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Freiheit die ich meine

Emil Ertl: Freiheit die ich meine - Kapitel 22
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typefiction
authorEmil Ertl
titleFreiheit die ich meine
publisherL. Staackmann Verlag/Leipzig
printrunSiebzehntes bis neunzehntes Tausend
year1925
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Der Muschir hatte sich in sein Problem verbissen und experimentierte noch immer am mechanischen Webstuhl. Zum zweiten Mal schon war Görgi, von Julie gesendet, ins Magazin herunter gekommen und hatte ihm gemeldet, daß das Spätmahl bereit stehe. Er habe keine Zeit jetzt, lautete die Antwort, man möge ihm das Essen herabschicken. Da kam Julie selbst. Geräuschlos trat sie ein, beinahe schüchtern, wie es ihre Art war. Mahlzeithalten bei der Arbeit sei das Richtige nicht. Der Mensch müsse sich auch Erholung gönnen und an sein Leibliches denken. Dabei hatte sie selbst seit dem Frühstück nichts genossen. Die Ahnung von etwas Entsetzlichem, von dem sie fühlte, daß es in der Luft lag, schnürte ihr die Kehle zu.

»Du reibst dich auf und wirst dich noch krank machen. Und das alles um uns! Als ob wirs nicht gut genug hätten, und als ob immer noch mehr verdient werden müßte! Es kann nicht jedes Jahr ein gesegnetes sein, auch den Landmann treffen Mißernten. Und warum sollen wir uns nicht ein bißchen einschränken? Da haben andere noch ganz andere Sorgen! Ich muß immer an die armen Arbeiter denken. Wieviel Elend gibt es in diesen Tagen! ... Wenn wir sie doch schon überstanden hätten!«

Aber dem Muschir verdarb das Sturmglockenläuten den Appetit nicht. Er war kein Polizeimann und kein Kaiserlicher – was kümmerte ihn die Straße? Sollte nur jeder für sich sorgen, dann ging es jedem gut. Das blieb seine Philosophie. Indessen empfand er es doch wohltuend, daß Julie nach ihm sehen kam. Und weil er sich Erfolg versprach von seinem Werk, so war er aufgeräumt.

»Also machen wir Feierabend für heute,« sagte er nachgebend. Und milder und artiger als sonst, stand er auf und bot seiner Gattin den Arm, sie in die Wohnung hinauf zu führen.

Kaum hatten sie sich zur Mahlzeit gesetzt, so trat Pappelmann ein und duckte sich schon, um das Gewitter über sich ergehen zu lassen, auf das er gefaßt war. Jetzt werde er einen gesunden Rüffel bekommen, das wisse er, aber seine Schuld sei es nicht; der Weber Priesching wolle halt »pardu« den Herrn sprechen und lasse sich nicht abweisen.

Teuxel noch einmal, ob der es gar so pressant habe? Nicht einmal beim Essen eine Ruh'! Darin glich der Muschir dem verewigten Finettl: wenn sie bei der Mahlzeit gestört wurden, verstanden sie keinen Spaß.

»Er soll schauen, daß er weiter kommt! Was er mir zu erzählen hat, dafür wird morgen auch noch Zeit sein!«

Aber Julie legte sich ins Mittel. Der Priesching, das sei keiner, der müßig rede. Und wenn er noch gekommen sei so spät am Abend, so werde er wissen warum. Anhören müsse man ihn. Wer weiß, ob es nicht etwas von großer Bedeutung sei, was er zu sagen habe? Er gab auch diesmal nach; denn Julie hatte so eindringlich bittend gesprochen und dabei so bestimmt, wie es sonst garnicht ihre Gewohnheit war; und eine Bangigkeit klang aus ihrem Wort, als warnte sie vor einer Zukunft, in die nur sie allein einen Blick getan.

Da stand also jetzt der Priesching und machte ein so sorgenvolles Gesicht, daß er albern aussah. Geschichten seien das – Geschichten! Ja, wenn er alles erzählen sollte, was er gehört hätte! Aber er wolle dem Herrn nicht im Magen liegen. Darum könne er nichts sagen als: Schöne Geschichten seien das – schöne Geschichten!

»Spanisch verstehe ich nicht,« sagte der Muschir, »und sein Essen läßt niemand gern kalt werden.«

Jetzt packte der Priesching aus. Auf dem Braunhirschengrund rotte das Gesindel sich zusammen, hab' er gehört. Proletarier und Arbeitslose. Und entlassene Weber seien dabei, eine Menge! Gegen die Fabriksherrn und gegen die Maschinen wollen sie eine Revolte machen, heiße es. Eine Likör- und Rosogliofabrik hätten sie bereits gestürmt, draußen in Sechshaus, und den Schnaps eimerweis gesoffen. Nun seien sie betrunken auch noch.

