Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Strubberg >

Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band

Friedrich Strubberg: Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band - Kapitel 9
Quellenangabe
authorArmand
titleFriedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band
publisherFriedrich Fleischer
year1867
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20171108
Schließen

Navigation:

Siebentes Kapitel

Die Ansiedelung der Mormonen. Der Bluthund. Der Bär. Sonntag. Der Jaguar. Das Fandangohaus. Die Pfeilschüsse. Die Jagd.

 

Im Drange der Geschäfte waren schon mehrere Wochen verstrichen, ohne daß es dem Director möglich gewesen wäre, seine neuen Nachbarn, die Mormonen, wieder aufzusuchen, und auch sie hatten Nichts von sich hören noch sehen lassen.

Am folgenden Morgen aber gleich nach dem Frühstück bestieg er, von seinem Bluthund begleitet, sein Pferd, um sich zu überzeugen, was die Mormonen nun in der Zwischenzeit gethan und vollbracht hatten.

Er traute kaum seinen Augen, als er den ersten Blick in das Thal warf, wo die Zelte der Ankömmlinge standen, denn zu seiner Rechten hob sich schon die Mühle auf festem Mauerwerk über dem Ufer der wild schäumenden Fluth empor, und weiterhin zur Linken der Zelte war ein ungeheueres, unabsehbares Feld entstanden. An der Mühle waren einige dreißig junge Männer und Frauen emsig beschäftigt, und das Feld sah der Director von einigen Hunderten derselben belebt. Gegen zwanzig, mit Ochsen bespannte Pflüge zogen in ihm auf und ab und wühlten das weiche Grasland auf, während eine Menge schwere, von Maulthieren gezogene Wagen ihnen folgte und die Erde lockerte. An allen Seiten des Feldes war man an der Arbeit, Bäume zu fällen, oder man führte von Weitem her das schon gespaltene Holz herbei, um die Einzäunung aufzurichten, und wohin man schaute, begegnete der Blick rastlos arbeitenden Händen. Die Frauen thaten selbst keine schwere Arbeit, sie halfen und unterstützten nur die Männer dabei, und es schien, daß die vielen hübschen jungen Weiber aus eigener Freude daran, sich dabei betheiligten.

Alles ging still und lautlos zu, kein Rufen, kein Schreien, kein Befehlen, kein Fluchen war zu hören, und man sah es den Leuten an, daß ein Jeder von ihnen genau wußte, was er zu thun habe.

Voller Staunen näherte sich der Director dem Felde, als der Führer des Mormonenstammes, Herr Gray, ihn bemerkte und ihm entgegen schritt.

Wir haben den Anfang gemacht, sagte dieser nach gegenseitiger freundlicher Begrüßung, und bald hoffe ich die Arbeit vollendet zu haben.

Bei Ihnen, Herr Gray, wird das Sprichwort zu Schanden, daß aller Anfang schwer sei, die Arbeit fliegt Ihnen von der Hand; so etwas habe ich noch nie vorher gesehen, hob der Director in seiner Verwunderung an.

Der Grund davon liegt darin, daß wir Alle nur ein Interesse haben und sämmtlich dafür arbeiten »Alle für Einen, und Einer für Alle.« Sie sehen, welche vollständige Einigkeit unter uns herrscht, und wie Alles wohlverstanden von selbst ineinandergreift, und Sie werden niemals, weder bei der Arbeit, noch in unsern Ruhestunden ein überlautes, hartes, oder gar böses Wort vernehmen. Streit und Zank ist gegen unsre Gesetze, und wer ihn beginnt, muß uns verlassen.

Dabei schaute Gray mit augenscheinlichem Wohlgefallen auf das Erstaunen des Directors, welches derselbe lange Zeit nicht überwinden konnte.

Unsre Mühle ist auch schon im Wachsen, fuhr der Mormonenhäuptling fort, es giebt ein vortreffliches Werk, und ich halte mein Wort: am sechsten Montag liefere ich Ihnen Dielen und Mehl.

Ich gestehe es Ihnen, Herr Gray, ich habe Sie mit großem Vorurtheile gegen Sie ankommen sehen, und jetzt habe ich keine Worte, Ihnen meine Achtung, meine Anerkennung für Ihre Thätigkeit auszusprechen, sagte Schubbert im Uebermaße seiner Verwunderung indem er sich höflich verbeugte.

Und wenn Sie näher mit unsern Einrichtungen und Zuständen bekannt geworden sind, so werden Sie diese Ihre Anerkennung nicht allein unserer Thätigkeit, sondern unserm ganzen Leben zollen; eine strengere Moralität, als unter uns, herrscht sicher in Friedrichsburg nicht.

Der Director antwortete hierauf nicht, sondern band seinem Pferd den Zügel auf dem Kopfe zusammen, so daß es in dem üppigen Grase weiden konnte, bedeutete seinem Hunde, bei demselben zu bleiben, und begleitete den Mormonenkönig dann nach dessen Zelte, wo ihm, wie bei seinem ersten Besuch, ein Trunk Milch gereicht wurde.

