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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XXIV

Je mehr die Kunde vom Goldlande Peru die Welt in Verwunderung und Abenteuerlust versetzte, um so größer ward der Zuzug neuer Beutegieriger. Der durch seine tapfere Teilnahme an den Feldzügen des Cortes in Mexiko berühmte Ritter Pedro de Alvarado war seit 1521 Statthalter des durch ihn eroberten Landes Guatemala. Obgleich er ein schwerreicher und mächtiger Mann war, drängte es ihn immer wieder zu neuen Taten. Kaum hörte er von Pizarros Erfolgen, da übernahm der »Sohn der Sonne« (wie die Mexikaner den schöngestalteten kühnen Mann genannt hatten) auch schon auf eigne Kosten mit 500 bestens ausgerüsteten Kriegsleuten, darunter 250 Reiter, einen Zug, um Quito, der ehemaligen Residenz Atahuallpas, einen Besuch abzustatten. Er sagte sich, daß dort unbedingt noch viel zu holen sei. Durch seine vorzüglichen Verbindungen mit der Heimat und dem Hofe glückte es ihm, die Erlaubnis des Kaisers zu erlangen, mit der einen Bedingung, daß er Pizarros Gebiet unberührt zu lassen habe. Ehe diese Genehmigung in San Salvadore eintraf, hatte er auf eigne Faust zwei Karavellen, geführt von dem uns gleichfalls aus den berühmten Berichten des Ferdinand Cortes berühmten Schiffshauptmann Garcia Holguin, an die peruanische Küste ausgeschickt. Hierdurch gelangte Alvarado zu genaueren Nachrichten über die Ereignisse in Peru, vor allem von dem gewaltigen Lösegelde des gefangenen Inka. Er erfuhr auch, daß in Nikaragua Nachschub für Francisco Pizarro angeworben worden war und marschbereit stand.

Rasch entschlossen segelte der Kondottiere mit den zwei Karavellen nach Nikaragua und nahm diese Truppen samt ihren drei Schiffen, deren Eigentümer er gut bezahlte, in seine eigenen Dienste. Mit diesen fünf Karavellen landete er im März 1534 im Hafen von Puerto Viejo, schiffte seine Mannschaft aus und trat unverzüglich den Vormarsch auf Quito an. Zweifellos wußte er sehr wohl, daß die Provinz Quito zur Statthalterschaft Pizarros gehörte, wenngleich dieser sie vorläufig beiseite gelassen hatte, um sich erst im eigentlichen Peru gründlich festzusetzen. Wie dem auch gewesen sein mag: Alvarado schützte Unwissenheit vor und zog los. Nur passierte ihm am Rio de Diable das Malheur, daß ihm sein angeworbener indianischer Führer bei Nacht und Nebel entwischte. Die Folge war, daß sich die Expedition in den Tälern und Schluchten der Sierra verirrte. Man kam in eine Gegend von Eis und Schnee, aus der man sich nicht wieder herausfand. Gegen Kälte war das an das warme Klima von Guatemala gewöhnte kleine Heer nicht ausgerüstet. Viele, zumal von den Berittenen und ganz besonders von den unabgehärteten Indianern, deren man an die 3000 mit hatte, kamen um. Dazu trat Mangel an Nahrungsmitteln sein. Man verzehrte die erfrorenen Pferde. Man hatte Frauen mit, die bald nicht mehr fortkonnten. Um das Unglück vollzumachen, begann der zwölf Leguas von Quito entfernt liegende Vulkan Kotopaxi Asche zu regnen.

Gleichwohl setzte Alvarado den Marsch fort, überwand die Schneepässe und erreichte das Tafelland in der Gegend von Riobamba mit etwa 360 Spaniern und nur noch 1000 Indianern. An Pferden waren keine 50 mehr gebrauchsfähig.

