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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 21
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XX

Solange der Inka lebte, ohne dessen Befehl in Peru nichts geschah, war das Land im wesentlichen in Ruhe und Tatenlosigkeit verblieben. Erst jetzt, wo das Herz des Volkes aufgehört hatte zu schlagen, wagten etliche tüchtige, ehrgeizige und ihr Vaterland liebende Männer, selbständig aufzutreten. Um die Einheit des Reiches war es geschehen. Der Inka-Adel war durch Atahuallpas Sieg und durch Pizarros Handstreich vom 15. November zusammengeschmolzen. Die Armee war auseinandergelaufen; einzelne Teile standen unter dem Befehle von Generälen in Quito und in Kuzko. Das Volk begann wieder in Stämme zu zerfallen. Jahrhunderte an spartanische Ordnung und Zucht gewöhnt, erwachten im Einzelnen bisher unbekannte Laster und Lüste. Man sah, welchen Wert die Weißen dem Gold und Silber beilegten. Man lernte den Begriff des Geldes kennen. Man beobachtete die Zügellosigkeit der Spanier dem weiblichen Geschlechte gegenüber. Man erkannte, daß die bisher angebeteten Götterbilder in den Staub sanken, ohne daß des Himmels Rache auf die Tempelräuber und Gottesschänder herabfuhr. Kurzum, die Untertänigkeit, der Glaube, die Moral der Eingeborenen war ins Wanken gekommen.

In Quito eignete sich alsbald der Inka-General Ruminjahuai die oberste Gewalt an, derselbe, der bei dem Überfall am 15. November 1532 die im Warmbad zurückgebliebenen Truppen befehligt hatte. Den Heeresrest in Kuzko befehligte der General Kiskiz, dem der Tod des Königs durch eine heimliche Botschaft des Generals Tschalkutschima, den die Spanier in Kaxamalka zurückhielten, mitgeteilt wurde.

Pizarro hatte die grenzenlose Macht, die ein Inkakönig bei seinem Volke, von den Generalen, Oberpriestern und Ministern bis hinab in die breiteste Masse, seit Jahrhunderten genoß, wohl erkannt. Daß diese Tradition zu wanken begann, konnte er noch nicht wissen. Durchaus richtig entschloß er sich, sofort einen Nachfolger auf Atahuallpas Thron zu setzen. Dieser Schattenkönig war natürlich von vornherein nichts als ein Werkzeug des Eroberers von Peru.

Rechtmäßiger Erbe der Herrschaft war ein zweiter Sohn des Königs Huayna Kapak, Manko, damals noch keine dreißig Jahre alt, ein kluger kühner edler Idealist, der seine hohen und schweren Pflichten als Führer seines Landes über alles andere zu setzen bereit war. Er stammte von derselben Mutter wie Huaskar, gehörte also der Partei Atahuallpas nicht an. Pizarro wußte damals nicht viel von diesem Prinzen, hatte auch keinerlei Verbindung mit ihm. Dagegen befand sich der älteste Sohn des hingerichteten Herrschers in seiner Gewalt, ein etwa siebzehnjähriger junger Mann, der Prinz Topak Huallpa. Diesen ließ der Statthalter krönen. Unter peruanischem Zeremoniell schmückte er ihn eigenhändig mit der roten Troddel, dem Königssymbol, und ließ die Krönung im Lande verkünden, soweit dies den Spaniern möglich war. Die in Kaxamalka befindlichen Indianer erkannten den jungen Fürsten gern an, waren sie doch ausnahmslos Anhänger der Partei Atahuallpas. Inka Topak Huallpa sah sehr bald, daß er in Wahrheit der Sklave des fremden Statthalters war. Er wurde schwermütig und ging ein wie ein edles gefangenes Tier.

Nunmehr galt es, das Reich weiterzuerobern und sich vor allem endlich der Hauptstadt zu bemächtigen. Pizarro durfte aus politischen und militärischen Gründen nicht zögern, und alle Andern waren der nämlichen Meinung – aus Goldgier. Man wußte, daß die Tempel, zumal der von Kuzko, von goldnem Gerät strotzten. Verzögerte sich der Vormarsch noch länger, so brachten die Priester immer mehr kostbare Stücke in Sicherheit.

Wer nicht felddienstfähig war, auch der größere Teil des Beamten- und Schreibervolks, das sich in Kaxamalka eingenistet hatte, ward nach San Miguel zurückgeschickt. Etliche, die genug Beute eingeheimst zu haben vermeinten und kein Verlangen nach neuer Kriegsgefahr verspürten, schlössen sich ihnen an. Man lud das Gold und Silber auf Lamas. In vier Schiffen gelangten diese Vorsichtigen von Nombre de Dios nach Sevilla.

Unter ihnen war Pizarros Sekretär, Francisco de Xeres, ein Sevillaner, der hierüber folgende Angaben gemacht hat:

»Am 5. Dezember 1533 lief das erste dieser Schiffe im Hafen von Sevilla ein. Auf ihm befand sich der Hauptmann Christoval de Mena, der 8000 Pesos Gold und 950 Mark Silber als sein Eigentum mitbrachte, ebenso Juan de Losa, ein Geistlicher aus Sevilla, der 6000 Pesos Gold und 80 Mark Silber besaß. Von den andern Zurückkehrenden waren insgesamt 38946 Pesos Gold an Bord.

»Am 9. Januar 1534 lief die zweite Karavelle namens Santa Maria del Campo in den Strom von Sevilla ein. Mit ihr kam der Hauptmann Hernando Pizarro, des Statthalters und Generalkapitäns Bruder, an. Auf dem Schiffe befanden sich für S. M. den Kaiser 153000 Pesos Gold und 5048 Mark Silber. Außer dem kaiserlichen Anteil trug das Schiff an Privatgut noch 310000 Pesos Gold und 13500 Mark Silber, alles in Barren in große Kisten verpackt. Für S. M. waren ferner an Bord: 38 goldene und 48 silberne Gegenstände, darunter ein Adler aus Silber, dessen Leib zwei Eimer Wasser faßte, und ein Götzenbild aus Gold, groß wie ein vierjähriges Kind.

»Am 3. Juni 1534 liefen die dritte und die vierte Karavelle ein. Francisco Rodriguez führte die eine, Francisco Pabon die andre. An Bord waren an Privatgut: 146518 Pesos Gold und 30511 Mark Silber.

»Die genannten und einige andre Gegenstände nicht mitgerechnet, brachten alle vier Schiffe insgesamt: 708580 Pesos Gold, i Pesos (= i Castellano) gilt gewöhnlich 450 Maravedi; somit hatte die nach Spanien gebrachte Beute einen Wert von 320 Millionen Maravedi. Das gesamte Silber belief sich auf 49008 Mark. Nimmt man auf die Mark acht Unzen und rechnet sie zu 2210 Maravedi, so hatte das Silber den Wert von 108½ Millionen Maravedi.«

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