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Ulrich von Lichtenstein: Frauendienst - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrauendienst oder Geschichte und Liebe des Ritters und Sängers Ulrich von Lichtenstein
authorUlrich von Lichtenstein
editorLudwig Tieck
yearca. 1880
publisherVerlag von Hermann Bruckner
addressLeipzig
titleFrauendienst
pagesI-VI, 4-247
created20040307
sendergerd.bouillon
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Sechstes Capitel.

Von dem Turney zu Frisach.

Gegen die Fasten wurde vernommen, daß der Markgraf Heinrich von Oesterreich den Fürsten von Kärnthen angreifen wollte; als der Fürst Leopold von Oesterreich dies vernahm, sprach er: das gestatte ich nicht, sondern ich will es versühnen und in kurzem einen Tag machen. Es wurde von ihm ein Bote an die beiden Fürsten gesandt, der sie freundlich grüßte und sie bat, sie möchten sich nach Freundes Sitten verrichten lassen, wozu sie beide auch willig waren. So wurde denn ein Tag zu Frisach gemacht, am St. Philippus Tage, zu Anfang des Mai, wenn der Wald schon gelaubt steht, und die Haide ihr wonnigliches Sommerkleid augelegt hat.

Da ich den Tag erfahren, ward ich froh, ich kam zu meinem Bruder Dietmar von Lichtenstein und sprach zu ihm: Dietmar von Lichtenstein, wir sollen uns vereinigen, und Ritterschaft üben, denn eine große Kraft von Herren kommt da zusammen. Er sprach: du hast wohl gerathen, wir sollen uns beide mit Rittern in einen Foreis legen und so lange der Tag dauert jedermann Ritterschaft gewähren, der sie von uns begehrt. Wir sollen es in die Land entbieten, erfahren es dann die Ritter, so kommt mancher herbei, es ist überdies die Maienzeit, wo sie ungern zu Hause liegen. Du hast Recht, Bruder, sprach ich, sende du dahin, so sende ich dorthin. Die Boten fuhren nun allenthalben in die Land, und mancher Ritter kam aus ehregierigem Rittersmuth, so kam auch mancher um die Weib herbei.

Nun kam der Tag der Fürstensprache, die Boten nahmen Herberge in der Stadt, der Marshalk des Fürsten Leopold von Oesterreich bat, daß man da gezogentlich wäre. In der Stadt wurde jeglich Fürst geherbergt, eben so die Grafen, Freien, Dienstmann. So kam der Fürst aus Oesterreich und von Ysterreich der Markgraf Heinrich, der Fürst Bernhard von Kärnthenland, der Markgraf Diepolt von Voheburg, um seine Tugenden geliebt, Graf Albrecht von Tyrol, der Graf Meinhard von Görz, der ehrenvolle Graf von Liebenau, der milde von Hunenburg und der Graf Hermann von Ortenburg, den niemand um Milde rühmte. Auch kam Graf Ulrich von Pfaunenberg, wie der von Schlüsselberg, Hug von Teufers, die Brüder von Schauenberg, Herr Diete von Lengenbach, der Domvogt zu Regensburg war, Herr Kiutolt von Pettach, Herr Conrad von Schöneneck, der von Auersberg; auch Herr Dietmar von Potenstein.

Diese waren die Fürsten, Grafen und Freien. Von Dienstmannen kamen: der milde Herr Hertnit von Ort, Herr Hertnit von Wildonie, der von Stubenberg, Herr Rinprecht von Murecke, Herr Rudolf von Rase, ein milder und getreuer Mann; der Held von Küngesberg, Herr Herrmann von Chransberg, Herr Otte von Püten und zween Heinrich. Es kam von Truchsen Heinrich und Herr Chol, Herr Otte von Grätz und sein Bruder Herr Ortolf, auch der tapfere Degen von Wolkenstein; von Stier Herr Gundacker und dessen Bruder Herr Dietmar, Herr Eckehard von Tanne, Herr Gundacker von Starkenberg, Herr Albrecht von Rusberg; Herr Hadmar von Künringen brachte mehr als dreißig Ritter mit sich, es kam Herr Wolfker von Gors, der Ritter einer Frauen; Herr Otte von Schönkirchen, Herr Rudger von Antschawe, Herr Ulrich von Steuntz und der von Ottenstein, Herr Hadmar von Schönenberg und der karge Mann von Hakenberg und Herr Heinrich von Kyowe.

