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Fuhrmann Henschel. Hochdeutsche Ausgabe

Gerhart Hauptmann: Fuhrmann Henschel. Hochdeutsche Ausgabe - Kapitel 4
Quellenangabe
authorGerhart Hauptmann
titleFuhrmann Henschel. Hochdeutsche Ausgabe
publisherPropyläen Verlag
editorHans-Egon Haß
year1965
firstpub1899
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160922
projectid0c605a51
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Zweiter Akt

Ein schöner Vormittag im Mai. – Das Zimmer aus dem ersten Akt; das Bett, in dem Frau Henschel gelegen hat, ist nicht mehr da. Die Fensterflügel an der Stelle, wo es gestanden, sind geöffnet. Hanne arbeitet mit aufgestreiften Hemdärmeln am Waschfaß, das Gesicht gegen das Fenster gerichtet. Franz, die Hemdärmel heraufgestreift, die Hosen aufgekrempelt, die bloßen Füße in Holzpantinen, kommt mit einem Holzeimer vom Wagenwaschen.

Franz, täppisch lustig. Hanne, ich komm' dich amal besuchen. – Herr Gott noch eens. Hast du a bissel warm Wasser, hä?

Hanne, das Wäschestück, welches sie auf dem Waschbrett hat, unwirsch in die Wanne werfend und zum Ofen hinübergehend. Oh, komm ock du nich aso ofte rein.

Franz. Nanu?! Was hat's denn?

Hanne, heißes Wasser in seinen Eimer gießend. Frag nich erscht. Ich hab' keene Zeit.

Franz. Ich wasch'n Wagen, ich geh' auch nich mießig,

Hanne, heftig. Du sollst mich in Frieden lassen, wenn de's willst wissen, ich hab' der's schonn mehr wie eemal gesagt.

Franz. Was tu' ich der denn?

Hanne. Du sollst mer nich nachlaufen!

Franz. Du hast woll vergessen, wie mir stehn?

Hanne. Oh, gar nich stehn mir. Wie solln mir ock stehn? Ich zieh' meiner Wege, du ziehst deiner Wege, uf die Art stehn mir, andersch nich.

Franz. Das is ja's Neuste!

Hanne. Mir is das was Altes.

Franz. 's scheint balde so. – Hanne, was is denn zwischen uns?

Hanne. Nischte! reen nischte! Bloß laß mich zufriede.

Franz. Kannst du dich ieber mich beklagen? Bin ich dir etwa nich treu gewest?

Hanne. Oh, vor mir! Was geht mich das an? Treib du dich rum, mit wem du willst! Ich hab' ooch noch nich aso viel dawider.

Franz. Seit wann denn, Hanne?

Hanne. Seit Olims Zeiten!

Franz, bewegt und weinerlich. Du liegst ja, Hanne!

Hanne. Fang mer aso an! Da haste bei mir kee Glicke nich. Ich lass' mir von dir keene Liegen vorschmeißen. Und kurz und gutt, daß amal alle wird. Und weil du aso a dickes Leder nu amal hast und nischt nich willst annehmen, da muß ich dersch halt amal deutlich sagen und uf a Kopp druf: 's is aus zwischen uns!

Franz. Is das dein Ernst?

Hanne. Zwischen uns is aus, und merk der das, Franze!

Franz. Ich wer mir's ooch merken! Immer heftiger erregt, am Ende mehr weinend als redend. Du brauchst nich denken, ich wär' aso tumm, ich hab's woll schonn eher wie heute gemerkt. Ich dachte halt aber, du werscht zur Vernunft kommen ...

Hanne. Das bin ich ebens.

Franz. Wie's eener uffaßt. Ich bin natierlich a armer Teifel, und Henschel, der hat a Kasten voll Geld. In eener Art, wenn man's recht bedenkt, bist du auch zu Verstande gekommen.

Hanne. Fang du mit solchen Sachen an, da haste schonn ganz und gar verspielt.

Franz. Is 's etwa nich wahr? Stellst du's nich egelganz druf an, Frau Henscheln zu werden? – Na, hab' ich nich recht?

Hanne. Das is meine Sache, das geht dich nischt an. A jedes hat fer sich selber zu sorgen.

Franz. Nu wenn ich und sorge nu fer mich selber und geh' und spreche zu Henscheln so: Die Hanne, die hat mir die Heirat versprochen, mir waren uns einig! ...

Hanne. Versuch's, sag' ich bloß!

Franz, fast weinend vor Wut und Schmerz. Ich wersch auch versuchen! Du sorgst fer dich, und ich sorge fer mich. Wenn du aso bist, bin ich nich andersch. Plötzlich verändert. Aber ich mag dich erscht gar nich mehr. Du sollst dich meinswegen mir an'n Hals schmeißen. Aso a Frauvolk is mir zu schlecht!! Schnell ab.

Hanne. Na siehste's, da hat's doch endlich geholfen!