Es muß hier nachgeholt werden, daß Pizarro beim Abmarsch von Kaxamalka zum Befehlshaber von San Miguel, seinem einzigen Stützpunkt im Rücken, einen seiner zuverlässigsten Offiziere, den Ritter Sebastian Benalcazar, ernannt hatte. Das war im Herbst des Jahres 1533. Dieser Benalcazar langweilte sich nicht lange beim Kartoffelbau in der friedsamen Ansiedlung, sondern kam ganz wie Pedro de Alvarado auf den Gedanken, sich Quito näher zu besehen. Mit 140 Mann, darunter 60 Reiter, und einer gutausgesuchten indianischen Hilfstruppe machte er sich im Februar 1534 auf den Marsch nach der Hochebene von Quito. Er hatte den gangbarsten Weg vorher erkunden lassen, sodaß er mehr Glück hatte als sein Nebenbuhler aus Guatemala, von dessen Zug er natürlich keine Ahnung hatte.

In der Gegend von Riobamba stieß er auf die ihm entgegengeschickten Truppen des peruanischen Generals Ruminjahuai, der sich, wie erwähnt, nach dem Tode des Inka Atahuallpa eigenmächtig zum Herrn des Landes Quito gemacht hatte. Es kam zu mehreren Gefechten zwischen ihm und den Spaniern aus San Miguel. Benalcazar siegte und pflanzte die Fahne Kastiliens auf die Zinnen der alten Inkastadt. Zu Ehren seines Generals – oder aus Gerissenheit und schlechtem Gewissen – taufte er die Stadt um in San Francisco del Quito. Zu seinem Ärger entdeckte er nach dem Einzuge, daß ihn die Einwohner um die Beute geprellt hatten: es fanden sich keine nennenswerten Schätze. Es braucht kaum gesagt zu werden, daß die Spanier alles anwandten, um hinter die Verstecke zu kommen, aber die Unglücklichen, die auf die Folterbank geschleppt wurden, kannten diese Orte selber nicht.

Inzwischen hatte Alvarado zu seiner nicht geringen Verwunderung die unverkennbaren Spuren abendländischer Kulturtätigkeit wahrgenommen: verunreinigte Landstraßen, niedergebrannte Dörfer, vergewaltigte und totgeschlagene Weiber, aufgewühlte Gräber, gestürzte Sonnenbilder und dergleichen.

Die Lage ward noch kurioser. Almagro, der (wie berichtet) beauftragt war, den General Kiskiz zur Strecke zu bringen, war auf der Verfolgung dieses gefährlichen Gegners gleichfalls an die Hochebene von Quito gekommen. Als er die Nachricht von der Ermordung des Generals erhielt, marschierte er trotzdem weiter. Er hatte in San Miguel, wo er sich Verstärkungen zu holen gedachte, erfahren, daß der Hauptmann Benalcazar eigenmächtigen Eroberungen nachging. Unter Mord und Brand kam er nach Riobamba.

In der Nähe dieses Ortes hatte er alsbald eine Unterredung mit Benalcazar. Beide Offiziere trafen sich, wohlgewappnet und beschützt, und so einigten sie sich, statt Krieg wider einander zu führen, indem sie gegenseitig ihre harmlosen Absichten im Sinne des Großen-Ganzen versicherten. Almagro wußte noch immer nicht, daß er inzwischen Statthalter von Chili geworden war.

Nunmehr erwarteten Almagro und Benalcazar den ihnen gemeldeten Anmarsch Alvarados in einer befestigten Stellung südlich oder südöstlich von Riobamba. Schon standen die kleinen Heere zur heimlichen Freude der Eingeborenen einander gefechtsbereit gegenüber, da sandte Almagro einen seiner Offiziere zur Unterhandlung zu Alvarado. Almagros gesunder Menschenverstand gebot ihm einzulenken.

Während die Feldherren verhandelten, verbrüderten sich auch schon die Abenteurer beider Parteien. Alvarados Leute, denen der mühevolle Zug nach Quito wenig Spaß machte, hörten von den Schätzen in Kuzko. Sofort war die Mehrzahl geneigt, zu Francisco Pizarro, dem rechtmäßigen Oberbefehlshaber, überzugehen.

So kam man überein, daß der Statthalter von Peru 10000 Pesos Gold an Pedro de Alvarado zu zahlen habe, wofür ihm dieser seine Schiffe, Truppen, Vorräte und Munition übergeben sollte. Es waren – abgesehen von Alvarados eigener Karavelle – insgesamt 12 Schiffe verschiedenster Größe. Die Summe war hoch, aber auch die Kosten waren beträchtlich gewesen, und selbstverständlich forderte jeder einzelne Teilnehmer seinen Anteil. Alvarado sagte sich wohl, daß er im Grunde gar kein Recht habe, in der Kolonie Pizarros Eroberungszüge zu veranstalten. So unterzeichnete er in ehrlicher Resignation den Vertrag und betrachtete sich von Stund an als schaulustigen Peru-Reisenden. Als solcher ließ er bei Pizarro durch einen Eilboten anfragen, ob er ihm seinen Besuch machen dürfe. Pizarro antwortete in einem herzlich gehaltenen Schreiben.

