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Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band

Friedrich Strubberg: Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band - Kapitel 5
Quellenangabe
authorArmand
titleFriedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band
publisherFriedrich Fleischer
year1867
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20171108
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Drittes Kapitel

Kateumsi (der Bogenschütz). Aufforderung zum Frieden. Der Weg durch die Wildniß. Das schöne Thal. Anlagen der Straße. Der Ueberfall durch die Comantsche-Indianer. Der rettende Schuß. Das Nachtlager. Die Büffel.

 

Während die Beamten in Friedrichsburg bei dem Licht einer mit Bärenöl gefüllten Lampe auf hölzernen Schemeln um den Tisch saßen, und das Wohl und Wehe der Stadt besprachen, war ein enges, zwischen ihr und der Stadt Austin gelegenes Thal von vielen Feuern hell beleuchtet. Es waren die Lagerfeuer des Stammes der Comantsche-Indianer, dessen Häuptling sich Kateumsi (der Bogenschütze) nannte.

Einige vierzig hohe, aus weißem gegerbtem Büffelleder verfertigte runde, spitze Zelte standen auf dem Ufer des rauschenden Bergwassers hin, welches das Thal durchströmte, und vor einem jeden derselben brannte ein großes Feuer, dessen flackerndes Licht die rothen nackten Gestalten der Wilden beleuchtete, die um dasselbe auf Thierhäuten ausgestreckt lagen, auf ihren Hacken saßen, oder es umstanden.

Vor einem der geräumigsten dieser Zelte ruhte auf einer colossalen buntgefleckten Jaguarhaut der Häuptling Kateumsi, ein großer, schöner Mann von einigen dreißig Jahren. Seine schlanken, gedehnten Glieder zeigten eine ungewöhnliche Ausbildung der Muskeln, namentlich war dies mit seinen Armen der Fall, die er wohl im Gebrauch des Bogens so sehr gekräftigt hatte. Seine rothbraunen Gesichtszüge waren edel, seine Adlernase, sowie seine tief dunkeln Augen gaben ihm den Ausdruck von unbeugsamem Willen und Entschlossenheit, und sein rabenschwarzes Haar; welches in zwei schweren Flechten zu beiden Seiten seines Kopfes auf seine mächtige kupferfarbene Brust fiel, sowie seine breiten schwarzen Brauen schienen einen finstern Schatten über sein Antlitz zu werfen.

Ein Dutzend Indianerinnen, sämmtlich seine Frauen, war vor dem Zelte und um das Feuer beschäftigt, einige mit Rösten von Fleisch und Markknochen, andere mit Ausbessern von Sattelzeug, oder mit Zubereiten von Thierfellen, doch eine, die Jüngste und Schönste unter ihnen, saß neben dem Häuptling, und arbeitete an einem Pfeil, deren sie schon mehrere-verfertigt hatte, die zwischen ihr und Kateumsi auf dem Boden lagen.

Nimm starke Sehnen zum Festbinden der Spitze in dem Holze, Mona, damit dieselbe nicht nachgiebt, wenn der Pfeil einen Knochen trifft; er muß den Knochen zerbrechen, sagte der Häuptling zu der Indianerin, während er, sich auf seinen Ellenbogen stützend, ihre Arbeit überwachte.

Gleich darauf reichte sie ihm den fertigen Pfeil hin und nachdem er ihn eine Zeit lang betrachtet hatte, sagte er, ihn bei die andern legend: Er ist gut, möge der große Geist es geben, daß Kateumsi ihn nach dem Herzen eines Bleichgesichts schießen kann.

Plötzlich aber wandte er, sich rasch aufsetzend, seinen Kopf, schaute lauschend in dem Thal hinauf, und rief nach wenigen Augenblicken mit barscher Stimme nach dem nächsten Feuer hin:

Kateumsi hört die Tritte eines Pferdes, habt Ihr keine Ohren?

Die Männer-, die um das Feuer lagen, sprangen erschrocken auf, lauschten gleichfalls, und holten dann schnell ihre Bogen und Pfeile aus dem Zelte.

Jetzt wurde der Hufschlag des sich nahenden Pferdes lauter, und bald darauf zeigte sich im fernen Lichtschein der Feuer ein Reiter, der sein Roß am Wasser herab dem Lager zulenkte.

Einer von den Verräthern der rothen Kinder, ein Delaware, sagte Kateumsi, seinen finstern Blick auf den Nahenden heftend, der nach wenigen Minuten sein Zelt erreichte und von dem Pferde stieg.

Youngbear (der junge Bär), mein Häuptling, wünscht Dir Glück auf der Jagd und in Deinem Zelte, sagte der Delaware, indem er zu Kateumsi trat, und ihm die Hand reichte.

Eine der Indianerinnen hatte während dieser Zeit eine Büffelhaut aus dem Zelte geholt, und sie für den Fremden bei das Feuer gelegt, als der Häuptling zu diesem sagte:

Sei bei meinem Feuer willkommen und ruhe Dich, wobei er mit der Hand nach der Büffelhaut zeigte.