»Jetzt kann es ernst werden,« sagte er bekümmert, »denn wenn die Freiheit einmal mit Schnaps getauft ist!« ... Aber der Muschir sah noch immer keine Not.

»So schlimm wird's nicht sein, wie die Leut' ausschreien. Ein paar Fasseln haben halt Beine gekriegt, das ist alles. Was geht mich das an? Bin ich Likörfabrikant? Und kann man Samt- oder Seidenzeug trinken? No also! Oder glauben Sie vielleicht, die Proletarier wollen sich Hosen aus Faille und Tafft und Atlas machen lassen? Hören Sie mir auf mit Ihrem Schreckschuß! Das Gesindel rührt keinen Finger, wenn es nichts davon hat. Übrigens ist die Gumpendorfer Kasern' nicht gar so weit und das Militär konsigniert. Jedes Kind weiß, daß scharfe Patronen ausgeteilt worden sind für den heutigen Tag. Der Auenwald, als liberaler Landstand, wird auch einen Spurius gehabt haben. Der kennt schon seine sauberen Bundesgenossen, die der Landtagsmehrheit die Staffage machen. Der hat sicher dafür gesorgt, daß auf dem Braunhirschengrund nichts passiert. In solchem Falle ist es nicht übel, wenn man einen hohen Herrn zum Nachbar hat. Ein bissel Straßenkrawall paßt ihm freilich, rummeln sollen die Leut' und nach Freiheit schreien, aber hübsch im Hintergrund. Ans Braunhirschenschloß wird er sie nicht herankommen lassen, es könnte der freiherrlichen Familie der Schlaf gestört werden. Lehren Sie mich die Welt kennen! Ist alles ein abgekarteter Schwindel, ein liberales Theaterarrangement! Gibt es sonst noch etwas?«

Nein, sonst gab es nichts. Der Priesching war zu Ende oder getraute sich wenigstens nichts mehr zu sagen. Wenn das nicht genug war? ...

Da winkte ihm der Muschir mit der Hand, er könne sich jetzt wieder entfernen, und gelassen setzte er seine Mahlzeit fort. Görgi wollte ins Vorzimmer, weil er hörte, daß der Priesching dem Pappelmann noch vieles zu erzählen wußte, der vor Neugierde fast platzend an der Tür auf ihn gewartet hatte. Aber er getraute sich nicht aufzustehen, saß mit gespitzten Ohren und großen Augen da und wunderte sich, daß es seinem Vater so gut schmeckte.

Man hörte eilige Schritte im Flur und die Treppe herauf, die Tür wurde aufgerissen.

»Der Metternich ist gestürzt!« rief Petz, der bleich aussah wie ein Tischtuch.

Dem Muschir blieb der Bissen beinahe in der Kehle stecken. Julie sprang dem Schwager bei, der wankte und sich vor Erschöpfung fast nicht mehr auf den Füßen zu halten vermochte. Er sank in einen Stuhl, den sie ihm hingeschoben hatte, und trank ein paar Tropfen aus dem Weinglas, das sie ihm reichte.

»Gott, was für ein Tag – den vergesse ich nie! Hört ihrs denn? Faßt ihrs denn? Der Metternich ist gestürzt!«

»No, no, no! Er wird schon wieder aufstehen!« sagte der Muschir.

»Nein, der steht nicht mehr auf, verlaß dich darauf! Das ganze System ist hinweggefegt für immer. Wie ein Gewittersturm hat der allgemeine Unwille des Volkes die Luft gereinigt. Die Studenten, diese Heldenjünglinge, werden als die Befreier des Vaterlandes mit goldenen Lettern im Buch der Geschichte eingeschrieben stehen, so lange ein Österreich besteht! O, es gibt noch wahres Heldentum, auch in unseren Tagen, das hat sich heute gezeigt. Und der Siegespreis entspricht dem kostbaren Einsatz an Leben und Blut! Uns ist die Freiheit geboren!«

In einen so hoch gestimmten Ton konnte der Muschir nicht einstimmen. Im Gegenteil, jetzt fing ihm die Lage erst an bedenklich zu scheinen.

»Was du nicht sagst! So ist die Regierung vor der Emeute zu Kreuz gekrochen? Das kann noch böse Früchte zeitigen!«