Pizarro befand sich auf dem Marsche von Kuzko nach dem Norden seines Reiches. Er war sich klar, daß sein persönliches Erscheinen unerläßlich war. In Kuzko hatte er seinen Bruder den Ritter Juan Pizarro mit 90 Mann zurückgelassen und ihm ans Herz gelegt, die neue Ansiedelung mit allen Mitteln des Friedens zu fördern und zu vergrößern. Es galt, die Zuneigung der Eingeborenen zu erwecken, großzuziehen und nützlich zu machen. Juan Pizarro war seiner Natur nach dieser Aufgabe gewachsen. Er war den Indianern wirklich ein Freund.

Inka Manko begleitete den Statthalter. Unterwegs, in Xauxa, veranstaltete er dem spanischen General zu Ehren eine große Hofjagd in peruanischer Form. Das Jagdrecht im alten Peru hatte allein der König. Keinem Untertanen war es erlaubt, sich an einem Stück Wild zu vergreifen. Das ganze Land war in große wohlverwaltete Jagdbezirke eingeteilt. Alljährlich fanden vier große Treibjagden in jedem Revier statt. Zur größten erschien der Inka persönlich. Eine solche Jagd war ein großes Ereignis für das Volk. In ungeheurem Kreise werden zehn, zwanzig, ja fünfzig Tausend Treiber angestellt, mit Piken und Spießen bewaffnet. Alle Raubtiere und alles Wild ward aufgescheucht. Man tötete die Raubtiere (Jaguare, Wildkatzen, Pumas, Nasenbären, Tapire usw.) und trieb die Hirsche und die wollreichen Huanacos in das engere Jagdrevier. Die Treiber bekamen reichliche Jagdanteile, so daß diese Jagden wahre Volksfeste waren. Die Herren, die daran teilnahmen, erlegten Hunderte von Tieren.

In Pachakamak, am Meere, fand die denkwürdige Zusammenkunft Pizarros mit Alvarado statt. Es war im Herbst 1534. Beide standen in der Mitte der Fünfziger; beide waren weltberühmte Generale; beide kühne Eroberer. Sie verstanden sich auf den ersten Augenblick und verlebten zusammen ein paar heitere üppige Tage in wechselseitiger Hochschätzung und Anerkennung. Pizarro veranstaltete glänzende Festmähler, Zechgelage, Turniere, Auffuhrungen. Beim goldnen Sherry rollte der Würfelbecher, und schöne Inkajungfrauen verkürzten, mehr oder minder freiwillig, den spanischen Offizieren die heißen Nächte.

Herzlich verabschiedet verließ Pedro de Alvarado den Hafen von Pachakamak, um wieder nach Guatemala za segeln. Wenige Jahre später verunglückte er auf einem Zuge in Neu-Galizien, als er zu Pferd einen allzusteilen Hang erklimmen wollte; das Tier fiel auf ihn und erdrückte ihn. Ein Bruder Pedros war Diego de Alvarado, ein Ritter, dessen edle Eigenschaften zu rühmen sind. Er hatte am Zuge nach Quito teilgenommen und war dann im Heere Pizarros verblieben. Ein Vetter von beiden war der Hauptmann Alonso de Alvarado, fortan gleichfalls im Heere Pizarros.

Nach Alvarados Abreise ging der Statthalter daran, eine neue Hauptstadt zu gründen. Vermutlich hatte ihn Alvarado überzeugt, daß die Hauptstädte von Kolonien am besten am Weltmeere gedeihen. San Miguel lag zu weit im Norden; Kuzko zu sehr im Gebirge, obendrein an der Grenze von Pizarros Machtbereich.