Während Hanne am Waschfaß weiterarbeitet, erscheint hinten im Gange Wermelskirch. Er ist ein Mann in den Fünfzigen, der ehemalige Schauspieler unverkennbar. Er trägt einen abgenutzten Schlafrock, gestickte Pantoffeln und raucht aus einer langen Pfeife.

Wermelskirch, nachdem er eine Weile hereingeblickt, ohne von Hanne bemerkt zu werden. Haben Se'n husten gehört?

Hanne. Wen denn?

Wermelskirch. Na, oben ist doch'n Kurgast angekommen.

Hanne. Nu, 's is ooch Zeit, mir hab'n Mitte Mai.

Wermelskirch tritt langsam über die Schwelle – mit Hüsteln halblaut trillernd.

Ich bin ein Schwindsuchtskandidat,
widiwidiwitt, bumbum!
Der nicht mehr lang zu leben hat,
widiwidiwitt, bumbum!

Hanne lacht übers Waschfaß hinaus. So was tut einem ordentlich wohl; da merkt man doch, daß der Sommer kommt.

Hanne. Eene Schwalbe macht noch keen'n Sommer!

Wermelskirch macht sich einen Platz auf der Ofenbank und setzt sich. Wo ist denn Henschel?

Hanne. Der is doch heut runter uf a Kirchhof.

Wermelskirch. I, freilich, heut hat ja die Frau Geburtstag. Pause. Es nimmt doch den Alten höllisch mit! – Sagen Sie mal, wann kommt er denn wieder?

Hanne. Ich weeß ieberhaupt nich, was a erscht nunter hat missen fahren. Mir brauchen de Ferde wer weeß wie sehr! A neuen Kutscher hat a auch mitgenommen!

Wermelskirch. I, Hanne, Ärger verdirbt'n Appetit.

Hanne. Oh, 's is auch wahr! A läßt alles im Stiche. Der Omnibus soll pinktlich abfahren. Der Eenspänner steht noch im Drecke da, und Hauffe, der kommt doch nich mehr vom Flecke. Der alte Kerl is doch steif wie a Bock!

Wermelskirch. Ja, ja, 's fängt an und gibt zu tun! Der Küchenchef oben tritt heut auch an. Vorn in der Bierstube merk' ich's auch schon.

Hanne lacht kurz heraus. Bei Ihn, da merkt man's aber noch nich, daß Sie viel zu tun haben.

Wermelskirch, unbeleidigt. Das kommt erst später, eleven o'clock. Da stürz' ich mich dann mit Dampf ins Geschäft.

Hanne. Mit Dampf werd's woll gehn, das kann ich mer denken! De Feife werd woll dabei nich kalt werden.

Wermelskirch, nach einigem Schmunzeln. Ihr seid spitz, gnäd'ge Frau! Ihr seid nadelspitz! – Wir haben heut – warten Sie mal! – zu Tisch: erstlich – die Baßgeige, zweitens ein Cello, drittens zwei erste, zwei zweite Geigen. Drei erste, zwei zweite, drei zweite, zwei erste: jetzt sind sie mir durcheinandergefallen. Kurzum, zehn Mann von der Kurkapelle. – Was lachen Sie denn? – Sie denken, ich flunkre Ihnen was vor? Was glauben Sie wohl, was die Baßgeige frißt? Sie werden sich wundern! ob das woll zu tun macht?

Hanne, nachdem sie sich ausgelacht. Natierlich, de Kochfrau werd woll zu tun haben!

Wermelskirch, einfach. Meine Frau, meine Tochter, die ganze Familie, wir müssen uns ehrlich und redlich abrackern. – Und wenn dann der Sommer vorüber ist – da hat man sich fast umsonst geschunden.

Hanne. Ich weeß nich, was Sie zu klagen haben. Sie machen doch's beste Geschäft im Hause. Die Schenkstube wird doch gar nich leer, die geht doch Summersch- wie Winterschzeit. Wenn ich wie Siebenhaar da oben wär', Ihn tät' ich freilich andersch hochnehmen. Mit lumpichten dreihundert Talern Pacht, da kämen Sie freilich nich bei mir weg. Unter tausend wär' nischt nich zu machen, da täten Sie auch noch gutt genug abschneiden.

Wermelskirch hat sich erhoben und geht pfeifend umher. Wünschen Sie sonst vielleicht noch was? – Mir geht ja vor Schreck die Pfeife aus.

George, ein junger, geweckter und adretter Kellner, kommt sehr schnell, ein Frühstückstablett tragend, die Treppe hinter der Glastür herunter. Noch hinter der Tür stutzt er, öffnet sie aber doch, blickt den Kellergang rechts hinunter, dann links hinunter.

George. Schockschwerebrett! Wo bin ich denn hier?

Hanne, lachend über dem Waschfaß. Sie haben sich verlaufen, Sie missen zuricke!

George. Des ist ja, weeß Gott, zum Schwindligwern. Hier kann sich ja doch kee Ferd zurechtfinden in den Kasten!

