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Friedrich Schleiermacher's Monologen

Friedrich Schleiermacher: Friedrich Schleiermacher's Monologen - Kapitel 4
Quellenangabe
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typetractate
authorFriedrich Schleiermacher
titleFriedrich Schleiermacher's Monologen
publisherVerlag von L. Heimann
seriesPhilosophische Bibliothek oder Sammlung der Hauptwerke der Philosophie alter und neuer Zeit.
volumeSechster Band.
editorJ. H. v. Kirchmann
year1868
firstpub1800
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090405
projectide5b8d09a
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Zwei Vorreden. Darbietung.

Vorrede zur zweiten Ausgabe

Da dies Büchlein vergriffen war, wollte ich nicht weigern, dass es wieder gedruckt würde. Denn theils bin ich ihm Dank schuldig, weil es edle Gemüther auf eine mir fast unerwartete Weise an sich gezogen, und mir Freunde erworben hat, deren Besitz mir sehr theuer ist; theils könnte auch die Weigerung fälschlich als Widerruf ausgelegt werden. Darum sei diesen Blättern mein Dank dadurch abgestattet, dass ich ihnen aufs neue das Leben friste, und zugleich durch die That den Lesern die Erklärung abgelegt, dass noch immer alle hier geäusserten Gesinnungen so vollkommen die meinigen sind, wie nur irgend ein Bild aus früherer Zeit dem älteren Manne gleichen kann und darf. Nur bekenne ich dabei, dass ein solches aufzufrischen oder wohl gar zu verbessern zu grosse Schwierigkeiten hat wegen der Gefahr durch unvermerkte Einmischung von Zügen aus späterer Zeit die innere Wahrheit zu trüben, oder durch Aenderungen, welche willkürlich scheinen könnten, freundliche Leser zu stören. Darum gebe ich es lieber mit allen Mängeln wieder, die ich daran kenne, und habe ausser Kleinigkeiten im Ausdruck nur einige bald nach der ersten Erscheinung angemerkte Aenderungen aufgenommen, welche Undeutlichkeiten abzuhelfen und Missverständnissen zuvorzukommen schienen. Was also jemand nicht an dem Dargestellten, sondern an der Darstellung tadelt, das wolle er nicht mir dem jetzigen, sondern noch immer dem damaligen zuschreiben. Wenn aber Andere sich in die Gesinnung selbst nicht finden, und von dem, was sich auf die Idee eines Menschen bezieht, das was von seiner Erscheinung gilt, nicht unterscheiden wollen oder können, denen sei unverwehrt, den ungesalzenen Spott wieder aufzuwärmen, der auch vor zehn Jahren hier und dort gehört wurde.

Berlin im April 1810.

Dr. Fr. Schleiermacher

Vorrede zur dritten Ausgabe

Auf obige Rechtfertigung beziehe ich mich auch bei diesem dritten Abdruck des Büchleins, und möchte nur noch ein paar Worte für diejenigen versuchen, welchen die Abzweckung desselben wirklich sollte entgangen sein. Ein mir von langem her innig befreundeter Mann hat seitdem das gar sehr hierher gehörige treffende Wort gesagt, das erscheinende Leben eines jeden Menschen schwanke zwischen seinem Urbild und seinem Zerrbild. Nur die der ersten Richtung folgende Selbstbetrachtung kann etwas öffentlich Mittheilbares enthalten; die andere verliert sich zu tief in die Dunkelheiten des einzelnen Lebens bis zu den Punkten hin, die, wie auch sonst schon ein Weiser gesagt, der Mensch am besten auch sich selbst verbirgt. Wer nun, wie hier versucht ward, diese verschweigend jene mittheilt mit einem sichtbaren Bestreben vorzüglich die Oerter für die Verschiedenheit der Urbilder aufzusuchen, dessen Meinung wird wohl ganz verkannt, wenn man ihm vorwirft, dass er nur sich selbst ins Schöne sehe, und lächerlicher als ein geistiger Narziss die verliebten Worte, mit denen er sein eigenes Bildniss angeredet, der Welt noch weit und breit verkünde. Eben jener Abzweckung ist es auch zuzuschreiben, dass hier die Selbstbetrachtung sich rein ethisch gestaltet, und das im engeren Sinne Religiöse darin nirgend hervortritt. Doch wünschte ich nicht, dass hieraus die Ansicht einen Gewinn zöge, als ob die religiöse Selbstbetrachtung nur die entgegengesetzte Richtung nach dem Zerrbilde hin nehmen müsste. Vielmehr war es schon lange mein Vorsatz, auch diese einseitige Vorstellung durch die That zu widerlegen, und durch eine ähnliche Reihe religiöser Selbstgespräche dieses Büchlein zu ergänzen. Die Zeit aber hat es bis jetzt nicht gestattet.

Berlin im December 1821.

Sch.

Darbietung

Keine vertrautere Gabe vermag der Mensch dem Menschen anzubieten, als was er im Innersten des Gemüthes zu sich selbst geredet hat: denn sie gewährt ihm das Geheimste, was es giebt, in ein freies Wesen den offenen ungestörten Blick. Keine zuverlässigere: denn mit Dir durchs Leben zieht die Freude, vom reinen Anschaun des Befreundeten erregt; und innere Wahrheit hält Deine Liebe fest, dass Du gern öfter zur Betrachtung zurückkehrst. Auch keine bewahrst Du leichter gegen fremde Lust oder Tücke; denn da ist kein verführerisch Nebenwerk, das den Unberechtigten herbeilockte, oder das missbraucht könnte werden zu geringem und schlechtem Zweck. Und steht auch einer seitwärts mit schelem Blick unser Kleinod musternd, und will Unechtes Dir entdecken an Zeichen, die Dein gerades Auge nicht wahrnimmt: so möge Dir weder zersplitternde Krittelei noch schaler Spott die Freude rauben, wie es mich niemals gereuen wird, Dir mitgetheilt zu haben, was ich hatte. -- So nimm denn hin die Gabe, der Du des Geistes leises Weben verstehen magst! Es töne Dein innerer Gesang harmonisch zum Spiel meiner Gefühle! Es werde, was jetzt magnetisch sanft Dich durchzieht, jetzt wie ein elektrischer Schlag Dich erschüttert bei der Berührung meines Gemüthes, auch Deiner Lebenskraft ein erfrischender Reiz.

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