Der Delaware stellte, während eine der Frauen seinem Pferde Sattel und Zeug abnahm, seine lange einfache Büchse an einen nahen Baum, und folgte dann der Einladung des Comantschen, indem er sich neben ihn auf die Büffelhaut niederließ. Beide schwiegen, und schienen ihren Gedanken zu folgen.

Da breitete eine der Frauen eine Hirschhaut zwischen den beiden Männern aus, und legte gebratenes Fleisch und aufgeschlagene, vor der Kohlengluth geröstete Markknochen auf derselben nieder.

Sei willkommen bei meinem Mahl, sagte Kateumsi wieder, und deutete, sich aufsetzend, nach den Speisen hin, von denen er einen riesigen Knochen ergriff, und das Mark daraus verspeiste.

Der Delaware folgte schweigend der Aufforderung, und sein Appetit zeigte, daß er ohne zu essen einen langen Ritt gemacht hatte.

Nachdem Beide gesättigt waren, reichte eine Frau dem Häuptling eine Pfeife hin, die derselbe an der Kohlengluth anzündete, und viele Züge des Tabacksdampfes rasch hintereinander hinunterschluckte. Dann gab er die Pfeife dem Delawaren, und dieser that nun ein Gleiches. Beide schauten abermals, wie in Gedanken versunken, eine Weile in das Feuer, bis Kateumsi sich gerade setzte und einen Strom des verschluckten Tabacksdampfes von sich blies. Dann legte er sich auf seinen Ellenbogen zurück, und sagte mit gleichgültiger Ruhe:

Nun rede, weshalb Du zu Kateumsi gekommen bist.

Auch der Delaware hatte eine Dampfwolke aus seinem Munde hervorgeblasen, richtete seinen ebenso ruhigen Blick auf den Comantschen, und begann:

Unser großer Vater in Washington hat meinen Häuptling beauftragt, alle Stämme der Comantschen nach Friedrichsburg einzuladen, um dort einen ewigen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit den Weißen abzuschließen, und reiche Geschenke zu empfangen. Die Zeit hat er in den Monat August, wenn der Mond rund wird, festgesetzt. Youngbear sendet mich nun zu Dir, um Dir die Einladung zu überbringen.

Hier schwieg der Delaware, und heftete seinen unveränderten Blick auf den Häuptling, dessen Züge sich verfinstert hatten.

Wo stehen Youngbears Zelte? fragte dieser nach einer Weile.

In dem ewig grünen Grase an den Ufern der klaren, schönen Medina, antwortete der Indianer.

Und warum macht er Dein Pferd unnöthig so müde, oder kennt er Kateumsi noch nicht, und glaubt, daß auch er seine Augen gegen die Falschheit der Bleichgesichter schließen und seine Ohren ihren doppelten Zungen öffnen sollte? Youngbear ist kein Freund seiner rothen Brüder, sonst hätte er Dich nicht zu Kateumsi gesandt.

Der Blick des Häuptlings hatte sich noch mehr verfinstert, und war vorwurfsvoll auf den Indianer gerichtet, als dieser wieder das Wort nahm, und sagte:

Youngbear ist ein Freund seiner rothen Brüder, und darum wünscht er, daß sie der Einladung unsres großen Weißen Vaters folgen und Frieden mit den Weißen machen möchten, damit sie selbst ruhig bei ihren Feuern schlafen können.

Die Augen des Häuptlings blitzten bei diesen Worten des Boten in wildem Feuer auf:

Und waren es nicht auch die Delawaren, rief er mit zorniger Stimme, die den alten Mapotuska mit noch einigen vierzig Häuptlingen der Comantschen nach San Antonio zu einem Friedensschluß mit den Bleichgesichtern einluden, wo diese über die waffenlosen bethörten Comantschen herfielen und alle niedermetzelten, bis auf Sanacho, der sich durch die Flucht rettete? O, Ihr Delawaren – ihr seid Freunde der rothen Kinder für das Gold ihrer Feinde, der Bleichgesichter!

Hierbei warf sich der Häuptling auf seinen Ellenbogen zurück, und streckte die Hand verächtlich abwehrend nach dem Indianer aus.

Du irrst Dich diesmal, Kateumsi, die Weißen meinen es ehrlich, und wünschen in Freundschaft mit Euch zu leben und Handel zu treiben.

Wie der wüthende graue Bär nur aus Blutgier mordet und zerreißt, so haben die Bleichgesichter die rothen Kinder von den Ufern des großen Wassers vertrieben und ganze Nationen vernichtet, und nun suchen sie dieselben auch noch in diesen fernen Bergen auf, um sie herauszulocken, und sie wehrlos zu tödten, fiel Kateumsi mit dumpfer Stimme ein, wo ist die große Nation der Delawaren geblieben, die das ganze Land, wo die Sonne aufsteigt, beherrschte? Ihre Freunde, die Bleichgesichter, haben sie aufgerieben bis auf die wenigen kleinen Stämme, die sie jetzt für Gold gebrauchen, um die noch starken, freien Geschlechter der rothen Kinder zu bethören und von der Erde zu verdrängen. Sage Deinem Häuptling, Du hättest mit mir an meinem Feuer gesessen, meine Frauen hätten Dich gespeist, und Du hättest in meinem Zelt ruhig geschlafen, daß ich aber ein Feind der Delawaren sei, und wo ich sie träfe, meinen Pfeil mit ihrer Kugel messen wurde. Nun lege Dich in mein Zelt, oder schlafe hier bei meinem Feuer, damit Du, wenn die Sonne aufsteigt, geruht und gesättigt mein Lager verlassen kannst. Ich habe geredet.