Hanne. Sie sein woll erscht zugezogen, hä?

George. Nu freilich, erscht gestern. Nu sagen Se, Herrschaften! Des is mir wahrhaft'ch noch nie passiert. Ich bin schon in manchen Hause gewesen, hier muß man ja immer'n Gebirgsführer mitnehm.

Wermelskirch, das Sächsische übertreibend. Sagen Se, sind Se vielleicht aus Dresden?

George. Meißen ist meine Vaterstadt.

Wermelskirch. Weeß Kneppchen! ach Herr Jeses! wahrhaftig!?

George. Wo geht's denn hier weiter? Sagen Sie mal.

Hanne, in Gegenwart des Kellners geweckt, frisch und kokett in ihrer Art. Immer zuricke de Treppe nuf. Solche Schwalbenschwänze kenn wir hier unten bei uns nich brauchen.

George. Hier ist woll die Bell Etasche, was?

Hanne. Se meen'n woll a Hundestall oder was? Wir wern Ihn bebelln oder was Sie sagen. Hier unten hausen die vornehmen Leute!

George, vertraulicher Schäkerton. Junge Frau, junge Frau, wissen Sie was, kommen Se, zeigen Sie mir'n Weg: mit Ihn, da tät' ich mich ooch nich färchten, und wenn Se mich ooch wer weeß wohin fiehrn däten tun. In Keller nich und uf'n Heiboden ooch nich.

Hanne. Bleiben Se ock draußen, Sie wärn mir der Rechte! Solche Windhunde gäb's 'r genug.

George. Junge Frau, soll ich Ihn waschen helfen?

Hanne. Nee! Aber wenn Sie's sonst druf anstellen, da helf' ich Ihn noch uf a Trab dahier! Indem sie ein Wäschestück halb aus dem Wasser zieht. Da kenn Sie Ihr weißes Vorhemdchen suchen.

George. I, gar! So zum Schweine wern Se mich doch nich machen? Nu aber! Äh gar, das geht doch nicht so? Da missen mer erst noch drieber reden. Nich wahr, junge Frau? Nu freilich, natierlich! Wir reden noch drieber. Wenn ich Zeit hab', später, andermal. Ab. Die Treppe wieder hinauf.

Wermelskirch. Der wird sich wohl nicht mehr oft verlaufen! Den Weg vom Speisesaale zur Küche wird ihm Siebenhaar schon begreiflich machen. – Hanne, wann kommt denn Henschel wieder?

Hanne. Nu, um a Mittag. – Soll ich vielleichte was bestellen?

Wermelskirch. Ja. – Sagen Se ihm – vergessen Se's nich! –, sagen Se ihm, ich – lasse schön grüßen.

Hanne. Tummheeten da! Ich kann mer's schon denken.

Wermelskirch , mit leichter Verbeugung an ihr vorüber. Gedanken sind zollfrei. Wünsche gut Morgen! Ab.

Hanne, allein, heftig waschend. Wenn ock der Henschel bloß nich so tumm wär'! –

Oben, außen vor dem Fenster, kniet der Handelsmann Fabig und blickt herein.

Fabig. Junge Frau! Morjen! – Wie geht's, wie steht's?

Hanne. Wer sein denn Sie?

Fabig. Nu: Fabig von Quolsdorf. Kenn Sie mich ni mehr? Ich bring' an'n scheen Gruß von Vatern mitte. A läßt Ihn auch sagen ... oder soll ich reinkommen?

Hanne. 's is gutt! Ich gloob's schonn; a will wieder Geld haben; ich hab' selber keens.

Fabig. Ich sagt's 'm ja; a wollt's doch nich glooben. Sein Se alleine, junge Frau?

Hanne. Wegen was denn?

Fabig, die Stimme dämpfend. Nu sehn S' ock, ich hab' halt das und jen's uf'n Herzen. Durchs Fenster kennten's de Leute heern.

Hanne. Oh, meinswegen, kommen Se rein. Fabig verschwindet vom Fenster. Daß der ooch heute grade muß kommen. Sie trocknet sich die Hände ab.

Fabig tritt ein. Er ist ein ärmlich gekleideter, seltsam beweglicher, drolliger Hausierer, etwa sechsunddreißig Jahr alt, spärlicher Bart.

Fabig. An'n scheen'n guten Morgen, junge Frau.

Hanne, heftig. Zum erschten: ich bin keene junge Frau.

Fabig, pfiffig. Nu, wenn ooch; 's dauert doch nich mehr lange.

Hanne. Das is a verpuchtes Liegengemähre und weiter nischt.

Fabig. Ich hab's halt geheert, ich kann nischt dafier. De Leute sprechen's halt ieberall; weil doch die Henscheln is gestorben.

Hanne. Meinswegen ooch! Da meegen se reden! Ich tu' meine Arbeit ... Was geht's mich an!