Ich hoffe, eine sehr bedeutende Maisernte zu erhalten, denn der Boden ist ungemein reich und nicht, wie in den meisten Prairien, hart, sondern locker und bei sorgfältiger Bearbeitung schon im ersten Jahre voll ergiebig. Sie können dann Ihren Mehrbedarf über Ihre eigne Ernte hinaus von mir, anstatt von Braunfels, oder von Austin beziehen, sagte der Mormone im Laufe der Unterhaltung.

Sehr gern mache ich Gebrauch davon, antwortete der Director, wie schon gesagt, ich werde Alles thun, um Ihnen nützlich und gefällig zu werden.

So können wir vielleicht noch ein anderes Geschäft zusammen machen, fuhr Gray fort, ich erfahre nemlich zu meiner großen Verwunderung, daß Sie noch keine Schweine in Friedrichsburg besitzen, ein Gegenstand, worauf der amerikanische Grenzbewohner seine erste Aufmerksamkeit richtet. Das Schwein ernährt sich selbst und ernährt seinen Herrn durch seine zahlreiche Nachkommenschaft, ohne ihm etwas zu kosten, oder ihm Arbeit auszulegen. Ich werde in der Kürze einige hundert dieser werthvollen Thiere über Braunfels hierher treiben, um sie im nächsten Herbst zum Schlachten fett zu machen; wenn Sie es wünschen, lasse ich für Sie eine Anzahl Sauen mitkommen.

Wir haben noch nicht einmal Kühe in Friedrichsburg, wie viel weniger Schweine, antwortete Schubbert, nahm das Anerbieten des Mormonen dankend an, und wurde schnell über die Zahl der zu liefernden Sauen, so wie über deren Preis einig.

Nachdem sie noch Viel über Geschäftssachen gesprochen hatten, erhob sich der Director, um nach seinem Pferde zu gehen und sich auf den Heimweg zu begeben, als Joe, der Bluthund, ihn von Weitem mit seiner tiefen Stimme begrüßte, und Gray sagte:

Sie haben da einen prächtigen Hund, ist er auch auf der Jagd zu gebrauchen?

Er ist der beste Schweißhund, der jemals in die Wildniß geführt wurde, er folgt der Fährte eines angeschossenen Thiers, und wenn sie vierundzwanzig Stunden alt ist, antwortete der Director, und winkte Joe zu sich heran, der nun mit freudigem Gebell seinem Herrn entgegensprang.

So fände er wohl noch einen Bären, den einer unsrer jungen Männer, ein tüchtiger Jäger, gestern Abend spät dort unten an der Furt im Flusse angeschossen hat, er meinte, er hätte ihn sehr gut getroffen. Der Bär ist wieder über das Wasser zurückgegangen, und Heute früh hat der Schütze lange Zeit vergeblich nach ihm gesucht; er sagte, das Thier hätte aufgehört zu schweißen.

Den wollen wir bald haben, versetzte Schubbert mit aufwachender Jagdlust, rufen Sie den Jäger herbei, damit er mich auf den Anschuß bringe.

Er arbeitet an der Mühle, und ist derselbe junge Mann, der Ihnen bei Ihrem vorigen Besuche mit den beiden schönen Frauen auffiel; lassen Sie uns zu ihm gehen.

Hierauf schritten sie zu dem Pferd des Directors, dasselbe folgte ihm und Gray nach der Mühle, und dort rief dieser den Jäger Strabbo zu sich, und theilte ihm mit, daß der Director ihm mit seinem Hunde helfen wolle, den Bären aufzufinden.

Schnell warf der junge Mann seine Breitaxt aus der Hand, Schubbert bestieg sein Roß, und Beide begaben sich nun am Flusse hinab bis an die seichte Furt, wo Strabbo nach dem Bären geschossen hatte. Er ging durch das Wasser voran auf das jenseitige Ufer, und zeigte dort in dem weichen Boden die mächtige Fährte des Thieres abgedrückt.

Schubbert winkte nun seinem Hunde zu, dieser senkte die Nase in die Fährte, sah dann seinen Herrn an, und als derselbe ihm winkte, zu folgen, schritt er eilig dahin den nicht sehr fernen steinigen Höhen zu.

Wenn der Bär aber noch nicht verendet sein sollte, wir haben keine Büchsen, bemerkte Strabbo im Vorwärtsschreiten.

Ich habe Revolver, antwortete Schubbert, und öffnete die Klappe seiner Pistolenholftern.

So folgten Sie dem Hunde, der seine Eile nach der seines Herrn richtete und nicht weiter, als dreißig Schritte vor ihm hin suchte, bis sie nach einer Viertelstunde, die Berge erreichten, die das Thal der Pierdenales begrenzten. Zwischen zwei Höhen zog sich eine Schlucht hinauf, welche mit Dornengestrüpp und hohem Buschwerk bewachsen war, und nach dieser Schlucht zog der Hund hin.