Hierauf winkte Kateumsi noch, wie zum Lebewohl, mit der Hand nach dem Delawaren hin, warf sich auf sein Lager zurück, und schloß die Augen.

Die sternhelle Nacht verstrich und der bleiche Schein des nahenden Tages zog am Himmel auf, als in dem Vereinslocale in Friedrichsburg schon reges Leben herrschte, in dem Hof waren die Schützen bei dem Feuer beschäftigt, ihr Morgenbrod zu bereiten, in der Vereinskirche kochte und bratete es, und in dem Geschäftslocal hatten sich bereits die Beamten versammelt, um noch etwaige Vorschriften des Directors entgegenzunehmen.

Die Dämmerung durchdrang auch kaum den Morgennebel, der sich in leichtem Gewölk durch das Thal den Bergen zurollte, als der Director mit seinen Reisegefährten aus dem Thorweg hervor zu den harrenden Pferden trat, dort den so eben heranreitenden Obristen v. Wildhorst und dessen Sohn herzlich begrüßte, und dann sein Roß bestieg. Alle waren schnell in ihren Sätteln, Schubbert reichte dem Proviantmeister Bickel zum Abschied die Hand, empfahl ihm nochmals Wachsamkeit und Vorsicht, und die acht Reiter, Kalhahi voran und der Director mit den beiden Wildhorsts an der Spitze, setzten sich nach Osten hin in Trab.

Die Stadt blieb bald hinter ihnen zurück, und der Eichenwald nahm sie unter seinem dichten Laubdach auf.

Kein Busch, kein Strauch hinderte die Tritte der Rosse, das dichte feine Gras unter den mächtigen Bäumen war frisch, grün und niedrig, und glänzte wie eine silberne Fläche im schweren Thau. Nur hier und dort lagen noch einzelne Nebelmassen, und der Blick unter den Eichen hin in die Ferne wurde klarer und freier.

In allen Richtungen war die Fläche belebt, hier floh eine Schaar von einigen hundert Truthühnern in fliegendem Laufe; dort stand ein Rudel Hirsche, und schaute sichernd nach den Reitern her, ehe es in leichtem Sprunge das Weite suchte; bald wieder rannte eine Heerde riesiger Büffel in dröhnendem schwerfälligen Galopp davon, und hin und wieder eilte die schwarze Gestalt eines Bären in langen Bogensätzen zwischen den Stämmen fort.

Da schossen die ersten Strahlen der über die Gebirge aufsteigenden Sonne durch das hohe Laubdach über die Grasflur, und wie eine Decke von Brillanten blitzte die Perlensaat des Thaues in ihrem Scheine. Die ganze Natur war belebt, die Vögel sangen, die Adler schrieen, und die Geyer hoben sich zu Hunderten zum Aether auf, und schwirrten und kreisten wie im Morgentanze über dem Walde.

Bald aber wurde derselbe lichter, die alten Eichen mit ihren ungeheuren Armen standen einzelner, das Gestein ragte mehr und mehr aus dem Gras hervor, das Brausen der Pierdenales wurde hörbar, und die hier kahlen felsigen Ufer des reißenden, wildschäumenden Flusses waren erreicht.

Die Rosse mußten im Schritt sich ihren Weg zwischen dem umherliegenden Gestein suchen, und hohe Gräser und Riesenpflanzen hinderten ihre Tritte. Die Berge standen hier nahe zusammen, und schroffe Felswände begrenzten zu beiden Seiten des Flusses das enge Thal, so daß oftmals auf dem Ufer kaum Raum genug für einen Reiter vorhanden war. Doch bald wieder wichen die steinigen Höhen zurück, und ein reiches üppig begrastes, und hier und dort herrlich bewaldetes Thal breitete sich zu beiden Seiten des Flusses aus. Seine Ufer schmückten sich auch wieder mit majestätischen Bäumen, die oftmals in breiten Waldstrichen seine Fluthen in ihren tiefen Schatten verbargen.

Unbegreiflich ist es mir, sagte Schubbert zu dem neben ihm reitenden Obristen, warum die Generaldirection nicht dieses Thal zum Anlegen von Friedrichsburg gewählt hat, wäre ich mit bei der Commission gewesen, ich hätte sicher nicht dafür gestimmt, die Stadt einige Meilen von dem Flusse entfernt aufzubauen, und würde mir auch dessen Ufer auf weithin auf- und abwärts in Augenschein genommen haben. So oft ich hierher gekommen bin, hat mir dieser Mißgriff wehe gethan. Und welch ungeheure Wasserkraft hat der Fluß dort Oben nahe bei der Schlucht.

