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Fluch der Schönheit

Hermann Heiberg: Fluch der Schönheit - Kapitel 3
Quellenangabe
authorHermann Heiberg
titleFluch der Schönheit
publisherBuchverlag fürs Deutsche Haus
year1908
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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Vorwort

Hermann Heiberg begann seine dann so fruchtbare literarische Tätigkeit erst als Vierzigjähriger. Seine ersten Novellen erschienen im Jahre 1881 unter dem Titel: »Aus den Papieren der Herzogin von Seeland«. Es war die Zeit, in der sich in der deutschen Literatur die neue Kunst realistischen Schauens und Denkens bildete, und Hermann Heiberg ist einer ihrer besten, aber gemäßigten Vertreter.

Mit dem Blick des Poeten die Wirklichkeit zu sehen und zu schildern, dazu mußte Neigung und Talent besonders einen Schriftsteller drängen, der erst spät, nach reichem Erleben und kräftiger Arbeit, Menschen und Schicksale für andere zu malen unternahm.

Hermann Heiberg wurde am 17. November 1840 in Schleswig geboren. Sein Vater, Karl Friedrich Heiberg, war Rechtsanwalt, mit dem Titel des juristischen Doktors, und befaßte sich neben seinen Berufsgeschäften lebhaft mit Politik. Seine Mutter entstammte dem gräflichen Hause Baudissin-Knoop; sie gab in hohem Alter ein interessantes Bändchen »Erinnerungen« heraus, die in die literarischen Kreise um Tieck führen.

In seinem Elternhaus verlebte Heiberg eine fröhliche und ungebundene Jugend. Er war kein Musterknabe, zu verwegenen Streichen aufgelegt und trieb Sport und Spiel mit demselben Eifer wie heimliche und oft kaum verstandene Lektüre. Der Dichter Heiberg schildert später gerne Knabenstreiche und Knabenschicksale und hat wohl besonders in die köstlichen Geschichten »Aus Felix' Knabenzeit« viel von seinen eigenen Jugenderinnerungen hineingelegt.

In den Flegeljahren entwickelte sich Hermann Heiberg, der durch eine schwere Krankheit überhaupt stiller geworden war, zum richtigen Bücherwurm. Die Lesewut hat ihm, dessen Natur durchaus jungenhaft gesund war, aber nicht geschadet. Auch das Theater erprobte in jener Zeit zum erstenmal seine Wirkung auf das empfängliche Gemüt des Knaben.

Nach Absolvierung des Gymnasiums trug sich der junge Heiberg mit der Absicht, sich wie sein Vater dem Studium der Rechte zu widmen. Ein politischer Prozeß aber, in den sein Vater gerade zu jener Zeit durch allzu eifrige Propagierung des deutschen Einheitsgedankens verwickelt wurde, und andere Gründe zwangen ihn, die akademischen Pläne aufzugeben und sich dem Erwerbsleben zu widmen.

Die Erfolge, die Heiberg in kaufmännischer Tätigkeit errungen, rechtfertigen das Urteil, daß dieser Beruf, reich an energischer Arbeit und dankbar kühnem Wirklichkeitssinn, mehr seinen Anlagen entsprach, als das eine akademische Laufbahn getan hätte. Seine Lehrzeit verbrachte Heiberg in einer Kieler Buchhandlung und kehrte dann – noch sehr jung – in seine Heimatstadt Schleswig zurück, wo er sofort die Leitung eines ähnlichen Geschäftes übernahm, das zwar von seinem Vater begründet, aber bis dahin von fremder Hand verwaltet worden war. Nach dem Kriege mit Österreich-Ungarn verkaufte Heiberg sein Verlagsgeschäft, das er inzwischen durch Erwerb einer Druckerei von ganz moderner Anlage sehr vergrößert hatte, und zog nach Berlin. Mit welchem Geschick und welch zugreifender Frische er auch hier sich bald eine gewichtige Stellung errang, davon hat Heiberg selbst gelegentlich einiges verraten. »Ich brachte«, erzählt er, »die Norddeutsche Allgemeine Zeitung in andere Hände; trat selbst an die Spitze des geschäftlichen Teiles und erweiterte die Druckerei ... Eine Leipziger Bankfirma übertrug mir dann die Direktion der Spenerschen Zeitung, machte aber, als das Unternehmen erfolgreich wieder wuchs, in der Periode des geschäftlichen Rückschlags die Taschen und zuletzt ihre Kontore zu ... von dieser Zeit ab reizte mich jedoch das rein geschäftliche Leben und Treiben so sehr, daß ich meine ganze Aufmerksamkeit und Tätigkeit diesem zuwandte, und ich hatte auch das Glück, nach einiger Zeit in die Direktion der preußischen Bank-Anstalt in Berlin berufen zu werden ... Ich befaßte mich mit dem eigentlichen Bank-, wenn auch nicht mit dem Börsengeschäft, lernte das Versicherungs-, Terrain-, Häuser- und Hypothekenwesen kennen, das Getriebe und Treiben der großen Emissionsbanken, die vielseitigen kaufmännischen Spezialitäten, die Fabrik- und Bergwerksverhältnisse, kam mit den Großen und Kleinen in dem lebhaften Gedränge des Berliner und auswärtigen Lebens in Berührung und machte während längerer Jahre viele und häufig langausgedehnte Reisen durch Deutschland, die Schweiz, Holland, Dänemark, Belgien, England und Frankreich.«

Später machte sich Heiberg ganz selbständig und versuchte sich mit wechselndem Glück in mancherlei Arten von geschäftlichen Unternehmungen. Schließlich aber zog er sich – wie er selbst sagt: »mehrfach betrogen um die Früchte meines Fleißes und meiner Geschicklichkeit, zu Prozessen oder zum Verzicht gezwungen, grenzenlos angewidert von allem, was ›Geschäft‹ hieß« – ins Privatleben zurück.

Im Jahre 1881 schrieb er, »um seine mißmutigen Gedanken zu töten«, sein erstes Buch. Er zog wieder in seine Vaterstadt Schleswig, wo er noch heute lebt.

Dieser Schriftsteller, der die Stürme des Lebens da gespürt hat, wo sie am mächtigsten und ursprünglichsten brausen, entwickelte nun einen Reichtum an Schöpferkraft, an Phantasie und Lebendigkeit, wie kaum einer. Eine Reihe meisterhafter Novellen und eine Anzahl prächtige Romane erschienen in rascher Folge. Große, von leiser Ironie durchzogene Lebenserfahrung und klare, durchsichtige Form, die trotzdem der Anmut nicht entbehrt, sind die Charakteristika einer Heibergschen Schöpfung. Aus seinen Werken seien hervorgehoben: die »Novellen«, »Ernsthafte Geschichten«, »Empörte Herzen« und die Romane »Apotheker Heinrich« und »Eine vornehme Frau«.

Über Hermann Heiberg und seine Werke hat Hans Merian eine sehr temperamentvolle Studie veröffentlicht.

Die modernen Probleme, die sich an die Begriffe »Weib« und »Ehe« knüpfen, hat Heiberg oft und immer wieder neu und eigenartig behandelt.

Auch der folgende Roman gehört zu dieser Gruppe.

K.

 

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