieren ihre Haut.‹

Dann setzte Otto Leberecht von Vogt noch freundlich hinzu: »Und was das merkwürdigste ist, Christoph: meinen drei Jungen geht's ebenso. Die Bengels schießen wie die Deibel.«

Dem anderen wurde schwül zumute. Er war nicht feige, aber von Natur zum Frieden geneigt. Und nun sah er auf einmal vier schwarze Pistolenläufe auf sich gerichtet. Die Neetzower, der Alte und die drei Söhne, hielten ihn umstellt. Die ließen nicht locker. Der Fang war zu gut. Friß, Vogel, oder stirb!

Und der alte Vogt meinte herzlich: »Christoph ... sei doch vernünftig! Du bist doch mit Gottes Hilfe konfirmiert und aus dem Schwabenalter heraus. Du weißt doch, was die Welt und die Weiber sind, und daß man nicht alles ernst nehmen muß, was sie tun und sagen. Komm heut' abend wieder! Bis dahin hab' ich die Geschichte schon in Ordnung!«

Der Freiherr von Ulerici war hilflos. Er wußte nicht, was beginnen. Er verbrachte den Tag in einem dumpfen Nichtstun und ließ die Dinge gehen, wie sie wollten, und fand sich bei Einbruch der Dämmerung wirklich wieder bei seinem Schwiegervater ein. Der hatte seine drei Sprößlinge um sich versammelt, die beiden Ulanen und den Bonner Korpsstudenten. Sie waren ganz besonders höflich und respektvoll gegen den werdenden Schwager, der bequem ihr Vater sein konnte. Aber sie sahen ihn dabei immer so merkwürdig an –, wie die jungen Wölfe, wie es ihm in seinem Unbehagen dünkte. Beim Kaffee nahm ihn der Alte beiseite und sagte ihm, wahrend er ihm eigenhändig Feuer für die Zigarre bot: »Ja, da kenne nun einer die Weiber aus! Ich habe ernstlichst mit der Vera geredet – nun lacht sie auf einmal und meint: Lieber Gott, was wäre denn eigentlich so Furchtbares an der ganzen Sache! Zwei Menschen, die einander so nahe gestanden wie Mann und Frau, könnten doch schließlich so und so viel Jahre später einmal ein paar hundert Schritte am hellichten Tage nebeneinander hergehen, ohne daß darüber gleich der Himmel einstürzte ... Na, ich finde, Christoph – wenn man es so ansieht, hat es auch eine gewisse Berechtigung in sich – von ihrer Seite! Schuld an der ganzen Geschichte ist offenbar nur der Gisbert. Der läuft ihr nach – das ist klar – aus Gründen, die ich nicht untersuchen will! Dem muß das Handwerk gelegt werden, und zwar schleunigst! Der ist das Karnickel! Der tut in aller Gemütsruhe, als ob du gar nicht vorhanden warst! Dem würd' ich an deiner Stelle mal sofort jemand recht Ungemütlichen auf die Bude schicken!«

Zu so langen Reden schwang sich der Alte selten auf. Den Freiherrn von Ulerici beschlich, während er zuhörte, plötzlich eine Sehnsucht nach seinem behaglichen, früheren Leben, wo er aus dem Bett in die Badewanne, aus der Badewanne in die Kleider, aus dem Hause in den Klub gestiegen war, ohne den lieben langen Tag irgend einem Menschen auf die Hühneraugen zu treten und Ärger zu haben. Warum mußte er mit seinem Grauschädel noch auf Brautschau gehen? Und dann nicht ein stilles, ernstes, älteres Mädchen wählen, sondern diese wilde junge Frau, aus der man nie klug wurde? Aber nun war es geschehen. Ein Glück noch, daß nicht Leberecht von Vogt-Neetzow selber der ungemütliche Herr sein konnte, von dem er sprach. Denn mit seinen fixen Ideen von Pistolen hätte sich der alte Mann womöglich noch den Spaß gemacht, seine beiden Schwiegersöhne, den vergangenen und den zukünftigen, sich über das Schnupftuch schießen zu lassen! Immerhin – Christoph von Ulerici war Edelmann und alter Offizier! Er konnte auch höllisch unangenehm werden, wenn man ihm zu hanebüchen begegnete. So sagte er entschlossen zu dem grauen Junker: »Du hast recht! Da muß ein Riegel vorgeschoben werden. Morgen, in aller Herrgottsfrühe, lange ich mir den Kunden ...«