Es ist reizend hier, bemerkte der Obrist, seinen Blick um das Thal sendend, könnten Sie nicht durch die neu ankommenden Emigranten hier eine Niederlassung anlegen?

Das ist aus vielen Gründen unmöglich, da man die Leute so weit seitwärts von dem einmal eingeschlagenen Wege nach dem Vereinsgebiet nicht mit dem Nöthigen versorgen, und ihnen nicht rathen und helfen könnte, erwiederte der Director.

Würde dies aber nicht auch mit vereinzelten Niederlassungen auf dem Wege von Braunfels nach Friedrichsburg der Fall sein; wovon sollten die Leute leben? Fragte Wildhorst wieder. Sie könnten doch nicht zweimal in der Woche nach einer der beiden Städte wandern, und sich frisches Fleisch, Maismehl, Bohnen, Erbsen und Kaffee von dem Vereinslager holen; und berechtigt sind sie doch auf Verköstigung, da sie ihr gutes Geld dem Verein in Deutschland eingehändigt haben, um es hier nach Belieben baar, oder in Lebensmitteln, oder sonst benöthigten Gegenständen zurückzuerhalten.

Ganz Recht, Herr Obrist, entgegnete Schubbert, dadurch aber, daß man die Emigranten in Städten zusammenhält und sie wie Kinder füttert, erhält man sie in der deutschen Unselbstständigkeit, in der unglückseligen Gewohnheit, sich auf Andere zu verlassen, von Andern überwacht und versorgt zu werden. Sie bleiben ruhig in den Städten sitzen und lassen sich verpflegen, so lange man es thut, und wenn es aufhört, so sind sie rath- und hülflos, und jammern und klagen, daß man sie mißhandelt habe. Und doch sind sie nur hierher gekommen, um selbstständig zu werden und für sich selbst zu sorgen. Wäre es dem Vereine möglich gewesen, die Emigranten sofort hinauf in das Vereinsgebiet zu schaffen und ihnen dort ihr Stück Land anzuweisen, so würden sie ja viel einzelner und verlassener wohnen, als in kleinen Niederlassungen, die sich aneinander reihen und sich gegenseitig Schutz und Hülfe gewähren können. Freilich ist es viel bequemer, in einer Stadt zu leben, und an jedem neuen Morgen mit dem beruhigenden Bewußtsein zu erwachen, daß ein Anderer die Sorge für unsern Unterhalt, unsre Bedürfnisse und unsre Annehmlichkeiten übernommen habe. Wer aber sorgt für den Amerikaner, der mit Frau und Kind allein zehn – zwanzig Meilen von den Grenzansiedelungen weiter hinaus in die Wildniß zieht, und dort ohne alle Hülfe, ohne allen Beistand sich eine Heimath zu schaffen beginnt?

Sehr wohl, Herr Director, nahm der Obrist wieder das Wort, der Verein hat aber doch nun einmal die Sorge für die Leute übernommen, und diese sind nur darauf hin hierher ausgewandert.

Und mit bestem Willen und nach besten Kräften hat auch der Verein bis jetzt die übernommenen Verpflichtungen erfüllt, nur sind von seinen Beamten in diesem Lande die rechten Wege zur Erreichung des vorgesteckten Zieles leider nicht eingeschlagen worden, entgegnete der Director. Hätte man damit begonnen, in allen den schönen Thälern von Braunfels hierher kleine Niederlassungen zu gründen, so würden dem Verein viel weniger Kosten erwachsen sein, die Angesiedelten wären selbstständig geworden, hätten sich selbst zu ernähren gelernt, und ihr Guthaben in baarem Gelde hätten sie zu ihrer bessern Einrichtung verwenden können. Hätte man dann endlich mit solchen Niederlassungen das Vereinsgebiet erreicht, so wurde jedem Emigranten dort sein Land angewiesen und er konnte nach Gutdüngen darüber verfügen.

Das ist mir sehr klar, fiel der Obrist ein, nur weiß ich nicht, wie ein Mann mit Frau und Kindern zum Beispiel vier Stunden von Braunfels in dem ersten schönen Thale hätte existiren können.

Das will ich Ihnen erklären, Herr Obrist, antwortete der Director. Ich hätte nicht eine, sondern fünf oder sechs Familien dorthin geschafft, wäre ihnen dort behülflich gewesen, Blockhäuser zu bauen und eine Pallisadeneinzäunung darum aufzurichten, wie auch einen kleinen Garten herzustellen. Versorgt mußten sie dann werden mit Mais und einer Stahlmühle, um Mehl zu bereiten, mit einer Kuh oder einigen Ziegen, mit ein paar Sauen, mit Hühnern und mit Gartensämereien, dann waren sie im Stande, binnen Kurzem ohne alle Hülfe von Außen sich selbst gut zu ernähren. Die Kühe, Ziegen, Sauen und die Hühner bedürfen in diesem Lande keiner Pflege, sie sorgen für sich selbst, und vermehren sich schneller, als in irgend einem andern Lande der Erde. Schon nach wenigen Wochen hätte der Garten die Ansiedler mit Gemüsen und Früchten versehen, und zwar dann während des ganzen Jahres, und wenn nun der Verein bis zu der Zeit, wo sie eine Maisernte erzielt haben konnten, ihnen noch hülfreich mit einem, oder dem andern Bedürfniß unter die Arme gegriffen hätte, so konnte er sie dann gänzlich sich allein überlassen. Die Städte entstanden schon von selbst, es begaben sich Handwerker aller Art in die Ansiedelungen, es ließen sich Kaufleute in ihnen nieder, und Handel und Verkehr wurde aus dem ganzen Wege nach dem Vereinsgebiet rege.

