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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XVI

Hernando Pizarros Zug verlief in folgender Weise. Aufgebrochen am Nachmittage des 6. Januars, eines Montags, erreicht der Trupp (20 Reiter und etliche Schützen mit Hakenbüchsen) am Abend einen kleinen Ort, fünf Leguas entfernt. Am folgenden Tage kam man über Jchoka bis Kuankasanga und am Vormittag des 8. Januar nach Huamachuko. Die kleine Stadt liegt, heute wie damals, in ihrem fruchtbaren Talkessel.

Der Hauptmann und seine Leute wurden bestens aufgenommen. Nirgends sahen sie auch nur die Spur einer vorbereiteten Volkserhebung. Man traf hier auf einen Halbbruder Atahuallpas, der von Süden her unterwegs war, um die Goldzufuhr zu beschleunigen. Offenbar hatte der gefangene Fürst tatsächlich alles getan, was er nur konnte, um die ersehnte Freiheit endlich wiederzuerringen. Von diesem Fürsten erfuhr Hernando, daß zwanzig Tagreisen hinter ihm der General Tschalkutschima mit einem ganzen Zuge von Goldträgern komme. Hernando vernahm einige angesehene Eingeborene, die er beiseite nahm, das heißt regelrecht foltern ließ, um festzustellen, was man über diesen Offizier wisse. Er erfuhr, was man den verängstigten

Schelmen eintrichterte: Tschalkutschima stehe sieben Tagreisen weit an der Spitze von 20.000 Mann. Er rücke heran, um die weißen Männer in Kaxamalka umzubringen und den Inka zu befreien. Einer gestand sogar, er habe kürzlich mit Tschalkutschima getafelt und gezecht.

Das war alles Fabelei. Hernando tat aber, als glaube er den Unsinn, und erklärte seinen Leuten, es sei seine Pflicht, der Sache auf den Grund zu gehen. Man müsse dem peruanischen General unverzüglich entgegenmarschieren.

Am 10. Januar begann der Weitermarsch. Am 11. kam man nach Andamarka. Abermals vernahm Hernando, man erwarte die Ankunft eines hohen Offiziers namens Tschalkutschima, der einen großen Goldzug führe. Zurzeit befände er sich in der Stadt Xauxa (Jauja). Nunmehr offenbarte Hernando seinen Leuten sein bis dahin verschleiertes Vorhaben: die große Moschee von Pachakamak aufzusuchen.

Dieses peruanische Heiligtum lag an der Meeresküste unweit der heutigen Hauptstadt Lima. Der Ort war von alters her gottgeweiht, ursprünglich dem Fischgotte, das heißt dem Teufel. Nach dem Einbruch der Inkas wurde oberhalb des alten am Gestade stehenden Tempel, auf drei breiten Terrassen, hoch über der Stadt, dem Sonnengott ein großartiges neues Heiligtum errichtet. Aus politischer Klugheit ließ man das alte hölzerne Gottesbild ruhig an seinem Ort. Mit der Zeit sollte es von selbst der Vernach- lässigkeit anheim fallen. Sogar das alte Orakel, in der Inkasprache »Rimak« (daß heißt: Der Sprecher) genannt, blieb unbeseitigt.

Pachakamak heißt »Weltschöpfer«; das war ein Beiname des Sonnengottes. Vermutlich haben die Inkas die nahe Stadt, deren älterer Name uns nicht bekannt ist, so umgetauft. Der Ort lag von Anda- marka über 500 km entfernt.

Am 14. Januar brach man auf. Etliche Eingeborene dienten als Führer. Am Abend blieb man nach Überschreiten von zwei Bächen in Totopamba. Überall empfingen die Indianer die Fremden gastlich und stellten ihnen Träger. Am 15. übernachtete man in Koronga. Auf der Mitte des Weges dahin kam der Zug durch einen schneegefüllten Engpass. Damit war die Cordillera blanca auf dem 4000 m hohen Paß von Condorhuasi (Kondorhaus) überschritten.