Fabig. Das is auch's beste. Aso mach' ich's auch immer. Was haben mir nich schon die Leute alles ufgehalst! In Altwasser soll ich Tauben gemaust haben. Mir war a kleenes Hundel nachgelaufen ... Gleich meenten de Leute, gestohlen hätt' ich's.

Hanne. Wenn Sie und haben was zu reden mit mir, da machen Sie's kurz!

Fabig. Gelt? Sehn S' es, da haben S' es. Das sag' ich auch immer. De Leute mähren mir auch immer zuviel; se haben a paar Lumpen oder so was, gleich machen se a Gerede drum, wie wenn se a Pauergutt sollten verkoofen. Nu wer ich mich halt in der Kirze fassen, 's handelt sich also, junge Frau! ... beileibe, nehmen Sie's ock nich iebel, ich hab' mich halt doch schonn wieder versprochen! – Ich wollte sagen, Jungfer! 's handelt sich also um de Tochter.

Hanne, heftig. Ich hab' keene Tochter, wenn S'es wolln wissen! Das Mädel, das bei meim Vater is, das is von meiner Schwester de Tochter.

Fabig. Nu da! Da is das was andersch dahier. Wir denken halt alle, das Mädel wär' Ihre. Wo is denn de Schwester?

Hanne. Wer weeß, wo die is! Die wird sich hitten und wird sich mucksen. Die denkt, ihr kennt sehn, wie ihr fertig werd't. –

Fabig. Ihr Leute, ihr Leute; da sieht man's wieder. Da hätt' ich doch Steen und Been geschworn –! aber nich bloß ich, nich bloß ich alleene; wir alle mitnander, drieben in Quolsdorf, daß Sie de Mutter wärn zu dem Dingel.

Hanne. Ju, ju, ich weeß schonn, wer mir das anhängt. Bei Namen kennt' ich se alle genennen! Se mechten mich gerne zum Frauvolk machen. Wenn se mir aber in de Hände laufen, die kriegen a Zahlaus, das kenn'n se sich merken.

Fabig. Das is aber wirklich a beeses Ding! Die Sache' liegt nämlich aso, junge Frau: der Alte, der Vater – Sie wern's ja wissen! 's is doch nich andersch! –, a wird doch nich nichtern. A sauft doch immer bloß in eim Biegen fort. Nu is vor zwee Jahren de Mutter gestorben; sonste könnt' a das Dingel daheeme lassen, das Mädel meen' ich; jetze geht das ni mehr, 's Häusel is leer. Da schleppt a se halt in a Gasthäusern rum, in allen Lechern, von Kretscham zu Kretscham. An'n Hund kann's jammern, wenn man's aso sieht.

Hanne, heftig. Kann ich dafiere, daß a sauft?

Fabig. Ums Himmels wille, beileibe nich! Den Alten, den kann keen Mensch ni mehr halten, 's is bloß ums Mädel, um das kann's een leed tun. Wenn die nich und werd 'n nich weggenommen und kommt nich in Flege zu gutten Leuten, da lebt die ooch keene zehn Wochen mehr.

Hanne, verstockt. Das geht mich nischt an! Ich kann se nich nehmen. Ich hab' fer mich selber Gewirge genug.

Fabig. Kommen Se ock amol nach Quolsdorf und sehn Se sich's an! Das wär' halt's beste, 's is Ihn a Mädel ... a gar zu hibsch Dingel, und Händel und Fießel hat se, ojemersch; 's reene Porz'lan, aso zierlich sind se.

Hanne. 's is nich mei Kind, 's geht mich nischt an!

Fabig. Nee, kommen Se ock und schaffen Se Rat. Man kann's reen gar nich mit Augen sehn. Wenn man aso in die Gasthäuser kommt, mitten in der Nacht, oder wenn's nu is – sehn Se, ich muß, mei Geschäfte verlangt's –, und sieht se mit Vätern im Rauche sitzen, das dreht een de Seele im Leibe rum.

Hanne. Die Gastwirte solln 'm nischt nich einschenken. An'n Priegel nehmen und feste nauspriegeln, da wird a schonn zu Verstande kommen. – Jetze is a Wagen in a Hof gefahren. Hier haben Se an Fimfbeehmer. jetze machen Se lang, ich wer mir die Sache amal beschlafen. Jetze kann ich mich weiter damit nich befassen. Aber wenn Sie hier rumreden, in a Bierstuben, darnach sein mer geschiedene Leute.

Fabig. Ich wer mich hitten, was geht mich denn das an?! Ob das nu Ihr Kind is oder der Schwester, 's Kirchenbuch wer ich derwegen nich einsehn, und's Maul, das wer ich mer auch nich verbrenn. Aber wenn Sie an gutten Rat wollten heern: am besten, Sie sagen's Henscheln gleich, der wird Ihn a Kopp noch lange nich abreißen.

Hanne, immer aufgeregter, da Henschels Stimme schon hörbar wird. O mit dem Gemahre! Da mißt' man ja schwarz wern. Ab in die Kammer.