Zur Gründung einer solchen Niederlassung mußte der Verein einen sachverständigen Mann, am Besten einen amerikanischen praktischen Pflanzer, den Leuten für einige Zeit beigeben, so daß sie die Art und Weise kennen lernten, wie der Amerikaner in der Wildniß auftritt, lebt und arbeitet, und glauben Sie mir sicher, unsre Deutschen geben ihm Nichts an Thätigkeit, Ausdauer und Geschicklichkeit nach, sie stehen ihm in Allem voran, nur müssen sie angewiesen werden, und erst Vertrauen in sich selbst setzen lernen, welches ihnen in dem bevormundeten Leben in Deutschland unmöglich war. Wissen Sie wohl, Herr Obrist, daß ich mit drei Deutschen jahrelang mitten unter den Indianern gewohnt habe, so weit von allen Weißen entfernt, wie niemals ein Amerikaner vor, oder nach mir, und daß ich von meiner Wohnung kaum in zwei Tagen das nächste Haus erreichen konnte?

Ja wohl, habe ich davon gehört, und habe auch wiederholt in amerikanischen Zeitungen Berichte über Ihr Leben in der Wildniß gelesen, erwiderte Wildhorst, und allerdings haben Sie dadurch den besten Beweis geführt, daß die Deutschen gute Colonisten sein können.

Ueber eine Stunde waren die Reiter nun wieder in raschem Trabe durch das Thal vorwärts geeilt, als Kalhahi sich weiter von dem Flusse entfernte und seinen Weg nach einem Durchgang zwischen zwei hohen kahlen Bergen richtete, den sie nach Zurücklegen von einigen Meilen erreichten.

Hier nahm die Gegend einen wildern, unwirthlichern Charakter an, die nackten Höhen der Gebirge hoben sich in schroffen Felsmassen empor, und jähe, schwindelnd tiefe Abgrunde öffneten sich zwischen ihnen in zerrissenem Geklüfte, während die schmalen Thäler mit Wald, namentlich mit Cederholz bestanden waren. Von den Höhen schweifte der Blick bis in die weite duftige Ferne über einem Bergmeer, aus dem die Klippen sich wie blaue Wogen erhoben.

Gleich bei dem Ausgange aus dem Thale der Pierdenales hatte der Vereinsgeometer Döbler begonnen, den Weg zu bezeichnen, indem er durch zwei für seine Dienste mitgenommene Männer, wo sich Bäume befanden, dieselben an der Ost- und Westseite mit einem Beile deutlich und auf weithin sichtbar anhauen ließ, und wo keine Bäume vorhanden, eine kleine Pyramide von Steinen aufstellte, die Jedermann für ein Werk von Menschenhand erkennen mußte. Diese Wegmarken ließ er so oft anbringen, als es nöthig war, um sie von einer zur andern leicht bemerken zu können.

Wenn nun die Arbeit auch eine flüchtige und rohe war, so verzögerte sie doch das Vorwärtsdringen der Reiter sehr, so daß sie, als die Sonne sank, und sie in einem üppig begrasten Grunde an einem rauschenden Bergwasser ihren Pferden die Bürde abnahmen, um die Nacht hier zuzubringen, wohl die doppelte Wegstrecke würden zurückgelegt haben können, wenn sie ohne diesen Aufenthalt ihrem Führer gefolgt wären.

Die Pferde waren mit gefesselten Vorderfüßen in das hohe Gras geführt, und noch ehe die Dunkelheit sich über die Erde legte, lagerten die Reisenden um ein großes Feuer, beschäftigt, ihren Kaffee zu brauen und köstliches Wildpret an Stöcken vor der Gluth zu rösten, denn Burg hatte während des Rittes einen feisten Hirsch und zwei wilde Truthähne geschossen. Die Nacht war warm und still, so daß erst nach Mitternacht die um das Feuer Ruhenden sich in ihre wollenen Decken hüllten.

Mit dem ersten Grauen des folgenden Morgens waren Alle wieder mit Bereitung des Frühstücks beschäftigt, und noch ehe die Sonne die Kuppen der Berge vergoldete, saßen die Reiter abermals in ihren Sätteln und folgten dem Indianer bergauf, bergab.

Unbegreiflich war es, wie derselbe, ohne sich nur einen Augenblick zu besinnen, in diesem Labyrinth von Bergen seinen Weg nahm und ihn so zu richten wußte, daß ein Fuhrwerk recht gut hätte folgen und mit leichter Arbeit eine Bahn für dasselbe hätte bereitet werden können.

