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Fünf Schlösser

Theodor Fontane: Fünf Schlösser - Kapitel 61
Quellenangabe
typeessay
booktitleFünf Schlösser
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Taschenbuch Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5295-2
titleFünf Schlösser
pages3
created19990913
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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1870 und 71. Krieg gegen Frankreich

1) Eine französische Trophäe: Gewehre, Pistolen, Fahnen und Säbel, alles von einer goldbordierten Generalsmütze gekrönt.

2) Ein Kandelaber aus siebziger Kugeln und Bajonetten aufgebaut.

3) Ein Briefbeschwerer. Orleans, 4. Dezember 1870.

4) Ein paar große Lampen, aus siebziger Granaten konstruiert.

5) Eine Rokoko-Wanduhr. Geschenk von seiten der Offiziere des Stabes in Orleans. Weihnachten 1870.

6) Eine Stutzuhr, deren Uhrwerk von Geweihen umfaßt und getragen wird. Am interessantesten ist der Perpendikel, auf dessen etwa talergroßem, in seinem terminus technicus mir unbekannt gebliebenen, scheibenförmigen Abschluß sich ein Miniaturbild in Gouache befindet. Diese Miniature stellt den Moment dar, wo Louis Napoleon dem König Wilhelm den Degen überreicht.

7) Alte Glasmalerei (Bruchstück), einen Moment aus einer der früheren Belagerungen von Metz (1444) darstellend. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dies Glasbild ehemals einem großen Schloß- oder Kirchenfenster zugehörig. Zeichnung und Kolorit vorzüglich. Geschenk des Generals Vogel von Falkenstein. Der Prinz hat es im Treppenhaus als unterstes Fenster einsetzen lassen, dessen besonderen Schmuck es nun ausmacht.

Bei dieser Gelegenheit stehe hier folgendes.

Unter den drei großen Belagerungen von Metz, 1444, 1552 und 1870, ist die von 1444 die poetischste, weil entweder die Zeit überhaupt oder aber ihre historische Berichtserstattung poetischer war. Jetzt herrscht das spezifisch Militärische vor, das, beinahe grundsätzlich, an dem »Interessanten«, an das es nicht recht glaubt, vorübergeht. Ich gebe hier ein paar der ersten (1444er) Belagerung entnommene Züge.

Schon die Veranlassung zu dieser Belagerung war apart. Eine Iliade kleineren Stils. Die Metzer, weil ihnen Herr René, König von Provence, Sizilien und Jerusalem, eine Schuld von 100 000 Gulden, aller Mahnungen unerachtet, nicht zahlen wollte, nahmen seiner Gemahlin (Schwester Karls VII. von Frankreich) ihre wertvolle Garderobe weg. Infolge dieses Affronts zogen beide Schwäger, König Karl VII. und König René, vor Metz. Auf seiten der Stadt zeichneten sich alsbald zwei Männer aus: Johann von Vytoul und Jacob Simon. Johann von Vytoul war die Seele der Verteidigung und ritt unausgesetzt umher, um die Posten zu revidieren, war aber doch gutherzig genug, ein Glöckchen an den Schweif seines Pferdes zu binden, weil er nur ängstigen und anspornen, aber nicht strafen wollte. Nur gegen die Feinde war er unerbittlich, verurteilte die Gefangenen zum Strang und wies jeden Auswechselungsvorschlag zurück. Ihm zur Seite stand der schon genannte Jacob Simon, Stadtschöffe und Weingutsbesitzer auf dem Banne von Longeville. Er hatte geschworen, daß er, trotz der Belagerung, seine Weinlese draußen halten wolle. Und wirklich begann er ein großes Schiff auszurüsten, indem er es mit Söldnern bewaffnete, die mit Musketen und Armbrüsten bewaffnet waren, und fuhr nunmehr die Mosel aufwärts bis Longeville. Nachdem er dort angelegt, schickte er seine Winzer und Winzerinnen in den ihm zugehörigen Weinberg. Alsbald erschien der Feind, um die jungen Winzerinnen zu entführen; aber im selben Augenblicke wurde der feindliche Trupp vom Schiff her mit Kugeln und Pfeilen überschüttet. Alles floh, und als die Körbe mit Trauben gefüllt waren, kehrte man in die Stadt zurück. An ähnlichen Zügen ist diese berühmt gewordene Belagerung von Metz reich und gab, in allem malerisch und plastisch, einen hundertfältigen Anreiz zu künstlerischer Behandlung. Unter solcher Anregung entstand auch wohl das Glasbild in Dreilinden.