Er trank in seinem Grimm ebenso tapfer wie die jungen Leute um ihn. Bis nach Mitternacht blieb er mit seinen künftigen Verwandten zusammen und vergaß schließlich völlig, daß er doch hier halb und halb als ein Staatsgefangener der Neetzower saß. All sein Zorn richtete sich jetzt gegen den Hauptmann Gisbert. Die anderen wollten ihm doch nur zu seiner Frau verhelfen, wenn ihre Mittel ihn auch etwas rauh anmuteten. Jener aber trat zwischen ihn und seine Braut. Dem wollte er es besorgen! Noch auf dem Heimweg war er ganz kriegslustig, trällerte und schwang sein Stöckchen. Deubel auch! Wenn das auch kein Pallasch war, an Schwadronshieben sollte es bei einem alten Kavalleristen wie ihm nicht fehlen.

Am anderen Morgen, als die Geister des schweren roten Burgunders verflogen waren, sah er die Sache weit nüchterner an. Draußen war grauer Regen. Er lag in seinem Bett und gähnte – gähnte. Gähnte nervös. Der andere, mit dem er anbinden wollte, war im Krieg gewesen. Der schoß sicher auch vorzüglich – gerade wie die Neetzower! Auf andere Leute stieß er, Christoph von Ulerici, überhaupt nicht mehr! Es war ausgemacht, daß er in den schwarzen Kasten sollte. Dann war Vera, wenn es gut ging, Witwe. Ihre Angehörigen hatten das viele Geld, ohne die Last der persönlichen Ulericischen Beigabe, und lachten sich ins Fäustchen. Auf einmal wurde er wieder von einem blinden Zorn gegen die Vogts, gegen die Gisberts, gegen alle Welt erfaßt und klingelte seufzend und schickte seinen Diener zu seinem Vetter von Ulerici, dem sogenannten Intendanten, und sagte, als der bald bei ihm eintrat, und ihn noch im Bette fand, wehmütig aus den Polstern heraus: »Mein lieber Magnus ... ich bin in des Deubels Küche ... Fünfzig Jahre lang bin ich mit jedermann ausgekommen. Seine Majestät und alle Welt war mit mir zufrieden. Im Dienst hab' ich geflucht wie 'n Wilder und außer Dienst keiner Fliege ein Haar gekrümmt. Und nun, zwei Tage vor meiner Hochzeit, hab' ich gleich ein halbes Dutzend Duelle auf dem Buckel. Setz dich mal und höre!«

Der Vetter rückte sich einen Stuhl heran. Er glich äußerlich Veras Bräutigam, nur daß er kleiner war und sehr schlau dareinblickte. Diese Verständnisinnigkeit gegenüber dem Chor und Ballett hatte auch bisher alle seine Versuche, auf irgend einer kleinen Hofbühne festen Fuß zu fassen, vereitelt. Er lauschte, innerlich voll Wonne über die Nöte des Dicken, der sich da vor der bösen Welt draußen in den Kissen geborgen hatte, bis jener schloß: »Der Kuckuck hol die ganze Pistolenwirtschaft! Zum Donner ... ich bin doch keine Neuruppiner Scheibe! Ich komme mir schon bald vor wie der Vogel auf dem Schützenfest! Aber das hilft nun nichts! Sei so gut, Magnus, und fahre sofort in die Meinekestraße oder telephoniere vorher, wann du Herrn Gisbert zu Hause triffst, und stelle ihn in meinem Namen zur Rede. Aber gründlich! Ich bin kein Popanz!«

Der Vetter versprach es und trat gegen Mittag in den Salon der Gisbertschen Wohnung ein. Er liebte, in seiner fuchsartig verkniffenen Weise, schwärmerisch solche Geschäfte, bei denen man aus den gedämpften Andeutungen und dem halben Augenzwinkern nicht herauskam und sich gegenseitig die Winkelzüge durchkreuzte. Aber Georg Gisbert, der ihm gegenübersaß, unterbrach ihn sehr bald.