Es kam außer diesen noch mancher biedre Mann, um Ehre zu gewinnen, so kam auch mancher Ritter, der Gut zu gewinnen dachte. Sechshundert Ritter waren unter Schilden versammelt, auch kamen mehr als zehn geistliche Fürsten hin, die den Krieg beseitigen und eine stete Sühne machen wollten.

Ich hieß ferne von der Stadt zehn Hütten und ein Zelt aufschlagen, davor stieß man vier Banner und fünfhundert Speer, dabei lagen sechsunddreißig Ritter, die um Frauen Ritterschaft pflegen wollen, von denen viele kaum den Anbeginn des Spiels erwarten konnten; ja wir lagen die Nacht alle in solcher Begier wie die Falken. Als die Sonne am Morgen aufging, zogen sie von allen Seiten zu mir, mit manchem reichen leuchtenden Banner, mancher war so wohl geziemirt, daß er die Blumen und das grüne Gras überglänzte. Da liefen die Kroier hin und her, und riefen: wer nun tyostiren will, der komme herbei! Mancher gute Ritter stapfte herbei, der Ehre und Leben um die reinen Weib wagen wollte.

Da wir sie herziehen sahen, sprangen wir auf die Rosse, da hub sich mancher schöne Puneis, denn jeder mühte sich, wie er den andern niederstechen wollte. Die Ritterschaft währte den ganzen Tag, und mancher tyostirte, der es noch niemals gepflogen, mancher fiel zugleich mit seinem Gegner, mancher lag sinnlos auf der Erde, mancher verlor das Roß, daß man ihm fern davon stach. Manche stachen aus hohem Muth, manche um Gut zu erwerben, manche um die Weib, und manche um zu lernen.

Als die Nacht gekommen war, zogen sie in die Stadt, wir mußten auch das Feld räumen und fanden im Zelt gut Gemach. Ich hatte an dem Tag wohl dreißig Speer verstochen, und nun richtete ich meinen Gedanken darauf, wie ich eine ritterliche That ausführen möchte. Ich wollte nämlich am Morgen wieder stechen und mich dann vor den Leuten heimlich auf einen Berg begeben; dann will ich grün geziemirt mit zwölf Knechten wieder kommen, jeglicher soll ein grünes Speer mit führen, auch soll ihr Kleid und die Bedeckung der Pferde grün sein.

So geschah es am andern Morgen, ich war mit den Hochgemuthen früh bereit. Da wurde Herr Conrad von Sounecke von mir zuerst bestanden, dann Herr Liutolt von Pettach, dann rannte ich den Tapfern von Küngesberg an, dann Herrn Ulrich von Steunze; auf diese vier verstach ich dreizehn Speer; dann begab ich mich heimlich in mein Gezelt, und von da rannte ich auf den Berg, wo ich mein grünes Wappenkleid bereitet fand, mein Wappenrock und meine Decke waren von grünem Sammt, und mein Schild und Helm waren grün, ebenso meine zwölf Speer, meine Knechte waren grün und ihre Pferde. Ich nahm nun ein grünes Speer in meine Hand und ritt zum Tyostiren hin, wohl hundert Ritter fand ich schon in Arbeit; ich freute mich, daß mich Niemand erkannte, mein Bruder kam zuerst gegen mich und sprach: Ihr guter Ritter sollt mich zuerst vor allen bestehen. Aber ich schwieg und wandte mich von ihm, da bestand mich ein biedrer Mann, Hug von Tiufers, er war reich geziemirt, und sein Speer wonniglich, wir fehlten beide nicht, er traf mich an das Koller; und ich ihn an den Helm, die Splitter flogen hoch, und die Leute kamen zum Schauen herbei; wir beide verstachen wohl zehn Speere aneinander; da kam Herr Hadmar von Kunringe, dessen Ziemir ganz golden war, ich nahm mein Roß zu den Sporen, und unsre beiden Speer zersplitterten, die Schilde zerkloben, und unsre Knie berührten sich, doch geschah die Tyost nicht ohne Schaden, er stach mir in den Arm, und ich empfand mich etwas wund, doch erfuhr er es weder, noch sonst da Jemand, wir riefen beide: Speere, Speere her! Man gab sie uns, und wir verstachen wieder sieben Speer, worauf er seinen Helm abband. Darauf kam gegen mich Herr Wolfger von Gors, der oft den Frauen diente, er verstach zwei Speere auf mich, und ich zwei auf ihn; darnach bestund mich Herr Leupold von Lengenburg, dem stach ich seinen Helm ab. Hierauf baten meine Knappen, die Ritter stille zu halten, und ich trabte vom Felde, aber alles Volk ritt mir nach, da kam der Markgraf Heinrich von Ysterreich, er sprach: laßt diesen Ritter fahren, wohin er will, da es sein Wille ist, unbekannt zu bleiben. Nun ritt ich hin, wo mich Niemand sah, ich entwappnete mich schnell und kam anders geziemirt auf das Feld zurück. Ich verstach noch am Abend sechs Speer, worauf die Nacht unserm Ritterspiel ein Ende machte.

