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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 37
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXXV

Alsbald nach dem Staatsstreich sandte Almagro Bevollmächtigte nach allen spanischen Ansiedlungen, unter militärischer Bedeckung, um seine Anerkennung im ganzen Lande zu erzwingen. In Truxillo und in Arequipa leistete man dieser Aufforderung ohne Einspruch Folge. In Kuzko fand man einigen Widerstand, aber Almagros Partei bekam das Übergewicht. Wer sich der Anerkennung verschloß, verlor Amt und Stimme. Ähnliches geschah andernorts. Abgewiesen wurden die Beauftragten in Quito.

Es bildeten sich zwei der alten Regierung getreue Gegenheere: das eine in der Nähe von Kuzko (wahrscheilich in Xauxa) unter dem Hauptmann Alvarez de Holguin; das andre in Quito unter Alonso de Alvarado. (Gonzalo Pizarro war von seinem Zuge nach dem Amazonas noch nicht zurück.) Holguin setzte sich in Besitz von Kuzko, jagte die Chilianer weg und setzte die alten Behörden von neuem ein.

Alvarado setzte sich mit dem inzwischen (im Frühjahre 1541) im Hafen von Buenaventura gelandeten Christoval Vaca de Castro in Verbindung. Zu den 350 km von dort bis Popayán (800 km nördlich von Quito) hatte er ein volles Vierteljahr gebraucht.

In Popayán erfuhr er in den ersten Julitagen des Jahres 1541 die Ermordung Pizarros. Sowie er Alvarados Schreiben empfangen hatte, setzte er seine Reise nach Quito fort. Gonzalo Pizarros Stellvertreter, Alvarado, empfing ihn auf das fürsorglichste.

Ein Dritter stellte sich ein: der Ritter Benalcazar, der an der Spitze eines kleinen Korps aus Spanien zurückgekehrt war. Als er sah, daß die Provinz fest in der Hand Alvarados war, verzichtete er auf seine heimlichen eigenen ehrgeizigen Pläne und erklärte sich bereit, gegen Almagro zu kämpfen.

Jetzt hielt es Vaca für angebracht, die kaiserliche Bestallung vorzuweisen, die ihn im Falle von Francisco Pizarros Tod zum Statthalter von Perú ernannte. Alvarado und Benalcazar verbargen ihr Erstaunen, äußerten gewisse Bedenken, gelobten aber dem kaiserlichen Willen ihre Treue.

Inzwischen wuchs Almagros Partei, und sein Heerführer, der Ritter de Rada, war auf das eifrigste bemüht, wohlausgerüstete Truppen aufzustellen. Um das dazu nötige Geld zu haben, beschlagnahmte man alle öffentlichen Kassen und Gelder. Da dies nicht reichte, ward Picado, der im Kerker sitzende Geheimschreiber, vernommen und gefoltert, um zu erfahren, wo der Marques etwa noch verborgene Schätze habe. Er gestand nichts, sei es, daß er es nicht verraten wollte, sei es, daß er die Orte wirklich selber nicht wußte. Wahrscheinlich hatte Pizarro sein Vermögen längst in der Heimat angelegt. In ihrer Wut darüber ließen die Führer der Partei den unglücklichen Sekretär ohne langen Prozeß öffentlich auf der Plaza von Lima köpfen.

Es wird berichtet, der Bischof Valverde habe sich für Picado verwendet. Vermutlich glaubte der graugewordene Sünder, er müsse sich als oberster Seelensorger in Szene setzen. Kurze Zeit darauf baten Valverde und Velasquez (der Richter) um die Erlaubnis, ihre Ämter niederlegen und sich nach Spanien einschiffen zu dürfen. Andre Anhänger Pizarros schlossen sich an.

Valverde hielt sich im November 1541 in Turmbez auf. Sodann besuchte er die Insel Puna. Offenbar wollte er, in der Absicht, seine Erlebnisse in Peru zu beschreiben, noch einmal alle die Orte sehen, an denen sich ehedem wichtige Ereignisse abgespielt hatten. In Puna erreichte ihn sein Schicksal. Er fiel in die Hände der Indianer, die ihn samt seinen Begleitern totschlugen.

Verdienste um die Eingeborenen, deren Schutzherr er hätte sein sollen, kann man ihm mit dem besten Willen nicht nachweisen. Im Gegenteil, er gehörte zu jenen heimtückischen Fanatikern, die Christi Namen mit Blut besudelt haben, wo sie nur konnten.