Zunächst dachte er an Pachakamak, aber nach sorgfältiger Gelände- und Küstenerkundung entschied er sich für den Ort, wo noch heute die Hauptstadt des Landes liegt, an der Mündung des Rimac, am Fuße des Cerro San Cristobal, etwa 12 km vom Meere entfernt, in einer Höhe von 430 m. Die neue Besiedelung erhielt den Namen: Ciudad de los Reyes (Königsstadt), zu Ehren der heiligen drei Könige, an deren Kalendertage (am 6. Januar 1535) der Ort festbestimmt ward. Die feierliche Gründung fand am Sonntag den 17. Januar statt. Der spanische Name hat sich nicht eingebürgert; um 1555, vielleicht schon von Anbeginn, nannte man die Stadt »Lima« (wohl verdreht aus Rimac).

Der Ort wuchs rasch. Noch heute steht das damals erbaute Haus der Vizekönige (Casa de los vireyes), die Kathedrale, der Palast des Erzbischofs. Die Straßen der Stadt, deren Grundriß dreieckig war, sind nach altspanischer Weise schachbrettartig und geräumig angelegt. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1746: 60000; im Jahre 1875: 100000; im Jahre 1908 (ohne die Vororte) 140000, mit ihnen etwa 200000. Sehr zahlreiche Kirchen und Klöster unterbrechen die Straßen und Gassen. Schmutzig und armselig – im Gegensatz zur sauberen und vornehm wirkenden Stadt Lima – ist der Hafenort El Callao (Die Zunge; 1537 gegründet) mit 50000 Bewohnern, Ihm gegenüber liegt die Insel San Lorenzo.

Heutzutage führt die Oroya-Bahn von Lima durch das Rimac-Tal in das landschaftlich herrliche Gebirge. Bei San Bartolomé, 64 km von Lima weg (1500 m hoch), hat man das Küstenland hinter sich; in Matucana (90 km von Lima entfernt) befindet man sich bereits gegen 2400 m hoch in den kühlen Bergen. Durch dieses Rimac-Tal führte die alte Inkastraße von Pachakamak über Oroya nach Xauxa (JauJa); es war bereits damals stark besiedelt.

Um den tatenlustigen Almagro und andre unruhige Geister zu beschäftigen, gewiß auch, um ihn sich fern zu halten, beauftragte ihn Pizarro, den Oberbefehl in Kuzko zu übernehmen und von dort aus einen Zug nach Süden (Chili) zu unternehmen. Man wußte noch nicht, daß Pizarros Machtbereich um 70 Leguas südwärts ausgedehnt worden war. Vermutlich meinte der Statthalter, Kuzko läge außerhalb seines Reiches; innerhalb seiner Grenzen sah er den Genossen und Nebenbuhler offenbar nicht gern.

Der mißtrauische Almagro hatte, wie berichtet, einen besondern Vertrauten nach Spanien geschickt, der zugleich mit Hernando Pizarro in Sevilla landete. Dieser Mann erfüllte seinen Auftrag auf das Beste. Wie brauchbar, ergeben und findig er war, geht allein daraus hervor, daß er seinem Herrn, gerade am Tage seines Einzugs in Kuzko, einen Auszug der kaiserlichen Urkunde überreichte, die ihn zum Statthalter von Chili erhob.

Almagro war überglücklich, endlich ein unabhängiger Machthaber zu sein. Von Stund an ließ er sich »Marschall« titulieren. Juan Pizarro übergab ihm den Oberbefehl. Almagro glaubte, Kuzko gehöre zu seinem Bereiche und benahm sich darnach. Seine Eitelkeit flüsterte ihm ein, er sei ein zweiter Cäsar. Jetzt wollte er der Welt zeigen, daß Diego de Almagro hundertmal genialer und tüchtiger als Francisco Pizarro war.

Die Soldateska von Kuzko, die zum größeren Teile aus dem Expeditionskorps des Pedro de Alvarado stammte, freute sich, der Zucht des gefürchteten Pizarro entkommen zu sein; Almagro war ein gutmütiger Bramarbas. Alsbald beging man die gröbsten Zügellosigkeiten. Pizarro hatte streng darauf gehalten, daß die Soldaten und Ansiedler die Häuser und Fluren der Eingeborenen nicht betreten durften und daß ihr Privateigentum unverletzlich sei. Jetzt pfiff man auf diese Vorschriften und Verfügungen. Man war frei. Man plünderte und raubte, mordete und schändete. Pizarros Brüder, Juan und Gonzalo, mahnten Almagro vergebens.

