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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 30
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXVIII

Kaum hatte Almagros Sohn samt seinen Begleitern Pizarros Lager verlassen, da versammelte der Marques seine Hauptleute und erklärte in einer alle Gemüter packenden Ansprache, der Tag der Vergeltung sei angebrochen. Indem er Almagros Absichten und Taten mit drastischen Worten schilderte, kennzeichnete er ihn als Rebellen wider Kaiser und Reich. Man müsse ihm das verräterische Handwerk legen. Eher habe Perú keinen Frieden und keine Ordnung. Alles sei bereit. Er selber sei zu alt und kriegsmüde. (Das war Diplomatie!) Daher lege er die Führung des Feldzugs in die Hände seines Bruders.

Hernando Pizarro wandte ein, er sei zu seinem Leidwesen durch den Vertrag verpflichtet, die Kolonie zu verlassen.

»Verträge mit Rebellen gelten nichts!« rief der Marques.

Im Einklang damit teilte der Statthalter dem Marschall kurz und bündig mit, er fordere ihn auf, seinen Anspruch auf Kuzko aufzugeben und innerhalb seines Gebietes zu verbleiben. Andernfalls habe Almagro alle Folgen auf sich zu nehmen.

Almagro lag gerade an einer alten galanten Krankheit, die ihn von Zeit zu Zeit schwer heimsuchte, darnieder. Körperlich und seelisch gebrochen, konnte er nicht daran denken, persönlich wider Pizarro in den Kampf zu ziehen. Er vermochte weder zu gehen noch zu reiten. So übertrug er dem erprobten treuen Roderigo von Orgonez das Kommando.

Während des Marsches auf Kuzko, den Almagro in einer Sänfte mitmachte, verschlimmerte sich sein Leiden dermaßen, daß er in Bilkas (nahe bei Huamanga) drei Wochen verbleiben mußte. Sein Heer zog ohne ihn weiter und nahm Kuzko gegen Ende März 1538 ein.

Zehn Tage später meldete man den Anmarsch des Hernando Pizarro mit dem Heere des Statthalters. Der Marques hatte, nach Überschreitung des Passes von Guaitara, einige Wochen in Ica gerastet, um seine Truppen auf das beste auszurüsten und vorzubereiten. Hernando bekam Instruktionen für alle nur möglichen Fälle. Sodann war Francisco Pizarro nach Lima zurückgekehrt.

Hernando marschierte über Nasca im Küstengebiet auf Umwegen, um Gebirgskämpfen aus dem Wege zu gehen. Bei seinem Nahen hielt Almagro einen Kriegsrat ab. Er selber neigte zu Verhandlungen. Ein Teil der Offiziere wollte es auf Belagerung und Verteidigung ankommen lassen. Die Stadt war gut in Stand. Orgonez widersprach.

»Es ist zu spät! Ihr habt Hernando Pizarro aus den Händen gelassen. Jetzt müßt ihr ihm im offenen Felde entgegentreten!«

Die Begründung dieser Meinung überzeugte schließlich die Anderen. Almagro entschloß sich zur Entscheidungsschlacht. Insgeheim bangte ihm davor. Die Krankheit lähmte seine soldatische Zuversicht.

Orgonez bezog eine Stellung bei Las Salinas, 5 km östlich von Kuzko. Sein Heer war rund 500 Mann stark, davon die Hälfte Reiter, Haken- und Bogenschützen hatte er wenig; hingegen 6 Feldgeschütze (Falkonette), die er in zwei Batterien auf den beiden Flügeln in Stellung gehen ließ. Sein Fußvolk war mit der langen Lanze ausgerüstet.

Es ist kaum möglich, sich ein getreues Bild der Schlacht von Las Salinas am Sonnabend den 6. April 1538 zu machen. Dazu müßte man das Gelände durch eigene Anschauung kennen. Die zeitgenössischen Berichte sind ungenau; die späteren laienhaft.

Es wird berichtet, die von Orgonez gewählte Stellung sei ungünstig gewesen, weil ihr Vorfeld (mit dem Fluß und einem Sumpfe) die volle Ansnutzung der Kavallerie gehindert habe.

Pizarros Heer entwickelte sich vom Lager aus, das am Abend vorher jenseits des kleinen Flusses errichtet worden war. Ebenso wie Orgonez stellte Hernando seine Pikeniere (etwa 400 Lanzenträger) in der Mitte auf, seine Reiter (deren er etwa 180 hatte) auf beiden Flügeln. Seine Hauptstärke lag in seinen Musketieren (etwa 120 Schützen). Artillerie hatte er keine. Es standen also 500 gegen 700 Mann, davon 250 gegen 180 Reiter. Pizarros Truppen waren sowohl an Zahl wie an körperlichem Zustand überlegen. Die Stimmung war auf der Seite der »Chilianer« stark erbittert, aber auf beiden Seiten war man sich bewußt, daß für beide Parteien alles auf dem Spiele stand.

