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Freiheit die ich meine

Emil Ertl: Freiheit die ich meine - Kapitel 25
Quellenangabe
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typefiction
authorEmil Ertl
titleFreiheit die ich meine
publisherL. Staackmann Verlag/Leipzig
printrunSiebzehntes bis neunzehntes Tausend
year1925
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid17fc2956
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Im Leodolterischen Fabriksgebäude hatte man mittlerweile Kriegsrat gehalten und sich dahin geeinigt, daß eine augenblickliche Gefahr nicht bestehe. Der Muschir bildete sich sogar ein, seine donnernden Wahrheiten hätten die Arbeiter kopfscheu gemacht, die würden es nicht wagen, ihm noch einmal unter die Augen zu treten.

»Das ist ja ein Getue,« sagte er, »das mit den Proletariern gemacht wird – nicht mehr schön! Schließlich glauben sie natürlich selber, sie seien wer, oder tun wenigstens, als glaubten sie es. In Wirklichkeit wissen sie ganz gut, daß Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit zwischen Arbeitern und Fabriksherrn ein Unding wäre, und daß sie vor uns kuschen müssen, wenn sie nicht verhungern wollen. Und im Grunde imponiert es ihnen nur, wenn ihnen einer einmal das Wilde herunter räumt. Wer sich das getraut, vor dem haben sie Respekt, wer sie kajoliert, den halten sie für einen Waschlappen. Ich habe mir immer Respekt zu verschaffen gewußt. Wir können jetzt ruhig schlafen gehn. Die werden sich's zweimal überlegen, eh' sie da unten wieder Lärm schlagen, das könnt ihr mir glauben, ich kenne die Bande!«

»Ein bißchen Schlaf kann keinesfalls schaden,« meinte Schinackel. »Wir tragen uns Mäntel und Decken im ersten Stock zusammen und verteilen uns rundum durch die Säle. Überrumpelung brauchen wir nicht zu fürchten, die Türen sind verrammelt und die Fenster des Erdgeschosses mit Eisengittern versehen. Einer bleibt wach, macht unablässig die Runde und sorgt auch dafür, daß das Feuer unter dem Kessel brennen bleibt und jeden Augenblick siedendes Wasser zur Verfügung steht; das ist gut zum Drohen und Abschrecken. Sobald er etwas Verdächtiges bemerkt, schlägt er Alarm, und der an der gefährdeten Seite des Hauses kampiert, ist im Nu zur Stelle.«

Gut, so wollten sie es machen.

»Im Osten wird es schon grau,« sagte Poldi. »Kaum daß es zu dämmern anfängt, so wird sich das Nachtvolk in seine Schlupfwinkel zurückziehen. Inzwischen kehrt auch Fred mit seinen Studenten zurück.«

»Die sollen bleiben, wo sie sind,« murrte der Muschir. »Viel lieber red' ich mit den Arbeitern allein. Die Studenten mit ihren Schießprügeln erinnern sie nur daran, daß man durch Lärmschlagen und Revolutionmachen etwas durchsetzen kann. Die ganze Komödie wär' uns erspart geblieben, wenn die Studenten nicht der Regierung Konzessionen abgepreßt hätten.«

Herr Vielkind und der Nachtwächter Handel, die man in den zweiten Stock geschickt hatte, kamen mit einer ganzen Last von Polstern, Matratzen und Decken herunter. Priesching und der junge Brodbeck schickten sich an, die Lagerstätten zu bereiten.

»Görgi liegt wie ein schlummernder Engel in meinem Bett und rührt sich nicht,« sagte Vielkind lächelnd. »Nicht einmal das Indianergeheul von vorhin habe ihn aufgeweckt, erzählte die Hauserin.«

»Die Hauserin kann sich auch zu Bett legen,« meinte der Muschir.