Dort in dem Dickicht wird er sitzen, sagte der Director, und nahm einen Revolver aus der Holfter hervor, als Joe die ersten Büsche erreichte, und stehen bleibend, sich nach seinem Herrn umblickte.

Wir wollen hier halten und den Bären herauslassen, denn er würde die entgegengesetzte Seite von der, wo ich reite, wählen, und ich könnte ihm dann nicht folgen, sagte der Director, und winkte dem Hunde zu in das Dickicht hinein.

Wie ein Pfeil schoß Joe nun in der Schlucht hinauf, und wenig Augenblicke nachher ließ er seine wüthende Stimme ertönen. Gleich darauf aber erschien ein kolossaler schwarzer Bär in schwerfälligem Galopp auf der rechten Seite der Schlucht, und rannte der kahlen Höhe zu. Er hatte jedoch nur wenige Sprünge gethan, als Joe in langen Bogensätzen ihn erreichte, und ihn in die Keule faßte.

Der Bär fuhr herum und griff nach dem Hunde, doch dieser wich ihm aus, und blieb in kurzer Entfernung vor ihm mit lautem Bellen stehen, wobei er nach seinem Herrn schaute, der jetzt in Galopp heran kam.

Der Bär sah nach dem Reiter hin, und wandte sich abermals zur Flucht, doch im Augenblick hatte ihn Joe wieder von Hinten gefaßt, und sprang dann behend zur Seite, um den furchtbaren Tatzen des Feindes zu entgehen.

Da setzte sich der Bär mit gefletschten Zähnen aufrecht hin, und sah mit halb offenem Rachen und ausgestreckten Vordertatzen bald nach dem Hunde, bald nach dem Reiter. der ihn nun bis auf zwanzig Schritte erreicht hatte, und sein Pferd anhielt.

Schubbert richtete den Revolver jetzt auf den Kopf des Bären, und im Schuß sank dieser zusammen.

Zurück, Joe! rief er zugleich dem Hunde zu, und winkte ihn hinter sein Pferd, dann ritt er noch näher an das im Todeskampf um sich schlagende Thier, und schoß ihm eine zweite Kugel durch den Kopf.

Der Bär war todt, Schubbert stieg ab, und ging zu ihm hin, um ihn näher zu betrachten und zu sehen, ob er feist fei.

Gleich darauf kam nun auch Strabbo jubelnd herangesprungen, um die flüchtige Bekanntschaft vom Abend zuvor mit dem schwarzen Gesellen gründlich zu erneuern.

Während er ihn von allen Seiten betrachtete und befühlte, sagte der Director lachend:

Sie haben sein Herz etwas zu weit nach Hinten gesucht, Ihr Schuß sitzt auf der Keule; die Kugel würde im Nichts geschadet haben, sie hat ihn nicht einmal gelähmt.

Der Director zog nun sein Jagdmesser unter dem Rock hervor, schlitzte den Bären auf, und schnitt ein Stück von dessen Leber heraus, welches er dem Hunde gab und ihn dabei liebkoste.

Nachdem Joe nun sein Siegesmahl gehalten hatte, bestieg Schubbert sein Pferd wieder, reichte dem erfreuten jungen Mormonen die Hand, und ritt mit dem Versprechen davon, sogleich Hülfe für ihn aus dem Lager zu senden, um den Bären dorthin zu fahren.

Als er bald daraus den Fluß durchschritt, kam ihm Gray entgegen, und winkte freudig mit dem Schnupftuche, denn er hatte die Jagd mit angesehen.

Bei den Zelten angelangt, ließ er schnell einen zweirädrigen Karren mit einem Maulthier bespannen, und sandte ihn mit zwei Männern fort, um die Jagdbeute herbeizuholen.

Er bat den Director, zum Mittagsessen bei ihm zu bleiben, doch derselbe dankte für die Einladung, und eilte nach Friedrichsburg zurück.

Der folgende Tag war ein Sonntag, und eine friedliche, heilige Stille lag auf der Stadt. Alle Arbeit ruhte, die Leute saßen schon früh am Morgen vergnügt zusammen unter den Sonnendächern vor ihren Häusern, oder putzten ihre Gärten aus, und hier und dort sah man die Männer mit langen Pfeifen gemüthlich durch die Straßen schreiten, um Freunde und Bekannte aufzusuchen. Gegen neun Uhr aber belebte sich die Stadt mehr, und die Frauen und Mädchen in ihrem Sonntagsstaat gingen mit ihren Männern und jungen Burschen nach der Kirche.

Es war ein echt deutsches Bild, denn wenn die Leute auch in den Wochentagen schon ganz das Aeußere der Amerikaner angenommen hatten, so war doch ihr Sonntagsstaat noch mit aus dem alten deutschen Vaterland gebracht, und man sah es ihnen an, daß sie dessen gedachten. Mit dem Gesangbuche in der Hand schritten sie Familienweise schweigend dahin, und traten andächtig in das geräumige hölzerne Haus, welches als Kirche diente.

