Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Gerhart Hauptmann >

Florian Geyer

Gerhart Hauptmann: Florian Geyer - Kapitel 3
Quellenangabe
typedrama
authorGerhart Hauptmann
titleFlorian Geyer
publisherPropyläen Verlag
editorHans-Egon Haß
year1965
firstpub1896
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160403
projectidae102dfc
Schließen

Navigation:

Vorspiel

Auf dem Schloß »Unserer Frauen Berg« bei Würzburg. Die große Hofstube. Links eine Art Thron mit Baldachin. Eine Anzahl Ritter, geharnischte und ungeharnischte, stehen abwartend oder bewegen sich, halblaut miteinander redend. An einer Fensternische, rechts, steht der Schreiber Gilgenessig, ein kleines, vertrocknetes Männchen, und liest einigen Rittern aus einer Flugschrift laut vor. Unter den Zuhörenden: Hans von Lichtenstein, ein etwa vierzigjähriger Domherr, Heinz von Stein, Ritter, Wolf von Hanstein, Ritter, Hans von Grumbach, Ritter.

Gilgenessig liest. »Zum ersten ist unsre demütige Bitt ...«

Hans von Lichtenstein, knirschend. Ei, du Speikatz! Fast demütig.

Gilgenessig liest. »Zum ersten ist unsre demütige Bitt, daß eine ganze Gemeine Macht soll haben, ihren Pfarrherrn selbst erwählen und kiesen. Der soll uns das Evangelium predigen, lauter, klar, ohn alle menschliche Zusätz.«

Hans von Lichtenstein, schnaufend. Ein fast demütig und untertäniges Supplizieren, mit Flegeln und Hauen, Spießen und Hakenbüchsen.

Heinz von Stein. Nach dem Kirchendieb- und Ketzerpaternoster!

Wolf von Hanstein. Dünket euch das ein so unbillig Erfordern, ihr Herrn?

Heinz von Stein. Lies, Schreiber, lies!

Hans von Lichtenstein. Es riecht hie ein wenig nach Lutherischer Grütz, Karlstattscher Suppen und Hussitischer Pestilenz.

Wolf von Hanstein. Dünket euch das so unbillig, ihr Herrn?

Hans von Grumbach. Ei, leid dich, Wolf! Das Männlein zerplatzet dir sonst vor Wut!

Wolf von Hanstein, laut. Wie steht's in der Schrift geschrieben? »Ich will meine Herd erlösen von ihrem Mund.« Ihr habt die Milch gessen, euch von der Woll gekleidet, und was feist gewesen, habt ihr gemetzget! Itzt hungert sie nach Brot und dürstet nach Wein, aber nit nur nach Brot und Wein, sondern der Herr hat seinen Hunger und Durst gesandt, zu hören sein Wort, lauter, klar und rein und trotz aller feisten Bäuche und glatten Bälge, ohn alle menschliche Zusätz.

Gilgenessig liest. »Zum andern, nachdem der rechte Zehnte ufgesetzt ist im Alten Testament und im Neuen alles erfüllt, nicht desto minder wollen wir den rechten Kornzehnt gern haben.«

Heinz von Stein. Brav dahergered't, Junker Misträumer, fürtrefflich aufgereupzt, Gevatter Knollfink!

Gilgenessig liest. »Den kleinen Zehnten wollen wir gar nit geben.«

Hans von Lichtenstein. Oha! Euch hat der Teufel die Leviten gelesen!

Wolf von Hanstein. Hochwürdiger Herr, wollt Ihr mir eine Frage beantworten?

Hans von Lichtenstein. Je nachdem, Ritter!

Wolf von Hanstein. Wohlan, stehet dem Bischof nach levitischem Gesetz der Zehnte von allem Land zu, warum läßt er sich nit beschneiden? Sensation bei einem Teil der Anwesenden, Gelächter bei einem andern.

Hans von Lichtenstein. Kotz, Junker, das mag Euch der Teufel beantworten!

Wolf von Hanstein. Entsetzet ihr euch, liebe Herrn? Ei! leset doch die Leviten, und wann es darinnen nit gefodert wird, so will ich den Magister Hoogstraten zu Köln fortan nit mehr eine verabscheuungswürdige, verfluchte Bestie schelten!

Gilgenessig liest. »Zum dritten ist der Brauch bisher gewest, daß sie uns für ihre Eigenleut gehalten haben ...«

Bewegung, Lachen und Entrüstung unter der Mehrheit der Anwesenden.

Heinz von Stein. Freilich wohl, Eigenleut hat's geben, allsolange die Welt steht; da hadert mit unserm Herrgott, der hat es so eingericht't.

Hans von Lichtenstein. Itzt meinen sie, daß sie es Gott wollen abtrotzen, wann sie den Teufel zum Abt über sich setzen, und daß er werde einen jeden Lüsbühel unter ihnen zum Herren machen.

Graf Wolf von Kastell kommt. Im übrigen füllt sich der Saal mehr und mehr mit Domherren, Rittern und allerhand Hofbeamten.

Wolf von Kastell. Was liest der Schreiber?

Gilgenessig liest. »... der Brauch bisher gewesen, daß sie uns für ihre Eigenleut gehalten haben, welches zum Erbarmen ist, angesehen, daß uns Christus alle mit seinem kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich allsowohl als den Höchsten.«

Wolf von Hanstein, nachsprechend. »... den Hirten gleich allsowohl als den Höchsten.«

Hans von Grumbach. Dawider wäre wohl nichts nit zu sagen, ihr Herrn.