Hernando führte das eine Reiter-Karree, Alvonso de Alvarado das andre; Gonzalo Pizarro das Fußvolk. Pedro de Valdivia (der spätere Held vom Arauco) die Büchsenschützen.

Der Kampf begann am Morgen nach einer Ansprache Pizarros, in der er insbesondre an die Überrumpelung von Kuzko und an die noch ungesühnte Schlappe von Abancay erinnerte. Seinen letzten Worten folgte der übliche dreimalige begeisterte Zuruf der Truppe. Sodann ward die Messe gelesen, ohne die kein Soldat ins Gefecht ging, mochte er sonst noch so gottlos sein.

Drei Stunden später war das Massenduell zu Ende. Gonzalo hatte es durch einen flotten Übergang seiner 90 Reiter eröffnet. Im Artilleriefeuer, das zu damaliger Zeit sehr schwerfällig von statten ging, gewann er das andre Ufer und ritt frontal an. Ihm folgte der tiefe Haufe der Pikeniere. Valdivia brachte seine Schützen geschickt auf einer seitlichen Anhöhe in Stellung und schoß auf den ihm nächsten Reitertrupp. Orgonez zog ihn zurück und vereinigte beide Reiterhaufen zu einem. Es entspann sich die übliche Ritterschlacht unter den Rufen: »El Rey y Almagro!« – »El Rey y Pizarro!«

Nach den alten Berichten, die gern übertreiben, soll es 150 Tote gegeben haben. Gleichwohl kann man annehmen, daß im Gefecht insgesamt vielleicht 50 gefallen und ebenso viele auf der Flucht niedergestochen worden sind. Der Schlacht sahen zahllose Indianer von den benachbarten Hügeln zu, auch viele der spanischen Ansiedler aus Kuzko, sogar Frauen.

Almagros Sänfte hielt nahe der Stellung seiner Truppen. Als er erkannte, daß ihm das Waffenglück untreu ward, setzte er sich auf ein Maultier und ritt unter großen Schmerzen nach der Burg von Kuzko.

Rodrigo de Orgonez jagte auf einen Ritter zu, den er für Hernando Pizarro hielt und stieß ihn mit seiner Lanze nieder. Einen zweiten brachte er auf die nämliche Weise zur Strecke. Einen dritten erlegte er mit dem Schwerte. Eben schrie er »Vittoria!« – da traf ihn eine Kettenkugel und drang ihm durch das Gitter des Visiers. Einen Augenblick verlor er das Bewußtsein. Das Pferd sank unter ihm tot zusammen. Als er sich von Sattel und Steigbügeln losmachte, überfiel ihn ein halbes Dutzend Landsknechte.

»Ist kein Ritter zur Stelle, dem ich meinen Degen gebe?« fragte er, da er sah, daß er der Übermacht verfallen war.

Einer der Angreifer, namens Fuentes, erklärte sich dafür; er erhielt das Schwert des Gefangenen, stieß ihm aber den Dolch tief in die Herzgegend. Die Andern schlugen ihm den Kopf ab und steckten ihn auf eine Lanze. Diese unedle Tat bezeugt, daß Zucht und ritterlicher Sinn im Heere Pizarros nicht, zum mindesten nicht mehr allenthalben walteten! Auch während der Verfolgung und der Plünderung in den Quartieren der Offiziere Almagros in Kuzko wurden reichlich viele Schandtaten begangen. Zum Beispiel ward der von siebzehn Wunden bedeckte Ritter Pedro de Lerma auf seinem Krankenlager von einem Landsknecht ermordet, den er ehedem einmal mit Fug und Recht dienstlich bestraft hatte.

Die Soldaten des Marschalls traten zumeist ohne weiteres in Pizarros Dienst; auch etliche Offiziere. Die meisten jedoch weigerten sich und blieben lieber in der Burg eingesperrt. Almagro war im Heere beliebt. Hernando fühlte sich vor den mehr als 1000 Landsknechten, die in Kuzko versammelt waren, nicht so recht behaglich. Sie kamen mit allerlei Forderungen, Wünschen, Plänen, und er wandte alle seine Beredsamkeit auf, um sie loszuwerden. Eine Anzahl von Offizieren und Leuten verließ die Stadt, so auch Diego de Almagro, der nach Lima gesandt wurde. Andre wandten sich nach Xauxa, Truxillo, San Miguel. Mancher auch machte sich auf, um in Spanien seine Tage behaglich zu beschließen.

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