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Flucht aus Buddhas Gesetz

Ravi Ravendro: Flucht aus Buddhas Gesetz - Kapitel 40
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typefiction
authorRavi Ravendro
titleFlucht aus Buddhas Gesetz
publisherWegweiser-Verlag G.m.b.H. Berlin
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38

In der Nähe der Mündung des Meklong lag am Flußufer eine Gendarmeriestation. Ein junger Offizier, der erst vor kurzem aus der Hauptstadt hierher versetzt worden war, führte das Kommando, und die Funksprüche, die ihn spät am vergangenen Abend erreicht hatten, weckten seinen Tatendrang. Er war ehrgeizig und hatte die Absicht, sich auszuzeichnen. Hier bot sich nun eine günstige Gelegenheit, seinen Diensteifer zu beweisen.

Es war leicht möglich, daß sich die Flüchtlinge von Bangkok aus nach Westen gewandt hatten und in seinem Bezirk versteckt hielten. Verkehrswege bestanden im südlichen Siam ja nur aus Kanälen; Landstraßen gab es hier nicht. Und eine Flucht zu Fuß über die Reisfelder hatte keine Aussicht auf Erfolg.

Schon am frühen Morgen schickte er verschiedene Patrouillenfahrzeuge aus, um die umliegenden Kanäle abzusuchen. Drei Motorboote behielt er zur Reserve, vor allem das große neue, das mit Maschinengewehren ausgerüstet war, und mit dem er die Flußmündung und die Küste überwachte.

Während er in seinem Büro saß und Schriftstücke durchsah, kam der Funker der Station herein und überreichte ihm ein Telegramm.

»Warbury noch nicht verhaftet. Erhöhte Alarmbereitschaft in allen Küstenstationen angeordnet. Palastministerium setzt Geldprämie von tausend Tikal auf Ergreifung aus.«

Nach kurzer Überlegung ging er in das äußere Büro, teilte seinen Leuten die Nachricht mit und ließ alle drei Boote klarmachen. Er selbst bestieg das größte und fuhr langsam damit zum Meer, wo er in der Nähe der Mündung kreuzte.

*

Unter den überhängenden Wedeln großer Wasserpalmen lag der »Delphin« wohlverborgen in der Mündung des Meklong. Hell strahlte die Sonne. Noch währte die kurze Zeitspanne, in der der junge Morgen kristallklar über dem breiten Strom stand, und die brütende Hitze das Leben in der Natur noch nicht erschlafft hatte.

Mit Kühnheit und Geistesgegenwart hatte Warwick im Augenblick höchster Gefahr das Schicksal gemeistert, und das große Wagstück gelang, den »Delphin« im tosenden Orkan landwärts zu wenden. Um fünf Uhr, als der Morgen graute, passierte er die Barre vor dem Meklong und kam in stilleres Fahrwasser. Die Macht des Unwetters brach sich, als er den Fluß hinauffuhr und den gegen jede Sicht geschützten Ankerplatz fand.

Die Schrecken der furchtbaren Sturmnacht hatten Amarin zermürbt, und sie blieb still und in sich gekehrt. Nachdem die Luft sich erwärmt hatte und die Kleider getrocknet waren, kam die Reaktion auf die aufregenden Stunden. Sie wurde müde und legte sich in der kleinen Kabine nieder. Auch Warwick konnte sich bis zu Evelyns Ankunft noch einige Stunden Ruhe an Deck gönnen.

Das Ufer war hier mit undurchdringlichem Gestrüpp bewachsen, und große Palmwedel wölbten sich über dem Boot, so daß es wie in einer natürlichen Höhle lag.

Auf dem Fluß herrschte schon lebhaftes Treiben. Da die See sich mehr und mehr beruhigte, fuhren die Fischerboote wieder zum Fang hinaus.

Kurz nach neun erwachte Warwick vom Rasseln des Weckers, den er neben sich auf das Verdeck gestellt hatte. Mit dem großen Bootshaken schwang er sich ans Ufer, wo er im Morast einsank. Mühsam bahnte er sich mit dem Buschmesser einen Weg durch das Gestrüpp.

Die heimtückischen Stacheln der langen Palmwedel hemmten ihn und zerrissen ihm Kleider und Haut, so daß er nur langsam vorwärts kam. Schließlich hatte er sich durch den Dschungel hindurchgearbeitet, und als er ins Freie trat, fiel sein Blick auf mehrere hohe Zuckerpalmen, die in der Nähe auf den Reisfeldern standen. An der einen hatten die Bauern eine Art Sprossenleiter aus Bambusstöcken angebracht, um den Palmsaft an der Krone besser abzapfen zu können.

Vorsichtig sah er sich um, und da niemand in der Nähe war, schwang er sich kühn von Sprosse zu Sprosse. Von oben aus hatte er einen wunderbaren Rundblick. Er schaute auf die Uhr – zwanzig nach neun. Der »Meteor« mußte jetzt jeden Augenblick am Horizont im Osten auftauchen. Nach dem Gewitterregen war die Luft hell und klar, und er hatte eine ungewöhnlich gute und weite Sicht. Aber er wurde unruhig, als Minute auf Minute unaufhaltsam verrann. Nervös suchte er mit dem Glas immer wieder den Himmel ab. Auf Evelyn konnte er zählen – was mochte nur geschehen sein, daß sie nicht kam?