»Die soll nur hier unten kampieren, schadet ihr nichts,« eiferte Vielkind, der seine überschüssigen Kräfte in einem ständigen Kleinkrieg mit seiner Wirtschafterin aufzubrauchen gewohnt war. »Ein Saal bleibt sonst leer, und besser ist besser. Weiber haben feine Ohren und zum Zeter- und Mordioschreien, wenn sie etwas Verdächtiges hört, ist sie gut genug.«

Es dauerte nicht lange, so streckte jeder auf seiner Liegerstatt die müden Glieder. So zärtlich hatte sonst das weichste Bett sie nicht in seine Arme genommen. Unhörbar schritt der Sandmann durch die Säle und streute ... und streute ... und schloß ihnen die Augen, einem nach dem andern. Und hinter ihm drein schlich auf weichen Sohlen der junge Brodbeck von Saal zu Saal und machte die Runde und spähte durch die Fenster und lauschte in die zögernd hinsterbende Nacht hinaus ...

Aber der junge Brodbeck war nicht der einzige, der in diesem Hause wachte. Ein Schatten glitt die Kellertreppe empor und huschte über den Gang. Die Tür, die zu einem der ebenerdig gelegenen Säle führte, wo die neuen Kraftstühle standen, knarrte leise. Dann wieder alles still, nichts als ein atemanhaltendes Horchen. Wohl ein paar Minuten lang ... Und abermals ein vorsichtiges Knarren der Tür, der Schatten glitt durch den Spalt, der jetzt weit genug klaffte. An einem der Fenster tauchten die grauen Umrisse einer Gestalt auf. Unhörbar öffneten sich die Flügel. Ein paar kräftige Arme stemmten sich gegen das eiserne Gitter, das in der Mauer bereits gelockert war. Gut vorgearbeitet! Das Gitter gibt nach und wird behutsam ausgehoben. Nun sind alle vor die Eingänge gebauten Barrikaden zwecklos.

Eine an der Brust verborgen gehaltene Blendlaterne läßt ihren Schein für eine Sekunde ins Freie fallen. Und noch einmal, dreimal hintereinander: Hell – dunkel, hell – dunkel. Wie ein Leuchtturm ein Signal gibt. Es bleibt alles still. Die leise aufgrauende Dämmerung selbst scheint zu lauschen. Da schlürfen oben die wachsamen Tritte des jungen Brodbeck dahin. Er mag spähen, so viel er will, es ist nichts Verdächtiges zu erblicken. Die Schritte entfernen sich, verlieren sich. Jetzt muß er auf der andern Seite des Hauses sein, wenn er die Runde macht.

Da blitzt es abermals auf: Hell – dunkel, hell – dunkel, dreimal, und drüben aus dem Gebüsch am Gartensaum ein knapper, halb erstickter Schrei. Ein kurzes heftiges Ringen auf Leben und Tod, drei über einen – ein junger Student liegt erschlagen hinter den Fliederhecken.

Und ein drittes Mal blitzt das Signal: Hell – dunkel. Da wird der fahle Kies- und Wiesenboden des Gartens lebendig. Wie eine dunkle Schlange kriecht es näher, auf dem Bauche, in Wellenlinien sich fortbewegend, breit und lang, mit hundert Köpfen. Und springt auf einmal in die Höhe und löst sich auf und saust heran, unhörbar, wie das wilde Heer durch die Luft geistert. Behende Gestalten klettern durch das Fenster, springen in den Saal, wie Bienen durch das Flugloch eines Bienenstockes wirbeln. Die Gasflammen werden angezündet. Schon wimmelt es schwarz von Menschen, die sich durch die anstoßenden Säle ergießen, noch immer stürzen neue Knäuel von Leibern durch die Fensteröffnung, gleich Scharen ausgehungerter Ratten, die sich wütend durch die Luke eines gefüllten Speichers drängen.

Der Mann, der das Fenstergitter ausgehoben hat, erhebt den Arm. Ein Trupp stämmiger Bursche sammelt sich um ihn, der Pölzl Heinrich ist der Oberfeuerwerker, sie wissen es. Es ist alles abgekartet und ausgedacht. Behutsam auftretend, zieht er sich mit seiner rußigen Bande in den Keller zurück, wo die Pechkränze und Fackeln bereit liegen.

