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Frau Sorge

Hermann Sudermann: Frau Sorge - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrau Sorge
authorHermann Sudermann
year1997
publisherUllstein Verlag
addressBerlin
isbn3-548-24168-9
titleFrau Sorge
pages3-237
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1887
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8

Paul trat nun in die Wirtschaft. Den Schwur, den er am Morgen seines Einsegungstages getan, hielt er getreulich. – Er arbeitete wie der letzte seiner Knechte, und wenn die Mutter ihn bat, sich zu schonen, dann küßte er ihr die Hand und sagte: »Du weißt, wir haben viel gutzumachen.«

Abends, wenn das Gesinde zur Ruhe gegangen war und die Zwillinge sich in Schlaf getollt hatten, dann saßen Mutter und Sohn oft stundenlang beisammen und planten und rechneten, aber war ein Entschluß in ihnen zur Reife gekommen und lächelte ein Schimmer von Hoffnung aus ihren Augen, dann geschah es oft, daß sie plötzlich zusammenschraken und mit einem Seufzer die Köpfe hängen ließen – aber keiner sprach es aus, was ihm das Herz belastete...

Zu dieser Zeit fing Frau Elsbeth stark zu altern an. Lange, schmale Furchen zogen sich über ihre Wangen, das Kinn trat stark hervor, und das Haar erhielt einen Silberschimmer. Nur aus den dunklen Tiefen ihrer vergrämten Augen konnte man noch herauslesen, wie schön sie einst gewesen war.

»Ja, siehst du, jetzt bin ich eine alte Frau«, sagte sie eines Morgens zu ihrem Sohne, als sie sich vor dem Spiegel die Haare kämmte, »und das Glück ist noch immer nicht gekommen.«

»Sei still, Mutter, wofür hin ich denn da?« erwiderte er, obwohl ihm gar nicht so hoffnungsfreudig zumute war.

Da lächelte sie traurig, streichelte ihm Wangen und Stirn und sagte: »Ja, du siehst mir ganz so aus, als hättest du das Glück an den Flügeln gefangen;... aber ich will nicht so reden«, fuhr sie fort, »was fing' ich wohl an, wenn ich dich nicht hätte?...«

Solch ein Augenblick überströmender Liebe mußte für lange vorhalten, denn oft vergingen Monate, ohne daß Mutter und Sohn vor lauter Beklommenheit der Herzen sich etwas Zärtliches zu sagen wagten.

Die Zwillinge wuchsen derweilen zu zwei tollen, pausbäckigen Wildlingen heran, denen kein Baum zu hoch, kein Graben zu tief war. Das krause Braunhaar hing ihnen in tausend widerspenstigen Ringeln über die Schläfen herab, und darunter hervor guckten zwei Augenpaare, so voll von Schelmerei, so blitzend in Scheu und Keckheit zugleich, als lachten verirrte Sonnenstrahlen aus tiefer Waldesnacht heraus.

Das Gelächter der beiden hallte frühmorgens und spätabends durch das einsame Heidehaus, und um so drückender war die Stille darin, wenn sie in der Schule weilten oder sich draußen auf dem weiten Plane umhertrieben.

Den Zwillingen war alles egal. Ob Sonnenschein, ob Sturm im Hause, sie hatten den Kopf stets voller Streiche, und wenn das Toben des Vaters einmal so arg wurde, daß sie es für geraten hielten, sich hinter dem Ofen zu verkriechen, so entschädigten sie sich dort, indem sie sich heimlich in die Beine kniffen.

Für Paul hegten sie eine grenzenlose Liebe, was sie jedoch nicht abhielt, die besten Bissen von seinem Teller, die weißesten Papierschnitzel aus seiner Mappe und die schönsten Knöpfe von seinen Hosen einfach als ihr Eigentum zu reklamieren, denn sie stahlen wie die Elstern.

