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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXXIV

Sowie die Verschwörer ihre Mordtat begangen hatten, eilten sie auf die Plaza und riefen den jungen Almagro zum Statthalter und General aus. Alle seine Parteigänger waren rasch zur Stelle. Der Ritter de Rada hatte alsbald 300 Bewaffnete unter seiner Fahne.

Pizarros nächste Freunde und höhere Offiziere wurden verhaftet; sein Haus sowie das seines Sekretärs Picado geplündert. Im übrigen nahm man den bisherigen Machthabern nur Waffen, Pferde und Munition. Viele erklärten sich für die neue Regierung, u. a. der Schatzmeister Riquelme, ein ängstlicher Schelm.

Wer es nicht tat, war seines Amtes verlustig. Schlimm erging es dem Geheimschreiber. Man ergriff ihn – er hatte sich in das Haus Riquelmes geflüchtet, der ihn verriet, um sich den Chilianern gefällig zu erweisen –, und er wurde ins Gefängnis geworfen, das er nur zum Gange zu Folter und Schafott wieder verlassen sollte.

Erst jetzt geriet die Einwohnerschaft in Erregung. Um die Parteien zu beschwichtigen, zogen die Mönche vom Orden der barmherzigen Brüder mit vorangetragenem Kruzifix durch die menschenvollen Straßen. Zumeist erkannte man als Gewalthaber den jungen Diego de Almagro an, der, von aufgeputzten Rittern und bezechten Landsknechten umgeben, stolz auf gestohlenem Gaul unter Trompetenschall und Paukenschlag mit Triumphatormiene seinen Umzug durch die Stadt machte. Das ist in allen Jahrhunderten die nämliche Groteske!

Die Leichen Pizarros und seiner fünf Getreuen blieben in ihrem Blute liegen, wo sie lagen. Fanatiker verlangten, man solle den toten Löwen köpfen und den Kopf am Galgen ausstellen, aber Freunde des Toten bewogen Almagro, ein stilles Begräbnis an angemessenem Orte zu gestatten. Ein treuer Diener, dessen Frau und drei Mohren, die zu Pizarros Haushalt gehörten, wickelten ihren gemordeten Herrn in ein großes Tuch und trugen ihn bei Anbruch der Nacht nach der Stiftskirche. In einem Winkel war eiligst ein Grab gegraben worden. Der Hausgeistliche sprach ein kurzes Gebet, und beim Schimmer von ein paar armseligen Wachskerzen fand der bisher so Gewaltige ohne Prunk und Pracht seine letzte Ruhestätte.

Erst über zehn Jahre später, als Perú zu Ruhe und Frieden gekommen war, wurden Francisco Pizarros Gebeine wieder ausgegraben, in einen fürstlichen Sarg gelegt und unter einem stattlichen Grabmale in einer der Kapellen der Kirche feierlich beigesetzt. Im Jahre 1607 überführte man den Sarg in die neue Stiftskirche von Lima, wo noch heutigentags das Grabmal des Eroberers an seine Taten erinnert. Gewiß ist man berechtigt, ihm viel Übles und Arges vorzuwerfen. In der Geschichte Spaniens steht Francisco Pizarro in der Reihe der Helden, d. h. der Männer, die für das, um was sie kämpften, allezeit und immer wieder freudig ihr Leben einsetzten; in der Geschichte Perús ist er die Verkörperung des schlimmsten Schicksals; in der Geschichte der Menschheit ist er einer der Träger jener uns dunklen Willenskraft der Schöpfung, die wir den ewigen Kampf nennen.

Pizarro ist 63 Jahre alt geworden. Die Nachwelt hat zwei Bildnisse von ihm. Das eine, auf das die beiden Stiche zurückgehen, die diesem Buche beigegeben sind, ist vermutlich i. J. 1529 in Spanien gemalt. Ein andres, das den Marques in bürgerlicher Tracht (mit der Capa y espada, dem schwarzen Mantel der spanischen Granden) darstellt, etwa a. d. J. 1536, hängt noch heute im ehedem vizeköniglichen Palast zu Lima.

Sein hinterlassenes Vermögen hätte ungleich größer sein können. Große Summen spendete er für die Staatsbauten in seiner geliebten Stadt Lima. Der Kaiser hatte ihm ein Gebiet mit 20000 Untertanen als Privateigentum verliehen, aber er hat niemals seine Rechte hierauf geltend gemacht, ebenso nicht seine Erben.

Er war Junggeselle; in den letzten sieben Jahren teilte sein Hauswesen eine der Töchter des Königs Atahuallpa. Sie hat ihm eine Tochter und einen Sohn geschenkt. Letzterer ist jung gestorben. Die noch junge Mutter heiratete nach Pizarros Tode einen spanischen Ritter namens Ampuero, dem sie nach Spanien folgte. Pizarros Tochter Francesca begleitete sie und verheiratete sich um 1552 mit ihrem siebenundachtzig jährigen Oheim Hernando Pizarro, wahrscheinlich um ihm eine Erbin zu sein. Seine Festungshaft war offenbar nur dem Namen nach ein Gefängnis. Der bereits (S. 206) erwähnte Enkel von Hernando Pizarro, Don Juan Pizarro, Marques de la Conquista, stammt wohl aber nicht aus dieser Ehe. Unmittelbare Nachkommen von diesem leben als Landedelleute unter gleichem Namen noch heute in der Gegend von Truxillo.

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