»Anfangen!« kommandiert der Götsch Schani im Saal.

Der alte Götsch Lebold ist der erste, der seinen wuchtigen, langgestielten Hammer auf einen Kraftstuhl niedersausen läßt. Das Räderwerk geht in Trümmer; mit einem Seufzer, der wie ein Saitenton klingt, reißt die scharfgespannte Seidenkette entzwei, der Webstuhl legt sich auf die Seite und stirbt. Mit vielstimmigem Echo donnern die Schläge durch die Säle. Eisen klingt auf Eisen. Wie Hephaistos' Werksgesellen stürzen sich die rasenden Hammerleute in eifersüchtigem Wüten auf die wehrlosen Mechanismen.

Da werden die oben erst lebendig. Mit wirrem Haar, von Schmerz zerwühlt, wie ein König Lear, der um seine Kinder klagt, kommt der Muschir auf den Vorplatz im ersten Stock gestürzt. Jeder Hammerschlag trifft sein eigenes Herz, er weiß es, sie zermalmen seine Geschöpfe, seine Lieblinge, die er geschaffen, um die er gesorgt, sein eigenstes Werk! Starr vor Schreck umringen ihn die aus spätem Schlummer Aufgestörten: Poldi, Schinackel, Herr Vielkind, der Priesching. Der junge Brodbeck, von Selbstvorwürfen über mangelnde Wachsamkeit gefoltert. Die jammernde Hauserin. Was sollte jetzt geschehen? Da sehen sie schon den Muschir die Stiege hinunterrasen, ein Eisenstück schwingend. Vergeblich suchen sie ihn zurückzuhalten. Er ist wie taub gegen ihre Vorstellungen, daß gegen die Übermacht doch nichts auszurichten sei. Mit stieren Augen schaut er sie an und sieht sie doch nicht, verrückt vor Schmerz und schäumender Wut. Nein, seine Webstühle läßt er nicht zerstören, erst mögen sie ihn selbst zu Boden schlagen! Und um ihn wenigstens nicht allein dem Verderben preiszugeben, bleibt ihnen nichts übrig, als ihm zu folgen, die Treppe hinab.

Aber es gelingt ihnen nicht, bis in die Säle vorzudringen, wo das Dröhnen der wuchtigen Hiebe fortdauert. Schon im Gang entspinnt sich ein Handgemenge. Ihrer zwei, drei, vier Proletarier gegen jeden, unkenntliche Teufel mit geschwärzten Gesichtern. Und während das wütende Ringen hin und her wogt, speit der Keller wieder eine neue schwarze Horde aus, die die Stiege zu den Stockwerken emporstürmt. Die kreischende Hauserin stoßen sie hinunter und stellen einen starken Posten aus auf dem Treppenabsatz, die übrigen trappen weiter.

Dem Muschir, der sich wie ein Löwe wehrt, schlagen sich vom Rücken her zwei eisenfeste Arme um die Brust, die Waffe wird ihm aus der Hand gerungen, ein schwarzer Teufel hält seine Rechte umklammert, ein anderer seine Linke. So zerren sie ihn wie von ehernen Ketten umwunden gegen den Ausgang, von dem sie die Barrikaden fortgeräumt haben. Mord lautet ihre Losung nicht, nur Zerstörung.