Da fragten viele, wer war denn der Ritter, der heute so grasgrün vom Berge zu uns herunter ritt? Darauf am dritten Morgen griffen die Biedern wieder zur ritterlichen Arbeit, und die Ritterschaft währte überhaupt wohl zehn Tage. Der Fürst Leupold aus Oesterreich sprach: endlich verdrießt mich dies; sollen wir hier nichts anders schaffen als Stechen? darum bin ich nicht hergekommen; ich habe einen Tag gemacht, um den von Kärnthen mit dem Markgrafen Heinrich zu versühnen.

Der Patriarch von Agley sprach: Die Kost ist hier gar zu theuer. Der Bischof von Babenberg sagte: es ist auch mein Ungemach, sollen wir denn umsonst hier sein? Mein Bruder, der Markgraf Heinrich von Ysterreich bat mich herzukommen. Eben so ungemuth war der reiche Bischof von Salzburg, der Bischof Heinrich von Brixen, der Bischof Rüdiger von Passau und der Fürst von Freisingen, daß sie da ihr Gut um unsre Ueppigkeit verzehren mußten. Alle Bischöfe in der Stadt baten darum sehr theuer den Fürsten von Oesterreich, daß er doch endlich schüfe, warum man gekommen sei, sie sprachen: es ist eine Dummheit, daß wir umsonst hie liegen. Da sprach der Fürst aus Oesterreich: Ihr sollt mir rathen, wie ich dazu thu, ich kann keinen dazu bringen, die ich doch beim Geschäfte brauche, denn ihnen thut die Ritterschaft so wohl, daß ich sie nicht vom Felde bringen kann.

Da sprach der Fürst von Kärnthenland, ich will hie einen Rath geben, wodurch es gewiß ein Ende hat, wie sollen sie turniren, ich bin in zehn Jahren zum Schimpf in kein Wappenkleid gekommen, das wird jetzt von mir angelegt.

Man folgte dem Fürsten, und Mancher war des Rathes froh, man bat also, das Tyostiren lassen und in der Stadt verkündigen, daß der Turney am Montage sein werde. Ich brach ab Hütten und Gezelt, mit Freuden zogen wir vom Anger in die Stadt, und Sammt, Zobel, Pfelle, Hermin, Zendal schnitt man freudig ohne Maßen viel zum Turney, Silber und Gold wurde auf Zendal gelegt, mancher, der das nicht hatte, schnitt Buckram, jeder ziemirte sich, wie er wollte, auch dachte mau darauf, den Turney mit Witzen zu theilen.

Der von Oesterreich hatte da auf seiner Seite zweiundfünfzig guter Ritter, zu denen fiel der Graf Diepolt, der hatte nur zwölf Ritter mit sich gebracht, die auf Gewinn bedacht waren. Auf demselben Theil war Graf Albrecht von Tyrol, dem vierzig Ritter gefolgt waren; auch Hug von Kiufers, der zwanzig Ritter bei sich hatte; der Vogt von Lengenbach mit zweiundzwanzig Rittern; da der Domvogt reich war, ziemirte er sich und sein Gefolge schön und leuchtend; dem reichen Manne von Mureck folgten da vierzig Ritter, Herr Hadmar von Kunringe hatte einunddreißig, dem Herrn Hermann von Chransberg folgten zwanzig, dem milden Wolfger von Gors zwölfe.

Auf der andern Seite führte der Markgraf Heinrich von Ysterreich, er hatte sechszig Ritter. Zu ihm fiel der Fürst aus Kärnthenland mit fünfzig Rittern, der von Gorze hatte fünfundfünfzig mit sich gebracht, der milde von Hunenbnrg hatte zweiunddreißig Ritter, der von Liebenau hatte fünfundzwanzig aus Bayern und Franken mitgebracht, er wurde an dem Tage den Besten zugezählt; der Graf Hermann von Ortenburg wollte nur acht löbliche Ritter mit sich führen, der tugendhafte von Orte hatte ihrer sechsunddreißig, und er führte wohl oft noch mehr, der werthe Wolfing von Stubenberg brachte vierunddreißig.

