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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 31
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXIX

Krank und gebrochen fiel der Marschall Almagro in die Hände Hernando Pizarros. Sowie in Kuzko endlich einigermaßen Ruhe und Ordnung herrschte, eröffnete man den Prozeß wider den gefangenen Rebellen. An die tausend Folioseiten sollen zusammengekommen sein, wie Antonio de Herrera, einer der berühmtesten Historiker der Neuen Welt, in seiner »Historia general« (Madrid 1605) berichtet. Diese Akten sind leider nicht erhalten. Das Verfahren endete am 8. Juli 1538 mit der Verurteilung Almagros zum Tode durch das Schwert: weil er Krieg gegen den Vertreter des Kaisers geführt, den Untergang vieler Spanier verschuldet, mit dem Inka ein Bündnis gemacht und die Stadt Kuzko widerrechtlich besetzt und geplündert habe.

Das Urteil wurde dem Verurteilten durch einen damit beauftragten Mönch am Tage der Verkündigung mitgeteilt. Der kranke Almagro, dem Hernando Pizarro alle Hoffnung gemacht und manche Aufmerksamkeit erwiesen hatte, um seine tiefe Niedergeschlagenheit zu heben, vermochte den unerwarteten Spruch kaum zu glauben. Er ließ Hernando um eine Unterredung bitten. Um sich am moralischen Zusammenbruch seines Feindes zu weiden, kam Pizarro. Almagro war dermaßen körperlich und seelisch schwach, daß er seine Würde vergaß und in bewegten Worten um sein Leben bat. Er wies auf die ehemalige Waffenbrüderschaft hin, auf seine Dienste und Verdienste und schließlich auf sein im Kampf um Peru ergrautes Haar. Er habe keinen Begehr mehr als den kurzen Rest seiner Tage in Frieden zu verbringen.

Hernando ließ ihm volle Zeit, sich zu demütigen, und erwiderte sodann in spöttischem eiskaltem Tone: er sei verwundert, einen alten Offizier und tapferen Ritter so würdelos reden zu hören. Er habe den Tod verdient, und er solle seine Rechnung mit Gott und der Welt männiglich abschließen.

Da drohte der Marschall: »Meine Freunde werden sich an den Kaiser wenden, der diesen mir ungerecht angetanen Schimpf nicht unvergolten lassen kann.«

Hernando brach die Unterredung ab und empfahl sich.

Jetzt gewann der General seine Selbstbeherrschung wieder. Er bat den Ritter Diego de Alvarado zu sich, legte ihm seinen Sohn und seine Angelegenheiten ans Herz. Alles, was er besaß – und er war ein schwerreicher Mann – gab er in die Hände seines Kaisers zurück, wobei er nachdrücklichst darauf aufmerksam machte, daß seine Abrechnung mit Francisco Pizarro noch nicht regelrecht erledigt sei.

Alvarado versuchte Hernando Pizarro zu Aufschub zu bewegen, indem er erklärte, das Urteil müsse zum mindesten vom Statthalter, wenn nicht vom Kaiser, unterzeichnet werden. Er erreichte nichts als die Umwandlung der Todesart. Statt daß dem Verurteilten vor versammeltem Heere auf der Plaza das Haupt abgeschlagen werde, solle er im Gefängnis durch die Garotta sterben.

Noch am Abend ward das Urteil vollstreckt. Almagro beichtete, nahm das Abendmahl und fügte sich seinem Schicksal. Sein Leichnam wurde bei Fackel*licht auf den Großen Platz gebracht, wo ihm der Henker urteilsgemäß den Kopf abschlug. Ein Herold verkündete den Vollzug.

Der Ritter Ponce de Leon, ein Freund des Toten, ließ ihn in sein Haus tragen. Die feierliche Beisetzung erfolgte am Tage darauf in der Kirche der gnadenreichen Jungfrau. Hernando und Gonzalo Pizarro wohnten der Zeremonie in voller Rüstung bei.

Merkwürdig ist das persönliche Verhalten von Francisco Pizarro. Es besteht kein Zweifel, daß Prozeß wie Urteilsvollzug auf seine Anordnung erfolgt ist. Sehr bald nach dem Eingang der Meldung vom Siege bei Las Salinas war der Statthalter von Lima aufgebrochen, blieb aber in Xauxa. Offenbar scheute er sich, Kuzko zu betreten, solange die zwischen ihm und Hernando festverabredete Beseitigung ihres gemeinsamen Feindes noch nicht vollendete Tatsache war. In Xauxa empfing er den jungen Diego de Almagro, versicherte dem arg Betrübten, seinem Vater werde kein Leid geschehen, und entsandte ihn nach Lima, wo er im Hause Pizarros auf das beste aufgenommen wurde. Das gleiche versicherte er dem Bischof und einigen Rittern, die von Kuzko kamen, um Fürsprache für Almagro einzulegen. Der Statthalter stand in reger Verbindung mit seinem Bruder. Wenige Tage vor der Urteilsvollstreckung brach er endlich von Xauxa auf. In Abancay, also vor den Toren der so umstrittenen Hauptstadt, empfing er Hernandos Meldung, daß der Rebell hingerichtet war. Er tat, als sei er überrascht und ergriffen. Andern Tags zog er als Triumphator in Kuzko ein, in stolzer Haltung, heiteren Sinnes, in einem Prunkrocke, den ihm Ferdinand Cortes verehrt hatte, unter den jubilierenden Klängen eines Reitermarsches.

Almagro war um 1470 geboren, also zur Zeit seines Abganges aus dieser Welt beinahe siebzig Jahre alt. Sein Charakter, seine Vorzüge, seine Fehler, seine Verdienste gehen aus seinen Taten zur Genüge hervor. Der große Gedanke, der in der spanischen Weltherrschaft lebte und webte, war der goldne Faden seines Daseins nicht. Der Drang nach Reichtum und Macht ist als das Leitmotiv seines Lebens anzusehen. Damit verliert er jedwede Gloriole.

Als Soldat war er Haudegen und Draufgänger; das Zeug zum Staatsmann und Organisator fehlte ihm. Er war ein leutseliger Vorgesetzter, ein guter braver Kamerad, ein Mann, der auf Leben und Lebenlassen hielt, zuweilen Verschwender und Wüstling. Infolgedessen stand es mit der Zucht unter seinen Untergebenen nicht berühmt. Er drückte allzuoft beide Augen zu. Zweifellos haben die Brüder Pizarro ihm gegenüber ohne Rücksicht und Erbarmen gehandelt, aber man kann nicht sagen, er habe sein schlimmes Ende nicht verdient.

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