Henschel tritt ein; ernst und langsam. Er trägt einen schwarzen Anzug, Zylinder und weiße, gestrickte Handschuh.

Henschel bleibt stehen und sieht Fabig, sich langsam besinnend, an. Einfach und ruhig. Wer sein denn Sie?

Fabig, fix. Ich kaufe Lumpen, altes Papier, Meebel, abgelegte Kleidung, halt alle Sachen, alles, was de vorkommt.

Henschel, nach einem langen Blicke, gutmütig, aber fest. Naus mit dem Kerle! Fabig ab, verlegen lächelnd. Henschel nimmt den Zylinder ab und wischt sich Stirn und Nacken mit einem bunten Taschentuch; darnach stellt er den Hut auf den Tisch und spricht gegen die Tür der Kammer. Mädel! wo bist'n?

Hanne. Ich bin bei Gusteln, hier, in der Kammer.

Henschel. 's is gutt, ich kann warten. Er setzt sich, tiefächzend. – Jaja! – Nee nee! – Ma hat schonn sei Leiden!

Hanne kommt sehr geschäftig. 's Essen is gleich uf der Stelle fertig.

Henschel. Ich kann nischt essen. – Mich hungert nich.

Hanne. Essen und Trinken erhält a Leib. Ich hab' amal bei eim Schäfer gedient, der hat uns mehr wie eemal gesagt: wenn einer a Herzeleid hat oder aso was, wenn den auch nich hungert, der soll immer essen.

Henschel. Da koch ock dei Mittag, wir wern ja sehn!

Hanne. Sie sollten nich nachgeben gar zu sehr! In so was muß man sich eemal finden.

Henschel. War denn der Horand, der Buchbinder, da?

Hanne. Alles in Ordnung. Vierzig neue Billetter hat er gemacht. – Drieben liegen se uf der Kommode! –

Henschel. Da fängt die Schinderei wieder an: Morgen fer Morgen, Mittag fer Mittag mit dem alten Omnibuskasten nach Freiburg neinkutschen und kranke Menschen ieber a Berg schaffen. – –

Hanne. Sie missen zu viel alleene machen. Der alte Hauffe is eemal zu langsam. Ich kann mer nich helfen, ich tät'n abschaffen.

Henschel steht auf, tritt ans Fenster. Ich hab's nu reen satt, das Fuhrgeschäfte. Vor mir kann's ufheeren. Ich hab' nischt dawider. Heut oder morgen, das is mir egal. Die Ferde schafft man nunter zum Abdecker, die Wagen läßt man zu Brennholz zerhacken. Man selber sucht sich a kleen, festes Striekel. – – – – Ich wer amal ruf zu Siebenhaarn gehn.

Hanne. Ich wollt' Ihn gern auch amal was sagen. –

Henschel. Nu was denn, hä?

Hanne. Sehn S' ock, mir wird's wahrhaftig nich leichte. Ausgeprägt weinerlich. Aber mei Bruder, der braucht mich doch eemal zu sehr. Heulend. Ich wer halt ziehn missen.

Henschel, aufs äußerste verblüfft. Du bist woll nich recht ... Nu mach ock nich Dinge!

Hanne steht da, Krokodilstränen flennend, die Schürze vor den Augen.

Henschel. Nu sag mir ock, Mädel: du werscht mer jetze doch das nich antun? Das wär' aso was! Wer soll denn wirtschaften? Jetze steht mir der Sommer vor der Tiere, und du willst mich aso im Stiche lassen?

Hanne, wie oben. 's tutt een'm bloß um das Mädel leid.

Henschel. Wenn du 's nich versorgst, wer soll's denn versorgen?

Hanne, nach einer Weile sich scheinbar gewaltsam fassend und beruhigend, 's geht eemal nich andersch!

Henschel. 's geht alles in der Welt, man braucht's bloß zu wolln. – Dadervon da hast du doch nie nischt gesprochen! Jetze kommste uf eemal mit 'nem Bruder? – Bin ich dir etwa zu nahe getreten? Paßt dersch vielleichte nich mehr bei mir?

Hanne. Daß 's mit dem Gerede und nimmt a Ende.

Henschel. Was fier a Gerede?

Hanne. O ich weeß nich! – Da geht man schon lieber aus'n Wege.

Henschel. Wenn ich bloß wißte, was du meenst!

Hanne. Ich tu' meine Arbeit, ich nehme mei Lohn. Aso was lass' ich mir eemal nich nachsagen. Wie die Frau noch lebte, hab' ich gerackert a ganzen Tag; jetzt, weil se tot is, wer ich nich faulenzen. Meegen de Leute noch aso schwatzen: ich machte mich niedlich, ich wollte bloß Frau wern. Da such' ich mir lieber a andersch Dienst.

Henschel, erleichtert. Da sei ock stille, wenn's weiter nischt is.