Am 15. Januar blieb man in Pinga, einem kleinen Orte, den seine Bewohner aus Furcht vor den Ankömmlingen verlassen hatten. Diese Tagreise war mühevoll. Stellenweise mußte man auf steilen Stufen, die in das Gestein geschlagen waren, abwärts steigen. Für die Pferde war das nicht ohne Gefahr. Am 16. erreichte man einen größeren Ort im Tale, nachdem man den reißenden Bergstrom auf einer Netzbrücke überquert hatte. An diesem Orte rastete Hernando zwei Tage, wiederum bestens bewirtet.

Am 19. Januar kam man in eine Ortschaft, bei der abermals eine Hängebrücke über das Gewässer führte, und marschierte dann noch zwei Leguas weiter, nachdem neue Träger gestellt worden waren. Man sah zahlreiche Dörfer und Mais-Plantagen. Am 21. erreichte man den Rio Santa.

Am 26. Januar war Rasttag. Am 27. blieb man in Pachikoto. Hier verließen die Spanier die große Staatsstraße, die nach Kuzko führte und die man die letzten fünf Tage benutzt hatte. Am 28. ward ein Ort namens Markara erreicht, inmitten von wasserreichen Weiden voller Herden. Man befand sich bereits im heißen Küstenlande. Mais und Obst gab es hier im Überfluß.

Längs eines Flußes ging es am 3. Februar weiter durch die überall angebaute Ebene. Am 4. kam man nach Parpunga, einem Orte an der Meeresküste. Es gab hier eine starke Burg, an deren Haupttor zwei Tiger (Steinbilder) wachten. Die Bewohner waren geflohen, stellten sich aber schließlich wieder ein. Hier rastete man zwei Tage.

Damit war die von niedrigen Mauern eingefaßte Küstenstraße erreicht, die Hernando Pizarro des weiteren benutzte. Mehrere Male waren Flüsse zu überschreiten. Brücken gab es nicht, weil diese Gewässer breit, aber nicht tief waren. Die Eingeborenen leisteten dabei überall bereitwillig Hilfe, stellten Träger und lieferten Lebensmittel.

Am 8. Februar gelangte man an den Guamamayo, der angeschwollen und reißend war. Der Übergang machte viel Mühe. Nach weiteren vier Tagesmärschen, am 14. Februar 1533, zog Hernando gegen Abend in Pachakamak ein.

In seinem Bericht an den Königlichen Gerichtshof zu San Domingo (vom November 1533) sagt Hernando Pizarro: »Wir brauchten 22 Marschtage. Die Straßen über die Berge und Pässe sind bestaunenswert. Obwohl das Gelände ungemein zerschnitten und ungleich ist, sind die Straßen fast sämtlich gepflastert. In der ganzen christlichen Welt gibt es keine Wege von der Schönheit der peruanischen großen Staatsstraße«.

Der Kuraka der Stadt empfing die Spanier an der Spitze der oberen Beamten. Der Hauptmann und seine Mannschaft nahmen Quartier in einigen großen Gebäuden am Ende des Ortes. Alsbald verkündete Hernando, daß er im Auftrage des Kaiserlichen Statthalters gekommen sei, das Gold aus dem Tempel abzuholen. Man möchte es unverzüglich zusammentragen und ihm übergeben. Der Häuptling beriet sich mit den Priestern und Beamten und erklärte darauf seine Bereitwilligkeit. Insgeheim hatte man andre Absichten. Zunächst wollte man Zeit gewinnen.

Hernando sah sich die Zauderei nicht lange an, sondern verlangte in den Tempel geführt zu werden. Man geleitete ihn in das alte Heiligtum des Fischgottes. In einem düsteren Saale, in dem die Luft dumpf und schwer war, stand der Holzgötze, ihm zu Füßen goldne Gaben. Obgleich die herrschenden Inkas den Dämon nicht anerkannten, erfreute er sich im abergläubischen niedern Volke noch immer großer Beliebtheit. Insbesondere schätzte man das Orakel.

Es ging die fromme Sage, der Gott sei allgewaltig, sein Zorn schrecklich, und nur der Priester dürfe ihm nahen. Als Hernando Pizarro trotzdem den gefürch- teten Raum betrat und das Götterbild vor aller Augen zerschlagen und verbrennen ließ, da glaubte jedermann, er sei mächtiger als der Teufel.