Nach gehaltenem Gottesdienst aber sammelte man sich vor der Thür, begrüßte sich, hielt einen Schwatz und dann gingen die Männer nach dem Wirthshause, und die Frauen benutzten die gemachte Toilette, um noch vor Tisch einige Besuche abzustatten.

Nachmittags wurde spazieren gegangen, die jungen Männer zogen zur Jagd, oder zum Fischen hinaus, die Frauen und Mädchen kamen zum Kaffee zusammen, und so verstrich der Tag, ein deutscher Sonntag.

Abends aber sollte nicht Tanzvergnügen sein, sondern Fandango, welche Benennung man von dem nicht fernen Mexico adoptirt hatte, obgleich man keinen Fandango, sondern einen ehrlichen deutschen Walzer, oder Galopp tanzte.

Ludwina hatte nach Tisch mit ihrem Vater, Rudolph und dem Obristen von Wildhorst einen Ritt in die nahen Berge gemacht, weil Rudolph auf die Jagd reiten wollte, wobei Jene ihn ein Stück des Weges begleiteten.

Kurz vor Sonnenuntergang kehrten die Dreie nach der Stadt zurück, der Major ging mit Wildhorst nach dessen Haus, um eine Pfeife bei ihm zu rauchen, und Ludwina setzte sich mit einer Näharbeit vor die Thür unter die Verandah, um die wundervolle Abendluft zu genießen.

Leo, der schwarze große Hund lag vor dem Hause auf dem Wege, und die Ziege ging wenige Schritt von ihm im Grase, und naschte noch hier und dort an dessen saftigen Halmen.

Es war so still umher, als ob auch die Natur Sonntag feierte. Ludwina hatte die Arbeit in den Schooß fallen lassen, weil es schon zu düster geworden war, und sie schaute mit dem Gedanken an das hohe Glück, welches der Allmächtige ihr hier gegeben hatte, nach dem goldrothen Himmel auf, dessen Wiederschein Alles umher feurig beleuchtete, da schoß plötzlich eine Gestalt über der Einzäunung empor, ein ungeheuerer Jaguar flog über dieselbe in den Hof hinein. Mit dem nächsten Sprunge stürzte er sich auf die Ziege, faßte ihren Rücken in seinen Rachen, und sprang mit ihr in einem Satze hoch über die Pallisaden zurück.

Der sonst so brave Hund hatte heulend bei Ludwina Schutz gesucht, und diese war entsetzt auf und nach der Thür gesprungen, doch als das buntgefleckte Raubthier mit seiner Beute das Freie erreicht hatte und die Klagelaute der Ziege zu ihrer Herrin zurückschallten, da brach diese händeringend in lauter Jammer aus, und blickte schluchzend und weinend ihrem unglücklichen Lieblinge nach.

Dann rief sie Leo zu, und rannte mit ihm aus der Einzäunung, damit der Hund dem Räuber folgen solle, Leo jedoch verbarg sich hinter Ludwina, und wollte nichts mit dem Jaguar zu thun haben. Dieser aber schritt majestätisch und unbekümmert mit der jetzt todten Ziege im Rachen über die Grasfläche hin dem nächsten Berge zu, und verschwand bald darauf in dem Düster des Abends vor dem Blicke des wehklagenden Mädchens.

Ludwina war untröstlich, sie wußte nicht, was sie thun sollte, sie rannte hin und her, in das Haus und wieder heraus, endlich verschloß sie dessen Thür, und eilte nach Wildhorsts Wohnung hin davon, um ihrem Vater ihr Leid mitzutheilen.

Sie hatte aber kaum die Hälfte des Weges zurückgelegt, als Rudolph ihr von Weitem zurief, und mit einem schweren Hirsch auf seinem Pferd herangeritten kam.

Ach, Rudolph – Rudolph – meine Lili – ein Tiger hat sie mir geraubt, jammerte Ludwina ihm entgegen, rang weinend die Hände, und verbarg in ihnen dann ihre Thränen.

Was sagst Du – Lili geraubt – wo war sie denn? fragte Rudolph theilnehmend.

In unserm Hofe vor dem Hause, der Tiger ist mit ihr über die Einzäunung gesprungen, und hat sie mit sich nach dem Berge dort genommen, antwortete das Mädchen schluchzend.

Die Ziege freilich ist nicht zu retten, ihr Mörder aber soll Morgen sterben. Ich sage es dem Director, und er findet mit seinem Hunde den Jaguar sofort auf.

Rudolph war bei diesen Worten vom Pferde gesprungen, und führte, dasselbe hinter sich herleitend, Ludwina unter Liebkosungen nach ihrem Hause zurück.

Gieb Dich zufrieden, gutes, liebes Mädchen, sagte er tröstend, der Director schenkt Dir gewiß eine andere Ziege, er hat noch wenigstens ein Dutzend davon hinter seinem Hause umherlaufen, und er giebt Dir die schönste, die er besitzt.