»Für den Absolutismus freilich. Er hat heute seine volle Unfähigkeit bewiesen.«

Julie wollte näheres erfahren, was sich eigentlich zugetragen hätte? Und Petz entwarf in großen Zügen ein Bild der Geschehnisse. Er erzählte von der Erbitterung, die sich aller Kreise bemächtigt habe, nachdem in der Herrengasse auf das Volk geschossen worden. Von der stürmischen Erregung, die den ganzen Nachmittag in der Aula geherrscht, und der Mühe, die es den Rektor und die Professoren gekostet, das junge Volk, das nach Waffen verlangte, von unüberlegten Schritten abzuhalten. Nicht minder stürmisch sei es im juridisch-politischen Leseverein hergegangen, wo das eigentliche Hauptquartier sich befunden habe. Aber die Besonnenen hätten Oberwasser gewonnen und von allem Anfang an die Notwendigkeit erkannt, zwischen der Regierung und dem aufgeregten Volk zu vermitteln. Und er berichtet von der bedrohlichen Lage, die vor der Hofburg dadurch entstanden sei, daß Erzherzog Maximilian, als die Haltung der auf dem Michaelerplatz angesammelten Menge eine immer erregtere wurde, den Befehl gegeben, eine Kanone gegen das Volk abzufeuern. Zum Glück sei durch den Heldenmut eines einfachen Feuerwerkers das grausame Blutvergießen, das sicher mit einer Erstürmung der Hofburg beantwortet worden wäre, vermieden worden. Denn dieser Unteroffizier habe sich, wie Augenzeugen versicherten, im entscheidenden Augenblick selbst vor die Mündung des Rohres gestellt und unendliches Unglück dadurch abgewendet.

»Inzwischen fand sich«, fuhr er fort, »eine Deputation nach der andern in der Hofburg ein, um dem Kaiser die gefährliche Lage der Stadt zu schildern und ihn fußfällig um Abhilfe zu bitten. Aber der Kaiser ist kränker als je, niemand hat ihn gesehen. Nur die Mitglieder der Staatskonferenz gingen in größter Erregung ab und zu, und einzelne wagten es, gereizte Worte an die Abordnungen zu richten, die man stundenlang antichambrieren ließ. Die ständische Deputation hatte nicht gehalten, was man sich von ihr versprochen, und sich mit einigen leeren Redensarten abspeisen lassen. Darüber waren die Studenten außer sich. Aber der greise Rektor Jenull, in Angst um seine goldenen Jungen, von denen alles zu erwarten stand, begab sich selbst in die Hofburg und wich nicht mehr vom Fleck, so wenig wie die Professoren Hye und Endlicher und die Abgesandten der medizinischen Fakultät. Eine Bürgerdepudation, die sich gleichfalls eingefunden hatte, forderte geradezu die Abdankung Metternichs, und Bürgeroffiziere, die von der Straße hinausstürzten, brachten die Nachricht, daß es zu entsetzlichem Blutvergießen auf den Glacis kommen werde, wenn eine Entscheidung nicht sofort erfolge. In der Hofburg herrschte die größte Verwirrung und Ratlosigkeit, und wir, die wir außen warteten, schwankten stundenlang zwischen Hoffen und Verzweifeln, denn jeder Augenblick konnte den Ausbruch der Revolution bringen.«

»Na, ist das noch immer nicht genug Revolution gewesen? warf der Muschir dazwischen. »Wenn man dem Kaiser durch Volksaufläufe Zugeständnisse abpressen will! Was fehlt da eigentlich noch zur Revolution?«

Schließlich seien es doch nur Bittsteller gewesen, die sich in der Hofburg eingefunden hätten, sagte Petz, und Erzherzog Johann selbst habe sie in ihrem Bestreben ermuntert und mit der Versicherung beruhigt, Metternich werde abdanken. Der scheine aber wenig Luft dazu verspürt zu haben, und noch aus der Sitzung der Staatskonferenz, die gegen Abend stattgefunden, habe man den Fürsten Windischgrätz sich eilfertig entfernen sehen, um sich in Uniform zu werfen, was als schlimmstes Anzeichen gegolten hätte. Denn nun sei man auf eine rücksichtslose Unterdrückung der Bewegung durch Waffengewalt gefaßt gewesen. Zum Glück sei Erzherzog Ludwig selbst noch vor der Rückkehr des Fürsten in den Vorsaal getreten, wo die Deputationen harrten, und es habe ihn doch stutzig gemacht, als er mit offenem Unwillen empfangen wurde. Der Ernst der Lage sei ihm nochmals vorgestellt worden, worauf er sich in den Konferenzsaal zurückgezogen habe, um kurz darauf an der Seite Metternichs zurückzukehren. Und nun habe Metternich in seiner kühlen Art und mit voller Selbstbeherrschung vor allen Anwesenden sich bereit erklärt, sein Amt in die Hände des Kaisers zurückzulegen, wenn dadurch die Ruhe wieder hergestellt würde.

»Das hätte ich vom Metternich nicht erwartet«, sagte der Muschir, »daß er vor der Straße kapituliert!«

Aber Petz, erwärmt und begeistert, wie er war, überhörte die Bemerkung, oder wollte sie überhören.