Die Gegend änderte sich auch heute nicht; über dasselbe endlose Meer von Bergkuppen blickten die Reiter von jeder Höhe hin, und dieselben dunkeln Cederwälder schauten wie am gestrigen Tage aus den Schluchten hervor.

Auch der Himmel blieb ebenso wolkenleer und klar, und der frische Luftzug milderte die Gluth der Sonnenstrahlen.

Heute hatten die Reiter bis zum Untergang der Sonne eine bedeutende Strecke zurückgelegt, und begeistert von der Ueberzeugung, daß das Unternehmen mit Erfolg gekrönt werden würde, verbrachten sie abermals eine Nacht unter dem sternbedeckten Zelte des Himmels.

Wieder hatten sie vor Sonnenaufgang gesattelt und ihre Arbeit begonnen, und mancher Steinhaufe war aufgerichtet und mancher Baum angehalten worden, als sie gegen Mittag einen Bergrücken erreichten, von dem sie in ein, von Norden nach Süden liegendes Thal blickten, durch dessen grasigen Grund ein Bach sich schlängelte, der wahrscheinlich der Pierdenales zufloß.

Hin und her führte sie der Shawnee an dem Bergabhang hinab, und Reiter und Rosse hießen den erreichten Wiesengrund willkommen, in dem sie einen frischen Trunk vor sich sahen.

Kaum hatten sie aber die Hälfte der Grasfläche bis zu dem Bache überritten, als plötzlich weiter Oben in dem Thale das Kriegsgeschrei der Comantschen ertönte, und eine Schaar von Reitern in fliegender Carrière in demselben herabgestürmt kam.

Vorwärts! schrie Kalhahi im selbigen Augenblick seinen Nachfolgern mit gellender Stimme zu, stach sein Roß in die Flanken, und sauste wie vom Wind getragen geradeaus dem Bache zu, und hinter ihm drein sprengten die Andern, unter Sporn und Peitsche ihre Pferde zu fliegendem Laufe antreibend.

Der Shawnee hatte bereits die hohen Erlenbüsche, die den Bach überschatteten, erreicht, war aus dem Sattel gesprungen, hatte sein Pferd vom Ufer hinab in das Wasser geführt und es dort an die Büsche befestigt, als seine Gefährten anlangten und eiligst seinem Beispiele folgten.

Kaum aber waren die Thiere in Sicherheit gebracht und ihre Reiter waren mit ihren Waffen auf das Ufer zurückgesprungen, als der Haufe der Comantsche-Indianer, einige vierzig an der Zahl, in gerader Richtung auf sie herangestürmt kam mit der augenscheinlichen Absicht, über sie hin durch den Bach zu jagen. Da krachten die Büchsen der Deutschen ihnen entgegen, und fünf Wilde stürzten von ihren Pferden. Ein Hagel von Pfeilen flog im selbigen Augenblick nach den Schützen herüber, doch diese warfen sich schnell hinter dem Ufer nieder, so daß keines der Geschosse sein Ziel erreichte.

Mit einem Zetergeschrei schwenkte die ganze wilde Schaar herum, und jagte zurück, während ein hoher mächtiger Reiter auf schwarzem Rosse sie vergebens aufzuhalten suchte. Mit wüthender Donnerstimme sprengte er den Fliehenden nach, brachte sie bald wieder zum Halten und führte sie abermals im Sturm zum Angriff auf die Weißen zurück. Kaum aber hatten sie sich auf Schußweite genaht, als ihnen die Büchsenkugeln entgegen flogen, und wieder mehrere der Wilden von ihren Pferden stürzten.

Wieder aber war es dem Reiter des Rappens nicht möglich, seine Kameraden auf die Weißen zu führen, sie wandten sich abermals, und suchten das Weite.

»Kateumsi!« schrie der Shawnee-Indianer jetzt seinen Gefährten zu, die sämmtlich begonnen hatten, ihre Doppelbüchsen zu laden, doch Kateumsi wollte ihnen die Zeit dazu nicht lassen, denn in den nächsten Minuten kam er wieder mit seinen Streitern herangestürmt und feuerte sie, ihnen voranjagend, mit seiner Löwenstimme an, ihm zu folgen.

Hat denn Keiner mehr einen Büchsenschuß für diesen Kerl? rief der Director seinen Gefährten zu, warf den Ladestock aus der Hand, und zog einen Revolver aus dem Gürtel, denn schon hatte die wilde Schaar den Bach bis auf vierzig Schritte erreicht, da sprang Rudolph auf das Ufer, schlug die Büchse an, das Feuer fuhr heraus, und im Krach stürzte der Häuptling von dem Rappen herab.

Mit einem Geschrei, als seien die Geister der Hölle selbst erschienen, rollte sich der Haufe der Wilden um ihren Häuptling auf, im Augenblick hatten sie ihn Einem derselben auf das Roß gehoben, und fort stob nun der ganze Schwarm, und verschwand bald hinter einer Biegung des Baches.