Während man sich noch rüstete, erhielt Almagro die Nachricht, daß Holguin mit seinem Heere in der Stärke von 300 Mann von Kuzko aufgebrochen war, um Alvarado entgegenzumarschieren. Diese Vereinigung mußte verhindert werden. Almagro hatte nur Aussicht auf den Enderfolg, wenn er erst Holguins, dann Alvarados Truppen einzeln vernichtete.

Es wäre falsch, anzunehmen, Almagro habe ein selbständiges Reich Perú errichten wollen. Das wäre offener Abfall vom Mutterlande gewesen. Daran war aus hundert Gründen gar nicht zu denken. Almagro wollte vor allem das Erbe seines Vaters antreten, d. h. als Statthalter von Neu-Toledo anerkannt werden. Zweifellos aber trachtete er danach, Pizarros Gebiet an sich zu reißen und, falls dies ihm gelänge, die Provinz Quito dazu. Über eines war er sich wohl nicht genügend klar: daß die Kaiserliche Regierung ihm ein so großes Reich nur anvertrauen werde, wenn er es ohne Bürgerkrieg fest in den Händen hatte. Wie die Dinge lagen, hätte er sich von vornherein auf Chili beschränken sollen. Und wie töricht, verblendet und schlecht beraten muß er gewesen sein, wenn er geglaubt hat, daß man die Ermordung Pizarros ohne weiteres hingehen lasse.

Vaca war ein sehr bedächtiger und umsichtiger, aber zielbewußter und zäher Mann, hart und unerbittlich, berechnend und weitblickend, klug und verschlagen. Er sandte Alvarado mit dem Heere (etwa 500 Mann) vor, vermutlich auf dem Wasserwege, so daß wir ihn im Spätherbst 1541 im Hafen an der Mündung des Huaura stehen sehen, 600 km nördlich von Lima. Vaca für seine Person besuchte alle Niederlassungen, die auf seinem Wege lagen, von Quito bis Truxillo, ohne sich zu übereilen. Man erkannte ihn überall an, denn er machte den besten Eindruck auf die Ansiedler, die nichts mehr ersehnten als gründlichen Frieden im Lande und eine ordentliche und gerechte Regierung.

Almagro gedachte Holguin bei Xauxa zu fassen. Da ereignete sich auf dem Marsche dahin ein folgenschweres Ereignis: sein Feldherr, der Ritter de Rada, starb plötzlich. Er war Sechziger, hatte in seinem Soldatenleben viel erlebt und sich insbesondere seit dem Staatsstreiche allzuviel zugemutet. Er war der Organisator und die Seele des Unternehmens. Er starb an einem Fieberanfall.

Bisher hatte Diego de Almagro sich in allem auf Rada, den treuen, erfahrenen und uneigennützigen Vasallen, verlassen. Von Stund an nahm er die Zügel in die eigene Hand. Keinen seiner Offiziere konnte er zum selbständigen General machen, schon nicht, weil sie untereinander (als echte Hispanier!) maßlos eifersüchtig waren. Seine beiden besten Unterführer waren Christoval de Sotelo und Garcia de Alvarado. Es dauerte nicht lange, da erschlug Garcia den Sotelo bei einem Wortwechsel. Der Überlebende betrug sich dann derart anmaßend, daß Almagro ihn beseitigen mußte. Er drang mit einem Dutzend Landsknechten nachts in sein Quartier und ließ ihn erschlagen.

Sein strategisch richtiger Plan, Holguin vor seiner Vereinigung mit Alonso de Alvarado anzugreifen, mißglückte. Als er in die Gegend von Xauxa kam, war der Gegner bereits durchmarschiert und im Passe des Sierra verschwunden. Ihm zu folgen, hätte in jenem Gelände keinen Zweck gehabt. So begab er sich nunmehr nach Kuzko, um sein Heer mit allen Kräften schlagfertig zu machen.

Der schon öfters genannte Ritter Pedro de Candia, ein Grieche von Geburt, verstand sich auf den Geschützbau und die Anfertigung von Waffen und Rüstzeug aller Art (Büchsen, Lanzen, Panzerhemden, Helme usw.). Durch seine Geschicklichkeit gelangten die Chilianer in den Besitz von sechszehn Kanonen verschiedenen Kalibers, gegossen aus einer Legierung von Kupfer und Silber. An letzterem Metall war durch die inzwischen entdeckten Gruben von Potosi kein Mangel. Ebenso verfügte man zur Bereitung von Schießpulver reichlich über Salpeter aus einem Bergwerke bei Kuzko.