Die arme Lili, sie schrie so kläglich, als rufe sie mich um Hülfe an, und doch konnte ich ja Nichts für sie thun, sagte Ludwina ihre Thränen trocknend.

Rudolph hing den Zügel seines Pferdes über die Einzäunung, und ging mit seiner Braut nach dem Hause, um sie zu beruhigen und sie über ihren Verlust zu trösten.

Höre Rudolph, hub sie dort an, Du mußt mich lehren, mit einem Gewehre umzugehen; ich will schießen lernen, damit ich mich selbst und was mir lieb ist vertheidigen kann. Ich sehe nicht ein, warum wir Weiber nicht ebensogut im Nothfall von Waffen Gebrauch machen sollen, wir Ihr Männer; die dumme Furcht vor dem Knall will ich schon überwinden.

Du kommst mir mit meinem eigenen Wunsche entgegen, antwortete Rudolph freudig, ich habe Dir den Vorschlag dazu schon lange machen wollen.

Nun, Morgen am Tage sollst Du mir Unterricht darin ertheilen, und Du wirst sehen, daß Ludwina keine Zierpuppe ist, fuhr diese fort, als Stimmen vor dem Hause laut wurden, und Beide an das Fenster tretend, im Mondlicht den Director mit dem Major und mit dem alten Wildhorst erkannten.

Das nenne ich mir aber einen kapitalen Hirsch, rief der Director nach dem Fenster hin, während er neben Rudolphs Pferd stehend, das mächtige Geweih des über den Sattel liegenden Thieres betrachtete.

Ludwina und Rudolph aber hatten im nächsten Augenblicke die Einzäunung erreicht, und Nimanski bat seine beiden Begleiter, zu ihm einzutreten.

Sofort klagte Ludwina um den Verlust ihres Liebling Lili, und konnte es dabei nicht verhindern, das ihren Augen abermals Thränen entquollen.

Den Schaden wollen wir bald gut machen, Fräulein, sagte der Director theilnehmend, Morgen früh soll Ihre geraubte Ziege durch eine ebenso schöne und vielleicht eine noch viel bessere ersetzt sein, wofür Ludwina ihm nun im Voraus ihren freudigen Dank aussprach.

Es ist aber doch eine gewaltige Frechheit von diesem Thiere, und es muß ein alter Bursche sein, daß er mit der schweren Ziege die fünf Fuß hohen Palisaden überspringen konnte. Nun, Morgen früh wollen wir ihn uns näher betrachten; er sitzt nicht weit von hier bemerkte der Director, während sie sich sämmtlich unter der Verandah niederließen und nur Ludwina in das Haus gegangen war. Bald aber kehrte dieselbe mit einer Flasche und Gläsern zurück, stellte sie auf den Tisch, den Rudolph schnell herbeigetragen hatte, und holte dann noch einen Becher mit Cigarren für die Herren.

Das ist noch ein echter Ungarwein, den ich selbst mit herüberbrachte, sagte Nimanski, indem er die Gläser füllte, und hob das seinige dann mit den Worten empor:

Unser liebes, altes Deutschland soll leben! Worauf die Gläser hell erklangen, und Alle in den Toast mit einstimmten.

Während sie nun im Mondlicht so traulich zusammensaßen, und mit Liebe der alten Heimath gedachten, ging es in dem Fandangohause, wie das Wirthshaus genannt wurde, lustig her. In dem engen Raume, welcher als Tanzsaal diente, drehten sich die jungen Paare eng hintereinander in wirbelndem Walzer, und wer sich nicht mehr in dem drehenden Kreislaufe fortbewegen wollte, mußte um sich zu ruhen, aus dem Zimmer treten.

Es waren schöne, lustige Mädchen und Frauen, und kräftige Burschen, die den Reigen dort aufführten, und einzeln sah man auch eine Matrone in den Kreis springen und flott ihre Röcke schwenken.

Das Tanzzimmer war von dem gegenüberliegenden durch einen Hinten und Vorn offnen Raum getrennt, über dem sich das Schindeldach des Hauses hinzog, und welcher den nicht tanzenden Paaren als Ruhe- und Kühlungsort diente. Außer diesen aber standen und saßen viele Gäste hier in heiterer Unterhaltung, und rauchten und tranken, während das zweite Zimmer die eigentliche Schenke war.

Der Wirth hatte erst kürzlich ein Faß mit ausgezeichnet gutem Rheinwein erhalten, und sein Cognac und Genever, welche nach amerikanischer Sitte mit Wasser verdünnt getrunken wurden, waren von bester Qualität, weshalb die Schenkstube an diesem Abend nicht leer wurde.