Er hatte große Sorge um sie, denn er fürchtete, sie würden immer mehr verwildern, insbesondere, da die Mutter immer müder und mutloser wurde und die Dinge gehen ließ, wie sie gingen. Aber er fing seine Erziehungsversuche am unrechten Ende an. Seine Mahnungen fruchteten nichts, und einmal, als er mitten in einer schönen Strafpredigt war, geschah es, daß die eine plötzlich auf seinen Schoß sprang, ihn an der Nase ergriff und der Schwester zurief: »Du – er kriegt 'nen Bart.«

Drauf kletterte diese ihr nach, und beiden wollten um die Wette an seinen Lippen zupfen. – Als er nun aber ernstlich böse wurde, fingen sie an zu bocken und meinten: »Pfui – wir reden nicht mehr mit dir.«

Elsbeth hatte er seit seinem Einsegnungstage nicht wieder gesehen, wiewohl inzwischen ein ganzes Jahr vergangen war.

Es hieß, sie sei nach der Stadt geschickt worden, um dort »gesellschaftliche Bildung« zu lernen. – Dies Wort hatte ihm einen Stich durchs Herz gegeben, er wußte kaum, was es bedeutete, aber er fühlte dunkel, daß sie sich nun weiter und weiter von ihm entfernte. – Da geschah es eines Tages um die Osterzeit, daß er ein Stück Ackerland bearbeiten ging, welches versprengt von dem anderen Besitztum fernab am Waldesrande lag. – Er selbst säte, und ein Knecht mit zwei Pferden ging nacheggend hintendrein.

Er hatte ein großes weißes Sälaken um die Schultern geschlungen und beobachtete mit stillem Vergnügen, wie die Samenkörner im Sinken gleich einem goldenen Springquell niederfunkelten. Da war es ihm, als sähe er zwischen den dunklen Stämmen des Waldes etwas Hellschimmerndes auf- und niederschaukeln – wie eine Wiege, die in der Luft schwebte. Doch nahm er sich kaum Zeit, darauf zu achten, denn das Säen ist eine Arbeit, die Aufmerken verlangt.

So kam die Frühstückspause heran. Der Knecht setzte sich auf den Kornsack, er selbst aber, da ihm heiß geworden war, ging nach dem Walde, um Schatten zu haben.

Er warf einen flüchtigen Blick nach der schwebenden Wiege und dachte: »Das muß wohl eine Hängematte sein«, aber um den, der darinnen lag, kümmerte er sich nicht.

Da war es ihm plötzlich, als hörte er seinen Namen rufen.

»Paul, Paul!« Es klang ganz lieb und vertraut und mit einer hellen, weichen Stimme, die ihm wohlbekannt schien.

Erschrocken schaute er auf.

»Paul, komm doch her«, rief die Stimme noch einmal. Es lief ihm heiß und kalt über den Rücken herab, denn er wußte nun, wer es war.

Er ließ einen verschämten Blick über seine Arbeitskleider gleiten und machte sich daran, den Knoten des Lakens loszulösen, aber der hatte sich in den Nacken zurückgeschoben, so daß er ihn nicht erreichen konnte.

»Komm doch so, wie du bist«, rief die Stimme, und nun sah er auch, wie ihr Oberkörper sich in der Matte emporrichtete, während ein Buch mit rot und goldenem Einband ihren Händen entglitt und zur Erde fiel.

Zögernd kam er näher, indem er heimlich versuchte, die Stiefel, an denen der Schmutz des feuchten Ackers klebte, in dem Moose abzuwischen.

Sie ihrerseits hatte noch im letzten Augenblicke bemerkt, daß ihre Füße mitsamt den weißen Strümpfen unter dem Kleide hervorguckten, und machte sich eilig daran, sie mit dem Tuche, das sie um die Schultern geschlungen hatte, zu verdecken. Aber sie vermochte nicht, es unter ihren Armen hervorzuzerren, und da sie keinen anderen Rat wußte, so kauerte sie sich schnell zusammen, so daß sie dasaß wie ein brütendes Hühnchen, während die Hängematte heftig hin- und herschwankte.