Eine unerwartete Verstärkung brachte das plötzliche Wiedererscheinen des Inka Manko, der ihm nicht nur seine etwa 1000 Mann für den Fall der Gefahr feierlich versprach, sondern ihm auch eine Menge Schwerter und Rüstungsstücke aus früher gemachter Beute auslieferte. Wahrscheinlich sah er im jungen Almagro, dem Mestizen, den kommenden Befreier des Landes.

Trotz seiner tüchtigen Kriegsbereitschaft versuchte Almagro in durchaus verständlicher und verständiger Weise den Weg friedlicher Auseinandersetzung. Er schickte im Frühjahr 1542 ein ausführliches Schreiben an Vaca de Castro, der unterdessen sein Hauptquartier nach Lima verlegt hatte. In diesem ehrerbietigen und gemessenen Briefe erklärte er, daß er im Grunde nicht die Absicht habe, dem Vertreter Seiner Majestät mit Waffen entgegenzutreten. Er wolle nichts, als sich Neu-Toledo sichern, das seinem Vater zugewiesen und ihm vererbt worden sei. Das Gebiet Francisco Pizarros mache er dessen Nachfolger nicht streitig. Er schloß mit dem Vorschlage, die Entscheidung der heimatlichen Kaiserlichen Regierung zu übergeben und sich bis dahin jeder auf sein Gebiet zu beschränken.

Der hochmütige Vaca gab keine Antwort. Nunmehr entschloß sich Almagro zum Äußersten und trat in der zweiten Hälfte des August 1542 den Vormarsch an. Unter dem weißen Banner der Chilianer hatten sich 500 Mann geschart (200 Reiter, 200 Pikeniere, 100 Büchsenschützen). Die Artillerie (16 Geschütze, davon 8 leichte und 8 schwere) führte Pedro de Candia.

Vaca hatte mit der nämlichen Schwierigkeit zu tun wie jüngst Almagro. Als er von Truxillo in Huaura eintraf, fand er seine beiden Obristen Alonso Alvarado und Alvarez de Holguin in zwei scharf getrennten Lagern vor. Er kam just zurecht, um einen Zweikampf zwischen den beiden Offizieren zu verhindern. Die Herausforderung war bereits erfolgt, aber es gelang dem gewandten Statthalter, die Eifersüchtigen zu versöhnen, indem er erklärte, er werde, wenngleich nicht Soldat von Beruf, den Oberbefehl über sein Heer selbst führen und beide bei jedweder Beratung hören. Sodann war er mit einer kleinen Abteilung bis Lima vorgerückt, während er die Hauptmasse nach Xauxa vorschob.

Auf die Meldung von Almagros Anmarsch eilte er mit seinen Truppen, die sich inzwischen aus San Miguel, Truxillo, Arequipa usw. verstärkt hatten, nach Xauxa.

Er hatte 700 Mann vereint, darunter 300 Reiter, die aber an Tüchtigkeit den gegnerischen nachstanden, auch schlechter beritten waren. An Artillerie besaß er nur vier Falkonette.

In Xauxa erhielt Vaca ein Schreiben von Gonzalo Pizarro, der, wie bereits erzählt, Ende Juni 1542 wieder in Quito eingetroffen war und jetzt dem Statthalter seine Dienste anbot. Vaca dankte ihm auf das verbindlichste, lehnte sein Angebot aber ab und bat ihn unter Ausdrücken der Bewunderung, er solle sich zunächst gründlich von den großen Strapazen seiner Expedition nach dem Zimtlande erholen.

Vaca hatte schon alle Mühe, mit Alvarado, Holguin und anderen fertig zu werden. Den unbotmäßigen Benalcazar hatte er bereits kurzerhand nach Popayán (sozusagen in die Etappe) zurückgeschickt. Noch einen ewig tatenlustigen Kondottiere in seinem Stabe bändigen zu sollen, dazu verspürte er zumal zu so entscheidender Zeit keine Neigung. Gonzalo nahm ihm die Abweisung natürlich schwer übel.

Die Geländeerkundung ergab, daß eine Stellungnahme bei Huamanga (170 km südlicher) besser sei als eine solche bei Xauxa. Darauf rückte Vaca bis dahin vor, während Almagro bei Bilkas (60 km entfernt) stehen blieb. Abermals sandte er dem Statthalter einen Vergleichsvorschlag.

