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Fünf Schlösser

Theodor Fontane: Fünf Schlösser - Kapitel 59
Quellenangabe
typeessay
booktitleFünf Schlösser
authorTheodor Fontane
year1998
publisherAufbau Taschenbuch Verlag
addressBerlin
isbn3-7466-5295-2
titleFünf Schlösser
pages3
created19990913
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1889
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2. Kapitel

Dreilinden, historisch-topographisch

Dreilinden: sein Forsthaus und sein Jagdhaus, dazu die gleichnamige Waldparzelle, darin beide, Forsthaus wie Jagdhaus, gelegen sind, bildet den westlichen Teil des Rittergutes Düppel, das – 1865 auf Antrag der Teltower Kreisstände durch König Wilhelm in Anerkennung der Verdienste des Prinzen Friedrich Karl gegründet – aus einer Acker- und einer Forsthälfte besteht.

Die Ackerhälfte hieß (und heißt noch) Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf.

Die Forsthälfte dagegen hieß: die Heinersdorfer Heide, darin, in alten Zeiten schon, ein Forsthaus unter dem Namen »der Heidekrug« gelegen war.

Beide Hälften haben eine Geschichte, die hier in Kürze gegeben werden möge.

Vorwerk Neu-Zehlendorf

Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf bestand, bis zu seinem Aufgehen in das Rittergut »Düppel«, aus einem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe, dem, wenn ich recht berichtet bin, außer seinem alten und eigentlichen Hofbesitz auch noch ein kleineres, durch Kauf oder Erbe hinzugekommenes Ackerstück zugehörig war.

Auf diesem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe nun saßen bis 1826 bäuerliche Leute: die Geschwister Pasewald. Um die genannte Zeit aber verkauften dieselben ihr Bauerngut an den Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch, der dafür 6000 Taler zahlte.

Bensch beantragte, gleich nach der Übernahme, die Separation der bis dahin noch in der Gemeinschaft verbliebenen Dorfäcker, bei welcher Antragstellung er sich durch die gesamte Bauernschaft unterstützt sah. Infolge dieser Unterstützung ordneten sich alle zur »Auseinanderlegung« erforderlichen Schritte rasch und mit verhältnismäßig leichter Mühe, so daß noch vor Jahresablauf ein Anteil von 845 Morgen an Bensch fiel. Auf ebendiesem Anteil begann B. alsbald ein VorwerkBensch war es auch, der, auf dem Gutshofe dieses Vorwerks Neu-Zehlendorf, zur Errichtung eines in einer Art Tudorstil gehaltenen Herrenhauses schritt. Dasselbe empfing, beinah dreißig Jahre später, eine Marmortafel mit folgender Inschrift: »Durch die Gnade König Wilhelms I. wurde diesem vom Prinzen Friedlich Karl von Preußen im Februar 1859 gekauften Bauerngute Neu-Zehlendorf, auf Antrag der Teltower Kreisstände, zugleich auch in Anerkennung seiner Siege 1864 im Kriege gegen Dänemark, die Rittergutsqualität und die Benennung Rittergut Düppel laut Patent vom 13. Januar 1865 verliehen.« aufzubauen, dem er den Namen Neu-Zehlendorf gab.

Und so bestand denn um diese Zeit, und zwar im Gegensatze zu weiterhin zu nennenden und ebenfalls aus Benschschen Mitteln erworbenen Nachbarbesitzungen, der Zehlendorfer Besitz des Salz- und Schiffahrtsdirektors B. aus folgenden Einzelstücken:

1) aus dem Alt-Zehlendorfer oder Pasewaldschen im Dorfe selbst gelegenen Bauernhofe, dem bloßen Grundstück samt ererbtem oder erkauftem Ackerannex;

2) aus dem bei der Separation aus der Dorfgemeinschaft ihm zugefallenen Acker von 845 Morgen und

3) aus dem, auf ebendiesem Acker, unter dem Namen Neu-Zehlendorf erbauten Vorwerke.

So blieben auch die Verhältnisse von 1826 bis 1851, in welchem Jahre der sogenannte »Seeplan«, eine Hütungs- und Weideparzelle, durch Bensch hinzugekauft und dem Vorwerke Neu-Zehlendorf angefügt wurde.

 
Jagdbegang Dreilinden

In vorstehendem hab ich über die Feld- und Ackerhälfte von Rittergut Düppel beziehungsweise Dreilinden berichtet. Ich berichte nunmehr auch über die Forsthälfte: den Jagdbegang Dreilinden.

Der jetzige Jagdbegang Dreilinden hieß, wie schon eingangs hervorgehoben, in alten Zeiten »die Heinersdorfer Heide«, welche Heide, von 1515 an bis zu Beginn dieses Jahrhunderts, der auf dem Teltow reich begüterten Familie von Hake gehörte. Von den Hakes kam ebendiese Heinersdorfer Heide – der wir (unter Ignorierung der Besitzverhältnisse des gleichnamigen Rittergutes Heinersdorf) allein hier gedenken – an den Lieutenant Mumme, welcher die Heide nur kurze Zeit besaß und schon 1820 wieder an den schon vorgenannten Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch verkaufte. Bensch war also bereits sechs Jahre lang in diesem Heinersdorfer-Heide-Besitz, als er 1826 das vorerwähnte Pasewaldsche Bauerngut in Alt-Zehlendorf erwarb und durch sofortige Zusammenlegung beider: aus dem Zehlendorfer Bauerngut einerseits und dem Heinersdorfer Heideland andererseits, einen Gesamtbesitz herstellte, der im wesentlichen dem Umfange des gegenwärtigen, seit 1865 bestehenden Rittergutes Düppel entsprach. In diesem Gesamtbesitz verblieb der Salzdirektor bis 1856, um welche Zeit er seine mit ebensoviel Liebe wie Verständnis ins Leben gerufene Schöpfung (denn von einer solchen wird sich sprechen lassen) an den Kaufmann Gilka zu Berlin überließ. Letzterer, Gilka, hatte das Gut nur drei Jahre lang, nach deren Ablauf er Acker und Forst unterm 17. Januar 1859 an den Prinzen Friedrich Karl verkaufte. Kaufsumme 95 000 Taler.