Am Montage, als der Tag aufging, diente man Gott, nach der Messe hub sich großes Gedrang von Knechten in allen Gassen, laut wurde der Schall von Posaunen, Flöten, Hörnern und Paukenschlägen. Die Kroyere liefen freudig umher und riefen: Nun zieht aus, Ihr edlen Ritter gut! Nun zieht aus und seid freudenvoll! Nun zieht aus mit hohem Muthe, so sehen es die Boten der Frauen! Nun zieht auf das Feld, da liegt der Lohn der Minnegehrenden!

Alle zogen mit Schall aus der Stadt, der Rottmeister einer jeden Rotte bat die Seinigen, Acht zu haben, damit ihnen Preis würde, und daß sie sich nicht dringen ließen. So waren sie auf das Feld gekommen, das von manchem lichten Banner wonniglich glänzte, man sah da viele leuchtende Speer und manchen Helm schön ziemirt. Der Glanz der Helme und Schilde leuchtete manchem so in das Auge, daß er kaum sehen mochte; die Ziemir und Wappenkleider schienen mit der Sonne zu streiten.

Da sah man den von Stubenberg über Feld her stapfen, gegen ihn kehrte Herr Hadmar von Kunringe, er führte die Seinigen gegen die Schaar des von Stubenberg und ermahnte sie, ritterlich zu tyostiren; auch Herr Wölfing ermahnte die ihm folgten, er sprach: Herr Hadmar will uns hier mit Speeren bestehen, nun stapfet ihm entgegen, daß ein Puneis hier geschehe, wie ihn Gott selber gern sehen möchte!

Sie stapften zu einander, und als sie kaum noch eines Rosselaufes weit getrennt waren, da war Punirens Zeit, man sah sie aneinander kommen und Mann und Roß fallen. Laut krachten Speere und Schilde, mancher ward so gestoßen, daß ihm die Knie schwollen, manche holten Wunden und Beulen; sie wollten umkehren, da wurde manchem der Helm abgebrochen, manch Schwert erklang auf Helmen, viele Schilde zerbrachen. Herr Hadmar von Kunringen mußte mit seiner Schaar entweichen, da kam ihm der reiche von Murecke zu Hülfe und ritt gegen den von Stubenberg, da kam diesem der biedere Mann von Orte zu Hülfe.

Herr Hug von Tiufers und Herr Hermann von Chransberg ritten mit der Schaar auf einander, und beide wichen nach dem Puneis eines Ackers Weite. Der Graf von Liebenau rannte da tapfer den von Lengenbach an, sein Roß ward von dem Stoß verbuget, davon kam der Graf auf das Land; Herr Sifrid von Dozenbach und Herr Gottfried, sein Vetter, diese zween biedre Mann brachten das Roß des Grafen fort, dann kamen sie zu ihm zurück, wo er im Klee lag, er hatte vom Treten Schmerzen gelitten. Seine Ritterschaft kam mit künstlichem Reiten, voran Herr Heinrich von Wigan, sie trennten den Thumvogt mit seiner Schaar von ihrem Herrn. Es ritten auf einander der Graf von Hunenburg und der Graf Hermann, und ein lauter Schall ertönte von ihrem Stoß über das Feld.

Der Graf von Tyrol rannte den von Kärnthenland an, ihr beider Puneis wurde gut. Nach ihnen beiden kam ihre Schaar, daß das ganze Feld erklang, da wurde gerungen und geschlagen, und von den Stößen saß manches Roß auf die Hechsen nieder.

Noch hielt der Fürst Leopold, und bei ihm Diepolt, der Markgraf. Gegen den hielt der Markgraf Heinrich von Ysterreich, und bei ihm der von Görz, beide kehrten mit ihren Schaaren gegen den von Oesterreich. Fast wich der Turney auf den von Oesterreich, darüber wurde der reiche Fürst zornig, da ritt er und die Seinen durch den Turney, und man hörte laut die Speere krachen. Ritterlich punirte der von Ysterreich und Graf Meinhard von Görz, wenige Schilde blieben ganz, und manches Roß ward verbuget. Nun war der Turney von allen Seiten gemengt, man hörte Schallen, man sah Ringen. Der Graf von Görz kam ritterlich an den von Oesterreich, er nahm den Fürsten in den Zaum, der Fürst aber vergaß sich nicht, er nahm dem Grafen seinen Helm, und die Ritterschaft kam dem Fürsten Leopold zu Hülfe, der Markgraf Diepolt führte sie an, da ward der Graf von Görz genommen, der sich aber doch wehrte, als ein ritterlicher Mann. Da der biedre Rudolph von Rase sahe, in welche Noth der Graf Meinhard von Görz gekommen, so sah man ihn mit fünfzig Rittern herbei sprengen, unter denen der biedre Heinrich von Lünz war, sie halfen ihrem Herren von dann, da ward großer Klang von Schwertern, und großes Gedränge vom Stoßen. Da der von Rase so ritterlich den Grafen errettet hatte, wollte er nicht ohne Gewinn von dannen scheiden, er ritt hin und her durch des Fürsten Schaar, bis er Herrn Heinrich von Triwanswinkel gefangen hatte. Der biedre Markgraf Diepolt erwarb Ehre an dem Tage, er ritt vor dem von Oesterreich her, eben so ritterlich that der von Schlüsselberg gegen den Feinden.

