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Führer durch die moderne Literatur

Hanns Heinz Ewers: Führer durch die moderne Literatur - Kapitel 216
Quellenangabe
typefiction
authorDr. Walter Bläsing
titleFührer durch die moderne Literatur
publisherGlobus Verlag
addressBerlin
yearo.J.
correctorhille@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
created20100716
modified20150527
projectidd0de1f8e
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Wilhelm Raabe

Wilhelm Raabe. Einer der wenigen Alten, die jung geblieben sind, die die revolutionären Schmiede unserer modernen Literatur nicht zum alten Eisen werfen konnten und wollten, ist der hohe Siebziger Wilhelm Raabe, der 1831 zu Eschershausen geboren wurde und heute in Braunschweig lebt. 1857 veröffentlichte er unter dem Pseudonym Jacob Corvinus sein erstes Buch »Die Chronik der Sperlingsgasse«, das der immer noch so sehr überschätzte Hebbel gnädigst anzuerkennen geruhte. Er erklärte dem jungen Autor, daß »er gar nichts dagegen habe, daß auch die Töne Jean Pauls und Th. A. Hoffmanns wieder einmal angeschlagen würden, nur dürfe es nicht bei Gefühlsergüssen und Phantasmagorien bleiben« usw. – Aber gerade die Tatsache, daß Raabe an diese beiden Ganzgroßen anknüpfte, die ein Hebbel natürlich nicht zu würdigen verstand, mag es bewirkt haben, daß der »besagte Jacob Corvinus« heute noch so modern wirkt, wie kaum ein anderer. Der große Realist Dickens übte seinen Einfluß ebenso stark auf ihn aus, wie auf seine Zeitgenossen Freytag und Fritz Reuter; aber während diese ihm nur die Kunstweise, das Räuspern und Spucken abschauten, hat Raabe das Genie, ich meine den Geist des Engländers voll erfaßt und in sich aufgenommen. So bleibt Raabe viel mehr Desillusionist als Dickens, von dem er lediglich die Art zu sehen und die Weltanschauung nimmt. Ein Einsamer, ein weltabgekehrter Pessimist, wie alle großen Humoristen, mischt er bittere Tropfen in den schäumenden Trank, den er in goldenen Schalen uns reicht. Raabe ist der spezifisch bürgerliche unter allen deutschen Dichtern des vergangenen Jahrhunderts, aber in diesem begrenzten Kreise zeigt er eine erstaunliche Mannigfaltigkeit. Hier seien einige seiner Werke aufgezählt, von denen »Horacker« eins der wenigen Bücher ist, die bestehen bleiben werden, solange noch die deutsche Sprache irgendwo erklingen wird. Wie zu Gottfried Kellers, zu C. F. Meyers, so sollte auch ein jeder Gebildete zu den Werken des leider viel zu wenig bekannten Wilhelm Raabe greifen, namentlich zu den folgenden: »Halb Mähr, halb Mehr«, »Ein Frühling«, »Die Kinder von Finkenrode«, »Unseres Herrgotts Kanzler«, »Der Hungerpastor«, »Abu Telfan oder die Heimkehr vom Mondgebirge«, »Der Regenbogen«, »Der Schüdderump«, »Der Dräumling«, »Das Horn von Wanza«, »Prinzessin Fisch«, »Der Lar«, »Stopfkuchen, eine See- und Mordgeschichte«.

Dr. H. E.

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