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Fromme Lieder

Julius Sturm: Fromme Lieder - Kapitel 8
Quellenangabe
typepoem
authorJulius Sturm
titleFromme Lieder
publisherF. A. Brockhaus
printrunSechste Auflage
year1867
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150618
projectid7a04ff4d
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Flieg' aus, mein frommes Lied.

Flieg' aus, mein frommes Lied,
Mit lichten Schwingen,
Und wen die Freude flieht,
Dem sollst du singen.

Es hat die Welt kein Herz
Für fremde Leiden,
Drum sucht ein tiefer Schmerz
Die Einsamkeiten.

Und wo er traurig zieht
Mit düstern Klagen,
Da sing' du ihm, mein Lied,
Von sel'gen Tagen.

Zeig' ihm ein spielend Kind
Auf Blumenauen,
Und wenn ihm Thränen lind
Vom Auge thauen:

Laß vor die Mutter ihn,
Die fromme, treten,
Die als ein Kindlein ihn
Gelehrt zu beten.

Und ahnt er nun, woher
Sein Weh gekommen,
Warum sein Herz so schwer
Und so beklommen:

Dann führe du ihn mild
Auf andre Auen,
Laß ihn ein sterbend Bild
Am Kreuze schauen.

Und wenn er betend kniet,
Dann sei verklungen,
Was du gesollt, mein Lied,
Ist dir gelungen.

*

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