Vielleicht hatte sie die Absicht gehabt, ihm durch ihre Sicherheit und ihre frisch erlernte gesellschaftliche Bildung ein wenig zu imponieren, aber das Schicksal fügte es nun, daß sie ihn nicht minder rot und verlegen anstarren mußte wie er sie.

Er seinerseits bemerkte nichts von ihrer Gemütsverfassung, er fand nur, daß sie sehr schön geworden war, daß ihr Haar sich zu einem vornehmen Knoten schürzte und daß ihre Busenschleife auf einer wogenden Rundung leise zitterte. Letzteres machte ihm vollends klar, daß sie inzwischen eine Dame geworden.

Es verging eine ganze Weile, ehe eines von beiden ein Wort hervorbrachte.

»Guten Tag – du«, sagte sie dann mit einem leisen Auflachen und streckte ihm ihre Rechte entgegen, denn sie merkte, daß sie die Oberhand hatte.

Er schwieg und lächelte sie an.

»Hilf mir ein bißchen mein Tuch hervorziehen«, fuhr sie fort.

Er tat es. – »So, nun kehr' dich um.« Auch damit war er einverstanden. »Nun ist's gut.« Sie hatte sich wieder hingelegt, das Tuch rasch über die Füße geworfen und guckte nun zwischen den Maschen der Hängematte hindurch schelmisch zu ihm empor.

»Es ist wirklich 'ne Freude, daß ich wieder bei dir bin«, sagte sie, »du bist doch der Beste von allen. Hast du dich auch nach mir gebangt?«

»Nein«, erwiderte er wahrheitsgetreu.

»Ach geh – du«, erwiderte sie und versuchte, sich schmollend nach der anderen Seite zu drehen, aber da die Hängematte wieder in ein heftiges Schwanken geriet, so blieb sie liegen und lachte.

Er wunderte sich innerlich, daß sie so lustig war. Er hatte außer den Zwillingen noch niemanden so lachen gesehen. Und das waren Kinder.

Aber dieses Lachen gab ihm die Unbefangenheit wieder, denn er fühlte instinktiv, um wieviel älter er inzwischen geworden war als sie.

»Es ist dir wohl sehr gut gegangen – die ganze Zeit über?« fragte er.

»Gott sei Dank – ja«, erwiderte sie. »Mama kränkelt ein bißchen, aber das ist auch alles.« – Ein Schatten flog über ihr Angesicht, war aber im nächsten Augenblick wieder verschwunden, und dann fuhr sie plaudernd fort: »Ich bin in der Stadt gewesen – ach, du – was ich da alles durchgemacht hab' – das muß ich dir bei Gelegenheit einmal erzählen. Tanzstunden hab' ich genommen. Auch Verehrer hab' ich gehabt – du kannst mir's glauben. Fensterpromenaden haben sie mir gemacht, anonyme Blumensträuße haben sie mir geschickt, auch Verse, selbstgemachte Verse. Ein Student war darunter, mit einem weißen Schnurrock und einer grün-weiß-roten Mütze – oh, der verstand's! Was der einem nicht alles zu sagen wußte – hinterher hat er sich mit der Betty Schirrmacher verlobt, einer Freundin von mir, das heißt ganz heimlich, außer mir weiß es keiner.«

Paul atmete erleichert auf, denn der Student hatte schon begonnen, ihm den Kopf warm zu machen.

»Und hast du dich nicht geärgert?« fragte er.

»Weshalb?«

»Daß er dir untreu wurde.«

»Nein, darüber sind wir erhaben«, erwiderte sie und zuckte die Achseln. »Oh, du – das sind ja alles grüne Jungen im Vergleich mit dir!« Ein heißer Schreck überlief ihn bei dem Gedanken, daß man einen Studenten einen grünen Jungen nennen konnte und noch dazu mit ihm selber verglichen.

»Mein Bruder ist kein grüner Junge«, erwiderte er.

»Ich kenne deinen Bruder nicht«, meinte sie mit philosophischer Ruhe, »der mag vielleicht keiner sein... Ja, ich bin viel, viel älter geworden«, fuhr sie fort. »Literaturstunden hab' ich genommen – da hab' ich viel Schönes gelernt.«

Ein quälender Neid erwachte in ihm.

