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Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band

Friedrich Strubberg: Friedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band - Kapitel 10
Quellenangabe
authorArmand
titleFriedrichsburg, die Kolonie des deutschen Fürsten-Vereins in Texas. Erster Band
publisherFriedrich Fleischer
year1867
correctorreuters@abc.de
senderWilfried Pieroth
created20171108
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Achtes Kapitel

Große Besorgniß. Der alte Friedenshäuptling. Die Wachslichter. Plötzliche Flucht. Die Mühle. Das Frühjahr. Aufblühen der Stadt. Fassen. Munition. Die Kanone. Die Nachtmusik. Der alte Freund. Der Kaffee.

 

Zu Mittag fand sich der Häuptling der Delawaren bei dem Director zum Essen ein, und dieser theilte ihm nun die Mordthat am Abend zuvor mit, und zeigte ihm den noch unversehrten Pfeil, der des jungen Mannes Wange getroffen und sich in der Wand des Zimmers vergraben hatte.

Youngbear hörte aufmerksam der Erzählung zu, und betrachtete sinnend den Pfeil, nachdem der Director aber schwieg, sagte der Delaware:

Dies ist ein Pfeil eines Comantschen, und Niemand Anderes hat ihn geschossen, als Kateumsi, der falsche Freund. Wenn er sein heuchlerisches Gesicht Dir wieder zeigt, so tödte ihn, denn so lange sein Herz schlägt, kannst Du den Haß gegen die Weißen nicht herausnehmen. Alle Dir befreundeten Stämme der Comantschen werde ich von Kateumsis Falschheit in Kenntniß setzen, und dieselben müssen seine Feinde werden; jeder Delaware aber soll eine Kugel für ihn gießen.

Die Aufregung, die Besorgniß und das Verlangen nach Rache waren in Friedrichsburg sehr groß, und allenthalben hörte man Drohungen ausstoßen gegen den ersten Indianer, der sich wieder blicken lassen würde, so daß der Director alle seine Beredtsamkeit, seinen ganzen Einfluß aufbieten mußte, um die Leute von ihrem Vorhaben abzubringen, und den soweit angebahnten Friedensschluß mit den Wilden nicht durch sie vereiteln zu lassen.

Einige Wochen waren ohne alle Störung der Ruhe verstrichen, als eines Morgens der Shawnee-Indianer Kalhahi sich bei dem Director einfand und ihm meldete, daß der alte Friedenshäuptling der ganzen Comantsche-Nation Mopochocopie (die alte Eule) eine Meile von der Stadt eingetroffen sei, um ihm einen Besuch abzustatten und Freundschaft mit ihm zu machen. Derselbe erwartete ihn dort, um das Friedensmahl mit ihm zu verzehren, und ihn dann in die Stadt zu begleiten.

Oftmals hatte der Director schon von diesem alten Indianer gehört, der in seinen jungen Jahren erster Kriegshäuptling gewesen war, und jetzt in den großen Berathungen der Nation den Vorsitz führte.

Es mußte dem Director natürlich viel daran gelegen sein, diesen einflußreichen Mann zum Freunde zu machen, er ließ schnell satteln, und ritt mit Kalhahi nach dem Platze, wo derselbe ihn erwartete.

Mapochocopie war ein sehr alter Mann, wie seine runzelige Haut und seine gebeugte Haltung zeigte, doch waren seine Züge edel und sein langes, in zwei schwere Flechten gewundenes Haar noch rein schwarz. Er hatte zwei ebenfalls sehr alte Krieger und eine Enkelin, ein reizend schönes Mädchen von etwa zehn Jahren, bei sich, und als der Director auf sie zuschritt, erhoben sie sich sämmtlich von ihren Büffelhäuten, und der Häuptling trat freundlich mit geöffneten Armen auf ihn zu.

Nach dreimaliger Umarmung führte der Alte ihn zu seinem Lager, die kleine Indianerin legte getrocknetes Fleisch auf eine Hirschhaut, und Schubbert ließ sich bei den Wilden nieder und verzehrte nach Indianersitte das Friedensmahl mit ihnen. Dann rauchte er mit ihnen die Friedenspfeife, und nun begann Mopochocopie zu reden, und sagte, wie sehr er sich freue, daß endlich Friede zwischen den rothen und weißen Kindern gemacht werden solle, und daß sein freudiges Herz ihm keine Ruhe gelassen habe, bis er hierher geeilt, um jetzt schon Freundschaft mit dem großen Kapitain zu machen.

Der Alte sprach ganz gut Englisch, und der Director ließ es nicht an Versicherungen seiner Freude fehlen, ihn als Freund begrüßen zu können.

Nach kurzer Beredung bestiegen sie Alle ihre Pferde, und ritten nach der Stadt.

Vor dem Vereinsgebäude angekommen, fragte der Director den Häuptling, wo er nun wohnen wolle, und stellte ihm die Wahl zwischen dem Vereinshause und einem Gebäude, welches sich schräg gegenüber unter einer Gruppe Eichen befand, und welches man für eine Apotheke bestimmt hatte.