Hanne nimmt irgendeine Arbeit als Anlaß, sich zu entfernen. Nee, nee, ich geh'! Ich kann ni mehr bleiben. Ab.

Henschel, hinter ihr dreinsprechend. De Leute, die laß du geruhig reden! Was sollte denn wern aus den vielen Mäulern. – Er zieht den schwarzen Rock aus und hängt ihn auf, dabei seufzend. Das Heefel Sorgen wird halt nich kleener! Siebenhaar kommt langsam herein; er trägt eine gefüllte Wasserflasche und ein Glas.

Siebenhaar. Gu'n Morgen, Henschel.

Henschel. Scheen'n Dank ooch, Herr Siebenhaar.

Siebenhaar. Stör' ich Sie?

Henschel. I, wo denn! Das wär' woll! Sein Se Willkomm.

Siebenhaar, Flasche und Glas auf den Tisch stellend. Ich muß nämlich wieder mal die Kur brauchen. Ich hab's wieder mit dem Halse zu tun. Na, Gott ja, an irgendwas muß der Mensch doch sterben.

Henschel. Immer tichtig Brunnen trinken. Der heilt een'm aus.

Siebenhaar. Das tu' ich eben.

Henschel. Und nich a Miehlbrunnen, ooch nich a Oberbrunnen! Unsre Quelle, die is am besten.

Siebenhaar. Na, nu von was anderem. Er hat in Gedanken eine Efeuranke ergriffen und damit gespielt, nun gewahrt er sie, stutzt, überfliegt den Zylinder und Henschel mit einem Blick und sagt plötzlich. Heut war der Geburtstag Ihrer Frau?

Henschel. Heut wär' se geworn sechsundreißig Jahr.

Siebenhaar. 's is woll nich möglich.

Henschel. Jaja, nee nee! –

Pause.

Siebenhaar. Henschel, ich will Sie jetzt lieber allein lassen, aber wenn's Ihnen paßt, etwa morgen vielleicht, da möcht' ich mal etwas Geschäftliches durchsprechen.

Henschel. 's wär' mer lieber, mir machten's gleich.

Siebenhaar. Es handelt sich um die tausend Taler ...

Henschel. Eh mer weitersprechen, Herr Siebenhaar, Se kenn se ruhig behalten bis zum Winter. Sehn Se, was soll ich denn liegen dahier? Jetze brauch' ich se nich. Mir liegt nischt dran, und daß se mir sicher sein, das weeß ich.

Siebenhaar. Na, Henschel, da bin ich Ihnen sehr dankbar; Sie tun mir einen großen Gefallen. Im Sommer kommt Geld ein, wissen Sie ja, jetzt wär' es mir wirklich schwer geworden.

Henschel. Nu sehn S' es, da kommen mir grade zusammen.

Pause.

Siebenhaar, umhergehend. Jaja, ich wundre mich manchmal selbst: in dem Hause bin ich doch groß geworden. Heut, wenn ich nur halbwegs leidlich abschnitte, ich könnte mit Seelenruhe rausgehn.

Henschel. Ich ging' nich gerne, das muß ich sagen. Ich wißte reen gar nich, wohin mit mir!

Siebenhaar. Bei Ihnen ist es vorwärtsgegangen, Henschel. Dieselben Verhältnisse, sehn Sie mal an, gegen die ich mich nur mit höchster Mühe behaupten konnte, die eben haben Sie groß gemacht.

Henschel. Dem een'n fehlt's da, 'm andern da. Wer schlimmer dran is, wer will das wissen?! Sehn Se, mir hat's halt a Weizen ooch verschlagen. Und ob er amal wird wieder ufstehn ... Ich bin halt noch gar nich bei mir selber.

Pause.

Siebenhaar. Henschel, alles hat seine Zeit! Das müssen Sie nun aber überwinden. Sie müssen unter die Leute gehn, was hören, was sehen, mal'n Glas Bier trinken, sich recht ins Geschäft stürzen meinetwegen, nicht immer der traurigen Sache nachhängen, 's ist nicht zu ändern, nun also vorwärts.

Henschel. 's is auch nich andersch! Sie haben auch recht!

Siebenhaar. Gewiß! Ihre Frau war das beste, treueste Weib, überall ist da nur eine Stimme. Aber Sie stehen im Leben, Henschel. Sie sind ein Mann in den besten Jahren. Sie haben noch viel zu tun in der Welt. Sie müssen wer weiß was noch vor sich bringen. Sie brauchen dabei Ihre Frau nicht vergessen, im Gegenteil. Das ist ja bei einem Mann wie Sie auch ganz ausgeschlossen. Aber Sie müssen auf eine gesunde Art ihr Andenken ehren. Das kann ja nichts helfen! Ich habe Sie schon eine ganze Weile beobachtet und hatte mir stillschweigend vorgenommen, Ihnen mal wirklich geradeheraus ins Gewissen zu reden. Sie lassen sich zu sehr unterkriegen.