Die Mauern um das Heiligtum und auch das Gebäude waren damals bereits dem Verfall überlassen, offenbar weil die Inka-Regierung keine Mittel zur Erhaltung bewilligte. Von Staatswegen da war eben nur der Sonnentempel oben auf der Höhe. Diesen wagte der wohlunterrichtete Hernando nicht anzutasten. Er begnügte sich, das Heraustragen der Geräte und der Wandplatten aus Gold und Silber zu erzwingen. Es waren 90000 Pesos Gold.

Nun galt es, Tschalkutschima aufzufinden. Man sagte dem spanischen Kondottiere, der Gesuchte stehe mit viel Gold und viel Kriegsvolk nur vier Tagreisen fern. Hernando sandte einen Boten zu ihm mit der Aufforderung, zu ihm zu stoßen, da ihm der ganze Weg zu beschwerlich sei. Er möge einen Ort an der großen Heeresstraße bestimmen, an dem der Zuerstangekommene den Andern erwarten solle.

Tschalkutschima antwortete, er sei damit einverstanden, und nannte einen passenden Ort zur Begegnung namens Pombo.

Daraufhin brach Hernando am 3. März auf und erreichte am Abend den am Meere gelegenen Ort Guarva. Am 4. verließ er die Küste und marschierte einen Fluß entlang, dessen Ufer dichtbewaldet waren. Nachts blieb er in Guaranga. Am 5. kam man bis Aillon; am 6. bis Chincha, nachdem ein steiler Gebirgspaß überwunden war. Die Pferde versanken bis an den Gurt im Schnee. In Chincha, wo viele Herden grasten, blieb man zwei Tage.

Samstag den 8. März erreichte man Kaxatambo, einen größeren Ort in einem tiefen Tale, wiederum reich an Herden. Der Dorfschulze leistete den Spaniern allerlei Dienste. Man war noch drei Tagreisen vom verabredeten Ort entfernt. Hernando erfuhr, daß Tschalkutschima nach wie vor in Xauxa weilte, entschloß sich aber doch, zunächst besagten Treffpunkt zu erreichen.

Am 10. übernachtete man in Oyu, mitten in den Bergen; am 11. am Chinchay Cocha (4000 m hoch), einer 40 km langen und 15 km breiten Lagune. Am Mittwoch den 10. März traf man in Pombo ein. Mehrere peruanische Offiziere und Edelleute nebst einigem Kriegsvolk warteten hier. Hernando Pizarro ward ehrerbietig empfangen. Tschalkutschima war tatsächlich noch in Xauxa, hatte aber 150 Lasten Gold mitgeschickt.

Der spanische Hauptmann sprach seine Verwunderung über das Fernbleiben des Generals aus. Man erwiderte ihm, Tschalkutschima erwarte erst noch große Mengen Gold aus Kuzko. Offenbar aber hatte er die Absicht, sich der Macht Pizarros zu entziehen. Dies bestimmte Hernando, ihn in Xauxa aufzusuchen.

Freitags den 14. brach er auf und erreichte am 16. die Stadt Xauxa. Der General war abwesend. Erst am 17. stellte er sich ein. Aufgefordert vom spanischen Befehlshaber, ihm nach Kaxamalka zu folgen, brachte er allerhand Ausflüchte vor. Schließlich aber erklärte er sich dazu bereit.

Tag und Nacht blieben die Spanier in Gefechtsbereitschaft. Tag um Tag kamen Transporte von 30 bis 40 Lasten Gold und Silber an. Tschalkutschima, einer der tüchtigsten und tapfersten Feldherren Ata- huallpas, erfreute sich hohen Ansehens bei der Bevölkerung. Die alten Berichte fabeln, er habe zahlreiche Truppen bei sich gehabt. Wahrscheinlich aber war es nur eine geringe Bedeckung.

Am 21. März trat Hernando Pizarro den Rückmarsch an, begleitet von Tschalkutschima. Am 3. April übernachtete man in Huari, einem schwer zugänglichen and gut befestigtem Orte. Der General erzählte, hier habe während des Bruderkrieges ein mehrtägiges Gefecht stattgefunden, in dem Huaskars Heer geschlagen worden sei.

Erst am 25. Mai 1553 (am Pfingstsonntag) zog Hernando Pizarro mit aller seiner reichen Beute wieder in Kaxamalka ein.

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