Dasselbe bestand in einem einfachen Blockhause, dessen Inneres aber getüncht und geweißt, und welches bis auf die Thür und die Fenster fertig war.

Mopochocopie entschloß sich für dieses Haus, dort stieg er mit seinen Gefährten von den Pferden, dieselben wurden in das Gras gebunden, und die Indianer trugen sämmtliche Habseligkeiten in das neue Gebäude.

Heute wurde der Mittagstisch des Directors zweimal besetzt, zuerst ließ er die Beamten speisen, und einige Zeit nachher führte er seine wilden Gäste in das Speisezimmer.

So zahlreich waren die rothen Kinder nie früher an dieser Tafel vertreten gewesen, denn außer Kalhahi fand sich auch Youngbear noch ein, dessen Erscheinen den alten Häuptling freudig überraschte.

Der Director hatte es in der ganzen Stadt bekannt gemacht, daß Niemand, weder Tag noch Nacht sich dem Hause nahen dürfe, in welchem die Wilden einquartiert seien, weil er fürchtete, daß dieselben beunruhigt werden möchten.

Mopochocopie erklärte sich nach eingenommenem Mahle für ganz glücklich, und begab sich mit den Seinigen in das Haus, wo sie sich auf den Fußboden über ihre Büffelhäute ausstreckten, um eine Nachmittagsruhe zu halten.

Vor dem Abendessen machte ihnen Youngbear einen Besuch, um sich mit dem alten Häuptling nochmals über den bevorstehenden Friedensschluß zu unterhalten und sein Interesse dafür anzufachen, und als er dann zu dem Director zurückkehrte, um sich für heute zu verabschieden, bemerkte er, daß Mopochocopies Herz mit Glück gefüllt sei und hoch für den Frieden schlage.

Es war schon ziemlich dunkel geworden, als der Director sich mit den wilden Gästen von der Abendtafel erhob und sie nach ihrem Hause geleitete. Er hatte zwei Leuchter mit Wachslichtern mitgenommen, zündete diese an, und stellte sie in der Mitte des Zimmers auf den Fußboden nieder. Die Freude der Indianer über die Lichter war außerordentlich, sie legten sich im Kreise um dieselben herum, und schauten bewundernd in die Flammen.

Der Director wußte, daß er ihnen bis zum Einschlafen eine reizende Unterhaltung gegeben hatte, wünschte ihnen eine recht gute Nacht, und sie entließen ihn mit dem Zeichen innigster Zuneigung. Noch ehe er sich aber selbst zur Ruhe begab, sah er nochmals von Weitem durch die offene Thür nach den Wilden hin, und fand sie immer noch still vergnügt um die schon tief heruntergebrannten Lichter liegen.

Kaum aber kam der Morgen, als der Proviantmeister den Director aus seinem Schlafe klopfte, und ihm die Nachricht brachte, daß die Indianer auf und davon seien, und ihre sämmtlichen Sachen zurückgelassen hätten; auf ihren nackten Pferden wären sie davongestoben. Bickel sagte, daß Burg bereits ihrer Fährte eine Meile weit gefolgt wäre, wo die Huftritte der Rosse immer noch fliegende Carrière verrathen hätten.

Erschrocken eilte der Director nach dem Quartier der Wilden, und fand dort ihre Sattel, Häute, Mundvorräthe, Kochgeschirre und sogar die großen silbernen Münzen mit den Bildnissen der verschiedenen Präsidenten der Vereinigten Staaten, welche dieselben Mopochocopie zum Geschenk gesandt hatten.

Was konnte die Ursache von dieser plötzlichen tollen Flucht sein, und welche Folgen konnte sie möglicherweise haben? Das waren die beunruhigenden Fragen, die sich dem Director mit Hinblick auf die einflußreiche Persönlichkeit des alten Häuptlings aufdrangen, und um sich einen guten Rath ertheilen zu lassen, ritt er sofort zu den Delawaren in deren Lager.

Youngbear wurde von der Mittheilung des Directors gleichfalls beunruhigt, erklärte aber nach kurzem Bedenken, er werde gleich einige seiner Leute mit den zurückgelassenen Sachen den Comantschen nachsenden und sie nach der Ursache ihrer Flucht fragen lassen.

Darauf begleitete er den Director selbst nach Friedrichsburg, übergab zweien seiner Leute die auf ein Maulthier gepackten Effekten der Wilden, und sandte sie diesen mit dem Befehle nach, ihnen mit möglichster Eile zu folgen und dem Director die Antwort hierher zu bringen, da Youngbear seine Abreise auf den folgenden Tag bestimmt hatte.

Am nächsten Morgen fand sich der Häuptling noch einmal zum Frühstück bei dem Director ein, nahm dann von ihm und allen Beamten wehmüthigen Abschied, trug Rudolph auf, seiner Braut zu sagen, daß Youngbear ihr bester Freund bleiben würde, und ritt dann mit dem Versprechen, im nächsten Frühjahr sich wieder einzufinden, seinem Stamme nach, der schon viele Meilen voran gezogen war.

