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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 32
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXX

Von neuem tat Francisco Pizarro allerlei, sein Reich innerlich zu stärken und zu einen. Wie schon erzählt, hatte sich in Quito der Ritter Sebastian Benalcazar gewissermaßen selbständig gemacht. Es war ihm durch planmäßig ausgeführte Streifzüge gelungen, die Provinz fester in die Hand zu bekommen. Somit war er auf dem besten Wege, sich ein eigenes Reich zu gründen. Pizarro hatte dies erfahren, und sowie der Aufstand der Peruaner erloschen war, schickte er einen Bevollmächtigten zu ihm mit der Aufforderung, unverzüglich zu ihm nach Lima zu kommen. Aber es war bereits zu spät. Benalcazar hatte sich nach Europa begeben, vermutlich um sich sein Gebiet vom Kaiser bestätigen zu lassen.

Des weiteren bekam Gonzalo Pizarro den Auftrag, einen Zug gegen die Charkas-Indianer zu führen. Dieser kriegerische Stamm hatte seinen Sitz innerhalb der Statthalterschaft Almagros, etwas östlich des großen Sees (unter dem 18. Breitengrade), der den schönen Namen Lago de Poopo trägt. Pizarro hatte gehört, im Gebiete dieser Indianer lägen ergiebige Silbergruben.

Es kam zu heftigen Gefechten mit den Eingebornen. Hernando Pizarro ward mit Hilfstruppen nachgesandt. Ihm gelang die Unterwerfung, und Francisco belohnte ihn mit den Silbergruben von Porco. Unweit davon liegen die damals noch unentdeckten berühmtesten Silberbergwerke Perús, die von Potosi (4000 m hoch). Die alte Stadt Charkas heißt übrigens heute Sucre (2700 m hoch). Die ganze Gegend hat heute noch eine reiche Zukunft, sobald sie endlich mit Lima durch eine Eisenbahn verbunden sein wird.

Ein Jahr war seit Almagros Tod verstrichen, da schickte sich Hernando Pizarro endlich an, nach Spanien zurückzugehen. Beide Brüder wußten sehr wohl, daß dem Diego de Alvarado, der am Kaiserlichen Hof weilte, um Almagros Sache zugunsten von dessen Sohne zu führen, das Feld nicht länger allein überlassen werden durfte.

Bei seiner Abreise mahnte Hernando seinen Bruder ernstlichst, sich vor den »Chilianern« zu hüten. Das seien Desperados, die vor nichts zurückscheuten, um sich an ihm zu rächen! Es sei unbedingt nötig, daß Almagros Anhänger auseinandergesprengt würden. Noch immer hockten sie in Kuzko beieinander.

»Und dann,« riet er ihm, »halte dir eine zuverlässige Leibwache! Bisher war ich es, der dich beschirmt hat.«

Der Marques lachte.

»Sei unbesorgt,« erwiderte er ihm, »jedes einzelne Haar auf den Köpfen der Parteigänger Almagros bürgt mir für meine Sicherheit!«

Im August 1539 schiffte sich Hernando Pizarro in Lima ein. Um Panamá zu meiden, landete er in Tehuantepec, dem mexikanischen Hafen am Südmeere, den Ferdinand Cortes i. J. 1524 angelegt hatte. Was in Panamá zu fürchten war, geschah in Mexiko. Auf dem Wege von Tehuantepec nach Vera Cruz ward Hernando Pizarro verhaftet; aber der Vizekönig Antonio de Mendoza gab ihn wieder frei, da er kein Recht hatte, einen Offizier aus einer ganz anderen selbständigen Kolonie festzuhalten.

Nachdem Pizarro mehrere Wochen auf den Azoren verweilt hatte, um bestimmte Nachrichten von mächtigen Freunden am Hofe abzuwarten, begab er sich schließlich nach Valladolid zum Kaiser. Mit großem Prunk zog er in der Stadt ein. Bei Hofe empfing man ihn mit großer Zurückhaltung. Diego de Alvarado hatte ihn gehörig angeschwärzt. So befreundet sie ehedem gewesen: das Versprechen, das Alvarado dem Marschall Almagro in dessen Todesstunde gegeben, lag ihm näher am Herzen als die Erinnerung an alles andre.

Immerhin gelang es dem gewandten und reichen Hernando Pizarro, sich in der Umgebung des Kaisers sehr bald gute und tüchtige Freunde zu erwerben. Er sparte nicht mit seinem Golde, und Festmähler und Gastgeschenke taten das ihre. Dazu verstand er es, die Taten, Gefahren und Rechte seines berühmten Bruders in das volle Licht zu stellen, Almagro hingegen als Verräter und Rebellen zu brandmarken.