»Verzeihung ... Um diese für beide Teile peinliche Unterhaltung abzukürzen: Ihr Herr Auftraggeber wünscht zu wissen, warum ich in letzter Zeit wiederholt mit Frau von Vogt zusammengewesen bin ...«

»Ja, allerdings – und zwar ...«

»Es geschah in dem Wunsche, endgültig von meiner Vergangenheit Abschied zu nehmen!«

»Ja, aber ...«

»Bitte – lassen Sie mich ausreden! Was für Gefühle ich dabei empfunden habe, darüber bin ich, glaub' ich, niemandem Rechenschaft schuldig. Die Hauptsache ist wohl, daß nun alles abgeschlossen ist. Herr von Ulerici kann sicher sein, mich nie wieder auf seinem Wege zu finden ...«

»Das würde ihm lieb sein, zu hören!«

»Ich werde auch den Schein vermeiden, als ob ich irgendwie seinen Rechten zu nahe treten wollte. Ein solcher Schein könnte nur dadurch entstehen, daß zwischen Frau von Vogt und mir wegen unseres Kindes zuweilen ein Meinungsaustausch nötig sein wird. Ich habe mich entschlossen, auch in diesen Fällen künftig nur noch schriftlich mit Frau von Vogt zu verkehren, so daß jede Möglichkeit einer ferneren Begegnung zwischen uns ausscheidet, und habe das Frau von Vogt auch gestern bereits brieflich mitgeteilt.«

Der Abgesandte erhob sich von der Stuhlkante, auf der er, seinen Zylinder auf den Knieen, gesessen. Ein liebenswürdiges Lächeln überglitt sein Gesicht.

»Ich danke, auch im Namen meines Mandanten!« sagte er, »und darf wohl für ihn die Versicherung abgeben, daß er nach Ihrer loyalen Erklärung die Angelegenheit als erledigt betrachten wird.«

Und wirklich brummte der Major a. D. von Ulerici, als ihm der andere Bericht erstattete, sehr befriedigt: »So ... so? ... Er zoppt auf der ganzen Linie zurück? Na schön!« und klopfte ihm dabei wohlwollend auf die Schulter. Er konnte seine innerliche Erleichterung kaum verbergen. Es war doch ein Segen, daß dieser schwarze Krähenschwarm von Zweikämpfen, so rasch wie er am Himmel aufgestiegen, auch wieder verflogen war. Man kam noch früh genug unter die Erde. Da brauchten sich die lieben Mitmenschen gar nicht so zu bemühen. Jetzt siegte seine behagliche Weltauffassung. Nachdem er selber mit heiler Haut durchgekommen, war er auch gar nicht mehr recht böse auf Vera. Er kaufte Unter den Linden die teuersten Orchideen, die er finden konnte, und machte ihr mit denen nachmittags seinen Besuch am Lützowplatz.

Sie empfing ihn, als wäre nichts geschehen, sagte dankend: »O Gott ... die schönen Blumen ...« tat sie in Wasser und rückte sie am Fenster hin und her, bis die glühende Leuchtkraft der seltsam gefaserten und geäderten Pantoffelblüten voll zur Geltung kam. Dabei meinte sie obenhin: »Du, Christoph ... ehe ich's vergesse: Vorhin hat mich der Tapezierer antelephoniert. Die gelbseidenen Rouleaus im Salon werden natürlich um zehn Zentimeter zu kurz ...«

»Liebe Vera ... ich möchte etwas anderes ...«

»Ich hab's euch ja von Anfang an gesagt, daß sie nicht passen würden. Aber ihr wollt ja immer die Klügeren sein ...«

Der Freiherr von Ulerici räusperte sich ungeduldig. Er hatte schon wieder das verzweifelte Gefühl, daß seine künftige Frau über ihn zur Tagesordnung überging. Laut und nachdrücklich sagte er: »Laß diese Lappen nu hängen, wie sie mögen! Das ist ganz gleich, wenn wir uns nach einem Gespräch wie gestern zum erstenmal wiedersehen ...«

»Ja – was willst du denn noch? ...«

Sie saß da, die Hände nervös im Schoß verschlungen, und warf den blonden Kopf zurück.