Der sechste Montag seit dem Erscheinen der Mormonen war gekommen, und als die Sonne sich neigte, fuhr ein vierspänniger Ochsenwagen vor das Vereinsgebäude, und überbrachte dem Director eine Ladung Dielen und einen Sack mit frisch auf der neuen Mühle gemahlenem Maismehl.

Schubbert ward dadurch eben so überrascht, wie erfreut, zumal, da Strabbo, der Bärenschütz, die Ladung hergefahren hatte; er bewirthete denselben aufs Beste, und am folgenden Morgen ritt er selbst hinunter zu den Mormonen, um die Mühle in Augenschein zu nehmen, und Bestellungen auf verschiedenes Holz zu machen.

Gray empfing ihn mit großer Selbstzufriedenheit und geleitete ihn nach der Mühle, um ihm deren Einrichtung zu zeigen. Es war ein so sauberes, schön gearbeitetes Werk, wie Schubbert nie im Leben vorher gesehen hatte, und die Leistungen desselben waren unglaublich.

Nachdem er nun diese Prachtarbeit der Mormonen hinlänglich bewundert hatte, führte ihn Gray nach dem vollständig eingezäunten, unabsehbaren Feld, über welches der frischgrüne Schein des aufgegangenen Maises sich schon ausgebreitet hatte.

Wie durch einen Zauberschlag waren diese Riesenarbeiten geschaffen, und der Director konnte nicht umhin, einen Vergleich zwischen der Arbeitsfähigkeit dieser Leute und der Friedrichsburger zu ziehen, während sich ihm auch zugleich die feste Ueberzeugung aufdrängte, daß es sicher kein Indianer wagen würde, einem Verein solch eiserner Naturen, wie diese Amerikaner, sich feindlich zu nahen. Er machte große Bestellungen auf vielerlei Holzsorten, und schied mit den höchsten, aufrichtigsten Anerkennungen für die Leistungen der Mormonen.

Wenige Tage später kehrten die beiden Delaware-Indianer nach Friedrichsburg zurück, welche Mopochocopie nachgereist waren, und brachten von ihm die Antwort, daß er eine alte Frau gewesen wäre, daß er in dem eingeschlossenen Raume geträumt und sein Herz ängstlich geschlagen habe, und daß er dann mit der Bangigkeit eines Weibes geflohen sei. Er schäme sich, jetzt zurückzukommen, werde aber zum Friedensschlusse erscheinen, da sein Herz mit Freundschaft für die weißen Brüder gefüllt wäre.

So wie die zum Friedensschlusse festgesetzte Zeit näher rückte, vermehrte sich auch in Friedrichsburg der Verkehr mit den Indianern; denn immer wieder neue Stämme derselben stellten sich ein, um sich, wie sie sagten, zum Friedensvertrag anzumelden, eigentlich aber nur, um jetzt schon einige Geschenke zu erhalten, da sie wußten, daß der Director keinen Stamm abziehen ließ, ohne ihn mit solchen zu erfreuen.

War er hinreichend mit Schlachtvieh versehen, so ließ er einen Stier nach dem Lager der Indianer treiben und ihn dort für sie erschießen, er gab ihnen allerhand kleine werthlose Geschenke, und bedachte namentlich den Häuptling immer reich dabei.

Es verging nun fast keine Woche, ohne daß solche wilde Gäste nahe bei der Stadt ihr Lager aufschlagen und sich bei dem Director als Freunde meldeten.

Vergebens hatte dieser aber schon lange dem Erscheinen Santa Annas, des ersten Häuptlings aller Comantschen entgegengesehen, um mit ihm sich über den bevorstehenden Friedensschluß zu berathen, namentlich aber, um sich bei ihm über Kateumsi zu beklagen, denn daß dieser es gewesen war, der den unglücklichen Weltge erschossen hatte, darüber hegte er keinen Zweifel mehr. Der Frühling aber nahte sich schon seinem Ende, und Santa Anna ließ immer noch Nichts von sich hören.

Die Stadt hatte jetzt ein ganz anderes, ein viel freundlicheres und gedeihlicheres Ansehen gewonnen; denn die Gärten um die Häuser prangten sämmtlich in Fülle und Ueberfluß. Der Director hatte vielerlei Sämereien, namentlich aber Erbsen und Bohnen unter die Bewohner vertheilen und selbst große Massen von Kohlpflanzen in dem Vereinsgarten ziehen lassen, die er gleichfalls an die Leute zum Aussetzen in ihren Gärten ausgegeben hatte, so daß diese einen Reichthum von Nahrungsmitteln zur Schau trugen.

Außerdem aber waren in diesem Frühjahr viele Blüthen bringende Schlingpflanzen, Strauche und Bäume aus den nahen Wäldern in die Gärten und an die Häuser angepflanzt worden, die sich nun in dem cultivirten Boden üppig entwickelt hatten, und mit Blüthen übersäet, die ganze Stadt zu einem großen Ziergarten machten. Die Rankenrose namentlich hatte alle Verandahs überwuchert, und glich mit ihren Blüthenmassen rothem Gewölk, welches sich über die Häuser gelagert hatte.