Henschel. Was soll man aber dawider tun? Sie haben ja recht, ich streit's ja nich; aber man weeß sich halt manchmal keen'n Rat! Will man sich ins Geschäft stirzen, ieberall fehlt's een'n. Vier Augen sehn ebens mehr wie zwee. Vier Hände, die schaffen halt auch weit mehr. Die vielen Kutschen zur Sommerszeit! Wer hält mer daheim 'ne Sache im Stande? Das is ebens wirklich kee leichtes Ding.

Siebenhaar. Die Hanne ist, denk' ich, doch ganz tüchtig?

Henschel. Nu sehn Se's, se hat mir halt auch gekindigt! – Ohne a Weib is das halt zu schlimm! Man kann sich uf gar keen'n Menschen verlassen. Das is ja das ebens, was ich sag'.

Siebenhaar. Heiraten Sie, Henschel!

Henschel. 's beste wärsch. – Ohne Weib, was soll ich da machen? Unsereens kann ohne Weib nich auskommen. Ich hatte schonn vor, ich wollt' amal nufgehn; ich wollte mit der Madam amal reden, verleichte hätt' die mir'n Rat gegeben. – – – 's is mir doch gar zu pletzlich gekomm! Se is mer so mittenraus gestorben aus allen Geschichten. – Wenn ich Ihn soll de Wahrheit sagen: 's Fuhrgeschäfte geht auch zurick. Wie lange, da kriegen mir Bahne hierher. Nu sehn Se's: mir hatten uns was gespart, da wollten mir uns a klee Gasthaus koofen – vielleicht in zwee Jahren oder so rum: das is halt ohne Weib nich zu machen.

Siebenhaar. Auf die Dauer wird das ja auch nicht gehn. Sie werden auch ganz gewiß nicht Witwer bleiben Ihr ganzes Leben. Schon wegen dem Kinde geht das ja nicht.

Henschel. Das sprech' ich halt auch.

Siebenhaar. Ich hab' mich ja nicht hineinzumengen, aber schließlich sind wir ja alte Freunde. Warten, Henschel, bloß wegen der Leute, das halt' ich für Unsinn, ganz und gar. Wenn Sie sich tragen mit dem Gedanken, ernstlich tragen, wieder zu heiraten: für Sie und das Kind ist's besser, bald. Nicht überstürzen: natürlich nicht! Sind Sie aber mit sich erst einig, dann vorwärts, Preußen! was ist dann zu zögern!? Nach einer Pause, während welcher sich Henschel hinter den Ohren kratzt. Wissen Sie denn schon irgend jemand?

Henschel. – – – Ob ich jemanden weeß, das soll ich Ihn sagen? – Vielleicht ja: bloß ich kann se nich nehmen.

Siebenhaar. Warum denn nicht?

Henschel. – Sie wissen's ja selber. –

Siebenhaar. Ich? Wissen? Wieso? –

Henschel. – Se brauchen bloß a bissel nachdenken.

Siebenhaar. – – – – Kopfschüttelnd. Im Augenblick kann ich mich nicht erinnern.

Henschel. Ich hab's doch mein'n Weibe versprechen missen.

Siebenhaar. – – –? – Ach so!! – Sie meinen die Magd!? – die Hanne?

Pause.

Henschel. 's is mer sehr durch a Kopp gegangen. Was soll ich denn hinterm Berge halten. Wenn ich ufwache bei der Nacht, da kann ich manchmal zwee Stunden nich einschlafen. Immer und ewig muß ich dran denken. Drieber wegkommen kann ich nich. – Das Mädel is gutt. Se is a bissel jung fer mich alten Kropp; aber schuften kann se mehr wie vier Männer. Daderbei nimmt se sich Gusteln wahr: mehr kennte de Mutter auch nich machen. Und zu guter Letzt hat das Mädel an'n Kopp: die hat an'n Kopp, der is besser wie meiner. Und rechnen kann se, besser wie ich. An'n Kalkulator kennte die vorstellen. Uf Heller fer Fennig weeß die an Sache; sechs Wochen kenn'n drieber vergangen sein. Ich gloobe, die macht zwee Juristen zum Affen.

Siebenhaar. Ja, wenn Sie von alledem so überzeugt sind ...

Henschel. Da gäb's keene bessere Frau fer mich! – Jedennoch! Ich komme nich drieber weg.

Pause.

Siebenhaar. – Ja, ja, jetzt kann ich mich dunkel erinnern. Das war in der letzten Zeit so ziemlich. – Ich kann Ihnen aber ganz offen sagen: so ernsthaft hab' ich das gar nicht genommen. – Ihre Frau war eben sehr aufgeregt. Das hat doch so mehr in der Krankheit gelegen. – Das scheint mir die Hauptfrage nicht zu sein. Die Hauptfrage kann doch immer nur die sein: paßt die Hanne auch wirklich für Sie? – Sie hat viele Vorzüge, unbedingt! Manches gefällt mir auch nicht an ihr! Aber Fehler: wer hätte die schließlich nicht! – Sie soll ja ein Kind haben, sagen die Leute!