Herr Dietmar von Lichtenstein brach wonniglich geziert durch die Schaar, er verschwand wohl an dem Tage fünfundzwanzig Speer hie und dort mit seiner Hand; viele Helm er abbrach, hie und dort ritt er, und nach Preis stand sein Begehr, er ritt oft durch den Turney, und keiner hat an dem Tage mit ritterlicher Arbeit besser gethan.

Mit dem Schwerte hauend ritt der biedre Mann von Küngesberg hin und her, er verstach auch viele Speere, und führte fünf Ritter gefangen. Wolfger von Gors verstach wohl zwanzig Speer, der warb wohl an diesem Tage nicht um Gut, sondern um Würdigkeit. Herr Ortolf von Grätz errang an diesem Tage viele Ehre, er war getreu, kühn und weise. Herr Ulrich von Murberg zeigte sich ritterlich, wie er schon oft gethan, er war einer der Besten von Steierland. Herr Ottacker von Wolkenstein glänzte geziemirt als ein Engel, das war seine Sitte so, wodurch er sich bei Frauen beliebt machte, man sah ihn wie einen Sturm durch die Haufen brechen; mit Recht war er von den Frauen geliebt, denn er verdiente es sehr theuer, auch sprach sein Mund stets gut von ihnen.

Der werthe Otte von dem Wasen zeigte sich mit dem Speer als ein guter Ritter. Der starke Heinrich von Chiow brach ritterlich durch den Haufen, er kam an den Grafen von Tyrol, den er mit großer Kraft von aller seiner Ritterschaft weg zu sich nahm, er wollte ihn gefangen mit sich führen, wogegen sich der Biedre sehr wehrte; Herr Otte von Meizen erbat aber mit großen Bürgen von dem Herrn Heinrich von Chiow, daß er den Grafen frei ließ, denn er brach ihm den Helm vom Haupte, da mußte der starke Mann den Grafen lassen.

Der Schenke Hermann von Osterwiß ritt tapfer hin und her, der Herr Reinher von Eichelberg brach wie ein Falke durch die Schaaren, und mancher stolze Ritter mußte vor ihm niederliegen. Herr Kun von Friedberg gewann vier Rosse, der Held arbeitete nach Gut, drum errang er dessen auch viel; wo er es mit Ehren mochte haben, ließ er es ungern. Eben so warben da Herr Otte und Herr Heinrich von Buches um Gut, es kümmerte sie nicht, wer viel Speer verstach, denn sie warben mehr um Gut, als um die werthen Weib.

Man verstach an dem Tage wohl tausend Speer, viele Ritter wurden gefangen, wohl hundertundfünfzig verloren ihre Rosse, einer band ermüdet seinen Helm ab, den fand man traurig, manchem däuchte der Tag und der Turney zu kurz. Was ich an dem Tage und wohl sonst wo noch gethan, will ich aus Zucht verschweigen, ich sage nur so viel, ich war da nicht der Beste und auch nicht der Böste.

Es wurde Abend, man band die Helme ab, und Alle zogen in die Stadt, wo manches schöne Bad bereitet war. In der Nacht badeten die Ritter, mancher war ohnmächtig vor Müde, dem verband man die Wunden, der ließ sich salben, dem that der Arm weh, dem das Knie, mancher war wie todt vor Schlaf, ein andrer litt von Gedanken Pein und dachte: ei! wie hab' ich heut gefahren, das muß mich wundern! – Am andern Tage mußten die Gefangenen manches köstliche Pfand einsetzen, und die Gut gewonnen hatten, sah man in freudiger Geberde.

Der Fürst Leopold sandte nach dem von Ysterreich und auch nach dem von Kärnthenland und versöhnte sie beide; nach dreien Tagen schieden die Fürsten.

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