Mit dem aufblühenden Aeußern der Stadt war aber auch ein anderer Geist über deren Bewohner gekommen, Hoffnung und Zuversicht für eine glückliche Zukunft beseelte sie, und das einzige Hinderniß, welches einer solchen noch entgegenstand, die Feindseligkeit der Indianer, sollte nun auch beseitigt werden.

Zu den Fortschritten in der Selbstständigkeit Friedrichsburgs zählte auch namentlich die Ankunft einer großen Zahl von Kühen und Schweinen, welche letztere der Mormonenhäuptling geliefert hatte, und da das Maisfeld eine reiche Erndte zeigte, so gingen alle Wünsche der Colonisten ihrer Erfüllung entgegen.

Auch Annehmlichkeit und Bequemlichkeit war sehr durch die Schneidemühle der Mormonen gefördert worden, denn in den Häusern hatte man Fußböden gelegt, die Schreiner in der Stadt hatten bessere Möbel anfertigen können, und alle Einrichtungen in den Wohnungen waren vervollständigt worden.

Es hatten sich auch mehrere Kaufleute mit bedeutenden Waarenlagern eingefunden, so daß man sich nicht mehr ausschließlich auf die nur der Nothwendigkeit angepaßten Vorräthe des Vereins beschränken mußte, und außerdem war ein neues großes Wirthshaus entstanden, welches ein Herr von Freudleben aus Berlin nach mexikanischer Art mit aus Mergel geformten Quadern aufgebaut hatte, und dessen artige junge Frau, die für das idyllische Leben in dem Paradiese Texas das Theater in Berlin verlassen hatte, trug nicht Wenig dazu bei, dem Geschäft bald einen großstädtischen Charakter zu geben.

Die Schlächterei auch war jetzt regelmäßig im Gange, denn bedeutende Heerden von Schlachtvieh waren angekommen, und zwei-, auch dreimal in der Woche wurde frisches Fleisch ausgetheilt.

Ueberhaupt fand sich namentlich die weibliche Bevölkerung von Friedrichsburg Vormittags in dem Vereinslocal ein, um zu »fassen«, wie man das Empfangen von Lebensmitteln aus den Vereinsvorräthen nannte, welche theils auf das Guthaben der Leute hin verabreicht, theils aber auch für, dem Verein geleistete Dienste ausgegeben, sowie auch gegen baar verkauft wurden.

Auch Ludwina Nimanski zeigte sich mit einem Korb am Arm häufig unter den »Fassern«, wenngleich sie Alles gegen baares Geld kaufte, und ihre Erscheinung verfehlte niemals, unter den Beamten einen angenehmen, wohlthuenden Eindruck zu machen. Ein Jeder derselben wollte ihr behülflich sein, und ein artiges Wort, einen freundlichen Blick von ihr erhaschen, denn Alle verehrten sie hoch und waren ihr herzlich zugethan.

War aber der Proviantmeister Bickel zugegen, so kam kein Anderer dazu, sie zu bedienen, und auch sie wandte sich vorzugsweise gern an ihn, denn er war überaus gut, gefällig und freundlich, und wurde von allen Friedrichsburgern hoch geschätzt.

Eines Morgens war Ludwina auch im Vereinslokal erschienen, um eine Menge kleiner Bedürfnisse einzukaufen, und Bickel hatte sie in das Waarenlager geführt, um selbst ihren Wünschen nachzukommen. Kattun und andere Stoffe, Baumwollen- und Wollengarn-, Nähseide, Zwirn und Nadeln hatte sie ausgesucht und in ihr Körbchen verpackt, und dann bestellte sie noch Kaffee, Zucker und Bärenöl, welches letzteres zum Schmelzen, Braten und zum Brennen auf der Lampe gebraucht wurde.

Ist es sonst noch Etwas, womit ich Ihnen dienen kann, Fräulein Ludwina? fragte Bickel mit seiner gewohnten freundlichen Aufmerksamkeit.

Nun sollen Sie mich einmal recht auslachen, Herr Bickel, antwortete Ludwina lachend, ich möchte nämlich noch Pulver, Schrot und Zündhütchen einkaufen.

Munition – was der Tausend – Sie wollen wohl auf die Jagd gehen? versetzte der Proviantmeister gleichfalls lachend.

Ach, nein, ich könnte keinem unschuldigen Thier Etwas zu Leide thun, erwiderte Ludwina, wenn aber wieder so sein Jaguar sich es einfallen lassen sollte, mir meine Ziege stehlen zu wollen, dann werde ich sie zu vertheidigen wissen. Mein Bräutigam hat mir Unterricht im Schießen ertheilt, und ich habe mich so gut dabei benommen, daß er mich sehr lobte. Nun will ich aber auch meines Vaters Waffen zum Gebrauch bereit haben, denn da hängen seine Pistolen und seine Doppelflinten, Und es ist Nichts darin.

Bickel lachte hell auf, und sagte mit komischem Ernste:

Ja, freilich, dann muß ich Ihnen schon etwas geben, um es hinein zu thun, – es wird aber knallen, Fräulein!

Das thut mir Nichts, ich schrecke nicht mehr davor zusammen, und damit ich mich noch mehr an den Schuß gewöhne, so will ich oftmals mit meines Vaters Waffen schießen, entgegnete Ludwina vergnügt, und Bickel holte die verlangten Gegenstände herbei.

