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Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru

Arthur Schurig: Francisco Pizarro, der Eroberer von Peru - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Schurig
titleFrancisco Pizarro, der Eroberer von Peru
publisherCarl Reissner
year1922
firstpub1922
printrun1. - 3. Tausend
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051219
projectid14b39939
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XII

Es ist hier wohl angebracht, einiges Wenige über Land und Leute im alten Peru zu sagen.

Wie gelegentlich bereits erwähnt, haben dreizehn Inkakönige geherrscht, ehe Huaskar und Atahuallpa an die Herrschaft in Kuzko und Quito kamen. Diese dreizehn Inkas füllen die Zeit von etwa 1150 bis 1525. Der erste Fürst hieß Inka Manko Kapak. Der mächtigste und berühmteste ist wohl Inka Topak Yupanki, genannt der Große, gewesen, der von etwa 1450 bis 1480 regiert haben mag. Vor den Inkas soll es in Peru neunzig Könige aus einem andern Herrscherhause gegeben haben. So viel ist gewiß, daß vor der Kultur der Inka eine viel ältere bestanden und geblüht hat. Dies bezeugen monumentale Trümmer von Palästen, Tempeln und Festungswerken im Lande, die nach übereinstimmender Überlieferung zum mindesten ein Jahrtausend älter als die Bauten der Inkakönige sind. Was wir hiervon wissen, verdanken wir den Memorias antiguas historiales y politicas del Pirú (vollendet im Jahre 1642, gedruckt 1882) des Fernando Montesinos, die bis auf die Sintflut zurückgehen. Vieles, was er berichtet, ist Fabelei; hinwiederum hat er während seiner fünzehnjährigen Arbeit die besten Quellen benutzt, die heutzutage zum Teil verschüttet sind. Der älteste Chronist ist Pedro de Cieza de Leon; sein Werk ist bereits 1553 in Sevilla erschienen; ein Nachtrag kam erst 1880 zutage. Wichtig sind die Comentarios Reales de los Incas (Sevilla 1609) von Garcilasso de la Vega (geboren 1539 zu Kuzko; er war der Sohn eines Conquistadors und einer Inka-Prinzessin, einer Schwester vom König Huaskar). Erwähnt sei noch der Bericht von den Altertümern des Reiches Peru (1613) von Juan de Santacruz Pachacuti Yamqui, einem Ureingeborenen aus dem alten Geschlechte der Kollahua, einer durch die Inka entthronten Herrscherfamilie eines Indianerstammes in der Cordillera.

Zur Zeit des Einfalles der Spanier war das Reich Peru ein festgefügter kommunistischer Staat mit einem absolutistisch herrschenden Königshause. Heer, Priesterschaft und Beamtentum bildeten drei Pyramiden, die den Thron stützten. Jeder Privilegierte tat seine Pflicht wie eine gutgehende Uhr. Die Masse des Volkes arbeitete ebenso prompt und gewissenhaft, ohne irgendwelchen Druck zu empfinden. Je älter eine Kultur ist, um so mehr sind alle politischen Begriffe in Fleisch und Blut übergegangen. Jeder leistete, was er konnte, willig, froh und behaglich. Keiner mutete dem Andern etwas zu, was über dessen Kräfte gegangen wäre. Von einer gewissen Altersgrenze an hörte die Pflicht der Arbeit eines Jeden auf. Es bestand die allgemeine Wehrpflicht; das Heer ward von Berufsoffizieren geführt. Privateigentum gab es im Volke nicht. Was man erntete oder schaffte, ging zu bestimmten Teilen in die Vorratshäuser des Landes, Der Adel, sowohl der eingeborene, in seinen alten Rechten belassene, wie der eingewanderte höhere der Inkas, setzte seine Ehre darein, nach den Gesetzen und Bräuchen vorbildlich zu leben. Der König galt als ein höheres Wesen.

Die Inkas (König und Adel) bildeten eine dünne, aber gesunde und kraftvolle Oberschicht über eine Menge von allmählich unterjochten Stämmen, die, in den zahlreichen Tälern und Hochebenen lebend, ehedem nebeneinander bestanden hatten, vielfach ohne viel Berührung miteinander zu haben. Erst die Inkas verbanden die Stämme zu einem Volke, bauten die großen Heeresstraßen samt einem Netz von Nebenwegen, richteten die großartige Kanalisation ein, die selbst das ehedem unfruchtbare Küstenland in ein Paradies verwandelte. (Nach dem Einbruch der Spanier sind diese Verkehrs- wie Wasserwege nach und nach wieder verfallen; heute ist der Landstrich längs der Küste zumeist Einöde.)

Cieza de Leon erzählt: »Wenn ein Inka in Friedenszeiten sein Reich bereiste, so geschah dies unter Prunk und Pracht in einer kostbaren Sänfte. Um sie marschierte die Leibgarde, Bogenschützen und Lanzenträger, ihr voraus gegen 500 Schleuderer; ebensoviel bildeten die Nachhut. Die Offiziere waren bei ihren Truppen. Weit vorweg, auf den Haupt- wie auf den Seitenstraßen, eilten tüchtige und zuverlässige Läufer, die des Herrschers Ankunft verkündeten und diesem ihre Berichte über alles Nötige zurücksandten. Um den Inka zu sehen, strömte das Volk von überall her. Es sammelte sich auf den nahen Hügeln und Höhen. Beim Erscheinen des Königs begrüßte man ihn laut als Sohn der Sonne. Ehe der Zug kam, säuberte man die wohlgepflegte große Heeresstraße von allem, was der Zufall hingestreut hatte. Es durfte kein Strohhalm liegen bleiben. Der Inka legte täglich vier Leguas (etwa 25 km) zurück, selten mehr. An passenden Stellen ließ er halten, um sich über die Zustände des Landes zu vergewissern. Er hörte jeden freundlich an, der ihm in sauberer Kleidung irgendwelche Not und Klage vorbrachte. Jede Sache ward untersucht, der Übelstand beseitigt und der Schuldige bestraft. Die Soldaten des Zuges verließen niemals die Straße; sie betraten kein fremdes Haus. Nachtquartier fanden alle in den Tombas, in denen reichliche Vorräte ruhten. Dazu brachten die Bewohner naher Städte und Dörfer allerlei frische Nahrungsmittel. Männer, Weiber und Jünglinge standen überall in Menge bereit, den Dienst als Träger zu tun. In regelmäßigen Abständen warteten andre Trupps zur Ablösung. Man rechnete sich diese Leistung zur Ehre an.«

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