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Flucht aus Buddhas Gesetz

Ravi Ravendro: Flucht aus Buddhas Gesetz - Kapitel 8
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typefiction
authorRavi Ravendro
titleFlucht aus Buddhas Gesetz
publisherWegweiser-Verlag G.m.b.H. Berlin
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6

Weit außerhalb, an der Peripherie der großen, geschäftigen Millionenstadt lag an der Windmill Road das englische Krankenhaus. Der Lärm des Alltags drang nicht bis dorthin: nur schwach tönten die Dampfsirenen der Schiffe herüber, wenn sie den Menam-Strom zum Meer hinab- oder nach Bangkok hinauffuhren.

Von Osten nach Westen zog sich das langgestreckte Gebäude auf einer kleinen Anhöhe hin, so daß der erfrischende Monsunwind die Zimmer ungehindert durchstreichen konnte. Er wehte von der See her und milderte die Glut der Nachmittagssonne. Um die Hitze noch mehr abzuwehren, waren die Innenräume von allen Seiten mit schattigen Veranden umgeben.

Plötzlich klang von fernher leise das surrende Geräusch eines kochenden Motors durch die Stille, aber bald wuchs es mit unheimlicher Geschwindigkeit an, und gleich darauf sauste ein blauer Farbfleck knatternd und ratternd die Straße entlang.

Warwick Warbury ruhte in einem bequemen, rattangeflochtenen Liegestuhl auf der Veranda vor seinem Krankenzimmer. Über der Stirn trug er einen großen, weißen Verband. Das Getöse der Auspuffklappe riß ihn aus dem Schlaf, obgleich er sich unbewußt gegen das Erwachen wehrte. Wie Pistolenschüsse klangen die Fehlzündungen.

Zwei Krankenschwestern eilten bestürzt aus ihren Räumen heraus und beugten sich über das Geländer, um zu sehen, was es gäbe. Warwick blinzelte nur und schloß die Augen gleich wieder, als das Geräusch verstummte. Behutsam traten die Schwestern von der Veranda zurück.

In der Tür begegnete ihnen einer der weißgekleideten Chinesenboys. Er ging auf weichen, lautlosen Filzsohlen und wollte melden, daß ein fremder Herr zu Besuch käme.

Aber Ronnie wartete nicht erst lange auf Bescheid, er folgte dem Boy auf dem Fuße. Im nächsten Augenblick stand er auf der Veranda und winkte seinem Freunde vergnügt zu.

»Na, alter Junge, endlich wird man einmal auf zehn Minuten bei dir zur Audienz vorgelassen! Es ist ja beinahe so schwer, wie wenn man den König von Siam selbst sprechen wollte! Wie geht es denn mit dir? Unten habe ich bereits den neuesten Gefechtsbericht über deine Krankheit gehört. Du hast dich ja in den letzten sieben Tagen mächtig herausgemacht!«

Ronnie hatte recht. Trotz der vielen Verletzungen und des schweren Blutverlustes hatte sich Warwick verhältnismäßig gut erholt und sogar schon wieder etwas Farbe bekommen.

»Ach, Ronnie, du hast den Höllenspektakel mit dem Motorrad gemacht und das ganze Krankenhaus aus dem Nachmittagsschlaf aufgestört?« erwiderte Warwick mit leisem Unmut, da es nun endgültig mit seiner Ruhe vorbei war.

»Blaublitz hat also seinen Eindruck auf dich nicht verfehlt?«

»Wer ist denn Blanblitz?« fragte Warwick müde und tastete mit der Hand nach dem Verband an der Stirn.

»Mein neues Motorrad, auf dem ich eben mit Windeseile hierhergeflogen bin. Blau ist doch die Königsfarbe – der Name bringt also symbolisch zum Ausdruck, daß Blaublitz der König aller Motorräder ist.«

Die Schwestern hatten sich zurückgezogen, und Ronnie nahm auf dem Korbsessel Platz, den der Boy neben das Krankenlager schob.