Da sprang Rudolph in den Lagerraum, und sagte, zu seiner Braut eilend:

Ich wußte gar nicht, daß Du hier warest, beste Ludwina, und wandte sich dann mit scherzendem Vorwurf zu dem Proviantmeister:

Und Sie, abscheulicher Bickel, sagen mir auch Nichts davon.

Ja, ja, mein lieber Wildhorst, dieser Lagerraum ist mein Reich, und ich würde mit Recht abscheulich genannt werden können, wenn ich so verehrte Käuferinnen nicht selbst bedienen wollte.

Und was wiegen Sie denn da ab – Pulver und Schrot? fuhr Rudolph verwundert fort.

Es ist für mich, Rudolph, entgegnete Ludwina, indem sie hell auflachte, sieh mich nur so mitleidig an, sollst einmal sehen, wie ich mit meines Vaters Waffen gut schießen werde.

Ja, ja, Du bist ein prächtiges Mädchen, welches man alle Tage lieber haben muß, fiel ihr Rudolph in das Wort, und küßte ihr die Hand.

Versteht sich! sagte Ludwina mit komischem Ernste, freilich mußt Du mich täglich lieber haben, sonst bliebest Du ja weit hinter mir zurück, und das darf sich ein Mann doch nicht nachsagen lassen.

Du bist ein lieber, süßer Engel, wie es keinen zweiten auf dieser Erde giebt, sagte Rudolph aus tiefstem Herzensgrunde, und drückte wieder und wieder seine Lippen auf die Hand des Mädchens.

Nun laß mich aber den Korb auch für Dich tragen, fuhr er dann fort, ich habe augenblicklich hier Nichts zu thun.

Gewiß sollst Du den Korb tragen, antwortete Ludwina, eine recht ernste Miene annehmend, meinst Du ich würde mir eine Gelegenheit entgehen lassen, Dich in meiner Nähe zu haben? Nimm nur den Korb, mein lieber Rudolph, und sollst einmal sehen, wie angenehm ich Dich dafür unterhalten will.

Dann wandte sie sich mit ihrer natürlichen Anmuth und Lieblichkeit zu dem Proviantmeister, reichte ihm ihre kleine Hand zum Abschied, und sagte:

Ich werde immer zu Ihnen kommen, wenn Rudolph nicht hier ist, Sie wiegen mir die Sachen viel besser zu, als er; worauf sie mit noch einem freundlichen Gruß das Lagerhaus verließ, und mit Rudolph hinaus in die Straße trat.

Als sie das Ende der Vereinsgebäude erreichten, sah Ludwina nach der dort aufgestellten Kanone, und sagte:

Wie wird denn die Kanone eigentlich abgefeuert?

Das will ich Dir zeigen, antwortete Rudolph, zu dem Geschütze hinschreitend, stellte dort den Korb auf die Erde, löste den ledernen Deckel von dem Zündloch, und nahm aus dem Kasten die Lunte hervor.

Sieh, diese Lunte zündet man an und hält sie hier drauf, das ist die ganze Kunst, nur muß man sich weit genug zur Seite stellen, daß Einen das Rad nicht erfassen kann, denn die Kanone wird vom Schuß zurückgestoßen.

Dabei stellte Rudolph sich neben das Geschütz, beugte sich zu ihm hin, und hielt die Lunte darauf, als ob er es abfeuern wollte.

Das würde ich auch können, sagte Ludwina, nahm ihm die Lunte aus der Hand, und that nun ebenso, wie er es ihr vorgemacht hatte.

Siehst Du, jetzt hätte ich Feuer gegeben, sagte sie.

Und vor Schreck wärest Du jetzt umgefallen, antwortete Rudolph lachend.

Wenn es darauf ankäme, würde ich mich auch nicht erschrecken, fuhr Ludwina fort, indem sie Rudolph die Lunte zurückgab, welche derselbe wieder in den Kasten legte, das Leder schnell über das Geschütz befestigte, und dann den Korb aufnehmend, mit Ludwina in der Straße fortschritt.

Wenn nun einmal die Kanone gelöst wird, und es heißt, alle Männer sollen zu den Waffen greifen, dann greift Ludwina auch nach einem Gewehre, denn jetzt sollen sie nicht mehr so ungeladen da hängen, sagte sie im Fortschreiten.

Glaub mir, Herzensmädchen, es ist mir ein wahrer Trost, daß Du schießen kannst, denn mit einem Schuß bist Du im Stande, mich jeden Augenblick in der Nacht zu Dir zu rufen, entgegnete Rudolph.

Und mir ist es eine eben so große Beruhigung; wir wohnen so abgelegen, versetzte Ludwina, und theilte Rudolph nun mit, daß ihr Vater bereits einen Riß von dem Hause entworfen habe, welches er gemeinschaftlich mit dem Obristen zu bauen beabsichtigte, und in welchem sie dann zusammen wohnen wollten.

Ach, Rudolph, wenn ich daran denke, so treten mir vor Freude Thränen in die Augen, ich frage mich dann immer, womit ich so hohes Glück verdient hätte, fuhr Ludwina fort, und legte ihre Hand in den Arm des Jünglings.