Die zweite Belagerung war die von 1552; Karl V. war der Belagerer und der Herzog von Guise der Belagerte. Die Belagerung mißlang, infolgedessen König Heinrich II. von Frankreich in Dankbarkeit und zu Ehren des Herzogs eine Medaille prägen ließ, auf der in längerer Inschrift gesagt wurde. »Mars vous a donné une couronne d'herbe. Continuez, il vous rendra les couronnes royales de Jérusalem et de Sicile, qui ont appartenu à vos ancêtres.«

 
Erinnerungen und Geschenke aus dem Familien- und Freundeskreise:
Kunstschätze, Bilder, Portraits

Alles oder doch fast alles, was ich hier aufzuzählen haben werde, befindet sich im ersten Stock. Ich beginne mit der Gruppe:

 
Raritäten und Kuriosa

1) Ein Mammutszahn. Briefbeschwerer. In der Dreilindner Ziegelei beim Ausschachten des Lehms gefunden.

2) Ein aus Hirschgeweihen kunstvoll zusammengesetzter Riesenkronleuchter. Er brennt mit 66 Lichtern und erleuchtet, wie schon hervorgehoben, das quadratische Speisezimmer.

3) Drei güldne Humpen, Geschenke der drei Prinzessinnentöchter des Prinzen: Prinzeß Marie, verwitwete Prinzessin Heinrich der Niederlande, gestorben 1888 als Prinzessin von Sachsen-Altenburg, Prinzeß Elisabeth, Erbgroßherzogin von Oldenburg, und Prinzeß Luise Margaretha, Herzogin von Connaught.

4) Ein aus einem kolossalen Elefantenzahn angefertigter Humpen, zehn Zoll hoch und über fünf Zoll im Durchmesser. Die beiden Henkel ebenfalls von Elefantenzahn, Geschenk des Herzogs von Connaught.

5) Schaufeln von Damwild, Riesenexemplare, die, wie die vorgenannten Humpen, als Tafelaufsätze dienen.

6) Ein Trinkhorn. Abwurf (aber nur die Hälfte davon) eines Vierzehnenders, der 1874 in der Forst von Nassawen, Ostpreußen, gefunden wurde. – Aus diesem Trinkhorn bot der Prinz jedem zum erstenmal in Dreilinden erscheinenden Gaste den Willkommtrunk, auf welchen prinzlichen Gruß hin der Gast aus ebendiesem Trinkhorne Bescheid tun mußte. Von welcher Stelle, will sagen, von welchem Ansetzepunkt aus, darüber entschieden die Rangverhältnisse. Das Trinkhorn hat nämlich drei solcher Ansetzepunkte, zu denen sich, und zwar zwischen Geweihzacken hindurch, die Lippen der Trinkenden mühsam heranfühlen müssen, Engpässe, Defilés, unter denen die Generals-Enge die relativ bequemste, die Lieutenants-Enge dagegen die schwierigste ist. In dieser letzteren stehen die Lippen derartig »gekeilt in drangvoll fürchterlicher Enge«, daß eine vollkommen virtuose Leistung der Aufgabe, die darin besteht, auch nicht einen Tropfen vorbeizuschütten, zu den äußersten Seltenheiten gehört. Um so größer der Triumph, wenn's glückt.

Soviel über die Gegenstände, die, mit Ausnahme des erstgenannten (also des Mammutszahns), als Tafelschmuck dienen. Um die Tafel selbst her aber befinden sich Kunsterzeugnisse mannigfachster Art, aus deren Reihe hier die vorzüglicheren oder durch ihre Geschichte bemerkenswerteren Erwähnung finden mögen.

 
Kunst- und Kunstindustriesachen

1) Ein aus vertieftem Meißner Porzellan eigenartig zusammengesetzter Kamin- oder Ofenschirm.

2) Ein Satz bemalter Teller, mit Darstellungen aus dem Husarenleben. Andenken an die Zeit, wo der Prinz als Eskadronchef dem Gardehusarenregiment angehörte. Von einem Gardehusaren mit Kunst und Sauberkeit ausgeführt.