»Aber nun erzähle doch einmal, wie es dir geht, Warwick.«

»Die Sache ist ganz gut abgelaufen. Außer dem Schnitt in der Stirne und einigen kleinen Kratzern an Armen und Händen habe ich mir nur das Rückgrat geprellt oder verstaucht. Aber das soll ja bald vorübergehen, wie der Arzt sagt. Ich fühle mich nur furchtbar müde im Kopf und könnte immer schlafen.«

»Nun, dazu hast du ja auch genügend Zeit. Bei den Siamesen mußt du übrigens als ein großes Tier gelten, da sich der Leibarzt des Königs dauernd um dich kümmert. Im Klub sprechen alle darüber und sagen, daß dergleichen früher noch nie vorgekommen ist.«

»Ja, ich wundere mich selbst, daß Pra Nivet jeden Tag dreimal kommt, obwohl mein Zustand doch wirklich nicht mehr gefährlich ist.«

»Ich kann dir verraten, warum er sich solche Mühe gibt – Prinzessin Amarin steckt dahinter. Sie schickt ihn, denn sie ist mächtig um dich besorgt. Hätte nie gedacht, daß ein Siamesenmädel so nett und lieb sein kann.«

Warwick antwortete nicht. Er lag still und ruhig in den Kissen, und das feingeschnittene Profil seines Gesichtes hob sich scharf von ihrem blendenden Weiß ab.

Auf einem Tisch standen große Vasen mit zauberhaft blühenden Orchideen. Ronnie bewunderte sie und nickte befriedigt.

»Du wirst ja von deiner hohen Gönnerin verwöhnt, als ob du der letzte Häuptling einer aussterbenden Indianerrasse wärst!« Er sog den Duft der herrischen Blumen ein. »Weißt du, wenn ich das gewußt hätte, wäre ich nicht vom Auto abgesprungen. Dann läge ich jetzt auch als Held im Krankenhaus und könnte mit dir um die Wette die Sonne ihrer Huld auf mich niederscheinen lassen. Die Prinzessin gefällt mir wirklich zu gut. Vor ein paar Tagen habe ich sie in einem Tempel getroffen, und wir haben auch über dich gesprochen.«

Er machte eine kleine Pause, um die Wirkung seiner letzten Worte zu beobachten, aber die Züge seines Freundes verrieten ihm nichts.

»Ich hatte gerade die Fußsohlen des riesigen schlafenden Buddhas im Wat Po fotografiert«, erzählte er weiter. »Du weißt schon, all die eingelegten Perlmuttfiguren. Das gibt glänzende Illustrationen für mein Buch! Der schlafende Buddha ist ein Prachtkerl – über vierzig Meter lang und am Kopfende mit der Bekrönung achtzehn Meter hoch –, ich sage dir, irrsinnig interessant! Weißt du eigentlich, wieviel Bilder es sind und was sie zu bedeuten haben? Es sollen fünfhundertundfünfundfünfzig Darstellungen der verschiedenen Existenzen Buddhas sein. Ich habe aber nachgezählt und auf beiden Sohlen zusammen nur dreihundertundachtundvierzig gefunden. Aber das ist ja nicht so wichtig, ich wollte dir doch von der Prinzessin erzählen.«

Auch Warwick hatte sich in Gedanken oft mit Amarin beschäftigt, und er freute sich, von ihr zu hören; aber er wollte es nicht zeigen.

»Sie hat sich sehr eingehend nach dir erkundigt«, fuhr Ronnie eifrig fort. »Vor allem wollte sie wissen, wie es dir geht, ob du Schmerzen hast, und wie lange du noch im Krankenhaus bleiben mußt. Darüber konnte ich ihr natürlich wenig sagen, aber ich habe ihr dann zur Entschädigung erzählt, was für ein großartiger Junge du in Cambridge warst, wie tadellos du boxen kannst und so weiter. Sie kann sich jetzt genau vorstellen, wie wunderbar du einen Kinnhaken landest – so wunderbar, daß dein Gegner wie ein Mehlsack zu Boden plumpst und nicht mehr Piep sagt.«

Warwick sah ihn ärgerlich an.

