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Flugzeuggedanken

Joachim Ringelnatz: Flugzeuggedanken - Kapitel 6
Quellenangabe
typepoem
booktitleFlugzeuggedanken
authorJoachim Ringelnatz
firstpub1929
year1929
publisherErnst Rowohlt Verlag
addressBerlin
titleFlugzeuggedanken
created20050217
sendergerd.bouillon
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Joachim Ringelnatz

Ein Freund erzählt mir

                    »Ich sah auf der Wiese –– Oskar ist Zeuge –
Eine Dame sich aus der Kniebeuge
Langsam erheben
Und vor ihr etwas wie Segeltuch schweben.
Eine tausendköpfige Menge gafft
Nach dieser Lady in Hosen aus Loden.
Dann, langsam, bläht sich das Segel und strafft
Seine Taue. Die ziehen die Dame vom Boden.
Und hoch in die Wolken. Grotesk anzuschauen.
Das Weib schwebt unter dem Schirm an den Tauen.
Dann schließt sich der Schirm, aber trägt dennoch sie
Höher und höher, man weiß gar nicht, wie.
Dann zeigt sich ein Flugzeug. Die Tür der Kabine
Steht offen, und aus der Öffnung sieht
Ein Mann mit einer Ringelnatzmiene.
(Es gibt doch wahrhaftig nicht viel solcher Nasen!)
Und wieder plötzlich – nein, alles geschieht
Ganz langsam –– also unplötzlich neigt
Der Schirm sich nach unten. Die Dame steigt
Fußoberst weiter. Und solchermaßen,
Im Bogen, schweben der Schirm und die Dame
Ins Flugzeug hinein. Und sie oder du,
Einer von euch schlägt die Türe zu.«

 

Film. Rückwärts gedrehte Zeitlupenaufnahme.

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