Henschel. Se hat a Kind. Ich hab' mich erkundigt. Nu wenn ooch! Da mach' ich mir nischte ni draus. Sollte se etwa auf mich warten, hä? Se hat ja noch gar nischt von mir gewußt. Vollblittig is se, das will sich doch Luft machen. Wenn de Birnen halt reif sein, da falln se halt runter. Deswegen, da hätt' ich keene Bedenken.

Siebenhaar. Nun also! Das andere ist Nebensache. Und wenn auch nicht grade Nebensache – so was geht einem nach, das begreif' ich schon! –, jedenfalls muß man sich davon frei machen. Sich daran binden, trotz besserer Einsicht, ist ausgesprochene Torheit, Henschel!

Henschel. Das hab' ich mir auch schon zehnmal gesagt. Sehn Se, sie wollte doch immer a besten Nutzen fer mich. Ich meene mei Weib, in gesunden Tagen. Se will mer doch nich im Wege stehn. Wo se auch sein mag, se will doch mein Fortkommen.

Siebenhaar. Ganz gewiß.

Henschel. Heute bin ich nu uf'n Grabe gewest. – De Madam hat ooch an'n Kranz lassen hinlegen. – Ich dachte: du werscht amal hingehn, dacht' ich. Vielleichte schickt se dir an'n Gedanken. Vielleichte kannst der da schlissig wern. – Mutter, sagt' ich in mein'n Gedanken, gib mir a Zeichen! Ja oder nee? So wie's ausfällt, soll mir's recht sein. An halbe Stunde hab' ich gestanden. – Ich hab' auch gebet't und hab' er ooch alles vorgestellt, aso bei mir selber, meen' ich natierlich: wegen dem Kinde und dem Gasthause und daß ich mer auch im Geschäfte keen'n Rat weeß – aber s' hat mer kee Zeichen gegeben.

Hanne kommt herein, nur Seitenblicke auf die Sprechenden werfend, im übrigen sich sogleich energisch beschäftigend. Sie setzt Schemel und Waschfaß beiseite und hantiert dann beim Ofen.

Siebenhaar, zu Henschel. Gott lasse die Toten selig ruhn. Sie sind'n Mann, Sie stehen im Leben. Was brauchen Sie Zeichen und Wunder, Henschel! Wir können uns doch ganz gut zurechtfinden, ganz leidlich auskommen mit unserm Verstande. – Gehen Sie einfach Ihren Weg. Auf Ihrem Schiffe sind Sie Kapitän. Alle Flausen und Nücken raus! über Bord! Je mehr ich die Sache überlege, um so ernstlicher leuchtet sie mir auch ein ...

Henschel. Hanne, was sagst denn du dazu?

Hanne. Ich weeß ja nich. Ich kann doch nich wissen, von was Sie reden!

Henschel. Nu wart nur, hernach da wer ich der's sagen.

Siebenhaar. Gu'n Morgen, Henschel; auf Wiedersehn! Viel Glück auf den Weg!

Henschel. Das mecht' man hoffen.

Siebenhaar. Um Sie ist mir keinen Augenblick bange. Sie haben von jeher 'ne glückliche Hand. Ab.

Henschel. Man soll es nich beruffen, Herr Siebenhaar.

Hanne. Wir wolln dreimal ausspucken: Tw! Tw! Tw! Pause. Ich kann mir nich helfen, Sie sein zu gutt.

Henschel. Wegen was denn, hä?

Hanne. Ihn rauben de Leute aus, mecht' man sagen.

Henschel. Du denkst woll, a hat wolln was haben von mir?

Hanne. Nu was denn sonste? A sollte sich schämen, bei armen Leuten betteln zu gehn.

Henschel. Hanne, du weeßt jetzt nich, was du sagst.

Hanne. O freilich weeß ich's.

Henschel. Du weeßt's ebens nich. Du kannst's auch nich wissen. Aber später wirschte's schonn noch begreifen amal. – Jetz wer ich avor gehn in de Schenkstube und wer mer wieder amal an Kuffe Bier kaufen; das is seit acht Wochen 's erschte Mal. Dernochert kenn mir mitnander essen, und nach'n Mittage – heer amal drauf! –, da wolln mir a Wort mitnander reden. Da wern mir ja sehn, wie sich alles wird einrenken. – Oder hast du ni Lust?

Hanne. – Sie sagen's ja selber: mir wern's ja sehn.

Henschel. Das sag' ich auch noch, mir lassen's druf ankommen. Ab.

Pause.

Hanne schaftert unbeirrt weiter. Als Henschel außer Gehörsweite ist, hält sie plötzlich inne, trocknet sich, die freudige Erregung kaum bemeisternd, die Hände ab, reißt die Schürze herunter etc. und sagt unwillkürlich triumphierend vor sich hin. Ich wersch euch zeigen, paßt amal uf!

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