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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 41
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXXIX

Am 4. März 1545, am selben Tage, an dem Nuñez in Quito auszog, ging Pizarro in Lima an Bord seiner Karavelle,um in Truxillo zu dem Heere zu stoßen, das in der Stärke von 600 Mann den Landweg dahin eingeschlagen hatte. Ohne Verzug trat er dann, an der Spitze der Truppen, den Vormarsch auf San Miguel an.

Beim Nahen des berühmten Gegners verloren die minderwertigen Truppen des Vizekönigs ihr bißchen Mut, und es blieb ihm nichts übrig, als dem Drängen seiner Soldaten nachzugeben und sich in die Berge zurückzuziehen. Pizarro, der einer Entscheidungsschlacht voll Zuversicht entgegengesehen hatte, war höchst ärgerlich, als er den feigen Abmarsch seines Gegners erfuhr. Gebirgskämpfe machen keinem Feldherrn Vergnügen. Trotzdem entschloß er sich, Nuñez durch Dick und Dünn nachzusetzen, bis er ihn faßte oder aufrieb.

Die Vorhut befehligte Carbajal; aber er hatte Mißgeschick. Nuñez bekam und behielt einen beträchtlichen Vorsprung. Nach einem für beide Heere mühevollen langen Zickzackmarsche von etwa 1000 km durch Hochgebirge, Sümpfe, Wüsten, Pässe und Täler gewann Nuñez die Hochebene von Quito. Die Marschverluste waren groß. Wer unter des Vizekönigs Truppen nicht mehr weiter konnte, war verloren. Carbajal ließ alle Nachzügler, die ihm in die Hände fielen, ohne Gnade niederstechen.

Auch in Quito, wo man ihm wenig Entgegenkommen zeigte, weilte Nuñez nicht lange, sondern zog von da nordwärts, dem Gebiete Benalcazars zu, seinem eignen, übrigens auf die Hälfte zusammengeschmolzenen Heere mißtrauend. Auf dem Marsche hatte er mehrere Offiziere beseitigen lassen, aus Argwohn, sie stünden mit dem Gegner in Verbindung.

Pizarro setzte die nutzlose Verfolgung bis in die Los Pastos fort. Dann machte er kehrt und ging auf Quito zurück, um seine ermatteten Truppen aufzufrischen und zu verstärken. Carbajal ward nach dem Gau La Plata entsandt, wo ein Aufstand unter dem Hauptmann Diego Centeno ausgebrochen war, dem sich die Eingeborenen angeschlossen hatten. Carbajal zerstreute die Truppen des Empörers, ohne seiner selbst habhaft zu werden. Pizarro blieb, lauernd wie ein Löwe auf seine sichere Beute, in Quito, während sich auch Nuñez zunächst, in Popayán, erholte. Seine Heeresstärke stieg wieder auf 450 Mann, davon 150 Reiter. Pizarro gebot nach seinen eigenen Angaben über 600 Mann, darunter ebenfalls 150 Reiter.

Erst am 18. Januar 1546 kam es in der Nähe von Quito zur Entscheidung. Benalcazar ward mehrfach verwundet und kampfunfähig; sein Unterführer Cabrera fand den Tod. Blasco Nuñez, der über Panzer und Abzeichen einen indianischen Baumwollkoller trug, um sich im Falle einer Niederlage die Flucht zu erleichtern, wurde im Kampfe verwundet und sank vom Pferde. Einer der Offiziere Pizarros erkannte ihn, zufällig einer, der ihm Rache geschworen, weil er seinen Bruder bei einem Wortwechsel niedergestochen hatte. Er trat an den hilflos Daliegenden heran und befahl seinem Diener, einem Mohren, ihm den Kopf abzusäbeln. Auf eine Pike gesteckt, ward das abgeschlagene Haupt des Vizekönigs als Siegeszeichen in die Front getragen. Das war der Ausgang der Schlacht.

Pizarro ließ den toten Nuñez in der Stiftskirche von Quito mit allen Ehren bestatten. Der gefangene Benalcazar erhielt die Erlaubnis, nach Popayán zurückzukehren, nachdem er sein Ehrenwort gegeben, nie wieder gegen Pizarro die Waffen zu ergreifen. Von den andern Rittern, die in die Hand des Siegers gefallen waren, fanden die meisten Gnade; nur einige unmittelbar an der Ermordung Francisco Pizarros Beteiligte mußten ihr Leben lassen. Damit war der Bürgerkrieg, an dem im Grunde nur die heimatliche Kaiserliche Regierung schuld gewesen, bis auf Weiteres beendet.

Blasco Nuñez Vela ist alles in allem eine traurige und unselige Gestalt in der Geschichte Perús. Ein sturer Buchstabenmensch ohne ritterliches Gemüt, in Amtsdingen unaufhaltbar, im Leben und im Felde ohne praktischen Sinn, voller Zaudern und Argwohn, war er an einen Platz gestellt, dem er in keiner Beziehung gewachsen war. Es bleibt bedauerlich, daß man ihn im Jahre vorher nicht zum Wohle des Landes gründlich beseitigte.

Der Sieg von Anaquito (wie man ihn nennt) ward in ganz Peru gefeiert und gepriesen. Damit [waren ?] die verhaßten und gefürchteten »Neuen Verordnungen« erledigt. Gonzalo Pizarro galt als »Befreier des Volkes«. Er belohnte und entließ die Kriegsteilnehmer, reichlich beschenkt mit Land und Zubehör.

Durch maßvolle Verfügungen hob er die Lage der Eingeborenen. Sogar die kaiserlichen Steuern trieb er ein, indem er den Ansiedlern vorhielt, man dürfe sich das Wohlwollen der Krone nicht ganz verscherzen. Selbst sein gestrenger Nachfolger (Pedro de la Gasca) hat zu Pizarros Ruhm vor der Nachwelt bekannt, für einen Tyrannen sei seine Regierung gut gewesen.

Gonzalo Pizarro hatte damit den Gipfel seines Glückes erreicht. Mit Hilfe seiner Kriegsflotte unter dem tüchtigen Admiral Hinojosa bemächtigte er sich der Stadt Panamá, von da aus durch einen Handstreich des Hafens und der Stadt Nombre de Dios und dadurch der unmittelbaren Verbindung mit Europa. Jetzt erstreckte sich sein Reich vom Atlantischen Ozean bis zum Arauco. Durch die ungeheuer reichen Silbergruben von Potosi war seine Herrschaft auch wirtschaftlich auf das Großartigste gestützt.

Der geniale Carbajal riet ihm, die Witwe des Inka Manko (die Koya) zu heiraten und sich zum Könige von Perú ausrufen zu lassen. Durch die Verbrüderung mit dem Volke werde er ein großes Reich gründen, dem kein abendländischer Fürst etwas anhaben könne.

Pizarro besaß den Weitblick des alten Kosmopoliten nicht. Hätte er seinen Rat befolgt, hätte er unter seinen Ansiedlern, Offizieren und Soldaten den Gedanken an ein neues mächtiges, unabhängiges Vaterland zu erwecken verstanden, so wären die Staaten an den Cordilleren mit einer längst einheitlichen Bevölkerung heute mächtiger und glücklicher als sonst welche amerikanische Nation.

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