»Von dem Jubel, der auf dem Michaelerplatz herrschte, als die Mitglieder der verschiedenen Deputationen aus der Burg traten und das Ergebnis des Tages verkündeten, kann sich keine Vorstellung machen, wer nicht mit dabeigewesen. Ich eilte nach der Aula, um den Studenten, die sich vor Ungeduld nicht mehr zu fassen wußten, die frohe Botschaft zu künden. Am Lugeck traf ich ihre heranziehenden Scharen. Es war unmöglich gewesen, sie länger auf der Universität zurückzuhalten. Ihr Zug sollte sich nach der Hofburg bewegen, wo es entsetzliches Unglück hätte geben können, hätte die erlösende Antwort nur um eine halbe Stunde länger auf sich warten lassen. Gleich unter den ersten sah ich Fred und teilte ihm meine Nachrichten mit. Er fiel mir um den Hals und weinte. Er wurde emporgehoben und rief es seinen Kommilitonen zu: Metternich hat abgedankt!«

»Die jungen Leute werden sich einbilden, sie hätten die Macht, Minister einzusetzen und zu stürzen.«

»In Zeiten wie diese,« sagte Petz, »erringt das Temperament oft größeren Einfluß als die weise Erfahrung. Das ist es, was ich dem jetzt gottlob verflossenen System zum Vorwurf mache: Daß es die besonnene Entwicklung hemmte, und daß wir die Freiheit jetzt aus den Händen jener empfangen müssen, die am meisten Tollkühnheit besitzen, sich geladenen Musketenläufen entgegenzustellen. In diesem Augenblicke schwört man in ganz Wien nicht höher als auf die Aula, und ihre Macht ist eine unbegrenzte, zumal den Studenten auch die Bewaffnung bewilligt wurde.«

»Wollen die jungen Bursche Soldaten spielen, statt hinter ihren Schulbüchern zu sitzen?« grollte der Muschir.

Schinackel erschien, rieb sich die Hände und war aufgeräumt. Poldi, der mit ihm kam, atmete auf, als er hörte, daß der Vater Fred wohlbehalten und unverwundet am Lugeck gesehen hatte, zu einer Zeit, wo der Sieg der Volkssache bereits entschieden und weiteres Blutvergießen nicht mehr zu befürchten war. Er berichtete von Finettls Tod, der Görgi so nahe ging, daß er Tränen vergoß.

»Er zählt zu den Märtyrern der Freiheit,« sagte Schinackel; »möge ihm die Erde leicht sein! Sonst ist verhältnismäßig wenig Blut geflossen. Ich glaube, das ärgste ist vorüber. Ein engelsgutes, eselhaft geduldiges Volk, die Österreicher, Soldaten und Mob, alle beide! Herrgott, hätte das ein Blutbad gegeben, in einem romanischen Lande! Es gehört eine geradezu hochfürstliche oder wenigstens gräfliche Borniertheit dazu, dieses Volk nicht regieren zu können!«

»Jetzt ist der Demokrat im richtigen Fahrwasser,« stichelte der Muschir.

»Du lieber Gott – Demokrat! Ich sage nur, was wahr ist, im übrigen lass' ich jedem das Seine. Bloß regieren sollen die nicht, die nichts davon verstehen. Der Metternich so wenig wie das Volk, die Bureaus und die Kasernen so wenig wie die Straße. Es schadet nichts, wenn sie einmal die Köpfe zusammenstoßen, die Luft wird reiner dabei und man steht eher, wo und wie? Nur die paar armen Narren und der Finettl dauern mich, die darüber verbluten mußten. Aber das ist schon einmal nicht anders.. Jetzt können wir froh sein, daß die Studenten sich bewaffnen und Sicherheitspolizei spielen wollen. Den Arbeitern da draußen vor der Linie, denen könnte, schätz' ich, die plötzliche Freiheit leicht in den Kopf steigen!«

»Kindisches Säbelrasseln!« murrte der Muschir. »Wozu sind denn die uniformierten Bürgerkorps da?«

»Für die Fronleichnamsprozession,« sagte Petz. »Die jungen Leute wollen ihre junge Freiheit verteidigen, das ist begreiflich, und wenn sie uns Bürger vor etwaigen Übergriffen des Militärs schützen, so wird es auch nicht schaden.«

»Am notwendigsten wird man sie vor den Linien brauchen,« wiederholte Schmücket, »und gerade ihr Fabriksbesitzer von da draußen könnt es ihnen danken, daß sie jetzt nicht daran denken, sich zu Bett zu legen und auf ihren leicht errungenen Lorbeer« auszuruhen. Das Proletariat ist seit heut' mittag eine Macht geworden in Wien, und das Militär wäre nicht imstande, gegen diese Armee von Arbeitslosen und Hungernden etwas zu richten, die der bloße Anblick einer Uniform in Raserei versetzt. Auch die uniformierten Bürger reizen nur ihre Wut, weil sie ihre Ausbeuter in ihnen erblicken. Mit den Studenten aber fraternisieren sie, die zählen sie zu den ihrigen und jubeln ihnen zu, wo sie einen erblicken. Darum sind die bewaffneten Studenten die Geeignetsten, etwaigen Ausschreitungen und Ungesetzlichkeiten entgegenzutreten, die der lauernden Reaktion wahrscheinlich eine erwünschte Handhabe bieten würden, die paar Konzessiönchen, die gewährt wurden, wieder rückgängig zu machen.«