Sie haben uns Allen das Leben gerettet, Rudolph, sagte der Director, den Ladestock aufhebend, denn diesmal wären sie über uns hingejagt, und ihre Pfeile hätten Auch nicht Einen von uns verschont. Wie kam es aber, daß Sie noch einen Schuß in Ihrer Büchse bewahrten.

Ich hatte mit dem ersten Lauf einen der armen Teufel heruntergeschossen, und als sie wiederkamen, that es mir leid, noch einem das Leben zu nehmen, da sie doch nur für ihr Eigenthum, für ihr Recht kämpfen, antwortete Rudolph lächelnd, und stieß die frische Ladung in seine Büchse hinab.

Und über Deiner Humanität hätten wir sehr leicht um unser Leben kommen können, fiel ihm der Obrist heftig ein.

Doch nicht, Herr Obrist, diesmal hat die Humanität uns gerettet, denn hätte Ihr Sohn, wie wir, keinen Schuß mehr vorräthig gehabt, so waren wir unwiderruflich verloren.

Gottlob, daß diese Teufel fort sind, sagte der Obrist, ist es mir doch wahrhaftig bei Waterloo im Kartäschenfeuer der Franzosen nicht so heiß und kalt geworden, als beim Anblick dieser Bestien; hatten sie sich doch die Gesichter angemalt, als ob sie direct aus der Unterwelt kämen. Und mit welcher Gewalt ihre Pfeile geschossen sind, sehen Sie nur, Herr Director, die drei Zoll dicken Erlenstämme, wie sie gespalten und zersplittert sind; das wäre Einem ja durch und durch gegangen.

Ei ja wohl, entgegnete Schubbert, sie schießen ihre Pfeile durch den stärksten Büffel hin, daß dieselben noch auf der andern Seite, wer weiß, wie weit fliegen.

Dann wandte sich der Director wieder zu Rudolph, und sagte:

Sie haben aber nicht allein uns das Leben erhalten, Sie haben der ganzen Bevölkerung von Friedrichsburg durch den Tod dieses berüchtigten, unversöhnlichen Feindes einen sehr großen Dienst erwiesen.

Wenn der Kerl nur auch wirklich gut getroffen ist, fiel der Obrist noch immer sehr aufgeregt ein.

Ich fürchte, meine Kugel ist ihm nicht weit vom Herzen durch die Brust gegangen, bemerkte Rudolph mit bedauerndem Tone.

Du fürchtest? Ich bitte Dich, was redest Du da wieder, Du solltest Dich freuen, daß Du ein solches Ungeheuer aus der Welt geschafft hast, versetzte der alte Wildhorst mit Entrüstung. Ich verstehe Dich manchmal wirklich nicht, Rudolph!

Nun, ehrlich gestanden, lieber Obrist, auch mir ist es bei meinen frühern häufigen Kämpfen mit diesen Wilden immer so gewesen, als wäre das Recht nicht ganz auf meiner Seite, und wo mich nicht die Nothwehr dazu brachte, habe ich nie eine Büchse auf sie abgedrückt. Die Leute sind in ihrem Eigenthum und wir sind es, die sie daraus vertreiben und sie schließlich von der Erde verschwinden lassen wollen, sagte der Director, indem er die Zündhütchen auf seine Büchse setzte, worauf er mit den Worten nach seinem Pferde vom Ufer hinabtrat:

Nun lassen Sie uns weiter reiten, wir haben Nichts mehr von diesen Feinden zu fürchten, und sobald wir uns entfernt haben, werden sie zurückkommen, um ihren Verwundeten dort beizustehen, denn todt werden dieselben nicht alle sein, obgleich Keiner von ihnen sich rührt.

Nach wenigen Minuten waren die Reiter wieder zu Roß und eilten der nahen Höhe an der andern Seite des Baches zu, auf der sie abermals eine große Steinpyramide aufstellten, und dann bald das Thal aus dem Gesicht verloren.

Die Sonne stand noch ziemlich hoch über dem Horizont, als sie ein hügeliges Grasland erreichten, auf welchem hier und dort in großer Entfernung von einander Gruppen von riesigen immergrünen Eichen standen, und in welchem sich ein unbedeutendes Wasser hin und her schlängelte. Dasselbe kam aus einem kleinen dornichten Gehölz hervor, welches in der Mitte dieser weiten Grasflur lag, und aus welchem sich gleichfalls mächtige Eichen erhoben. Kaum fünfzig Schritt von diesem Gehölz standen auch mehrere alte Lebenseichen auf einem Hügel, und als die Reiter sich denselben näheren, sagte der Obrist zu dem Director:

Sehen Sie, dies wäre ein herrlicher Platz zum Lagern, das Wasser so nahe, trockenes Holz in Menge, prächtiges Gras für die Pferde und eine freie Aussicht rund umher.