»Heb mal das Buch auf!« – Er tat's. – »Kennst du das?«

Er las auf dem roten Deckel in goldener Pressung die Worte: »Heines Buch der Lieder« und schüttelte traurig den Kopf.

»Ach, dann kennst du nichts. – Was da alles drinsteht! Du, das Buch muß ich dir leihen! Das lies – da lernt man was draus! Und wenn man eine Weile drin gelesen hat – dann kommt einem meistens das Weinen an.«

»Ist es denn so traurig?« fragte er und besah den roten Deckel mit beklommener Neugier.

»Ja, sehr traurig, so schön und so traurig wie – wie – bloß von Liebe ist die Rede, von weiter gar nichts, und man fühlt, wie die Sehnsucht einen übermannt, wie man fliegen möchte nach dem Ganges, wo die Lotosblumen blühn und wo –«

Sie stockte, dann lachte sie hell auf und meinte: »Ach, das ist zu dumm – nicht?«

»Was?«

»Was ich da schwatze.«

»Nein – ich möcht' dich mein Lebtag so reden hören.«

»Ja – möchtest du? – Ach, du – hier ist es mollig! Ich komm' mir so geborgen vor, wenn du dabei bist.« – Und sie streckte sich in dem Netzwerk aus, als wollte sie mit dem Kopf nach seiner Schulter hin.

Ein seltsames Gefühl von Glück und Frieden überkam ihn, wie er es lange nicht gekannt hatte.

»Warum schaust du fort?« fragte sie.

»Ich schaue nicht fort.«

»Doch... du mußt mich anschauen... Das hab' ich gern... du hast so ernste, treue Augen – du, jetzt weiß ich auch, womit ich die Lieder da vergleichen soll!

»Nun, womit?«

»Mit deinem Pfeifen. Das ist auch so – so – – na, du weißt schon... Pfeifst du denn auch noch manchmal?«

»Selten!«

»Und die Flöte hast du wohl auch nicht spielen gelernt?«

»Nein.«

»O pfui! – Wenn du mich liebhast, dann tust du's... Ich werde dir auch das nächste Mal eine schöne Flöte schenken!«

»Ich habe nichts, dir wiederzuschenken!«

»Doch – du schenkst mir all' die Lieder, die du spielst. Und wenn dir recht wehe ums Herz ist... na, lies nur in dem Buche – da steht alles.«

Paul besah es von allen Seiten. »Was muß das für ein seltsames Buch sein?« dachte er.

»Und nun erzähl mir von dir!« sagte sie. »Was tust du? Was treibst du? Was macht deine liebe Mama?«

Paul sah sie dankbar an. Er fühlte, daß er heute würde reden können, ganz wie ihm ums Herz war – da fuhr's ihm plötzlich durch den Sinn, daß die Frühstückspause längst vorüber und daß der Knecht mit den Pferden auf ihn wartete. Bis Mittag mußte er fertig sein, denn nach dem Essen sollte das Fuhrwerk mit einer Fuhre Torf, die er heimlich hatte stechen lassen, in die Stadt.

»Ich muß an die Arbeit«, stammelte er.

»Ach, wie schade! Und wann bist du fertig?«

»Um Mittag.«

»So lange kann ich nicht warten, sonst ängstigt sich Mama. Aber in den nächsten Tagen komm doch wieder einmal ausschauen – vielleicht findest du mich. Jetzt will ich noch eine Stunde hier liegen und dir zugucken. Es sieht prächtig aus, wenn du mit deinem schneeweißen Tuche auf und nieder schreitest und die Körner um dich her sprühen.«

Er reichte ihr stumm die Hand und ging.

»Das Buch werd' ich hier liegenlassen«, rief sie ihm nach, »hol's dir, wenn du fertig bist...«

Der Knecht lächelte verschmitzt, als er ihn kommen sah, und Paul wagte kaum die Augen zu ihm aufzuschlagen.

