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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 38
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXXVI

Während sich alles das ereignete, begab sich Gonzalo Pizarro nach Lima. Er verhehlte seine Verstimmung niemandem. In der Tat hatte er alle natürlichen Rechte auf die Statthalterschaft seines Bruders. Vaca de Castro erfuhr seine bitteren Reden, und da ihm daran lag, Pizarros Gereiztheit zu besänftigen, forderte er ihn auf, nach Kuzko zu kommen. Vorsichtig, wie er war, legte er zugleich eine Besatzung nach Lima.

Gonzalo leistete dem Rufe Folge. An der Spitze eines wohlgerüsteten Gefolges von Rittern zog er in Kuzko ein. Seine Unterredung mit dem neuen Statthalter verlief zeremoniell. Vaca riet ihm, sich auf sein schönes Besitztum in Charkas zurückzuziehen, und Pizarro sah wohl ein, daß dies zur Zeit das Tunlichste sei. Vacas Urbanität und Sicherheit machte Eindruck auf ihn. Ohne Groll schied er von ihm und begab sich nach Porco, wo er sich an die planmäßige Ausbeutung seiner reichen Silbergruben machte. Sein Reichtum stieg dadurch ins Ungemessene.

Der Statthalter entließ den größeren Teil seines Heeres und begann sich mit allem Eifer der Verwaltung des Landes hinzugeben. Um die Berufssoldaten zu beschäftigen, schickte er eine Expedition nach dem Ursprungsgebiet des La Plata.

Seine Fürsorge galt in ehrlichster Weise auch den Eingeborenen, indem er eine Reihe von Gesetzen und Verordnungen erließ, die sie vor Erpressungen und Mißhandlungen schützen sollten. Er forderte sie auf, sich in den spanischen Ansiedlungen selbständig niederzulassen, und unterstützte die Familien, die dem Folge leisteten. Um die Plünderungen der Indianerdörfer zu verhindern, richtete er in den Tambos Herbergen ein, die zum Teil von Indianern verwaltet wurden. Dadurch hob und sicherte sich der Verkehr auf den ehedem so gefahrlosen Staatsstraßen wieder einigermaßen. Die Repartimientos wurden nachgeprüft und eingeschränkt. Fernerhin gründete er Schulen für die Kinder sowohl der Spanier wie der Eingeborenen. Vor allem versuchte Vaca die im ganzen Lande arg zerrütteten Geldverhältnisse zu ordnen und zu stärken, sowie auf einen regelmäßigen Export von Landeserzeugnissen hinzuwirken.

Damit eröffnete Vaca de Castro Wege und Pläne, für die man ihm allgemein hätte dankbar sein müssen. Die Vernünftigen im Lande erkannten seine guten Absichten gewiß an; aber Vaca war nicht beliebt, zumal er die Repartimientos angetastet hatte. Die spanischen Ansiedler hatten nur ein Bestreben: mit allen Mitteln reich zu werden. Wer ihnen hierin irgendwie Hindernisse bereitete, war ihr Mann nicht.

Vacas Berichte in die Heimat nahmen keine Rücksicht auf Privatinteressen, die seinem Kolonie-Ideal zuwiderliefen. Ihm dünkte eines mit vollem Rechte schmachvoll für die Spanier: die Knechtung der Eingeborenen. Nicht daß er im modernen Sinne ein Menschenfreund gewesen wäre: sein starkes Rechtsgefühl sprach auch hier. Er war überzeugt, daß der Kastilier auch in seiner fernsten Kolonie rechtlich und gerecht denken und handeln müsse. Voller Abscheu wandte er sich gegen jedwede Barbarei. Es war ihm zu Ohren gekommen, daß die Farmer mit Bluthunden Jagd auf Indianer machten, daß man Indianerdörfer überfiel, um Jungfrauen zu rauben, daß man altgewordene indianische Arbeiter totprügelte oder verhungern ließ, und ähnliches mehr.

Vacas Berichte stärkten die unablässigen Bemühungen eines Mannes, der von seinen Zeitgenossen vielfach als übertreibender Fanatiker verspottet worden ist, der jedoch in der Geschichte Amerikas eine edle Rolle spielt: Las Casas, des Bischofs von Chiapa. Im Jahre 1542 überreichte der Dominikaner dem Kaiser sein reiches Material zugunsten der bedrückten Indianer in den amerikanischen Ansiedlungen.

