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Fromme Lieder

Julius Sturm: Fromme Lieder - Kapitel 63
Quellenangabe
typepoem
authorJulius Sturm
titleFromme Lieder
publisherF. A. Brockhaus
printrunSechste Auflage
year1867
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150618
projectid7a04ff4d
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Noch ist's nicht Zeit.

Es flutet ein Gedankenstrom
Aus meinem Innern himmelan,
Wo über mir ein blauer Dom
Mit tausend Kerzen aufgethan.

Und auf dem Strome schifft mein Geist,
Der, von der Erde Banden frei,
Nach seinem Heimatlande reist.
Daß er ein Geist bei Geistern sei.

Und wie er auf der klaren Flut
Zum heil'gen Dome aufwärts zieht,
Singt er in andachtsvoller Glut
Dem Herrn der Herrn ein frommes Lied.

Und mit dem Liede tritt er ein,
Millionen Engel sieht er knien,
Und ihn umstrahlt ein heller Schein,
Ein Meer von Tönen wogt um ihn.

Und immer heller wird das Licht,
Er trägt den vollen Glanz nicht mehr,
Da hüllet einen Schleier dicht
Ein Engel freundlich um ihn her,

Und spricht: »Noch ist's nicht an der Zeit
Für dich, den Heiligen zu sehn,
Noch trägst du nicht das Feierkleid,
Um würdig vor dem Herrn zu stehn.

Zurück! Zurück! Und halte fest
Am Wort mit heiligem Vertraun:
Wer Jesum Christum nicht verläßt,
Deß Glaube wird zum sel'gen Schaun.

Laß kleiden dich in sein Gewand
Und werde Licht in seinem Licht,
Dann komm zurück an seiner Hand
Und schau' des Vaters Angesicht.«

*

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