»Ich hasse diese nachträglichen Leichenbitterreden!« sagte sie. »Wenn was begraben ist, dann laßt ihm doch seine Ruhe! Es liegt solch ein Segen im Schweigen ... Solange die Leute still sind, sind sie immer einig! Da kann jeder vom anderen denken, er dächte dasselbe.«

»Das ist aber nicht sehr amüsant, liebe Vera!«

»Ich hab' schon lange bemerkt, daß man nicht zum Amüsement auf der Welt ist,« sagte die junge Frau.

»Vera ... das ist aber wirklich keine Stimmung für eine Braut!«

»Ich bin auch keine Braut wie andere ...«

»Das sollst du jetzt doch vergessen!«

»Das tu' ich ja und will durch nichts daran erinnert sein, und du fängst immer wieder davon an! Und dann wunderst du dich, daß ich schon wieder gereizt und aufgeregt bin! ... Herrgott ja ... laßt mir doch ein bißchen Frieden ... ich hab' doch so wahnsinnige Arbeit, ihn mir zu erhalten ... greift mir doch nicht immer in die Seele ... es tut so weh ... und ihr greift doch daneben!... Du nun einmal ganz gewiß, Christoph ...«

Sie war mit einer raschen Bewegung aufgesprungen und hatte sich an das Fenster gestellt. Von da, den Rücken ihm zugewandt, setzte sie hinzu: »Lieber Christoph ... bei manchen Dingen bei mir ... da mußt du dir gar nicht erst die Mühe geben, sie zu verstehen! Es wird doch nichts! ... Ich bin da anders, als ich erklären kann! ... Geh mit mir darüber nicht ins Gericht ... Hab da Mitleid mit mir ... denk dir: ich hab' es schon schwer genug im Leben gehabt ...«

Ihr Ton war sehr weich, ganz anders als sonst. Er wagte nicht, weiter zu fragen. Überall trat er mit seinem Fuß in den Nebel. Er konnte Vera nie recht fassen. Immer wieder entzog sich ihm scheu gerade das, was sie eigentlich war. Nach einem langen Schweigen versetzte er: »Du, Vera?«

»Ja?«

»Ich hab' gehört, dein erster Mann hat dir einen Brief geschrieben, ihr solltet euch in Zukunft unter keinen Umständen wiedersehen!«

»Ja. Das hat er getan!«

»Und was hast du darauf geantwortet?«

»Was soll ich darauf antworten? Nichts!«

Sie drehte sich zu ihm herum. Er sah ihr schönes, in den letzten Tagen sehr blasses Gesicht. In den großen, graublauen Augen war ein kalter, feindseliger Schein. Er wußte nicht recht, wem der galt.

»Das ist doch ganz selbstverständlich,« sagte sie. »Natürlich gehen wir uns aus dem Wege, so weit wie wir können. Das ist unsere Pflicht und unser Wunsch – bei mir – und ebenso auch bei ihm. Das hast du schon gestern von mir gehört, daß dieser Gang durch den Tiergarten das letzte gewesen ist. Warum du ihm das heute glaubst und mir gestern nicht, das weiß ich nicht!«

Er trat auf sie zu und streckte die Arme aus.

»Ich bin ein bißchen ungelenk in so Dingen!« sagte er treuherzig. »Verzeih mir ... Mir ist die Hauptsache, daß es nun ganz vorbei ist ...«

»Vorbei ...«

»Na – dann ist ja alles in schönster Ordnung ...«

Sie zuckte leise unter den banalen Worten zusammen. Er bemerkte es nicht. Sie dachte sich: ›Er bemerkt nie etwas.‹ Sie nahm auch seine Hände nicht. Aber sie wich ihnen auch nicht aus. Sie hatte nur die Vorstellung: ›Übermorgen werd' ich seine Frau!‹ und ließ es schweigend geschehen, daß er seinen schweren Arm um sie legte und sie an sich zog.

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