Mit dem Glück, welches Du uns Allen giebst, hast Du Dein eignes tausendfach verdient, Du Engelswesen, antwortete Rudolph mit überwogendem Gefühl, und drückte, dem geliebten Mädchen in die Himmelsaugen schauend, dessen Hand fest an sein Herz.

Der Allmächtige mag mir Kraft genug dazu verleihen, Euer Leben recht hoch zu beseligen, mein Wille dazu ist gewiß gut, mein Rudolph, sagte Ludwina, sich mit Innigkeit an ihn schmiegend, und so wandelte das glückliche Paar durch die Stadt, und empfing von allen Seiten die freundlichsten Grüße, welche Beide eben so herzlich erwiederten.

An diesem Abend hatte der Director noch spät mit den Beamten zusammengesessen, und es war eilf Uhr, als er sich nach seiner Wohnung begab und dort sogleich sein Lager suchte; denn er war von den Anstrengungen des Tages sehr ermüdet.

Der Himmel hatte ihn mit einem sehr gesunden Schlaf gesegnet, so daß er immer nur weniger Minuten bedurfte, um in das Reich der Träume überzugehen, mochte er in einem Bett, oder auf hartem Boden, in einem Zimmer, oder unter Gottes freiem Himmel liegen, und so war er denn auch an diesem Abend sofort eingeschlummert.

Nur kurze Zeit aber mochte er geschlafen haben, als er durch ein Geräusch geweckt wurde, dessen Ursache er im ersten Augenblick des -Erwachens nicht enträthseln konnte.

Er setzte sich schnell in seinem Lager auf, und horchte mit Verwunderung, das war ein Summen, Pfeifen, Ouieken, Schlagen und Schreien, wie er noch nie im Leben etwas gehört hatte, und es schien nahe vor seinem Hause zu sein. Rasch sprang er auf, eilte an das Fenster, und öffnete die Laden ein wenig, um einen Blick hinaus in das Freie zu thun.

Wie überrascht aber war er, als er auf dem weiten sandigen Platz vor seiner Wohnung eine große Menschenmenge im hellen Mondschein gewahrte, die dicht zusammengedrängt im Takt in die Höhe sprang und diesen Heidenlärm ertönen ließ. Im nächsten Augenblick aber sah er, daß es Indianer waren; denn einzelne Krieger saßen zu Pferd, und begleiteten den dichten Haufen, der sich nur Fuß für Fuß vorwärtsbewegte.

Schubbert fuhr schnell in die Kleider, sprang hinaus zu den wilden Gästen, und erkannte zu seiner Freude unter den Reitern den Häuptling aller Comantschen, Santa Anna, und dessen Bruder Sanacho, einen langjährigen Freund.

Beide thaten aber gar nicht, als ob sie ihn bemerkten, winkten jedoch desto eifriger mit ausgestreckten Armen den Takt nach dem lärmenden Menschenknäuel hin, und nun erst begann die Musik sich in ihrem ganzen Sturm zu entfalten.

Es waren einige Hundert Männer und Weiber, die sich in ein Quarrè so eng an einander gedrängt hielten, daß der Rücken des Vordermannes an der Brust des hinter ihm Stehenden anlag, und seitwärts Schulter an Schulter ruhte. Die ganze Masse sprang nun fortwährend im Takt zusammen in die Höhe und um einen Fuß vorwärts, und ließ dabei einen Gesang ertönen, der bald in ein tiefes, donnerähnliches Gemurmel versank, und dann plötzlich wieder in wilde gellende Schreie überging.

In der Mitte des Vierecks trugen sie eine, über

einen Reif ausgespannte Hirschhaut, die als Trommel diente, und auf welcher vier Männer mittelst Stöcken ihrem musikalischen Talent die Zügel schießen ließen.

Außerdem waren sämmtliche Mitglieder dieses Gesangvereins mit Instrumenten bewaffnet, die in, mit Steinen versehenen Kürbißen und Büffelblasen, in Pfeifen und Flöten von allen Calibern, und in Trompeten, welche aus Muscheln verfertigt waren, bestanden, und von denen namentlich die letztern die unglaublichsten Töne hervorzauberten.

Der Director erkannte nun bald an dem feierlichen Ernste, mit welchem dies Concert sich vor seinem Hause auf- und abbewegte, daß die Ehre der Nachtmusik ihm gelte, weshalb er einige Zeit durch Winken mit der Hand den wilden Freunden seine Freude über den ihm dadurch geschaffenen Genuß ausdrückte, denn an Reden war bei diesem vollen Orchester nicht zu denken.

Er fand aber, daß seine Freudenbezeugungen den Sturm der Serenade noch immer mehr steigerten, und fürchtete, daß plötzlich die ganze Stadt, dadurch aus ihrem Schlafe aufgeschreckt, zusammenlaufen würde, darum wählte er schnell den sichersten Weg, um die Tonkünstler zum Schweigen zu bringen, lief eiligst nach dem Vereinsgebäude, und klopfte den Proviantmeister Biekel heraus.

