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Franciscéische Curiosa

Franz Gräffer: Franciscéische Curiosa - Kapitel 9
Quellenangabe
typetractate
booktitleFranciscéische Curiosa
authorFranz Gräffer
firstpub1849
year1849
publisherIgnaz Klang
addressWien
titleFranciscéische Curiosa
created20051112
sendergerd.bouillon
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Andreas Hofer im Parterre des Kärnthnerthor-Theaters.

»In den letzten Jänner- und ersten Februarstagen 1809 war Hofer mit seinen Gefährten versteckt bey des Erzherzogs Johann Hofbüchsenspanner, Ant. Stöger, auf der sogenannten Laimgrube. Stöger ging beym Ausbruch des Krieges mit biederer Aufopferung selbst nach Tyrol hinein, und scheute die Gefahr durchaus nicht. Erst jedes Abends hatte Hofer, dessen ungewohnte Kleidung und dessen bis auf den Gürtel reichender Bart ein Rudel Gassenjungen hinter ihm hergezogen hätte, seine Zwiesprache mit Hormayr im Archiv, oder in dessen Wohnung. zum vertraulichen Nachtessen (Nr. 155, Renngasse). – Eines Abends ließ der unvergleichliche Minister Stadion, unter dessen vertraute Arbeiter Hormayr gehörte, ihn plötzlich zu sich rufen und empfing ihn unter häufigem Tabakschnupfen und etwas stotterndem Eifer in ganz ungewohnter Entrüstung. – »Sie halten nicht Ihr Wort! Ihre Tyroler sollten ja versteckt bleiben und mir nicht Andreossy und Rechberg auf den Hals hetzen, und sie laufen überall herum« – »Euer Excellenz, es ist nicht wahr. Kein Tyroler bricht sein Wort.« – »Wie können Sie das sagen? – Ihr Bartmann oder Buschmann oder Sandwirth sitzt drüben im Kärtnerthor-Theater und zieht aller Augen auf sich.« – Hormayr rannte wie ein Besessener aus der Staatskanzley, über den Josephsplatz, ins Kärnthnerthortheater, und bewog den Billeteur durch ein gutes Trinkgeld, ihm »den ungarischen Viehhändler mit dem langen Bart« (so nannte Hormayr geflissentlich den Sandwirth, den er zu seinem größten Schrecken wirklich im ersten Parterre sitzen sah), wie der Vorhang dieses Actes fiele heraus zu rufen, und ihn ins Ohr zu sagen: – »der Landsmann mit dem Wein und mit den Pferden sei angekommen und müsse ihn auf der Stelle sprechen; weiter wisse er nichts.« – Langsam und ungern, mit großer Lust zu vielen Fragen, folgte Hofer, kopfschüttelnd und treuherzig grüßend. – Hormayr am Eingang, hinter einem Pfeifer versteckt, trat jetzt einen Augenblick hervor und winkte ihm heftig, zu folgen. Das that Hofer auch, wiewohl ungern und langsam.. Als ihn Hormayr vor dem Eingang auf der Straße hatte, sprach er erst, und sagte heftig: »Aber Andrel (Andreas), die Tyroler halten sonst Wort, und Du hast mir in die Hand versprochen, Dich sorgfältig verborgen zu halten und läufst jetzt in Deinem Aufzug und mit Deinem bartigen Rüssel daher, um die Operntriller zu hören und zu sehen, weil sie im Ballet die Beine ausstrecken??« – »Ich habe nichts versprochen (erwiederte Hofer), als mich niemahls bey Tage irgendwo sehen zu lassen, aber jetzt ist es ja schon immer zwischen 4 und 5 Uhr stockrabenfinster.« – Hormayr hatte gut reden, das alte Naturkind auf den Zweck der Verborgenheit hinzulegen. – Er fragte nur immer: – »Ja wo ist denn aber der Landsmann mit den Pferden und mit dem Wein?« – und als Hormayr dem Erstaunten wieder lang und breit erklärte: – das sey ja nur eine Finte gewesen, ihn schnell aus dem Theater heraus zu bringen, meinte er: »– Aber jetzt könne er doch wieder hinein gehen, und sich auf seinen Platz setzen, denn er habe für das ganze Stück bezahlt und jetzt schon Viel davon versäumt, und zuletzt würden sie ihm bey der Kassa keinen Heller für das Versäumte herausgeben wollen.« – Höchst ungeduldig schleppte ihn Hormayr durch Regen und Schneegestöber zum Abendessen mit sich nach Hause.« (»Lebensbilder aus dem Befreyungskriege &c.;« in der That eine meisterhafte, ergreifende Schilderung. Das heißt zeichnen, das heißt: Lebensbild. »Das alte Naturkind!!«)

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