Er hatte keine farbigen Gläser, und seine Augen schmerzten, denn die Sonne brannte mitleidlos hernieder. Da er nicht dauernd ins Helle schauen konnte, betrachtete er seine nächste Umgebung. Vor der Mündung des Flusses fuhr ein großes Motorboot langsam die Küste entlang, und als er sein Glas genauer darauf einstellte, erkannte er Uniformen. Sicher hielten die Gendarmen schon nach ihm Ausschau.

Vor der Mündung brandete die Dünung immer noch ziemlich stark: dort konnte Evelyn nicht niedergehen. Sie mußte im Fluß landen. Nachdem er den Sturm glücklich überstanden hatte, hoffte er nun, daß die Flucht gelingen würde. Mit Evelyns Hilfe hatte er bestimmt gerechnet, und niedergeschlagen dachte er daran, was er beginnen sollte, wenn sie nicht käme. Proviant hatte er allerdings für mehrere Tage, und die Benzintanks waren noch gut gefüllt: aber vor Einbruch der Dunkelheit konnte er nichts unternehmen.

Böse Gedanken quälten ihn. Er überlegte einen Plan nach dem anderen und verwarf alle wieder. Eine Fahrt den Meklong stromauf bis in die Nähe der birmanischen Grenze war sehr gewagt, und sicher konnte er auch mit dem »Delphin« nicht weit genug nach Norden vordringen. Er kam höchstens bis Raheng. Dort oben, dicht an der Grenze, lagen Teakholzstationen der Firma Breyford, aber er wußte nicht, ob er den Angestellten trauen durfte.

Die glühenden Sonnenstrahlen machten ihn matt und müde. Noch einmal suchte er prüfend mit dem Glas den Horizont ab, dann stieg er entmutigt hinunter.

Er hatte Mühe, Amarin zu beruhigen, die immer ängstlicher wurde.

Bald mußte die Flut ihren Höhepunkt erreichen, was für eine Flußlandung des »Meteor« günstig war. Nach kurzer Rast stieg er wieder auf seinen Beobachtungsposten. Diesmal hatte er auch die Leuchtpistole mitgenommen. Sie hatten vergessen ein Signal zu verabreden, aber sicher würde Evelyn verstehen, wenn er ihr mit Leuchtkugeln angab, an welcher Stelle der »Delphin« ankerte.

Das Gendarmerieboot näherte sich wieder der Mündung des Flusses. Die Beamten würden allerdings durch Leuchtkugeln auch auf ihn aufmerksam werden.

Seine Stimmung wurde düsterer. Die Wunde in der Schulter und die kleinen Risse brannten, die ihm die Stacheln der Palmen beigebracht hatten. Verzweifelt hielt er Ausschau, aber still und unbeweglich lag die Landschaft im Sonnenschein. Nichts rührte sich in der Mittagsglut, selbst die buntschillernden Falter und Insekten schienen ausgestorben zu sein.

*

Als Evelyn am Morgen kurz nach acht auf dem Flughafen erschienen war, war noch nichts für ihren Abflug vorbereitet, obwohl sie sich schon zeitig telefonisch angemeldet hatte. Um noch die Morgenkühle auszunützen, wählte Sie die frühe Stunde, ehe die Tropensonne mit ihrem Gluthauch die Erde quälte.

Der Leiter des Flugplatzes war noch nicht erschienen, und ohne seine Starterlaubnis durfte sie nicht aufsteigen. Sie glaubte, daß böser Wille vorläge, daß man sie verdächtigte und ihren Plan vereiteln wollte.

Zunächst sorgte sie dafür, daß die Benzintanks des »Meteor« vollständig aufgefüllt wurden.

Um dreiviertel neun kam endlich der Offizier, der das Kommando über den Flugplatz führte. Er war sehr höflich zu ihr, gab sich aber alle Mühe, sie von ihrer Absicht abzubringen, als sie ihm erklärte, daß sie einen Übungsflug nach Prapatom und Petchaburi in westlicher Richtung unternehmen wolle.

Inzwischen rollten die Startmannschaften das Flugzeug an das obere Ende der Fahrbahn. Wieder tauchten Schwierigkeiten auf. Ein Mechaniker ließ die Motoren an, um sie vor Beginn des Fluges zu prüfen, meldete aber nach einiger Zeit, daß der eine nicht die genügende Tourenzahl mache. Evelyn fürchtete wieder, daß dies nur ein Vorwand sei, sie zurückzuhalten. Ihrem eigenen Mechaniker hatte sie Urlaub gegeben.

Währenddessen waren mehrere Fliegeroffiziere erschienen, und es herrschte reges Treiben. Endlich hatte der Mann die Zündung des Motors so weit in Ordnung gebracht, daß Evelyn aufsteigen konnte. Ihre Befürchtungen waren also grundlos gewesen.

Obwohl alle sehr hilfsbereit und liebenswürdig gegen sie gewesen waren, startete sie mit einer Verspätung von mehr als anderthalb Stunden. Erst kreiste sie einige Male über dem Flugplatz, um die nötige Höhe zur Orientierung zu erreichen, dann flog sie in gerader Richtung nach Westen davon.

Der Flugplatzleiter und die Offiziere sahen ihr noch lange nach.

Der silberne »Meteor« glänzte in der Sonne und war in der klaren Luft auf große Entfernung deutlich sichtbar.

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