Ein Stammgast in derselben war ein Herr Weltge, ein wohlhabender nassauer Bauer, der in der Stadt allgemein hochgeachtet wurde, und welchen der Director oftmals Andern als Muster bezeichnete. Er war der Einzige, der auf eigne Hand ein Grundstück in der Nähe der Stadt urbar gemacht und eine Maisernte gepflanzt hatte, sein Garten war der einzige, der einen wirklichen Ertrag lieferte, und kein Haus war so zweckmäßig und praktisch eingerichtet, wie das seinige. Seine Frau war aber auch eine tüchtige deutsche Wirthschafterin, und seine drei kräftigen Söhne und zwei erwachsenen Töchter waren zur Arbeit aufgebracht.

An diesem Abend saß Weltge mit mehreren seiner Freunde dem großen offenen Fenster in dem hintern Theile der Schenkstube gegenüber an einem Tische, und hatte eine Flasche des neuen Rheinweins vor sich stehen, aus der er von Zeit zu Zeit sein Glas füllte und mit Behaglichkeit, wie in Erinnerung an sein Leben in Deutschland, dasselbe zu seinen Lippen führte.

Er war ein stattlicher Mann von sechszig Jahren, groß und breitschultrig, und trug das Gepräge einer kernigen Gesundheit und eines thatkräftigen Willens.

Er unterhielt sich mit seinen Tischgenossen über die Fortschritte und Aussichten von Friedrichsburg, klagte über Mangel an Arbeitslust bei vielen von dessen Bewohnern, hob es namentlich als einen großen Fehler des Vereins hervor, daß auf dem ganzen Wege nach Braunfels nicht eine einzige Niederlassung sei, und kam schließlich auf das Haupthinderniß für den Aufschwung der Kolonie, auf die Indianer.

Was soll aus unsern dereinstigen Viehherden werden, wenn dieses Gesindel unsre Wohnungen umstreift, wir können doch keine Stallfütterung einführen wo wir unsre Hände zu so viel nöthigerer Arbeit gebrauchen, und wo die reichsten Weiden das Vieh ohne alle Kosten und Mühe ernähren.

Nun, ganz in der Kürze wird ja mit den Wilden Friede geschlossen, und dann ist alle Gefahr vorüber, fiel ein andrer Bürger ein.

Friede, wiederholte Weltge, das ist leicht gesagt, wer aber kann denn die Kerle zur Rechenschaft ziehen, wenn sie dennoch stehlen und morden, wird man denn durch den Friedensschluß sicher gestellt, daß Einem ein solcher Teufel nicht in seinen eignen vier Wänden einen Pfeil in den Leib schießt? Es giebt kein anderes Mittel gegen diese Raubthiere, als ein Vertilgungskrieg Seitens der Regierung, und Schande genug, daß sie nicht schon längst –

In diesem Augenblick schwirrte es wie ein Hauch am Licht vorbei über den Tisch, und Weltge ergriff zusammenzuckend mit einem furchtbaren Schrei mit beiden Händen das gefiederte Ende eines Pfeiles, der ihm durch die Brust gefahren war. Krampfhast riß er an dem Geschoß, um es aus sich herauszureißen, seine Hände fielen aber machtlos an ihm herab, und er richtete seinen Blick auf seine Freunde, die im selbigen Augenblick entsetzt zu ihm gesprungen waren, um den Pfeil aus seiner Brust zu ziehen. Derselbe hatte sich aber hinter ihm in der Eichenholzlehne des Stuhles so tief vergraben, daß Weltge wie festgenagelt da saß. Er schnappte nach Luft, ein heftiges Zittern kam über ihn, das Blut entquoll seinen Lippen, und sein Haupt senkte sich auf seine Brust.

Da schnitt einer der Männer entschlossen das gefiederte Ende des Pfeils von Weltges Brust ab, zog den sterbenden Mann nun nach Vorn von dem Stuhle herunter, so daß der blutige Rest des Geschosses in der Lehne stecken blieb, und legte den unglücklichen Alten mit Hülfe der Umstehenden auf den Fußboden nieder.

Hülfe – Mörder, Indianer! schrie es aber während dieser Zeit aus dem Tanzzimmer herüber, und in wilder Verwirrung drängten sich die Tänzer aus dessen Thür in den Durchgang und führten zwischen sich eine der jungen Tänzerinnen, aus deren Schulter ein zersplitterter Pfeil hervorsah, während ein junger Bursch mit weit klaffender Wunde auf dem Backen sich in verzweifelnder Aufregung hinter ihr herdrängte, und das Blut nicht beachtete, welches in Strömen seiner eignen Wunde entfloß.

Wie ein Sturmwind stürzte die Männerschaar in das helle Mondlicht hinaus und hinter das Haus, von woher die Pfeilschüsse gekommen sein mußten, in toller Wuth rannten sie ohne Waffen den Hügel hinan dem nicht fernen Walde zu, um den Mörder zu erspähen – umsonst – nirgends war eine Spur von ihm zu entdecken.

In der entsetzlichsten Aufregung, blutige Rache an den Indianern gelobend, kehrten die Männer nach dem Wirthshaus zurück, und mit ihnen eilte der Director, der auf seinem Heimwege den Lärm gehört hatte, in den Durchgang des Gebäudes.