»Traurig genug,« sagte der Muschir, »wenn die Studenten es so weit gebracht haben, daß die Proletarier sie zu den ihrigen zählen. Das beweist eben nur, daß sie wirklich auf dasselbe Ziel lossteuern, auf Vernichtung aller Autorität, auf die Gewaltherrschaft der Gasse. Wenn Fred mein Sohn wäre, so würde ich mir ausbitten, daß er sich andere Bundesgenossen sucht.«

Petz schwieg etwas verletzt. Die geheimen Beziehungen zwischen Aula und Proletariern, die er wie alle Welt nur ahnen konnte, entsprachen auch seinem Geschmack wenig. Aber als freiheitlich Gesinnter hatte er Bedenken getragen, die Wege, die Fred seiner Überzeugung gemäß und unter dem mächtigen Einfluß des studentischen Korpsgeistes wandelte, durch gebieterischen Einsatz der väterlichen Gewalt zu kreuzen. Er vertraute im stillen, daß die Jugend, die wieder anderen Gesetzen gehorche, als die reiferen Jahre, durch ihre reine Begeisterung schon ans richtige Ziel gelangen und etwaige Fehler durch allmählich reifende Erkenntnis rascher erkennen und gründlicher ausmerzen würde, als es durch ein Eingreifen von außen möglich wäre. Und es tat ihm weh, daß sein Bruder, der freilich mit Görgi noch leichtes Spiel hatte, die Schwierigkeit, einen herangewachsenen Jüngling in Freiheit zu erziehen, nicht empfand oder nicht empfinden wollte und ihm eine Erziehung nach Sedlnitzkyschem Muster zumutete. Aber die Eindrücke des Tages waren zu bedeutend und zu erschütternd zugleich, als daß solche Nadelstiche ihn lange hätten schmerzen können.

»Die Proletarier und die Studenten sind die beiden Gruppen in unserem Volke, denen die Zukunft gehört,« sagte er milde. »Das mag es sein, was sie einander nähert. Nicht die Freude, das Bestehende zu vernichten, sondern die Sehnsucht. Neues aufzubauen.«

»Die Sehnsucht, das ist es!« rief Schinackel, ihm zu Hilfe kommend. »Das zieht Studenten und Proletarier zueinander hin! Die Studenten, weil sie jung sind, und weil eine Neugestaltung des Staates ihnen tausendfältige Möglichkeiten bieten wird, Kräfte in sich zu entwickeln, die unseren Altersgenossen verkümmert wurden. Die Proletarier als Stand, weil Österreich im Begriff steht, ein Industrieland zu werden, und weil die ungezählten Heerscharen von Arbeitern, die der mechanische Bienenstaat hervorbringen wird, in einer freiheitlichen Organisation noch am ehesten hoffen dürfen, eine Vertretung ihrer Rechte gegenüber der Allgemeinheit zu finden. Das wissen sie natürlich allsamt nicht, aber der Instinkt dirigiert sie in diesem Sinn. Dem Einzelnen mag man es zum Vorwurf machen, daß er Recht auf Ungesetzlichkeit gründen will; die Masse ist eine Drahtpuppe in der Hand der Zukunft. Solche Tage wie der heutige haben etwas Ehrfurchtgebietendes, es ist, als ob die Natur selbst an der Arbeit wäre, aus dem brodelnden Chaos eine neue Welt zu gestalten. Und so knabenhaft unsinnig auch die Studenten sind, und so tölpelhaft roh die Proletarier – man freut sich doch, daß es so viele gibt, die etwas wollen, wenn sie auch selbst nicht recht wissen, was? Da steckt wenigstens Leben dahinter und Sehnsucht – früher war ja der reine Friedhof!«

»Das sind Extremitäten!« sagte der Muschir. »Der Mensch muß wissen, was er tut, er ist für seine Handlungen verantwortlich. Um den Metternich ist mir nicht, der soll gehen, wenn er zu schwach ist, einen Straßenkrawall zu unterdrücken. Aber daß man ihn preisgibt in einem Augenblick, wo seine Abdankung wie ein Sieg der Falotten und Schulbuben aussieht, das ist ein schwerer Fehler. Der Übermut der Lärmmacher wird dadurch ins Maßlose wachsen, und wer hat schließlich das Bad auszugießen? Wir friedliebenden Bürger, die wir arbeiten wollen! Denn chaotische Verhältnisse können wir nicht brauchen, wenn unsere Arbeit gedeihen soll, und der einzige Zweck einer jeden Regierung ist für uns der, daß sie das Gesindel in Zucht hält. Das verstehe ich unter Freiheit und Ordnung!«

Jetzt fand sich auch Sephine ein, atemlos, mit roten Flecken auf den Wangen, halb außer sich vor Begeisterung. Das hätte sie in ihren kühnsten Träumen nicht geträumt, daß sie einen solchen Tag noch erleben würde. Der Metternich gestürzt! Die Freiheit vor der Tür! Nun würde auch der Staats- und Bankausweis veröffentlicht werden, es sei schon so gut wie beschlossene Sache.