Ich bitte Sie um aller Heiligen Willen, machen Sie diesem Höllenspektakel ein Ende, oder die ganze Stadt kommt in Alarm, rief er dem Proviantmeister in das Fenster hinein.

Ich will ihnen die Mäuler bald genug stopfen, antwortete Bickel, und nach wenigen Minuten rollte er ein Fäßchen mit rohem Zucker aus dem Thore auf den Platz.

Zucker – Zucker! schrie er mit seiner Löwenstimme, so daß sie die ganze Harmoniemusik übertönte, und im Augenblick nachher war auch deren letzter Nachklang verhallt.

Das festgeschlossene Viereck schwärmte auseinander, und wie Fliegen um einen Honigtopf, sammelten sich die Kinder der Wildniß um den großen Proviantmeister und das Fäßchen.

Derselbe zog nun seine Hände von dem Zuckerfasse zurück, und richtete sich in die Höhe, so daß er wie ein Leuchtthurm aus den Wogen des Meeres hervorsah, lachte laut auf und rief »Kaffee, Kaffee!« Dabei setzte er aber seinen großen Fuß auf das Faß, denn die Naturkinder zeigten schon einige Ungeduld, bis sie zu dem süßen Kern der harten umreiften Hülle gelangen würden.

Einem Schützen, der aus dem Hof herbeigekommen war, gab Biekel einen Wink, sich auf das Faß zu setzen, und eilte dann nach der Küche zu der dicken Vereinsköchin, damit sie schnell einen großen Waschkessel voll Kaffee koche.

Während dieser Zeit hatten nun die Häuptlinge, die Brüder Santa Anna und Sanacho, den Willkommen des Directors empfangen, und sie fragten ihn mit selbstgefälligem Stolze, ob es nicht eine schöne Musik gewesen sei.

Die schönste, die ich in meinem Leben vernommen habe, antwortete der Director mit begeistertem Tone, und dankte nochmals seinen Freunden für den hohen Genuß, den sie ihm dadurch bereitet hätten. Beide Häuptlinge waren sehr entzückt über die Anerkennung, die ihrer Kunst von Seiten des Directors gezollt wurde, und Santa Anna zeigte mit einem bescheidenen Lächeln auf Sanacho, und nannte ihn den Schöpfer der herrlichen musikalischen Aufführung.

Sanacho, der zweite große Kriegshäuptling der Comantschen, war ein durchaus edler, mit den hochherzigsten Gefühlen begabter Mensch von natürlich klarem scharfem Verstande und sehr gesunden Lebensansichten.

Schon vor vielen Jahren hatte er Schubbert seine Freundschaft geschenkt, eine Freundschaft, wie sie wahrer und edler nie im civilisirten Leben angetroffen wird. Mit der innigsten, der aufrichtigsten Freude hielt er die Hand des Directors in der seinigen, sagte ihm, wie glücklich es ihn mache, ihn wiederzusehen, und sprach dann von den schönen Stunden, die er in dessen hölzernen Festung an der Leone mit ihm verlebt habe.

Dabei hatte er seinen Arm in den des Directors geschlungen, und ging mit ihm im Mondlicht auf dem Platze auf und nieder.

Schubbert lenkte das Gespräch sogleich auf den nahen Friedensschluß, und kam dann bald auf die hartnäckige Feindschaft Kateumsis zu sprechen.

Nachdem wir nun mit den Comantschen einen festen Frieden geschlossen haben werden, könnt Ihr doch unmöglich es dulden, daß dieser eine Stamm noch feindlich gegen uns auftritt; er gehört ja doch auch zu Eurer Nation, sagte der Director zu seinem wilden Freunde.

Wir wollen unser Möglichstes thun, um sein Herz mit Freundschaft für Euch zu füllen, antwortete Sanacho sichtbarlich verlegen.

Das wird umsonst sein, er hat es geschworen, daß er seinen Haß gegen uns mit zu seinen Vätern nehmen wolle, fuhr der Director fort.

So müßt Ihr seine Pfeile mit Euren Kugeln beantworten, versetzte Sanacho ausweichend.

Wenn er aber meuchlerisch und ungesehen seine Pfeile nach uns schießt, wie sollen wir ihn denn dafür bestrafen? sagte der Director, und fuhr, da Sanacho nicht darauf antwortete, fort: Ihr seid ja unsre Freunde, und werdet uns doch gegen unsre Feinde beistehen.

Sanacho schwieg noch einige Augenblicke, dann sagte er entschlossen:

Das hieße, unsre eignen Eingeweide zerschneiden. Das ist es, was die rothen Kinder von der Küste des großen Wassers bis in diese Berge zurückgetrieben, das ist es, was ihre Macht gebrochen und aus gewaltigen Nationen kleine, ohnmächtige Stämme gemacht hat. Ihr Weißen habt uns untereinander entzweit, und wir haben Euch zu Gefallen unsre Waffen gegen unser eignes Fleisch und Blut gerichtet. Kateumsi ist ein Comantsche, und seine Brüder dürfen ihre Waffen nicht mit seinem Blute röthen. Sanacho aber wird mit Kateumsi reden, und wenn er auch dessen Herz Euch Weißen nicht zuwenden kann, so hofft er doch, dessen Bogen gegen Euch abzuspannen.