3) Ein andrer Satz Teller (neunzehn an der Zahl; alle mit dem großen preußischen Wappen geschmückt) ist Gegenstand einer Spezialgeschichte. König Friedrich I. bestellte, via Holland, ein chinesisches Porzellanservice, zugleich das preußische Wappen in allerlei kolorierten Zeichnungen einsendend. Und wirklich, alle Schildereien, wie diese neunzehn Teller sie jetzt zeigen, wurden in China gemalt. Aber sie sollten ihren Bestimmungsort nicht erreichen, wenigstens damals nicht. Das holländische Schiff, das sie heimbrachte, litt Schiffbruch, und die gesamte Ladung kam (nach Strandrecht) an ostfriesische Schiffer, die das preußisch-chinesische Service, mit dem sie nichts Rechts anzufangen wußten, nach Hannover hin verkauften, allwo sich's 150 Jahre lang in Händen von Händlern und Privaten befand. Erst 1867, also nach Einverleibung Hannovers in Preußen, kam das Service wieder ans Licht und wurde von verschiedenen Prinzen des Königlichen Hauses aufgekauft. Der Kronprinz und Prinz Albrecht erstanden den größeren Teil; ein kleinerer (diese 19 Teller) kam in den Besitz des Prinzen Friedrich Karl.

4) Eine Bronceschüssel, in Hautrelief einen Prinzen aus dem Hause Nassau-Oranien darstellend. Geschenk der Prinzessin Friedrich Karl.

5) Eine Statuette des fünfzehnjährigen Kurprinzen Friedrich Wilhelm, des späteren »Großen Kurfürsten«.

 
Bilder: Landschaften und Portraits

Die Bilder, Landschaften und Portraits, die Jagdhaus Dreilinden aufweist, befinden sich zu größtem Teil im Arbeitszimmer des Prinzen.

Ich nenne zunächst die Landschaften mit und ohne Staffage: Winterlandschaft von Ed.  Hildebrandt; Neapel von Gudin; Taormina von Geleng; Königssee von einem Unbekannten; Salzburg bei Mondschein von Hennings; Staffa (Fingalshöhle) von Ed.  Krause; Tiroler Bauern von Kaltenmoor; Jagdszene: der Prinz, mit befreundeten Herren ein Frühstück nehmend, von Steffeck; Tiroler Wilderer von Alb.  Meuron. Einige dieser Bilder, so das schöne Bild: »Die Fingalshöhle«, befanden sich im Besitz der Königin Elisabeth, Gemahlin König Friedrich Wilhelms IV., und gingen, laut Vermächtnis, an Prinz Friedrich Karl über.

Die Zahl der Portraits (unter ihnen auch eins des alten Zieten) ist nicht groß. Ein besondres Interesse wecken mehrere größere Photographien, Bildnisse frührer persönlicher AdjutantenDie Zahl und Reihenfolge der persönlichen Adjutanten des Prinzen war in dem langen Zeitraume von 1848 bis 82 die nachstehende: Lieutenant von dem Busche-Münch 1849; Lieutenant Graf Waldersee 1849 und 50; Freiherr von Diepenbroick-Grüter 1850 bis 53; Lieutenant von Zieten 1853 bis 56; Lieutenant von Cosel 1854 bis 58; Rittmeister von Schoening 1856 bis 58 (Bruder des 1870 als Kommandeur des 11. Regiments bei Mars la Tour gebliebenen Obersten von Schoening); Premierlieutenant von Alvensleben 1858 und 59; Oberstlieutenant von Blumenthal 1858 bis 60 (später Kommandeur des IV. Armeecorps); Hauptmann von Witzendorff 1859 bis 64 (zur Zeit Kommandeur des VII. Armeecorps); Premierlieutenant von Jagow 1859 bis 64; Premierlieutenant Freiherr von Loë 1863 bis 66; Major von Bernuth 1864 bis 66; Major von Erckert 1866 bis 69; Premierlieutenant Graf Kanitz 1867 bis 69 (später Hofmarschall des Prinzen Friedrich Karl); Rittmeister von Krosigk 1869 bis 72 (später Oberst und Kommandeur der Gardehusaren); Premierlieutenant von Normann 1869 bis 74; Rittmeister Graf Alexander von Wartensleben 1872 bis 75; Major von Vaerst 1874; Rittmeister von Borcke 1875 bis 79; Rittmeister von Broesigke 1876 bis 80 (später Flügeladjutant Seiner Majestät des Kaisers); Rittmeister Freiherr von Maltzahn seit 1880; Hauptmann von Kalckstein seit 1880. (Ich füge dieser Angabe gleich noch einige Notizen hinzu. Während der Jugend- und Erziehungsjahre des Prinzen war Graf Bethusy-Huc sein Militärgouverneur, an dessen Stelle nach vollendetem 18. Lebensjahr (1846) die »militärischen Begleiter« traten. Dies waren Major von Roon, der spätere Kriegsminister, von 1846 bis 48; Major von Schlegell 1848; Major von Hiller, älterer Bruder des bei Chlum gefallenen Generals, von 1848 bis 49. Von diesem Zeitpunkt an war der Prinz selbständig. – Über diese Dinge möglichst Authentisches zu geben, hab ich nicht versäumen wollen, da mir, aus Erfahrung, bekannt ist, wie schwer es schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit hält, sich Gewißheit über ähnliche Fragen zu verschaffen. Um nur ein Beispiel zu geben: die Namen der Adjutanten des Rheinsberger Prinzen Heinrich festzustellen hat mir nicht gelingen wollen. Über etwa sechs Namen bin ich in der langen Epoche von 1752 bis 1802 nicht hinausgekommen.) oder durch den Dienst näher-attachierter Offiziere des Prinzen, die sämtlich während des siebziger Krieges fielen beziehungsweise ihren Wunden erlagen. Es sind dies die folgenden:

Oberst Graf Waldersee; gefallen bei Le Bourget als Kommandeur des Gardegrenadierregiments Augusta.

Generalmajor von Diepenbroick-Grüter, 1850 bis 53 persönlicher Adjutant des Prinzen, gefallen als Kommandeur der 14. Kavalleriebrigade: Brandenburger Kürassiere, Fürstenwalder Ulanen und 15. (Schleswig-Holsteinsches) Ulanenregiment bei Vionville.

Generalmajor von Doering, Generalstabsoffizier des Prinzen 1859 in Stettin, fiel als Kommandeur der 9. Infanteriebrigade bei Mars la Tour.

Oberst von Zieten, 1853 bis 56 persönlicher Adjutant des Prinzen, gefallen als Kommandeur der Zietenhusaren bei Mars la Tour.

Oberst von Erckert, 1866 bis 69 persönlicher Adjutant des Prinzen, gefallen als Kommandeur des Gardefüsilierregiments bei St. Privat. Auf einen Wegweiser blickend, wurd er von einer Kugel in den Kopf getroffen und saß eine Weile noch tot im Sattel. Man begrub ihn zunächst auf dem Begräbnisplatze von Sainte Marie aux Chênes, später wurd er exhumiert und nach Deutschland (wohin, konnte ich nicht erfahren) zurückgebracht.

Oberst von Schack, Divisionsadjutant des Prinzen, fiel als Kommandeur des 1. Hannöverschen Ulanenregiments Nr. 13 bei Mars la Tour.

Oberstlieutenant von Stülpnagel, Divisionsadjutant des Prinzen, fiel als Bataillonskommandeur im 1. Garderegiment z. F. bei St. Privat.

Major von Schmieden, Divisionsadjutant des Prinzen, Bataillonskommandeur im 5. Brandenb. Inf.-Regiment Nr. 48, fiel bei Vendôme am 6. Januar 1871.

Hauptmann von Glasenapp, Divisionsadjutant des Prinzen, fiel als Compagnieführer im 8. Brandenb. Inf.-Regiment Nr. 64 bei Vionville.

Hauptmann von Hadeln, Divisionsadjutant des Prinzen, fiel als Adjutant in der 8. Artilleriebrigade bei Verneville (zwischen Amanvilliers und Gravelotte).

Zählt man hinzu, daß der (der Zeit nach) erste persönliche Adjutant des Prinzen, Lieutenant von dem Busche-Münch, im Gefechte bei Wiesenthal am 20. Juni 1849 auf den Tod verwundet wurde, so wird sich nicht behaupten lassen, daß der persönlichen oder dienstlichen Adjutantur des Prinzen aus dieser Auszeichnung eine gesicherte Lebensstellung erwachsen wäre.

Neben dem Arbeitszimmer des Prinzen befindet sich sein Schlafcabinet. Es enthält eine Menge kleiner Schildereien und inmitten derselben ein einfach umrahmtes Balduin Möllhausensches Gedicht, das in einer Anzahl refrainartig gehaltener Strophen erst dem Prinzen und dann dem Klausner von Dreilinden die Huldigungen des Dichters darbringt.

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