»Du bist immer noch der alte Windhund! Mit Damen unterhält man sich doch von anderen Dingen. Prinzessin Amarin interessiert sich sicher nicht dafür.«

»Oh, Sie hat aber sämtliche Ohren gespitzt! Sie hat auch noch von mir erfahren, daß du damals im Achter mitrudertest, als Cambridge das Bootsrennen gewann. Du erinnerst dich doch noch? Dieser hochmütige Surja war auch dabei. Weiß der Teufel, was mit dem Kerl los ist. Gestern sah ich ihn im Oriental-Hotel und wollte zu ihm gehen, um ihm kameradschaftlich auf die Schulter zu klopfen, aber er grüßte nur kühl von weitem und drückte sich dann!«

»Kameradschaftlich kannst du Prinz Surja hier in Bangkok auch nicht behandeln. Das wollte ich dir schon neulich sagen. Ich habe mich ganz von ihm zurückgezogen, und ich rate dir nur, dasselbe zu tun. Er hat ein überspanntes Selbstbewußtsein und Ehrgefühl, und der Verkehr mit ihm ist nicht angenehm.«

»Mag sein. West ist eben West, und Ost ist Ost!« deklamierte Ronnie.

»Surja ist durch und durch Asiate. Nach außen hin benimmt er sich vollkommen korrekt gegen uns, im Innersten aber haßt er die Europäer. Ein gefährlicher, chauvinistischer Heißsporn, der die Entwicklung des modernen Siam überstürzen möchte. In England hielten wir ihn für einen offenen Charakter, aber hier habe ich immer das Gefühl, daß er hinterhältig und falsch ist wie eine Katze. Er ist auch einer der rührigsten Vertreter der panasiatischen Partei. Man sagt ihm außerdem nach, daß er Haschisch raucht, bisher habe ich aber noch keinen direkten Beweis dafür bekommen. Geh ihm also aus dem Weg, so weit du kannst!«

»Irrsinnig interessant! Natürlich werde ich deinen Rat befolgen. Ich muß jetzt aber noch weiter von meiner Unterhaltung mit der Prinzessin berichten. Daß du ein großer Sportsmann bist, hat ihr mächtig imponiert. Ich habe ihr aber auch gesagt, welch ein urfideles Haus du sein kannst und wie wir vor Jahren unsere Siege immer feierten, bis uns die Polizei auf die Wache schleppte!«

»Aber Ronnie, wie kannst du nur so boshaft aus der Schule plaudern!«

»Ich weiß gar nicht, warum du dich aufregst! Die Prinzessin hat dauernd gelacht und immer noch mehr wissen wollen. Und zum Schluß hat Sie mir kräftig die Hand geschüttelt.«

»Man müßte dich wirklich an die Kette legen!«

Ronnie fühlte sich nicht im mindesten gekränkt, denn er war seit langer Zeit an Warwicks Zurechtweisungen gewöhnt.

»Natürlich habe ich auch gebeichtet, wie alt du bist, wann du Geburtstag hast, und daß du jetzt glücklich verlobt bist.«

»Das ist die Höhe! Du hast mir doch versprochen, darüber zu schweigen!«

»Na, so ein guter Kamerad wie die Prinzessin darf es doch wohl wissen. Du hättest nur sehen sollen, wie sie sich um dich ängstigte, als du bewußtlos auf der Veranda lagst!«

»Über meine Verlobung hättest du auf keinen Fall sprechen dürfen!«

»Ich habe das aber für sehr richtig gehalten. Sie hat großes Mitleid mit dir, und daraus entwickeln sich leicht tiefere Gefühle. Als Psychologe habe ich sie deshalb aufgeklärt, und nun weiß sie wenigstens, woran sie ist. Es hätte doch gar keinen Zweck, daß sie sich erst in dich verliebt. Dann würde das arme Mädchen nur unglücklich werden, und dazu ist sie viel zu schade!«

Warwick zog unwillig die Augenbrauen zusammen. Er war ernstlich böse auf Ronnie. Aber was half alle Entrüstung? Man mußte ihn eben nehmen, wie er war. Unwillkürlich schüttelte er den Kopf, hielt aber in der Bewegung inne, weil die Wunde noch schmerzte.