Gleich hinter dem Muschir wird auch Schinackel an die Luft befördert, zu voller Ohnmacht gebändigt durch drei oder vier Mann, die an ihm hängen. Den um sich schlagenden Priesching schleppen ihrer zwei und ebenso den zeternden Nachtwächter Handel, der fortwährend versichert, wenn er die Wache gehabt hätte, wären sie nicht ins Haus gekommen! Für Vielkind und die zappelnde Hauserin genügt je ein einziger, der sie vor sich hertreibt. Der junge Brodbeck kämpft, den Rücken durch die Wand gedeckt, einen Kampf auf Leben und Tod mit Schinackels Stilet, das er vom Boden aufgelesen. Er hofft zu fallen und diese Stunde nicht zu überleben, denn seine Wachsamkeit hätte diesen rätselhaften Überfall verhindern können und sollen, meint er in seinem treuen Gewissen. Ein Hammerschlag trifft ihn an der Schläfe. Für tot wird er aus dem Haus getragen und auf dem Rasen gebettet. Nur Poldi allein gelangt auf seine eigene Faust ins Freie. Seine schlanke Gestalt entgleitet aalgleich den Fäusten der Angreifer, und gewandt sich aus dem Gewühl windend, flieht er gegen den Garten, wo er sich hinter einem Boskett verbirgt und sehnsüchtig nach Fred und dessen Musketen ausspäht.

Eine seltene, ganz eigenartige Tortur haben die schwarzen Teufel sich für den Muschir ausgedacht. Zuschauen soll er, wie seine Fabrik niederbrennt! Und da züngeln auch schon die Flammen aus dem Dache, und hinter den Fenstern des ersten Stockes erglüht die Lohe. Der Pölzl Heinrich hat seine Sache gut gemacht. Wie ein gefesselter Stier, den der Metzger mit dem ersten Schlage nur schlecht getroffen, brüllt der Muschir auf und reißt mit den Kräften des Wahnsinns an seinen lebendigen Banden. Görgi haben sie oben vergessen! Aber die Männer hören nicht auf ihn oder verstehen nicht, oder wissen sich selbst nicht zu helfen. Sie haben nur den Auftrag, ihn festzuhalten. Sein Toben und Schreien führt nicht zum rechten Ziele, die Wut und der Schimpf, die über seine Lippen sprudeln, erbittern die Leute, daß sie ihn nur mit noch festeren Griffen umklammern. In diesem Augenblick stürzt Poldi an ihm vorbei: »Um des Himmels Willen – Görgi!« Und verschwindet in der Haustür.

Die roten Hähne hüpfen über das Dach und haschen und fliehen einander in neckendem Spiel und überpurzeln sich und prallen zusammen, vereinigen sich plötzlich und flattern auf. Klirrend springen die Scheiben der Fensterreihen, die Fahnen der Freiheit werden aufgesteckt, die rotwehenden Wimpel der Revolution züngeln gegen den fahlen Morgenhimmel. Das ganze glühende Haus hebt zu klingen an, ein Prasseln und Knattern, ein Bersten und Stürzen und aus dem Untergeschoß noch immer die vernichtenden Hammerschläge, die ihre verruchte Arbeit vollenden. Der Muschir ist still und ruhig geworden. Die geschwärzten Gesellen, die ihn festhalten, berührt beinahe das Mitleid, wie sie seinen hilflos verzweifelnden Blick sehen, der über das Werk der Zerstörung weit hinwegschaut. Was ist ihm jetzt dieses Haus, was sind ihm seine mechanischen Stühle – das alles läßt sich wieder aufbauen, ersetzen, erneuern, nur das Menschenleben, wenn es vernichtet wird, bleibt unersetzlich. Und er vergißt all seinen Groll, und all sein Zorn schmilzt hin, und nur eines ist noch lebendig in ihm: die Hoffnung, daß Görgi im nächsten Augenblick an Poldis Hand am Ausgang des Hauses auftauchen müsse.

Schon macht sich in der Torfahrt eine Bewegung bemerkbar. Rußige Gestalten tragen einen leblosen Körper heraus. Feierlich beinahe, wie Sargträger bei einem Begräbnis. Selbst erschüttert und ernüchtert vielleicht durch das Unheil, das sie angerichtet, und das nicht beabsichtigt war. Langsam nähern sie sich und betten ihre Last ins Gras. Mit heißem Auge wartet der Muschir bis sie zur Seite treten. Ist es Görgi? Da sieht er Poldi bleich und leblos auf dem Boden liegen mit versengtem Haar und verbrannten Kleidern, die noch qualmen.