»Begreift ihr, was das heißt? Was es für das Geschäftsleben bedeutet? Das ist ein heiliger Tag für uns Bürger, der dreizehnte März! Den können wir rot anstreichen im Kalender!«

»Sag mir nur, Sephine, wo du eigentlich gewesen bist?« forschte Julie. »Ich hatte Angst um dich, in den Straßen soll es schreckliches Gedränge gegeben haben!«

»Was tut das mir? Mitten darunter bin ich gewesen, geschossen haben sie sogar auf mich, die Kaiserlichen – aber nicht getroffen. Ich schrie nur um so lauter: Nieder die Büreaukraten! Nieder die Kanzleiherrn! ... Ein wenig hab' ich doch auch dazu beigetragen,« sagte sie und betrachtete verschämt lächelnd die Smaragden an ihren Fingern; »man hat das Flügelrauschen der Weltgeschichte in der Luft gespürt. Mit dem heutigen Tag schließt das Mittelalter, es beginnt jetzt die Epoche der bürgerlichen Freiheit und Selbstbestimmung.«

Schinackel lachte.

»Jetzt gar so ideal wird das neue Reich auch nicht aussehen, das kannst du mir glauben! Hader gibt es immer, und ein Ringen nach aufwärts muß es auch geben. Aber das Blutvergießen wenigstens ist mit dem heutigen Tag zu Ende, hoff' ich.«

»Es bleibt auch ohne das noch genug zu denken und zu sorgen,« sagte Poldi. »Wenigstens können wir morgen wieder an die Arbeit gehen.«

»Für mich ist morgen ein Feiertag,« sagte Tante Sephine; »alles zu seiner Zeit: Arbeit, Kampf und Feste. Ich will dich nicht tadeln, Poldi, aber ich gestehe, es hat mich gewundert, daß ich dich den Tag über drüben im Stuhle sitzen sah, und selbst am Abend noch, als die Sturmglocken sogar mich von meinen Geschäftsbüchern lockten.«

Poldi saß beschämt.

»Die Großmutter aus dem Guguckshaus« sagte er endlich, »hat mir einmal vom Urgroßvater erzählt, wie der anno neun, als die Franzosen die Stadt bombardierten, die ganze Nacht mit ihr Seide kaviliert hätte, während die Fenster vom Donner der Kanonen schepperten. Das hat mir immer ein schönes Vorbild geschienen. Es laufen, wenn etwas los ist, ohnedies immer genug Leute zusammen, die es nichts angeht.«

»So?« sagte Sephine scharf. »Und das geht dich nichts an, wenn deine Altersgenossen und dein eigener Bruder ihr Leben dafür einsetzen, die Freiheit zu erstreiten?«

»Daß Fred ehrlich das Richtige will, das weiß ich. Er ist Student und alle Studenten wollen die Freiheit – mir sagt die Freiheit wenig oder nichts, wie sie sie meinen. Wenn ich für mich allein in aller Stille schaffen kann, was mir obliegt, und mich vielleicht ein wenig nützlich machen – dann erst fühl' ich mich frei und froh. Der Lärm auf der Gasse macht mich wirr. Und die schreiende und johlende Menge, die ich vorhin auf den Glacis die Gaskandelaber umreißen und das ausströmende Gas zu riesigen Fackeln entzünden sah, die hat mir nicht den Eindruck gemacht, als ob sie das Richtige wollte, und für eine Freiheit kämpfte, die uns Segen bringt.«

»Gleichgiltig, wie sie es meinten,« rief Tante Sephine hitzig; »sie haben mutig das Ihrige getan, den Machthabern Schrecken einzujagen, und darauf kam es heute an. Sicherer wäre es freilich für jeden gewesen, bei seinem Hammer, seinem Hobel oder seiner Schütze zuhaust zu bleiben.«

»Laß Poldi in Frieden, Sephine!« mahnte der Muschir. »Es war ganz vernünftig von ihm, daß er bei seiner Arbeit geblieben ist, statt sich zwecklos vor die Musketen hinzustellen.«

»O, an Courage fehlt es mir nicht, das müßt ihr darum nicht glauben!« sagte Poldi mit erglühenden Wangen.

Und mit innerer Überwindung, weil er nicht gern von sich selbst redete, und weil er fürchtete, den Vater zu kränken, tat er sich auf; es zeigte sich, daß es ein Irrtum gewesen wäre, anzunehmen, er wüßte nicht recht, worum es sich eigentlich handelte, oder hätte sich über die Dinge, die vorgingen, nicht seine eigenen Gedanken gemacht.