»Sag mal, willst du nicht heiraten, solange ich noch in Bangkok bin? Dann könntest du doch die Prinzessin zur Hochzeit einladen. Ich würde einen großartigen Tischherrn für sie abgeben. Das mußt du dir unbedingt überlegen. Aber nun will ich dir auch noch ein wenig von mir selbst erzählen. Ich habe in der Zwischenzeit fabelhaft viel Siamesisch gelernt. Das ist wirklich eine ulkige Sprache!«

Verzweifelt ließ Warwick den Redestrom seines Freundes über sich ergehen.

»Die Sache ist kinderleicht. Zum Beispiel heißt ›nam‹ das Wasser, ›nom‹ die Brust, und ›nam nom‹ bedeutet Wasser der Brust oder Milch. ›Da‹ das Auge – ›nam da‹ Wasser des Auges oder Träne. ›Djai‹ das Herz – ›nam djai‹ Wasser des Herzens oder Wille. Eine primitive, aber doch sehr bildhafte Ausdrucksweise. Das lernt man ja alles im Handumdrehen. ›Me‹ die Mutter – ›Menam‹ Mutter des Wassers oder Fluß. ›Menam‹ bedeutet also eigentlich nichts anderes als Strom – der Strom. Wie die Leute die verschiedenen Worte und Begriffe zusammenbauen, ist irrsinnig interessant. Wenn ich noch einen Monat hier bin, spreche ich fließend siamesisch!«

Warwick lächelte nachsichtig.

»Ja, die Anfangsgründe sind leicht«, gab er zu, »aber im ganzen genommen ist es eine der schwersten Sprachen, beinahe ebenso schwer wie das chinesische, mit dem es übrigens große Verwandtschaft hat. Wenn du erst einmal zu den fünf verschiedenen Betonungen jeder Silbe kommst, wird dir die Sache nicht mehr so einfach erscheinen! Je nach ihrer Betonung hat nämlich jede Silbe eine andere Bedeutung.«

»Ach, darauf lasse ich mich vorläufig nicht ein. Es genügt mir, wenn ich weiß, aus welchen Buchstaben die kurzen Worte bestehen, und alles Weitere wird mit der Zeit schon von selbst kommen.«

»Nun ja, du kannst es ja mit der Methode versuchen. Aber ich glaube, auf die Weise wirst du die Sprache niemals beherrschen lernen.«

Schwester Mary kam herein und meldete Mr. Breyford. Sie war froh, daß sie die Unterhaltung unterbrechen konnte. Ronnie hatte zwar zu Anfang leise gesprochen, sich zuletzt aber immer mehr ereifert und begeistert, und sie sah, daß die Unterredung Warwick angestrengt hatte.

Ronnie stand auf.

»Dann muß ich mich wohl verabschieden. Schade! Aber es geht dir ja gut, und ich komme bald wieder, um dir zu berichten, wie es auf dem allgemeinen Kriegsschauplatz aussieht.«

Warwick seufzte leise.

Kurz nachdem Ronnie die Veranda verlassen hatte, erschien Mr. Breyford, der etwa fünfzig Jahre zählen mochte. Er war nicht ganz so groß wie Warwick und neigte etwas zur Korpulenz. Herzlich reichte er dem Patienten die Hand und lächelte ihn freundlich an.

»Nun, mein lieber Warwick, das war ja ein böses Abenteuer – beinahe hättest du die Tante des Königs überfahren!« Lachend drohte er mit dem Finger. »Ganz Bangkok ist über deinen Unfall in Aufregung geraten, und die Presse hat ellenlange Artikel gebracht. Ich habe einen mitgenommen, damit du es selbst lesen kannst.« Er legte eine Zeitung auf den Tisch. »Der Redakteur stellt dich als großen Helden hin, der sich für die beiden Prinzessinnen geopfert hat.«

»Ach, die Leute müssen immer etwas zu reden haben.« Unwillkürlich spannten sich Warwicks Züge und wurden schärfer wie stets, wenn ihm etwas unangenehm war.