Jetzt löst sich dem Muschir endlich die Zunge zu einem menschlichen Wort: »Erbarmt euch meiner!«

In die Knie sinkt er vor den Proletariern, die ihn bewachen, und faltet die zitternden Hände: »Erbarmen, wenn ihr selbst Kinder habt! Mein Kind schläft oben im brennenden Haus! Erbarmt euch! Erbarmt euch!«

Da lassen sie ihn los, verlegen und zu Tod erschrocken. Der nie ein Erbarmen kannte, hat sich vor ihnen gedemütigt. Nein, erbarmungslose Unmenschen, wie der da es sonst in ihren Augen gewesen, waren sie nicht, zerstören wollten sie nur, nicht morden! Und mit fliegendem Atem rufen sie es ihren Genossen zu, der Knabe sei noch im Haus, der jüngste Leodolter, der müsse gerettet werden. Inzwischen ist es auch Schinackeln gelungen, sich freizuringen, der Anblick des für tot daliegenden Poldi hat den Eifer seiner Bändiger gekühlt. Entschlossen, ihr Leben für Görgis Rettung einzusetzen, stiegen die Befreiten in das Haus, die Treppe hinan. Da versperren brennende Dippelbäume, von oben herabstürzend, ihnen den Weg.

»Wasser zum Löschen!« schreit der Muschir.

Aus den bereitgestellten Bottichen werden die Eimer gefüllt und emporgereicht. Das ganze wilde Heer von Zerstörern ist mit einmal in eine Schar von Hilfsbereiten umgewandelt. Der Muschir und Schinackel stehen in der ersten Reihe und schütten Fluten in die Flammen. An ihrer Seite kämpft der greise Götsch Lebold gegen das Element, zitternd vor dem Gedanken, daß er in seinen alten Tagen noch die Mitschuld an einem gemordeten jungen Menschenleben könnte auf seine müden Schultern nehmen müssen. Und auch der alte Priesching und Herr Vielkind stehen in der ersten Reihe, während der Pölzl Heinrich mit dem gleichen Eifer, mit dem er vorhin die Pechkränze und Fackeln organisiert hatte, jetzt die Wasserzufuhr ordnet und für ein lebendiges Schöpfwerk sorgt, das die gefüllten Eimer in ununterbrochener Folge von Hand zu Hand gehen läßt und die leeren, Reih' um Reih', zu den Bottichen zurückleitet. Schon macht der Flammenherd auf der Treppe Miene, sich vor den zischenden Wasserstürzen zurückzuziehen, da bebt eine gewaltige Erschütterung von oben durch das Haus. Krachend stürzt der Dachstuhl zusammen und donnert, die brennenden Saaldecken durchschlagend, die ganze Tiefe des Gebäudes herunter. Vor dem Muschir und vor Schinackel tut sich ein gigantischer Krater bis in den Keller auf, aus dem Qualm und Lohe wie aus der Tiefe eines feuerspeienden Berges emporwirbelt. Von oben bis unten ist die Treppe zerstört, ein schwarzer Kamin, wo einst die Stufen lagen, reißt Rauch und Flammen mit Sturmessausen nach aufwärts. Keine Möglichkeit mehr, auch nur bis ins erste Stockwerk vorzudringen.

Schreiend sind die Menschen vor den stürzenden Holz- und Mauermassen ins Freie geflohen. Selbstmord wär' es, einen Augenblick länger zu verweilen. Schinackel faßt seinen Schwager am Arm und zerrt den stumpf Widerstrebenden mit Gewalt vor das Haus. Die ersten Strahlen der eben aufgehenden Sonne fallen grell auf das einst so stattliche Gebäude, von dem nur noch die kahlen Umfassungsmauern mit ausgebrannten Fensterhöhlen zum klaren Morgenhimmel aufragen.

Da wußte es der Muschir, daß sein Kind unrettbar verloren war.

*

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