Alvarado, der mehr Soldat als Hofmann war, ärgerte und erbitterte sich über diese Wendung und Verzögerung. Er war nach Spanien gekommen, um eine kaiserliche Entscheidung zugunsten des jungen Almagro zu erwirken. Vor allem galt es, dessen pekuniäre Ansprüche zu sichern. In seinem Zorn forderte er Hernando Pizarro zum Zweikampf heraus. Dieser hatte keine Neigung, seine und seines Bruders so wichtige Sache einem ritterlichen »Gottesgericht« anzuvertrauen. Man lebte im Cinquecento – und fünf Tage nach seiner Herausforderung trug man den Ritter Alvarado zu Grabe. Er war an Gift gestorben.

Kein Mensch wagte es offen, Hernando Pizarro des Mordes zu beschuldigen. Gleichwohl ward er verhaftet. Ohne daß ein Urteil vorlag, saß er volle zwanzig Jahre auf der Veste Medino del Campo. Erst anno 1560 ließ man den nunmehr Fünfundneunzigjährigen frei. Hernando ertrug die lange Gefangenschaft voll Gleichmut, und die letzten fünf, sechs freien Jahre seines Lebens soll er »im Geruche der Heiligkeit« gestanden haben. Sein Vermögen war lange beschlagnahmt gewesen, aber noch immer war er ein reicher Mann. Nach einer im Wortlaute erhaltenen Königlichen Cedula empfing er i. J. 1555 allein 10000 Dukaten aus den Silbergruben von Porco, die ihm nach wie vor gehörten. Seine Familie blieb in hohen Ehren. So ist noch sein Enkel vom König Philipp IV. (1621–1665) huldvollst zum Marques de la Conquista (Markgraf der Eroberung) ernannt worden. In der Tat hat Francisco Pizarro niemals einen tüchtigeren und tapfereren Helfer gehabt als seinen ältesten Bruder.

Der Prozeß gegen Hernando Pizarro ist wohl im Sande verlaufen. Man konnte ihm nicht nachweisen, daß er die Hinrichtung Almagros eigenmächtig angeordnet und vollzogen habe. Herrera, dem zahlreiche Urkunden und Briefe von Conquistadoren vorgelegen haben, berichtet, Hernando habe nach einem bestimmten Befehl des Statthalters gehandelt. Höchstwahrscheinlich hat er diese Aussage dokumentarisch gestützt.

Wenn man auch weder Hernando noch Francisco Pizarro klipp und klar den Prozeß machen konnte oder wollte, so erkannte man doch im Kaiserlichen Rate, daß die Zustände in Perú zu wünschen übrig ließen. Am liebsten hätte man die Verwaltung der zweifellos fest eroberten aber noch nicht innerlich beruhigten so wertvollen Kolonie einem andern übergeben, aber man wußte sehr wohl, daß sich der Eroberer nicht ohne weiteres beiseite stellen ließ. Was man bei Ferdinand Cortes im Vertrauen auf dessen Kaisertreue gewagt, wagte man nicht bei einem Manne, der sich kraft seines verbrieften Rechts ganz gewiß von niemandem absetzen ließ.

Man wählte den kaiserlichen Rat Cristoval Vaca de Castro, Mitglied des Audiencia von Valladolid, einen gerecht und rechtlich denkenden Juristen, der neben vielseitigen reichen Kenntnissen als ein Meister machiavellistischer Urbanität galt. Soldat war er nicht; ein solcher wäre auch Pizarro gegenüber nicht am Platze gewesen.

Seine Aufgabe war, die eigentliche Regierung in die Hände zu bekommen; seine Vollmacht aber wies ihn lediglich als kaiserlichen Untersuchungsrichter aus. Er hatte das Recht, Beschwerden von Eingeborenen zu prüfen und zu entscheiden, Maßregeln zur Verhütung von Unbill aller Art anzuordnen und offizielle Berichte an den Kaiser zu erstatten. Für den Fall von Pizarros Tod hatte er seine eigene Ernennung zum Statthalter von Neu-Kastilien in der Tasche. Dies letztere besagt alles.

Vaca de Castro ging im Herbst 1540 in Sevilla an Bord, erreichte Nombre de Dios, ritt auf einem Maultiere über die Landenge und bestieg in Panamá eine Karavelle, die ihn nach Lima bringen sollte. Unterwegs litt er Schiffbruch, so daß seine Ankunft in Perú stark verzögert wurde. Inzwischen ereignete sich Geschehnis auf Geschehnis.

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