»Mache kein böses Gesicht deshalb!« Breyford fuhr sich mit dem Taschentuch über die auffallend helle Stirne und die dünnen, dunkelblonden Haare. Trotz des langen Aufenthaltes in den Tropen war er nicht von der Sonne gebräunt, hatte aber doch eine gesunde Farbe. »Selbst Prinz Murapong hat mich besucht, um sich nach deinem Befinden zu erkundigen. An deiner Stelle würde ich mich ruhig in der Gunst des Publikums sonnen. Man muß die Feste eben feiern, wie sie fallen. Übrigens kommt dein Abenteuer der Firma als Reklame sehr zustatten, und das können wir bei den schweren Zeiten gut gebrauchen, besonders da die Japaner jetzt als immer ernstere Konkurrenten auftreten.«

»Gewiß, man kann die Sache auch von der Seite ansehen«, erwiderte Warwick resigniert.

»Ich sprach auch Pra Vanit, den ich vor ein paar Tagen im Dusit-Hotel traf.«

Warwick horchte interessiert auf.

»Sind die neuen Flugzeuge aus Japan eingetroffen?« fragte er schnell.

»Ja. Vanit hat dich sehr vermißt. Er sagte, daß er die ersten Probeflüge am liebsten mit dir zusammen gemacht hätte.«

»Hast du Einzelheiten über Geschwindigkeit und Bauart von ihm gehört?«

»Darüber spricht er doch nicht mit mir! Außerdem bin ich ja auch nicht genügend im Bilde.«

»Vanit ist zum Glück einer der wenigen, die sich nicht von der neuen Japanmode gefangennehmen lassen.«

»Das stimmt. Aber meinst du nicht auch, daß die Jungsiamesen recht haben, wenn sie sich an Japan anlehnen statt an England? Ich bin immer dagegen gewesen, daß wir hier draußen unseren Kolonialbesitz dauernd vergrößern. Natürlich war es notwendig für uns, daß wir im letzten Birmanenkrieg ganz Oberbirma eroberten, denn dadurch haben wir uns die Freundschaft Siams erworben. Aber da hätten wir haltmachen sollen! Die Siamesen wären in dem Fall unsere Bundesgenossen geblieben und hätten nie daran gedacht, sich den Japanern in die Arme zu werfen. Jetzt stehen sie uns feindlich gegenüber und wollen alle ihre früheren Provinzen und die malaiischen Staaten zurückhaben. Siam hat ein gutausgebildetes Heer, das schon im Frieden ebenso stark ist wie alle Truppenkontingente, die wir in Indien unterhalten. Und daß die Leute über eine ausgezeichnete Luftwaffe verfügen, weißt du ja besser als ich.«

Warwick entgegnete nichts darauf, denn er wollte nicht auf dieses alte Lieblingsthema Breyfords eingehen.

Breyford merkte es auch sofort und lenkte selbst das Gespräch vom Politischen ab.

»Ich bringe übrigens gute Nachricht für dich mit, über die du dich sicher freuen wirft.«

Warwick sah ihn erwartungsvoll an.

»Nach unserem Vertrag würdest du doch erst nach zwei Jahren Teilhaber der Firma werden. Da du dich aber mit Evelyn verlobt hast, will ich dich schon jetzt als gleichberechtigten Partner aufnehmen.«

Warwick drückte ihm erfreut die Hand. Trotz des Altersunterschiedes bestand zwischen den beiden Männern ein aufrichtig freundschaftliches Verhältnis.

»Ich habe deinen Unfall sofort Evelyn gedrahtet«, fuhr Breyford fort.

»Das hättest du nicht tun sollen«, sagte Warwick müde. »Warum muß denn die ganze Welt rebellisch gemacht werden, wenn ich mir ein paar Schrammen hole?«

»Ich kenne Evelyn. Heute hatte ich einen Telegrammwechsel mit London. Evelyn kommt in drei Monaten mit dem Dampfer nach Bangkok. Wir könnten dann eure Verlobung bekanntmachen und noch in diesem Sommer die Hochzeit feiern.«

Breyford bemerkte, daß Warwick plötzlich auffallend bleich wurde, und er machte sich Vorwürfe, daß er ihm die letzten Nachrichten so unvermittelt mitgeteilt hatte. Der Gesundheitszustand des Patienten schien doch noch nicht gefestigt genug zu sein. Die Schwester hatte ja auch gebeten, den Besuch auf den nächsten Tag zu verschieben, und Breyford sagte sich, daß er ihrem Rat hätte folgen sollen. Als er sah, daß Warwick die Augen schloß, verließ er leise die Veranda.

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