Der Director konnte Nichts gegen diese Erklärung des wilden Freundes einwenden, im Gegentheil, er mußte die Ansicht und die Grundsätze Sanachos als richtig anerkennen, darum sagte er:

Du magst Recht haben, Sanacho, thue aber Dein Bestes, um Kateumsi zum Friedensschluß erscheinen zu lassen, denn man kann ja auch mit einem Feinde in Frieden leben.

Jetzt sieht Dein Auge klar, antwortete der Wilde erfreut, lasse es Kateumsi immer freundlich anblicken, auch wenn seine Brauen geschlossen sind, und Du wirst doch sein Gesicht noch heiter sehen. Waren wir ja doch auch bittre Feinde und ließen einander nicht ruhig beim Feuer schlafen, und wie hast Du Sanachos Herz beruhigt und es durch Deine Freundschaft beglückt!

Dabei ergriff der Häuptling die Hand des Directors, drückte sie herzlich, und fuhr dann fort:

Es werden nur wenige Stämme der Comantschen beim Friedensschluß fehlen, Sanacho hat in der großen Berathung laut für die Weißen geredet, und die Stimme Deines alten Freundes Kiwakia hat Euch viele Herzen unter uns gewonnen.

Auch unsre Vettern, die Mescalleros, wollen kommen, unter denen Du ja auch gute Freunde hast; Wasas Herz schlägt hoch für Dich.

Während die Beiden in eifrigem Gespräch auf dem Platze hin und her wandelten, stand der wohlbeleibte Santa Anna in gemüthlicher Unterhaltung mit dem Proviantmeister vor dem Vereinsgebäude, und um sie her auf dem sandigen Boden lagen die Männer und Weiber der Indianer um das Zuckerfaß, und hielten ihre Blicke nach dem Thor gerichtet, von wo der versprochene Kaffee kommen sollte.

Da schritten zwei Schützen mit dem großen dampfenden Kupferkessel heran, und zugleich rollte ein anderer ein Fäßchen mit Zwieback hinter ihnen her.

Mit Freudenrufen waren die Indianer aufgesprungen, und tanzten und jubelten mit ihren Trinkhörnern in der Hand um den Kessel, während der Proviantmeister die Fäßchen mit Zucker und Zwieback öffnen ließ, und dann den Wilden andeutete, daß sie sich nun bedienen möchten.

Zugleich aber hielt Santa Anna eine kurze Anrede an sie, und ermahnte sie zur Ordnung, woraus sie ihre Hörner in den Kessel tauchten, sie mit Kaffee füllten, denselben mit Zucker versüßten, und sich dann mit einer handvoll Zwieback in einiger Entfernung von dem Kessel niedersetzten, um ihr Mahl zu halten.

Santa Anna aber, nachdem er seinen Leuten nochmals Ruhe und Ordnung anbefohlen hatte, folgte der Einladung des Directors, und begleitete ihn mit Sanacho und Bickel in das Vereinslocal, wo bereits der Tisch mit kalten Speisen und Kaffee besetzt war.

Während des Essens sprachen die beiden Häuptlinge nicht, nach demselben aber, als der Director ihnen Cigarren gereicht hatte, unterhielten sie sich lebhaft über den bevorstehenden Friedensschluß, und es war nach zwei Uhr, als sie mit dem Director und Bickel wieder hinaus zu ihren Leuten traten.

Der Kessel, so wie die beiden Fäßchen waren vollständig geleert, und die Indianer saßen und lagen, ihre Häuptlinge erwartend, im Mondlicht auf dem Platze umher.

Santa Anna fragte den Director nun, ob es ihm Freude machen werde, die Nachtmusik noch einmal zu hören, dieser aber lehnte das Anerbieten dankend ab, indem er seinen Wunsch aussprach, noch einige Stunden zu schlafen.

Darauf nahmen sie Abschied, und die Indianer zogen höchst vergnügt nach ihrem Lager, welches sie nahe vor der Stadt aufgeschlagen hatten.

Am andern Morgen ließ der Director einen fetten Stier zu ihnen hintreiben, und ihn dort für sie erschießen, doch die beiden Häuptlinge waren während ihres mehrtägigen Aufenthalts in Friedrichsburg bei allen Mahlzeiten seine Gäste.

Seelenfroh und beglückt sagten sie ihm dann Lebewohl auf Wiedersehen im August, und zogen unter den Versicherungen ewiger Freundschaft davon.

Es war ein eigenthümliches Gefühl, welches den Director beim Abschied von ihm befreundeten Indianern stets überkam, da zogen sie hin wie die Schwalben in das Weite, ohne eine Richtung, eine Spur, einen Punkt anzudeuten, wohin die Gedanken ihnen folgen, wo dieselben sie suchen, oder finden könnten; nirgends eine bleibende Stätte, nicht an Zeit, an Ort gebunden, Heimath, so weit der Himmel blau, ohne Wunsch, ohne Entbehrung, Herren ihres Glücks.

 

Ende des ersten Bandes.

 

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