Weltge war todt, und das verwundete junge Mädchen, Auguste Röder, saß weinend und jammernd auf einem Stuhl, und Niemand von den um sie Versammelten wollte es wagen, den Pfeil aus ihrer Schulter zu ziehen, weil der Apotheker davor warnte und darauf bestand, daß man es dem Director zu thun überlasse.

Derselbe zog nun das Geschoß, dessen eiserne Spitze in dem Schultergelenk fest eingeklammert war, vorsichtig doch mit vieler Gewalt heraus, und verband dann schnell die Wunde, während das Mädchen aus einer Ohnmacht in die andere sank.

Ihrem Tänzer, Carl Voß, dessen Wange von dem dritten Pfeil aufgerissen war, heftete der Director dann die Wunde, und beschied ihn, später nach seinem Hause zu kommen, um sie gehörig verbinden zu können, nun aber drängte sich Alles zu Schubbert heran, um eine Berathung mit ihm zu halten, was man für die künftige Sicherheit der Einwohnerschaft thun solle.

Nach langem Hin- und Herreden wurde beschlossen, allabendlich Posten um die Stadt auf die Lauer zu legen, um jeden sich ihr nahenden Indianer niederzuschießen. Der Director wußte recht gut, daß diese Posten monatelang ausgestellt werden könnten, ohne jemals eines Wilden ansichtig zu werden, dennoch hatte er selbst die Maßregel vorgeschlagen, weil die Leute eine Beruhigung darin fanden, und weil er verhindern wollte, daß vielleicht gegen freundliche Indianer, welche bei hellem Tage erscheinen würden, Feindseligkeiten ausgeübt werden möchten.

Der Morgen erschien, doch sein Licht verrieth nicht die leiseste Spur des Bogenschützen, keinen Abdruck in loser, oder weicher Erde, keine niedergetretenen Grashalme hatte sein Fuß hinterlassen.

Auf einen weniger gefährlichen, wenn auch Unheil drohenden Feind wandte sich nun die Aufmerksamkeit des Directors, auf den Jaguar nemlich, der Ludwinas Ziege geraubt hatte, und der sicher nun die Nähe der Stadt nicht wieder verlassen würde, so lange noch eins dieser werthvollen Thiere sich in derselben befand.

Es wurden schnell Anstalten getroffen, das Raubthier in seinem Schlupfwinkel aufzusuchen und es womöglich zu erlegen. Der Director ließ außer Joe seine sämmtlichen Hunde koppeln, alle tauglichen Hunde aus der Stadt, von denen sich die des Metzgers Kellner besonders durch Stärke und Muth auszeichneten, wurden an Stricken herbeigeführt, und die ganze Meute jungen Burschen zum Leiten übergeben.

Außer Rudolph sollten noch acht Vereinsschützen zur Jagd mitreiten, Alle bestiegen ihre Rosse, und der Director führte sie nun nach der Höhe hin, wo Ludwina den Jaguar mit der Ziege zuletzt gesehen hatte.

Kaum erreichte Joe dort dessen Fährte, als er stehen blieb und mit zornigem Knurren das Haar auf seinem Rücken emporrichtete. Er hob dann seinen glühenden Blick zu seinem Herrn auf, als wolle er ihn fragen, ob er auch wisse, wessen Fährte dies sei, der Director aber lobte ihn, und winkte ihm, voranzugehen. Joe schritt rasch vorwärts, doch nicht mit der Lust und dem Eifer, mit welchem er anderes Wild jagte, man erkannte in seinem Gange, daß er dem Kampfe mit einem gefährlichen Feinde entgegensah.

Alles Geräusch vermeidend, zogen die Jäger nun den nahen Bergen zu, und wiederholt blieb der Hund stehen, um eine blutige Steller bezeichnen, wo der Jaguar sich ruhend seine Beute niedergelegt gehabt hatte.

Bald waren die kahlen steinigen Höhen erreicht, über denen sich einzelne kegelförmige Kuppen und wild zerrissenes Geklüft erhoben. Hier hatte das Raubthier häufiger gerastet, und zwischen mehreren Felsstücken hinreitend, sah der Director bald darauf die zerrissene Ziege vor einem Dornbusch liegen. Die ganze eine Seite derselben war von ihrem Würger verzehrt worden.

Nun wurde ein Jagdrath gehalten, wonach die Vereinsschützen Links und Rechts die nächsten Kuppen umritten, um sich weiter hin an den Pässen aufzustellen, und nur der Director blieb mit Rudolph zurück, um der Fährte des Jaguars bis in dessen Lager zu folgen. Nach längerem Verweilen, um den Schützen Zeit zu geben, ließ Schubbert den Bluthund die Suche wieder beginnen, und hielt dabei die Männer mit der Meute, welche aus einigen zwanzig Hunden bestand, in kurzer Entfernung hinter sich.