Die Folge war, daß umfangreiche Verordnungen ausgearbeitet und erlassen wurden, die allerdings reichlich nach Bureaukratismus rochen. Man rückte den Repartimientos zu Leibe, indem man neue Verordnungen erließ, um sie stark einzuschränken und zu beaufsichtigen, und mit gänzlicher Entziehung bei nachgewiesenem Mißbrauch der zugewiesenen Eingeborenen drohte.

Man hat es für merkwürdig befunden, daß ferner ein Vizekönig ernannt ward unter Zurückberufung des Statthalters Vaca. Wahrscheinlich war er am Kaiserlichen Hofe verdächtigt worden. War die Schlacht in der Ebene von Chupas wirklich unvermeidlich, war das ihr folgende Strafgericht nicht allzu grausam gewesen? Vielleicht auch waren Vacas kulturelle Verdienste in Spanien noch unbekannt. Und schließlich hielt man ihn wohl für nicht genug repräsentativ.

Der Kaiser wählte für den so schwierigen Posten den Ritter Blasco Nuñez Vela, gebürtig aus Avila, einen stattlichen, tapferen, wenngleich schon älteren Mann von altem Adel. Er hatte sich die Hochschätzung Karls V. in verschiedenen hohen Ämtern errungen. Gleichwohl war die kaiserliche Wahl verfehlt, wie sich durch die kommenden neuen Wirren in Perú sehr bald herausstellen sollte.

Dem neuen Vizekönig gab man einen Gerichtshof aus vier Richtern mit weitgehenden Befugnissen bei. Der bis dahin bestehende Gerichtshof in Panamá ward aufgelöst, weil Perú die wichtigere Kolonie geworden war. Zur Hauptstadt wurde Lima endgültig erklärt.

Blasco Nuñez schiffte sich am 3. November 1543 in San Lucar ein, begleitet von seinem glänzenden Gefolge und seinem Gerichtshofe. Er landete Mitte Januar 1544 in Nombre de Dios. Seine erste Maßregel auf amerikanischem Boden war die Beschlagnahmung eines Schiffes mit Silberbarren aus Perú, das eben den Hafen verlassen wollte, um nach Spanien zu segeln. Das Silber sei Ertrag von Sklavenarbeit, erklärte der Vizekönig. Damit machte er den Hauptpunkt seines Regierungsprogrammes aller Welt deutlich genug bekannt. In Perú hörte man die Nachricht vom neuen Kurs unter Murren und Mißbilligung.

In Panamá angekommen, erklärte er 300 Peruaner, die von ihren spanischen Herren dorthin verschachert worden waren, für freie Bürger von Perú und befahl, sie nach ihrer Heimat zurückzubefördern. Selbst seine Audiencia erhob Gegenvorstellungen: er solle mit derlei scharfen Maßregeln lieber warten, bis er seinen Posten im Lande angetreten hätte. Ruhig und bestimmt erwiderte Nuñez, er sei hier nicht da, um die Kaiserlichen Gesetze zu erörtern, sondern um sie auszuführen, gleichgültig um Eindruck und Folgen.

Unter vorläufiger Zurücklassung des Gerichtshofs, von dem ein Mitglied erkrankt und nicht reisefähig war, segelte der Vizekönig nach Tumbez, um von dort aus zu Lande weiterzugehen. Zur Verwunderung der Spanier wie der Indianer ließ er sein und seines Gefolges Gepäck auf Maultiere laden, und wo eingeborene Träger notwendig waren, bezahlte er sie reichlich.

In Tumbez hatte man ihn bestens empfangen; auf seinem weiteren Marsche ließen die Begrüßungen in den Ansiedlungen immer mehr an Freundlichkeit zu wünschen übrig. Mit Mühe erreichte es Vaca de Castro, der von Kuzko nach der Küste eilte, daß sein Nachfolger in Lima mit den ihm gebührenden Ehren bewillkommnet ward. Er selber empfing ihn in tadelloser Weise. Es war am 17. Mai 1544.

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