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Führer durch die moderne Literatur

Hanns Heinz Ewers: Führer durch die moderne Literatur - Kapitel 280
Quellenangabe
typefiction
authorDr. Walter Bläsing
titleFührer durch die moderne Literatur
publisherGlobus Verlag
addressBerlin
yearo.J.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20100716
modified20150527
projectidd0de1f8e
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Iwan Turgenjew

Iwan Turgenjew. Es ist wohl mehr als romantische Sympathien, was uns auch zu älteren Dichtern des Auslandes unser Verhältnis erneuern läßt. Eine tief innere Verwandtschaft des Geistes darf man es wohl nennen, was uns einzelne Große des 18. Jahrhunderts näher bringt – die Dankbarkeit des reifen Schülers. – Iwan Turgenjew (geb. 1818 in Orel, gest. zu Paris 1883) war Romantiker, aber nicht Romantiker etwa im Sinne Viktor Hugos oder Ludwig Tiecks; er war ein Romantiker der Seele und nicht des Genres, einer von denen, über die wir noch immer staunen dürfen, wenn wir ihr künstlerisches Programm mit dem unseres Menschenalters vergleichen. Es ist fast seltsam, wenn man gerade von diesem Dichter liest, daß ihn seine Zeit, das Rußland Alexanders II., gefeiert und anerkannt hat, von einem Manne, der in der Kunstform so neu war.

Turgenjew entstammt einer alten Adelsfamilie Rußlands. Er genoß seine wissenschaftliche Ausbildung auf der Universität Moskau. Später begab er sich zur Vollendung seiner Kenntnisse in das Ausland, vor allem nach Deutschland, wie er denn in Berlin bei Ranke geschichtliche Studien trieb, und kehrte 1841 nach Rußland zurück, um hier für kurze Zeit eine Stelle in der Kanzlei des Ministeriums des Innern zu übernehmen. Nach zwei Jahren schon treffen wir ihn in Paris wieder, wo er bis zu seinem Tode verblieb.

Seine literarische Tätigkeit, die fast alle Dichtungsgattungen umfaßt, läßt sich in drei Perioden übersehen. Unter seinen Jugendwerken sind die epischen Gedichte »Parascha«, »Andrejew«, »Unterredung«, die dramatische Skizze »Unvorsichtigkeit« und die Erzählungen »Andrej Kolossow«, »Drei Porträts« und »Der Raufbold« hervorzuheben. Schon früh zeigte sich Selbständigkeit in der Auffassung und eine große Sicherheit der Technik. Besonders in den Novellen zeigte sich bereits das bedeutende Kompositionstalent, das in den späteren Werken, wie in dem großen Roman »Väter und Söhne« so glänzend zum Ausdruck kam.

Den Höhepunkt seines Schaffens bildet wohl die zweite Periode. 1852 erschien die Novellensammlung »Aufzeichnungen eines Jägers«, die ihn zum berühmten Mann gemacht haben. Es folgten wieder Erzählungen: »Zwei Freunde«, »Stillleben«.

Aber erst die Zeit seines Pariser Aufenthaltes bringt seine besten Schöpfungen, jene Perlen der Weltliteratur, die Epen »Rudin«, »Faust«, »Asja«, die Erzählungen »König Lear auf dem Lande«, »Vater Alexejews Erzählung«. Kurz vor seinem Tode erschienen »Das Lied der triumphierenden Liebe« und die »Gedichte in Prosa«, die eine feine Psychologie und eine Fülle der sprachlichen Mittel zeigen, die nur wenige nach ihm erreicht haben.

V. H.

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