Vaca ging auf eine Unterhandlung ein, lediglich um Zeit zu gewinnen, den Krieg zunächst moralisch zu führen. Er machte heimliche Anknüpfungsversuche mit Almagros bedeutendsten Offizieren. Einer seiner Agenten, den der offizielle Unterhändler als Indianer verkleidet mit sich nahm, ward entlarvt. Auf der Folter gestand er alles und wurde als Spion gehenkt.

Vaca stellte folgende Bedingungen:

1. Auslieferung aller Personen, die an Pizarros Ermordung unmittelbar beteiligt waren,

2. Auflösung von Almagros Heer.

Dafür sicherte er ihm und allen seinen andern Anhängern die kaiserliche Amnestie zu.

Almagro beriet sich mit seinen Hauptleuten. Allgemein war man der Meinung, daß die Bedingungen unannehmbar seien, da man sich gegenseitig feierlichst unverbrüchliche Treue gelobt habe. Auch war die Episode mit dem ertappten Agenten nicht angetan, das Vertrauen zum Statthalter zu stärken. Kurzum: die Würfel sollten fallen.

Während der Verhandlung und Beratung hatte Vaca seine Stellung verändert. Jetzt stand er in der Ebene von Chupas, die günstiger für den Reiterkampf war. Das Wetter war scheußlich. Regen, Hagel, Schnee und Stürme jagten sich. Es war hundekalt. Die durchnäßten und durchfrorenen Truppen gerieten in Mißstimmung. Alles drängte zur Entscheidung.

Am Spätnachmittag des 16. September 1542 stießen beide Heere aufeinander. Vaca de Castro hatte sein Zentrum (die Pikeniere und Bogenschützen) selber führen wollen. Auf einem prächtigen Rappen, eine leuchtende Feldbinde über dem Panzer, im Schmucke des Sankt-Jago-Kreuzes, ritt er die Fronten der zum Gefecht aufmarschierten Truppen ab und hielt die übliche Ansprache, in der er darauf hinwies, daß der Kaiser den Bürgerkrieg verabscheue und jeden ehren werde, der ihn für immerdar beende. Auch verfehlte er nicht, das sämtliche Hab und Gut der »Rebellen« zur freien Beute zu erklären.

Wie klug dieses Versprechen war, geht aus einer Bemerkung in einem Berichte des Capitano Carbajal (1543) hervor, wo es heißt, des Statthalters Rede habe die Landsknechte dermaßen ergriffen, daß man »wie zu einem Ball ins Gefecht« gegangen wäre.

Dem hier zum ersten Male erwähnten Francisco de Carbajal (1474 - 1548) gebühren einige Worte als einem Prachtexemplare des Raubtieres Mensch, wie es in den Tagen der Renaissance brillierte. Er hatte bei Ravenna, Pavia (1525), beim Sturm auf Rom ruhmvoll mitgekämpft; später war er nach Mexiko gegangen, und 1536, als Pizarro Beistand gegen die aufständischen Indianer erbat, hatte ihn Ferdinand Cortes nach Perú entsandt. Der Marques hatte ihn mit einem Landgute bei Kuzko belohnt. Als Reitersmann, der er als hoher Siebziger noch war, hatte er die Gegend um Kuzko Tag für Tag durchstreift. Er kannte jeden Paß, jede Höhe, jedes Tal, jeden Pfad, jeden Bach. Ehe Vaca in Lima ankam, hatte er seine Besitzung verkauft und war gerade im Begriffe, sich nach Alt- Kastilien einzuschiffen, um dort seine letzten Tage in aller Behaglichkeit zu verleben; aber die Heimfahrt war unmöglich, weil Vaca de Casto alle Schiffe beschlagnahmt hatte. So verfiel Carbajal von neuem dem Dämon des Kriegs. Er stammte aus Arévalo (gelegen in der Mitte zwischen Valladolid und Madrid) und soll niederer Herkunft gewesen sein.

Almagros Artillerie versagte im Auftakt der Schlacht. Pedro de Candia (einer der dreizehn Getreuen von anno 1527!) war insgeheim von Vaca zurückgewonnen worden. Als Almagro wahrnahm, daß Pedro über den Feind hinwegschießen ließ, ritt er nach dessen Beobachtungsstand, stellte ihn ergrimmt zur Rede und stach ihn mit dem Degen nieder. Alsbald wirkte das Artilleriefeuer verheerend. Alonso de Alvarado, der die Reiterei des rechten Flügels führte, erlitt große Verluste und kam nicht an den Gegner heran.