»Ich ahnte nicht, daß es zur Entscheidung kommen würde, heute, und zu blutigen Kämpfen. Aber auch wenn ich es vorausgewußt hätte, ich hätte nicht mittun können, es wäre gegen meine Natur gegangen. Ich kann nicht glauben, daß Gewalttaten zur Freiheit führen, und daß durch Ungesetzlichkeit ein gutes Recht erstritten werden kann. Der Kampf von heute ist in meinen Augen kein Glück für unser Vaterland. Ich weiß es, die meisten meiner Altersgenossen denken anders, auch Fred, und auch der Vater und Ohm Schinackel. Ich habe immer geschwiegen, ich will niemand irre machen in seiner Überzeugung. Laßt mir auch die meinige und zürnt mir nicht! Ob es die richtige ist, das weiß ich nicht; nur so viel weiß ich, daß ich anders nicht könnte. Was heute geschah, flößt mir Angst und Sorge ein. Der arme Kaiser ist krank, binnen kurzem hätte er selbst an seiner statt den hochbegabten Prinzen, auf den wir alle hoffen, auf den Thron erhoben. Sein jugendlicher Wille hätte auch unser Staatswesen verjüngt, freiwillig und freudigen Herzens hätt' er uns geboten, was wir nie und nimmer durch Gewalt ertrotzen werden. Und das kindlich-väterliche Verhältnis zwischen Volk und Kaiserhaus, das Österreich vor allen andern Staaten auszeichnet, hätte nie getrübt zu werden brauchen.«

Petz und Sephine unterbrachen ihn zugleich: Die Bewegung richte sich nicht gegen das Kaiserhaus, sondern gegen die schlechten Berater des Kaisers und die starr verbohrten Mitglieder der Staatskonferenz.

Das wisse er wohl, antwortete Poldi, aber auf der einen Seite fürchte er, Studenten und Proletarier könnten durch den so rasch und leicht errungenen Erfolg zum Übermut verleitet werden; auf der andern Seite sei er überzeugt, daß die Nachgiebigkeit von heute in manchem Hochgestellten einen Stachel zurücklassen werde und ein brennendes Verlangen nach Retorsion.

»Das vergossene Blut wird neues Blut fordern,« sagte er, »und der innere Friede, den wir ersehnen, im Haß ertränkt werden, mit dem sich heute Tausende von Herzen hüben und drüben bis zum Rande gefüllt haben.«

»Er hat recht, der Poldi! Er hat ganz recht!« bestätigte der Muschir, im Stillen staunend, daß der sonst so verschlossene Jüngling, in dem er bis dahin nichts weiter gesehen hatte als einen Weberlehrling, manches aussprach, was er selbst schon gedacht hatte, aber nicht in so überzeugende Worte zu kleiden wußte.

Schinackel wieder staunte gar nicht, sondern dachte: »Es ist genau derselbe Poldi, der er mit sieben und acht Jahren gewesen!« Dagegen blickte auch Petz mit Überraschung auf seinen Sohn, weh berührt, daß sich unerwartet die Kluft einer unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen auftat, und doch nicht ohne Vaterfreude; denn es war eine männliche und wohlbegründete Überzeugung, die hier ausgesprochen wurde, wenn auch die seinige nicht. Es zeigte sich jetzt, daß er kein blinder Parteigänger war, sondern ein wahrhaft Liberaler, der die Freiheit mit dem Herzen suchte und sie auch für den Gegner gelten ließ.

»Wir wollen hoffen, daß du diesmal zu schwarz siehst, Poldi,« sagte er warm und ohne eine Spur von Verstimmung. »Die Gegenwart ist immer blind, erst die Zukunft wird hellsichtig. Niemand soll von dir fordern, daß du deiner Überzeugung Zwang antätest. Gehe jeder seinen Weg, Fred den seinigen, du den deinigen. Am Ziele werden wir zusammentreffen, es ist für uns alle das gleiche: Das Wohl unseres Vaterlandes. Die wahre Freiheit muß jeder in sich tragen, einem jeden sieht sie anders aus, einem jeden sei die seinige heilig. Binnen kurzem, hoff' ich, wird jede Meinungsverschiedenheit schwinden, wir werden uns mit allen unseren Gedanken und Kräften wieder unserer bürgerlichen Arbeit zuwenden können, und die Sonne eines neuen Österreich wird unsere Sache segnen ... Es ist spät geworden,« sagte er sich erhebend, »wir gehören alle ins Bett nach den Aufregungen dieses Tages. Wer weiß, wo und wie unser guter Fred diese Nacht zubringen wird. Möge der Himmel über ihm wachen! Gute Nacht.«

Er drückte Poldi zärtlich an sich und entfernte sich mit ihm und Schinackel. Auch Sephine, etwas abgekühlt und nachdenklich, sagte Gute Nacht. Der Muschir blieb mit Frau und Kind allein. Nun wollte Julie den Knaben, den es schläferte, zu Bette bringen. Der Vater aber, mit großen Schritten im Zimmer auf- und niederschreitend, machte ihr ein Zeichen, noch zu bleiben. Er öffnete die Tür und rief nach Pappelmann.

