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Fromme Lieder

Julius Sturm: Fromme Lieder - Kapitel 27
Quellenangabe
typepoem
authorJulius Sturm
titleFromme Lieder
publisherF. A. Brockhaus
printrunSechste Auflage
year1867
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150618
projectid7a04ff4d
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Wohnt Gott in mir, so bin ich stark.

Wohnt Gott in mir, so bin ich stark
Und kann der Welt nicht unterliegen,
Denn seine Kraft durchströmt mein Mark
Und wie er will, so muß sich's fügen;
Die Welt kann dem nicht widerstehn,
Der sie heißt werden und vergehn.

Wohnt Gott in mir, so bin ich kühn,
Mein Leben ruht in ihm verborgen,
Und in Gefahr bau' ich auf ihn,
Und werf' auf ihn all' meine Sorgen;
Sein Arm mein Schild, sein Wort mein Schwert,
Wo ist ein Held gleich mir bewehrt?

Wohnt Gott in mir, so bin ich frei
Und werde keinem Joch mich beugen,
Und werde ohne Furcht und Scheu
Freimüthig für die Wahrheit zeugen;
Bleib' ich doch frei, ob man mich legt
In Kerker und in Ketten schlägt.

Wohnt Gott in mir, so bin ich reich
Und darf vor keinem Mangel beben;
Denn wer ist meinem Herren gleich,
Dem alle Welten untergeben?
Von Segen träufet jeder Pfad,
Den ich auf sein Geheiß betrat.

Wohnt Gott in mir, so bin ich froh,
In meinem Herzen wohnet Frieden;
Und ob der Erde Lust mich floh
Und ihre Freuden mich gemieden:
Ich trag' in mir mein Glück und Heil,
Gott selber ist mein Freudentheil.

*

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