Jedesmal, wenn er in seiner Arbeit an der Stelle vorüberging, an welcher sie drüben im Walde ruhte, richtete sie sich halb auf und winkte ihm mit dem Taschentuche. Gegen zwölf Uhr wickelte sie ihre Hängematte zusammen, trat an den Waldesrand und rief durch die hohle Hand ihr Lebewohl...

Er nahm zum Dank die Mütze ab, der Knecht aber schaute nach der anderen Seite und pfiff sich eins, als wollte er nichts bemerkt haben...

Während der heutigen Mittagsmahlzeit wandte die Mutter keinen Blick von ihrem Sohne, und als sie mit ihm allein war, trat sie auf ihn zu, nahm seinen Kopf in ihre beiden Hände und sagte: »Was ist dir passiert, mein Junge?«

»Weshalb?« fragte er verwirrt.

»Dein Auge leuchtet so verfänglich.«

Er lachte laut auf und lief von dannen; als sie ihn aber beim Abendbrot noch immer anschaute – fragend und traurig zugleich –, da tat es ihm weh, daß er ihr kein Vertrauen geschenkt hatte, er ging ihr nach und gestand ihr, was ihm widerfahren war. Da flog es wie Sonnenschein über ihr vergrämtes Gesicht, und als er mit glühenden Backen verschämt von dannen schlich, schaute sie ihm feuchten Auges nach und faltete die Hände, wie um zu beten.

Er saß bis gegen Mitternacht in seiner Kammer, den Kopf in die Hände gestützt. Das geheimnisvolle Buch lag auf seinen Knien, aber darin lesen konnte er nicht, denn der Vater hatte ihm verboten, abends Licht zu brennen. Er mußte warten bis zum Sonntag.

Er dachte darüber nach, wie anders sie geworden war. – Hätte sie nur nicht so oft gelacht. Ihr Frohsinn entfremdete sie ihm, und das volle, blühende Leben, von dem sie sich tragen ließ, rückte sie weit, weit fort in jenes ferne Land, wo die Glücklichen wohnen. Und schien sie an Lieb' und Güte auch die alte, sie mußte ihn ja verachten lernen, er war ja bloß ein Bauernjunge und dumm und linkisch und trübselig dazu.

In seinem Kopfe wogte ein wirres Durcheinander von Glück und Scham und Selbstvorwürfen, denn er fand, daß er sich weit würdiger und weit vornehmer hätte benehmen können. – Hierin mischte sich eine rätselhafte Angst, die ihm fast die Kehle zuschnürte – wiewohl er vergebens in seiner Seele nachforschte, wem sie wohl gelten mochte.

Am nächsten Vormittag sah er vom Hofe aus, auf dem er Pfähle eingrub, etwas Weißes am Waldrande sich hin und her bewegen. – Er biß die Zähne zusammen in Weh und Ingrimm, aber er brachte es nicht übers Herz, seine Arbeit zu verlassen.

Noch zwei Tage lang fand das Weiße sich ein – dann blieb es verschwunden.

Am Sonntagvormittag holte er sich das Liederbuch aus seinem Kasten und wanderte damit nach dem Walde – zur Mahlzeit blieb er aus –, und am Abend fanden ihn die Zwillinge, die auf der Heide Haschen spielten, pfeifend unter einem Wacholderbusch liegen, während ihm die Tränen über die Wagen liefen.

So übersetzte er sich das »Buch der Lieder« in seine Sprache.

Kurze Zeit darauf hörte er, daß Frau Douglas von den Ärzten ein dauernder Aufenthalt im Süden angeordnet sei und daß Elsbeth sie begleiten würde.

»Es ist ganz gut so«, sagte er sich, »dann wird sie mir nicht mehr so viel im Kopfe herumspuken. – Lange war er unschlüssig, ob er ihr das entliehene Buch wiederschicken sollte oder nicht; er hätte es gern behalten, aber sein Gewissen ließ das nicht zu. Er wartete auf eine günstige Gelegenheit – bis er erfuhr, daß sie abgereist wäre. Da gab er sich zufrieden.

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