»Ist der Priesching noch im Hause?«

Er hatte sich längst entfernt.

»Lassen Sie einspannen! Die Kalesche!«

»Einspannen?« fragte Pappelmann gedehnt, der es nicht begreifen konnte, daß sein Herr um Mitternacht noch eine Spazierfahrt unternehmen wollte.

»Vorwärts!«

Julie folgte dem Aufundniederwandelnden mit großen ängstlichen Augen und wagte nicht zu fragen, was der Gatte sinne.

»Der Görgi soll sich fertig machen, er fährt auch mit!«

»Um Gotteswillen, Georg, was willst du mit ihm?«

»Die Regierung hat vor den Lärmmachern kapituliert,« sagte er vor ihr stehen bleibend. »Petz bildet sich ein, das sei die Freiheit! Was weiß er bei seinem Kattegat von der Welt! Der Absolutismus der Straße ist es. Die feige Gewissenlosigkeit der Machthaber beugt sich vor ihm – ich nicht! Man läßt den Mob auf uns los – auch gut; wir werden uns selbst um das Unsrige zu wehren wissen.«

»Du willst doch nicht nach dem Braunhirschengrund fahren!« rief sie entsetzt; »wo der Priesching geschildert hat, wie es dort zugeht?«

»Eben deshalb! Meinst du, ich würde meine Fabrik der sinnlosen Wut des Pöbels preisgeben? Vorhin, da ich noch nicht ahnte, wie schwächlich die Regierung die Flinte ins Korn geworfen, da glaubte ich nicht an eine Gefahr, Jetzt glaub' ich an alles. Für die Bestie gibt's nur eins, wovor sie Respekt hat: Den Schekl.Knute. Wenn man sie kajoliert, so beißt sie. Natürlich! Ich lasse mich aber nicht beißen – ich nicht!«

»Aber Görgi wenigstens wirst du doch einer solchen Gefahr nicht aussetzen?« flehte sie, von ihrer Weltangst geschüttelt.

»Er soll nur mitkommen und früh lernen, wie es zugeht. Geschehen wird ihm nichts, die Horde verliert geschwind die Courage, wenn ihr einer die Zähne zeigt, verlaß dich darauf.«

»Ich will mitfahren!« rief Görgi. »Wir verschanzen uns in der Fabrik wie in einer Burg, nicht wahr, Vater? Und wenn die Feinde kommen und stürmen, sollen sie ihren Denkzettel haben!«

Juliens Vorstellungen verhallten ungehört, er antwortete gar nicht mehr darauf und traf schweigend seine Vorbereitungen. Als Pappelmann meldete, es sei angespannt, warf sie sich ihrem Gatten zu Füßen, Görgi unter Tränen umklammernd. Aber den Muschir machte solches Weibergetue nur härter. Er wendete den Kopf und sah sie an, mit einem Blick so kalt, so fremd – da wußte sie, es war alles vergebens. Und dann ging er mit festem Schritt gegen die Tür, der Knabe küßte sie noch und eilte seinem Vater nach. In diesem Augenblick war ihr, als würde ihr Herz entzwei gerissen.

Sie erhob sich vom Boden und trat ans Fenster, die heiße Stirn gegen die Scheibe pressend. Jener Abend am See kam ihr wieder, wo ihr Gatte sie zum erstenmal mit Zärtlichkeiten bedrängt hatte. Damals hätte sie es offen und ehrlich bekennen sollen: »Ich habe mich getäuscht!« Damals, in jener Nacht, da hatte sie ihre Freiheit verscherzt für immer, indem sie sich Gewalt antat um die Mutterschaft. Damals hatten Not und Weltangst ihren Anfang genommen, und sie war innerlich unfrei geblieben seither, abhängig von irgend etwas außer ihr, nicht mehr sie selbst. Denn ein jeder trug seine eigene Freiheit in sich wie ein Gesetz, und für jeden sah sie wieder anders aus. Aber für alle war sie etwas Heiliges, das man achten und ehren mußte, Petz hatte recht; sonst hätten die Menschen auch nicht so erbittert um sie gekämpft und ihr Blut dafür hingegeben ...

Da sah sie den Wagen über das Platzel rollen und erkannte die Umrisse der beiden Gestalten, wie der Muschir breit und wuchtig neben dem zarten Knaben saß und ihn ihren schirmenden Mutterarmen entführte in die Nacht hinaus ...

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