Da entsandte Vaca – der auf Alvarados dringende Bitte Abstand genommen hatte, vordere Truppen im Gefecht zu führen, und sich nun begnügte, die noch nicht eingesetzten 40 Reiter der Reserve zu befehligen – den Obristen Carbajal mit einer Abteilung Büchsenschützen, die auf einem verschmitzten Umwege dem Feinde in den Rücken fiel. Carbajals Geländekenntnis brachte hier reiche Frucht.

Als es endlich zum Nahkampf kam, hatte Holguin schweren Stand gegen die dicken Indianerschwärme auf dem rechten feindlichen Flügel unter dem Inka Manko. Er selbst fiel zu Beginn des Gefechts. Im Mittelpunkt der Schlacht, zwischen den Pikenieren beider Parteien, ging es heiß her. Es biß mancher ins Gras, und Zarate berichtet sogar, daß beim Füllen der entstehenden Lücken Offiziere hinter der Front mit dem Degen nachhalfen. Auch das Reitergefecht, das sich entspann, war über die Maßen heftig, denn jeder Chilianer war sich darüber klar, was ihm nach einer Niederlage drohte.

Lange blieb es zweifelhaft, ob den weißen oder den roten Bannern das Kriegsglück zufallen solle. Es dunkelte bereits stark, als Vaca erkannte, daß der entscheidende Punkt auf seinem rechten Flügel lag, wo Alvarados Reiter auf das leidenschaftlichste mit denen Almagros kämpften. Jetzt ritt er mit seinen vierzig frischen Reitern an. Die bereits matten Leute Alvarados legten sich von neuen ins Zeug und unterstützten ihrerseits den Angriff des Statthalters. Dreizehn von den vierzig fielen, aber die Schlacht war gewonnen. Almagros Reiter wichen.

Es war neun Uhr abends geworden, als Vaca die Trompeten blasen ließ und damit die Verfolgung abbrach. Viele der Besiegten vermochten sich nur dadurch zu retten, daß sie Gefallenen die roten Abzeichen abnahmen und sich ansteckten. Vaca verblieb die Nacht hindurch auf dem Gefechtsfelde.

Die Nacht war bitterkalt und kostete manchen Schwerverwundeten das Leben. Erst am Morgen begannen die Feldschere und Ärzte ihre Tätigkeit, und auch die Mönche, die den Sterbenden den letzten Trost brachten. In vier großen Gruben fanden die Toten ohne Unterschied der Partei die letzte Ruhe. Die Leichen der höheren Offiziere (Holguins und anderer) brachte man nach Huamanga. Über all den Soldatengräbern flatterten nebeneinander die zerfetzten roten und weißen Fähnlein. Es waren insgesamt an die 300 Mann gefallen. Der Verlust des Siegers war größer als der des Besiegten; das Artilleriefeuer hatte das seine getan. Almagro floh nach Kuzko, dessen Behörden ihn in Gewahrsam nahmen.

Ehe Vaca nach der Königsstadt weiterzog, hielt er in Huamanga ein strenges Gericht ab. Hier zeigte sich der erbarmungslose Jurist! Vorsitzender war der Lizentiat de la Gama. Vierzig der Gefangenen wurden zum Tode verurteilt; dreißig andre zum Verlust der einen oder beider Hände. Einige wenige kamen mit Verbannung aus Perú davon. Die Urteile wurden sofort vollzogen. Vaca de Castro war der Meinung, nur durch außergewöhnliche Unerbittlichkeit könne die vom Kaiser eingesetzte Regierung volles Ansehen und volle Macht erringen. Der Einzug in Kuzko geschah unter großem Prunk. Auch dadurch führte er sich bei den Ansiedlern wie bei Eingeborenen als erster Machthaber wirkungsvoll ein.

Sofort nach dem Einmarsche fand das Kriegsgericht über den jungen Almagro statt. Er wurde wegen Rebellion zum Tode verurteilt und auf dem Großen Platze zu Kuzko durch den Henker enthauptet. Er hatte keine andre letzte Bitte, als neben seinem Vater bestattet zu werden. Ohne daß er sich, wie gebräuchlich, die Augen verbinden ließ, beugte er seinen Hals und erlitt das Unvermeidliche in Fassung und Würde. Seinem Willen gemäß brachte man seine Überreste nach dem Kloster La Merced, wo der Marschall seine Ruhestätte gefunden hatte.

Diego de Almagro war zweiundzwanzig Jahre alt, als er sterben mußte. In vielem ähnelte er seinem Vater. Sein Schicksal hätte er, ohne sich und ihm untreu zu werden, kaum ändern können. Der Mord an Pizarro war ein Akt der Privatrache, wie sie im Secento gang und gäbe war.

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