Plötzlich blieb Joe stehen, blickte mit hochgehobener Nase in eine seitwärts emporsteigende Schlucht, und sah sich dann nach seinem Herrn um, als wolle er ihm verkünden, daß der Feind unweit vor ihm sitze.

Macht Euch bereit, um schnell sämmtliche Hunde lösen zu können, sagte Schubbert zu dem Führer derselben, und ritt nun mit dem Revolver in der Hand Joe nach, den er in die Schlucht vorangehen ließ.

Kaum aber war er fünfzig Schritte dem Hunde gefolgt, als plötzlich seitwärts zwischen dem Geklüft das goldgefleckte Königsthier in gewaltigen Sätzen hervorgesprungen kam, und mit einem Stoßgebrüll und hochgeschwungener Ruthe sich dem Hunde zuwandte, die beiden Reiter aber gewahrend, stutzte, und stehen blieb.

In demselben Augenblick gab Rudolph aus seiner Büchse und der Director aus dem Revolver Feuer auf das Raubthier, welches nun die Flucht ergriff. Ihm nach aber sprengten die Reiter und die ganze Meute der Hunde, die mit ihrem wilden Jagdgebell die Berge ertönen ließen.

Als sie das Plateau erreichten, hatte der Jaguar einige hundert Schritte Vorsprung gewonnen, da blitzte es ihm aus vier Richtungen, in welchen sich Schützen aufgestellt hatten, entgegen, doch vorwärts stob das flüchtige Thier, als flöge es über den steinigen Boden. Sämmtliche acht Schützen gesellten sich nun zu der Jagd, und in donnernder Carrière ging es dahin über Stock und Stein unter gellendem Jagdruf der Jäger und wild heulendem Gebell der vielen Hunde.

Die Sprünge des gehetzten Thiers wurden aber bald kürzer, und seine Verfolger kamen ihm rasch näher, Joe führte mit gewaltigem Satze die Jagd, und hatte den Jaguar bis auf wenige Schritte erreicht, als dieser sich plötzlich wandte, und auf den Bluthund stürzte. Im selbigen Augenblick aber fiel ein Dutzend der folgenden Hunde über ihn her, und im dicht verworrenen kämpfenden Haufen war das Raubthier verschwunden. Kaum jedoch nahten sich die Reiter, so schoß es in weitem Satze zwischen den Hunden hervor, und floh in fliegender Eile abermals dahin.

Die Hunde mit dem von Blut roth gefärbten Joe an ihrer Spitze blieben ihm jetzt dicht auf den Fersen, mit fletschendem Gebiß sah es sich bald Links, bald Rechts nach seinen grimmigen Verfolgern um, wagte aber den Kampf nicht wieder, denn die zehn Reiter sah es gleichfalls hinter sich, und vorwärts flog es über loses Gestein, Grasflächen und Dornengestrüpp.

Joe kam ihm jetzt zum Fassen nahe, da richtete es plötzlich seinen Lauf seitwärts einer einzeln stehenden alten Lebenseiche zu, in wenigen Augenblicken hatte es dieselbe erreicht, schoß an dem Riesenstamme hinauf, und verschwand in der dicht belaubten Krone des Baumes.

Mit wildem Jubelgeheul umkreisten die Hunde den Stamm, als die Jäger herangesprengt kamen, und Rudolph den Director bat, den Jaguar herunterschießen zu dürfen.

Sie müssen ihn aber in den Kopf treffen, sonst kostet es noch das Leben einiger Hunde, antwortete dieser, und nun stieg Rudolph von seinem Pferde, nahete sich langsam der Eiche, und blickte spähend in sie hinauf. Dann blieb er stehen, hob seine Doppelbüchse an die Schulter, und im nächsten Augenblick gab er Feuer. Der Krach des Schusses setzte die Hunde in noch größere Wuth, sie sprangen in den Baum schauend hoch empor, aber Alles blieb regungslos über ihnen in dem dichten Laubdache.

Der Jaguar hatte im Todeskampfe mit den Vordertatzen einen Ast erfaßt, und hing sterbend von demselben herab. Wohl eine Minute verstrich, da plötzlich stürzte er mit schwerem Falle leblos auf die Erde nieder, und die Hunde fielen über ihn her, um ihre Wuth an ihm auszulassen.

Die Jäger aber sprangen rasch hinzu und trieben, die Hunde zurück, um die schöne Haut des colossalen Thiers zu retten, und nur Joe blieb es erlaubt, seinen Zorn einige Augenblicke noch an ihm auszuüben.

Nun wurde der erlegte Ziegenräuber auf das Pferd eines der Schützen gebunden, dieser führte es an dem Zügel hinter sich her, und im Triumph zogen die Jäger nun nach der Stadt zurück, wo man sie mit Jubel empfing.

Die prächtige Haut des Thiers ließ der Director gerben, und machte sie Ludwina zum Geschenk, gleich nach der Jagd aber ersetzte er ihre weiße Ziege durch eine schwarzbunte von besonderer Schönheit.

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.