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Fünf Frauen auf einer Galeere

Suzanne Normand: Fünf Frauen auf einer Galeere - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorSuzanne Normand
titleFünf Frauen auf einer Galeere
publisherS. Fischer Verlag
year1928
printrunErste bis vierte Auflage
translatorErnst W. Freissler
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080618
projectid974c67d2
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Alleinstehende Frauen

Regine hat die Adresse eines Baumeisters bekommen; eine Wohnung ist zu vermieten, ›zwei schöne Zimmer nach Süden, Heizung und fließendes Wasser: zweitausendfünfhundert‹. Voll strahlender Hoffnung ist unsere Freundin hingerannt, gesprungen, geflogen.

»Ich kenne Ihre Bedingungen,« hat sie der Hausmeisterin gesagt, »tausend Franken Handgeld; bewilligt. Wo ist denn der Hausherr, daß ich gleich hinlaufe?«

Nicht ohne Zaudern wurde ihr die Auskunft erteilt:

»Er ist sehr heikel mit seinen Mietern, Sie werden ihm Referenzen angeben müssen. Sie kennen doch bessere Herrschaften, um ihm Eindruck zu machen?«

»Gewiß, soviel Sie wollen.«

Regine geht fieberhaft ihre Bekanntschaften durch. Sie findet darunter ein Mitglied des Instituts, mit dem sich Staat machen läßt, einen Bibliothekar, einen Bergingenieur.

»Genügt das?«

»Ich weiß nicht, der Herr ist so anspruchsvoll ...«

»Donnerwetter! Eine Lyzeumsvorsteherin. Eine ...«

Die Hausmeisterin zeigt Ansätze zur Hochachtung.

»Geben Sie mir Ihren Namen, ich werde telephonieren und Ihren Besuch ankündigen. Fräulein ... ?«

»Nein, Frau.«

»Frau ??? Ich dachte Fräulein ...«

»Nein, sage ich Ihnen.«

»Dann wollen Sie also gar nicht alleine mieten?«

»Aber ja doch ...«

»Ich verstehe nicht ...«

Vorsichtig, und doch unklug, deutet Regine ihre gesellschaftliche Stellung an:

»Ich bin geschieden ...«

Die Hausmeisterin, die nicht offenherzig ist, sagt zunächst nichts. Beim Hausherrn aber wird Regine nicht vorgelassen.

»Oh, Regine,« rufen wir, »das ist unmöglich! Glaubst du wirklich ...«

»Ja, ihr Lieben, ich glaube es, weiß es sogar bestimmt...

Von der Wohnung des Hausherrn weg bin ich gleich in das Wohnungsbureau gelaufen, das mir die Adresse verschafft hatte.

›Warum haben Sie denn gesagt, daß Sie geschieden sind?‹ hat mich der aufrichtige Mann dort gefragt.

›Warum ? Warum ? Aber ich brauche es nicht zu verbergen!‹

›Was wollen Sie, meine kleine Dame – es mißfällt! Sie hätten erzählen müssen, daß Sie Witwe oder Fräulein sind!‹«

»Lauf zu der Hausmeisterin«, rät Maguy, »und erhöhe dein Angebot. Sie wird nicht widerstehen können.«

Regine hat ihre letzten Schiffe verbrannt und ist hingeeilt:

»Ich gebe Ihnen fünfzehnhundert Franken, wenn Sie mir die Wohnung verschaffen.«

»Wo werde ich sie hernehmen ?« fragt sie sich. »Ach was, ich werde ein paar Perlen verkaufen!«

Sie denkt an Frédéric: Nichts scheint ihr der Wonne vergleichbar, wieder ein Heim zu haben.

»Ich verstehe Ihr Bedauern«, seufzt die Haushälterin, keineswegs geblendet.

Dann wirft sie auf ihr Haus einen liebevollen, auf Regine einen mißbilligenden Blick und meint:

»Das hier ist ein sehr feines Haus.«

Regine ist mit bitterer Wut im Herzen davongegangen. Sie konnte ja wohl nicht gut in der Pförtnerloge aufschreien:

»Und ich? Bin ich etwa keine feine Frau ? Es genügt also nicht, sein Leben verfehlt zu haben, alleine dazustehen, ohne Gefährten, ohne Halt? Müssen die Hausherren noch einer anständigen Frau – die sich ihr Brot sauer genug verdient – das Recht auf eine Wohnung bestreiten ?«

»Ah! Schön, eure Frauenbewegung'!« sagte Regine zu Maguy. »Schön, eure ›Unabhängigkeit der Frau‹! Da bleibt noch viel zu tun, glaube mir!«

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