Prinz Friedrich Karl begann sofort mit Erweiterung seines Besitzes, und zwar durch Erwerbung eines kleinen, am Wannsee hin gelegenen Uferstreifens, der bis dahin, trotz der längst vorher vollzogenen Separation, in der Alt-Zehlendorfer Gemeinschaft verblieben war. Damit aber hatten die Territorialänderungen ihren Abschluß erreicht. Von einer weiteren Ausdehnung nach außen hin ward Abstand genommen und dafür der energische Versuch einer selbständigen Bewirtschaftung gemacht, bis die Wahrnehmung unausreichender Erträge zur endlichen Verpachtung dieser Ackerhälfte des Gesamtterritoriums führte. Gegenwärtiger Pächter ist Lieutenant (Reserveoffizier) Ring, ein bewährter Landwirt, der das Gut, und zwar neuerdings mit bestem Erfolg, ausschließlich als Ackergut bewirtschaftet, nachdem er die frühere, vorzugsweise mit Rücksicht auf die Nähe von Berlin-Potsdam unternommene Milch- und Gartenwirtschaft als unlukrativ hat fallenlassen.

Mit einer selbständigen Ackerbewirtschaftung war der Prinz gescheitert, aber in andrem, was er unternahm, war er erfolgreicher und schuf beispielsweise Forstkulturen und Wildbestände mit so vielem GlückZu dem, was der Prinz hier ins Leben rief, gehörte, neben den im Text genannten Forstkulturen etc., auch ein auf der Neu-Zehlendorfer Feldmark errichtetes Gestüt: das Gestüt Düppel. Der Held der Situation – als ich im Sommer 1882 unter sachkundiger Führung dies Gestüt besuchte – war der Hengst »Wildling«, der, nach allem was ich bei der Gelegenheit sah und hörte, seinem Namen Ehre machte. Früher war er mit bei Königgrätz gewesen. Auf welchen Lebensabschnitt er persönlich mit mehr Befriedigung sah, auf den ehemaligen oder den jetzigen, muß ungesagt bleiben. Auch hier heißt es: Wer sieht ins Herz! Übrigens war es, die Wahrheit zu gestehn, nicht eigentlich der »Wildling«, was mich damals am meisten entzückte, sondern seine sich in verschiedenen Einfriedigungen umhertummelnde Nachkommenschaft, zu der er in den kompliziertesten und zugleich unzulässigsten Verwandtschaftsgraden stand. Die junge Nachkommenschaft selbst aber war sich dieser Unzulässigkeit so wenig bewußt, daß sie, grad umgekehrt, in der Lust und dem Übermut ihrer Bewegungen nichts als einen Protest gegen alle schwerfälligere Weltanschauung auszudrücken schien. Alles an ihnen war Grazie, dabei zugleich von einer so intelligenten Coquetterie, daß man sich versucht fühlen konnte, mit ihnen zu sprechen. Es war so ziemlich derselbe Eindruck, wie wenn man in England einer auf einer Waldwiese spielenden Mädchenpension begegnet... All diese Fohlen erfreuten sich der besondren Aufmerksamkeit des Prinzen, der ihr Wachstum mit derselben Lust und Liebe wie das seiner Dreilindner Bäume verfolgte. Die Namen der Fohlen wurden zum Beispiel durch ihn persönlich bestimmt. Unter diesen auch Namen aus den drei Kriegen zu begegnen wird niemanden überraschen. Da waren: Alsen, Oberselk, Schleswig, Satrup, Oster-Düppel; ferner Münchengrätz. Königgrätz und Benatek; endlich aus dem Siebziger Kriege: Le Mans, Verneville, Rezonville, Ladonchamp. Was sich sonst noch an Namen vorfand, gehörte freilich einer sehr andern, aber fast ebenso bestimmten Geschichtsepoche an: Attila, Krimhild, Odoaker, Berengar., daß ihm Ende der sechziger Jahre der Gedanke kam, auch inmitten dieser seiner Waldwelt leben und in sie hinein übersiedeln zu wollen.

Aus diesem Gedanken heraus entstand 1869 ein »Jagdhaus«. Baumeister: Nabbath. Noch im selben Jahre bezog es der Prinz und gab ihm den Namen Dreilinden.

Dieser Name »Dreilinden« war übrigens keine Neuschöpfung und existiert bereits seit 1833, in welchem Jahre das uralte schon eingangs erwähnte Forstetablissement Heidekrug, mit Rücksicht auf drei alte, vor seiner Tür stehende Linden, die Bezeichnung Forsthaus Dreilinden erhalten hatte. Bald danach empfing auch die Forst selber ebendiese Bezeichnung, so daß wir seitdem, ein und demselben Namen dreifach begegnend, eine Forst von Dreilinden, ein Forsthaus von Dreilinden und endlich drittens ein Jagdhaus von Dreilinden unterscheiden müssen. Die Forst spricht für sich selbst, das Forsthaus ist Försterei, das Jagdhaus aber prinzliche Villa.

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