Francisco Pizarro bekam Nachricht hiervon. Inzwischen hatte auch er einen Auszug der kaiserlichen Entschlüsse erhalten. Sofort sandte er einen Offizier nach Kuzko mit dem Befehl, Almagro habe das Kommando an Juan Pizarro zurückzugeben. Er begründete diese scharfe Maßregel damit: es könne am kaiserlichen Hofe übel gedeutet werden, wenn er seine neue Macht bereits innehabe, ehe die allerhöchste Ernennung offiziell eingetroffen wäre. Zugleich befahl Pizarro, Almagro solle den Zug nach Chili unverzüglich antreten.

Der »Marschall« fühlte sich nicht mehr als Pizarros Untergebener. Er behielt das Kommando und blieb in Kuzko. Vergebens forderten die Brüder Pizarros die Ausführung der Befehle des Statthalters. Die Offiziere, Beamten, Soldaten und Ansiedler teilten sich nun in zwei Gruppen, während die indianischen Edelleute und Bürger insgeheim frohlockten. Die Pizarros hatten alle Ordnungsliebenden und Maßvollen auf ihrer Seite. Es fehlte nicht viel und der Streit wäre mit den Waffen entschieden worden, da erschien Francisco Pizarro persönlich. Der Siebenundfünfzigjährige hatte sich auf seinen Gaul gesetzt und die 600 km in acht bis zehn Tagen zurückgelegt, ungeachtet des Höhenunterschiedes von 3500 m. Es war zu Anfang Juni des Jahres 1535.

Bei der ersten Begrüßung wahrte Pizarro alle Formen. Er umarmte den Marschall, wie dies Sitte war, und fragte im Beisein der beiden Stäbe, was die Ursache des sonderbaren Zwistes in seiner Hauptstadt sei. Almagro wagte es nicht offen unbotmäßig zu sein. Es wäre ihm auch wohl übel bekommen. Er schob die Schuld auf das Verhalten von Juan und Gonzalo Pizarro.

Die Situation spitzte sich zu, aber es gelang klugen Freunden, die Entscheidung zu vertagen. Man hörte beide Parteien, erinnerte beide Führer an die alten Verträge, appellierte an Waffenehre und gutes Beispiel.

Die Verhandlung endete damit, daß Pizarro und Almagro am 12. Juni einen neuen Vertrag unterzeichneten, dessen wesentliche Punkte folgende waren:

1. Pizarro wie Almagro verpflichteten sich, keinerlei Bericht an den Kaiser zu senden, ohne daß der andere den Wortlaut kenne und billige;

2. Kosten wie Gewinn der Expedition zur Eroberung von Almagros Gebiet (Chili) sei von beiden Genossen zu teilen;

3. Almagro verpflichtete sich, Kuzko und das Land im Umkreise von 30 Leguas als unantastbares Gebiet Pizarros zu achten.

Wie feindselig sich die Vertragschließenden gegenüberstanden, geht daraus hervor, daß sie in der Urkunde gegenseitig die unverbrüchliche Wahrung der Abmachung beteuerten; den Wortbrüchigen aber solle Gottes Zorn treffen, und er solle seines Lebens und Eigentums verlustig gehen. Der Vertrag wurde obendrein feierlich auf eine Hostie beschworen und von mehreren Zeugen mit unterschrieben.

Etliche Wochen später trat Almagro seinen Zug nach Chili an. 570 Spanier ließen sich anwerben; dazu etwa 1000 Indianer. Ein Bruder des Inka Manko namens Paullo Topa (offenbar Christ!) sowie der Hohepriester von Peru, Huilljak Umu, schlossen sich seinem Stabe an. Zunächst brach die Vorhut auf, 150 Mann unter der Führung des Hauptmanns Juan de Saavedra.

Nach dem Abmarsch des verhaßten Störenfrieds eilte Francisco Pizarro nach Lima zurück. Der Ausbau der neuen Ansiedlung war ihm zur Leidenschaft geworden. Müde des Krieges, war es seine Sehnsucht, sein Leben als Gründer einer wunderbaren Stadt, als friedlicher Regent zu beschließen.

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