Und doch würde ich niemals hier über Nacht bleiben, versetzte Schubbert, sehen Sie denn das Gehölz nicht? Wer kann wissen, ob nicht hundert Indianer darin verborgen liegen und nur darauf warten, daß Sie eingeschlafen sind, um über Sie herzufallen. Uebrigens schlage ich wirklich vor, daß wir hier in der Gegend bleiben, denn lange können wir doch nicht mehr reiten, und es ist sehr ungewiß, ob wir so bald wieder Gras und Wasser finden. Wir wollen unsre Pferde tränken, unsre Kürbißflaschen frisch füllen, und dann weiter hinauf unter jene Eichen reiten, die dort auf der Höhe stehen; da können wir nicht überrascht werden.

Ach, in dem Busche wird kein Indianer versteckt sein, versetzte der Obrist, lächelnd nach dem Gehölz zeigend, doch der Director blieb bei seiner einmal gegebenen Bestimmung, sie tränkten ihre Pferde, füllten ihre großen Flaschenkürbisse mit Wasser, und ritten dann bis auf die Höhe, wo sie unter den uralten, prächtigen Eichen ihr Lagerfeuer anzündeten, während Döbler ganz in der Nähe auf dem höchsten Punkt noch eine Pyramide aufrichtete.

Es war ein reizender Lagerplatz, von wo der Blick über das Thal weithin nach Westen die Berge überflog und die einzelnen Kuppen erkennen konnte, an welchen die Reiter vorübergekommen waren. Die Sonne versank hinter den purpurblauen Höhen, und der Himmel über ihnen färbte sich von Augenblick zu Augenblick feuriger und glühender.

Es war unter den Lagernden ein Schweigen eingetreten, der Zauber, den die Natur in ihrer großartigen Schönheit auf den Menschen ausübt, hatte sie ergriffen, und in stummer Bewunderung versunken, hielten sie ihre Blicke auf das wunderbar schön beleuchtete Bild vor sich gerichtet, als Burg plötzlich ausrief:

Büffel!

Zugleich sprang er empor, ergriff seine Büchse, Kracke that dasselbe, und beide Jäger standen jetzt, unbeweglich in das Thal hinunter spähend, wo eine Herde Büffel von einigen fünfzig Stück von der andern Seite her dem Gehölz zuwanderte, bei welchem der Obrist so gern die Nacht verbracht hätte. Kaum aber waren die Riesenthiere hinter den Kronen der Eichen des Gehölzes verschwunden, als die beiden Jäger in fliegendem Laufe über die Hügel hinab in das Thal rannten, und nach kurzer Zeit das Wäldchen erreichten.

Sehen Sie, Herr Obrist, sagte der Director, so wie es jetzt den Büffeln ergehen wird, so konnte es uns geschehen, wenn wir dort gelagert hätten. Eine ganze Schaar Indianer hätte von der andern Seite das Holz erreichen, sich in demselben uns nahen, und uns mit einem Hagel von Pfeilen übersäen können, ohne daß wir an die Nähe eines Feindes gedacht hätten.

Während dieser Zeit hatten die beiden Schützen sich links bis an das Ende des Gehölzes geschlichen, wo das Quellwasser aus ihm hervorkam, und kaum hatten sie sich dort hinter Büschen niedergelassen, als die Büffel ruhig und sorglos an der andern Seite hervor wanderten, um ihren Durst zu stillen.

Da blitzte es hinter den Büschen heraus, ein mächtiger Büffel sank in die Kniee, und der Donner der beiden Schüsse rollte durch das Thal; die Jäger aber bewegten sich nicht. Die Herde blieb verwundert stehen, als die Thiere aber ihren Kameraden zusammen sinken sahen, traten sie im Kreis um ihn, und versuchten, ihn durch Stoßen mit den Hörnern zum Aufstehen zu bewegen.

So ist der Jäger, sagte der Director, er mordet aus reiner Mordlust. Was sollen wir mit mehr, als einem Büffel thun, von dem wir doch nur wenige Pfunde benutzen können, während er nahe an zwei tausend wiegt. Aber unsre Schützen werden sogleich noch einen tödten, sie suchen sich nur den besten aus.

In demselben Augenblick blitzte es abermals aus dem Busche, und ein zweites der kolossalen Thiere stürzte zu Boden.

Nun aber sprangen die Jäger mit lautem Jagdgeschrei aus ihrem Versteck hervor, wehten mit ihren Tüchern, und die ganze Herde ergriff in schwerfälligem Galopp die Flucht, und ließ ihre beiden erschossenen Kameraden zurück.

Wir müssen ihnen ein Pferd, ein Beil und einige Stricke hinuntersenden, damit sie die Thiere zerwirken und das Fleisch, die Markknochen und die Zungen heraufbringen können, Burg läßt das Beste nicht zurück, sagte der Director, worauf Rudolph sein Pferd aus dem Grase holte, ihm Sattel und Zeug auflegte, und, von Doeblers zwei Gehülfen begleitet, zu den Jägern hinuntereilte.

Nach Ablauf von einer halben Stunde führten sie das Roß schwer beladen zu dem Lagerfeuer herauf, und nun ging es an das Rösten der feinen Leckerbissen, die der Büffel dem Jäger der Wildniß bietet.

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