Wolf von Kastell. Was leset Ihr?

Gilgenessig. Die gründlichen und rechten Hauptartikel aller Bauernschaft und Hintersassen der geistlichen und weltlichen Oberkeiten, von welchen sie sich beschwert vermeinen, auch die Handlung und Instruktion, so vorgenommen worden sein von allen Rotten und Haufen der Bauern.

Wolf von Kastell. Die Zwölf Artikel, damit sie St. Velten beschissen hat. Wo habt Ihr sie her?

Erster Ritter. Ei, fliegen sie nit allenthalben in der Luft herum? Habt Ihr sie noch nit in Eurem Hosensack gefunden?

Eine große Anzahl unter Rittern und Domherren weist das Schriftchen vor.

Stimmen. Da! Nehmt, lest!

Gilgenessig. Das Heftlein, daraus ich euch vorlese, gestrenge Herrn, hätt ein Bote vom Götzen von Berlichingen unlängst über die Mauer hereingereicht.

Wolf von Kastell. Tuet seine Pfauenfedern gewaltig herfür, der Götz!

Hans von Lichtenstein. Hat auch unserm allergnädigsten Bischof und Herrn absagen und des Stifts Lehne aufkündigen lassen.

Gilgenessig. »Datum zu Amorbach uf Donnerstag nach Misericordias Domini.«

Zweiter Ritter. Habt ihr gehört, ihr Herrn, wie greulich die Evangelischen zu Amorbach gehaust haben? Ich war im Zwinger gegen den Glißberg, als die Türmer den Boten anbliesen. Bin auf die Mauer gestiegen und hab mit ihm gered't. Ist es der Köchle gewest und des Götzen von Berlichingen Leibknecht, den ich gut gekannt hab, von einem Gesellenritt her, den wir miteinander getan haben. »Köchle, was macht ihr«, hab ich ihn angeschrien, »du und dein Herr? Seid ihr zu schwarzen Bauern worden?« – »Müssen wohl, fester Junker«, hat er mir Antwort geben, »es sei uns lieb oder leid; aber es ist ein Jammer, wie sie alles verwüstet haben zu Amorbach, als die wütigen vollen Säu! Ich bin den Pfaffen mein Lebtag gram gewest«, hat er geschrien, »aber hier ist christliche Lieb auf türkische Art bewiesen.« – »Habt ihr euch bei den Benediktinern eingelegt?« schrei ich ihm zu. – »Ja, fester Junker, und es ist in der ganzen Abtei kein Nagel in einem Pfosten blieben.«

Wolf von Kastell. Kotz Leichnam! Ihr Herrn, zu einem Scheißhausräumer wollt ich mich eh verdingen, denn daß ich mich brauchen ließ wie der Götz und zu einem Obersten Feldhauptmann setzen, wo nichts dann heilloses Gesindel, Spieler, Diebsleut, Vaganten und Pfannenflicker hinter ihm drein fleugt!

Zweiter Ritter. Es ist zweifelsohn, ihr Herrn, und der Köchle hat es von Amorbach mitgebracht, Graf Wilhelm von Henneberg hätt sich itzt auch mit den Bauern verbrüdert.

Wolf von Kastell. Leider Gottes, es ist, wie der Junker sagt. Mein Schwager hätt sich itzt auch mit dem Gepövel vermenget. Haben ihm Dörfer, Schlösser und Abteien verwüstet, er ist von ihnen gedrungen und gezwungen worden. Freilich, wann sie mich schon am Schandpfahl hätten und den Schelmenschinder mit den glühenden Eisen an mich setzten, so wollt ich mich doch lieber dem Teufel selbst verbrüdern als mit den rotzigen bäurischen Bluthunden.

Hans von Lichtenstein. Das ist nun der herrliche und zuverlässige Trost, den Grave Wilhelm unserm gnädigen Herrn, dem Bischof Konrad, durch Schickung und Schrift so läßlich und sicherlich zugesagt hat, daß er sich itzt mit den Bauern verbrüdert.

Heinz von Stein. O der elenden Hilf, wir hätten wohl lange genug verziehen sollen, eh uns versprochenermaßen von Henneberg war Kriegsvolk zukommen.

Gilgenessig. Die Brief sind Papier blieben.

Erster Domherr. Sind in die Aschen fallen und sind verbrannt.

Wolf von Hanstein. Ich aber sag euch, ihr Herrn, der Grave Wilhelm von Henneberg verstehet die Läufte, wir aber verstehen die Läufte nit. Was hat denn der gemeine Adel all die Zeit von den geistlichen Herren zu befahren gehabt?! Not, Bedrückung Leibes und der Seele.

Hans von Lichtenstein. Und was hat er von den Bauern zu befahren gehabt? Wollt Ihr mir das wohl sagen, Ritter? Muß man es Euch erzählen, Herr, wie die Bauern unlängst zu Weinsberg mit dem gemeinen Adel gehandelt haben? Habt Ihr das wohl schon vergessen, Ritter, daß sie wider Kriegsbrauch und Recht den Ludwig von Helfenstein durch die Spieße gejagt haben und vierzig gefangene Ritter und Knechte dazu? Itzt ist es landkundig worden, wie sie allda gehauset. Haut und Haar eines Gemordeten hätt ein frommer evangelischer Bruder auf dem Spieße herumgetragen. Ein verrucht Weib und schwarze teuflische Hexe hätt dem Helfensteiner das Brotmesser in den Leib stoßen und mit dem Blut und Fett, das herausgeschweißet, ihre Schuhe geschmiert. Meinet Ihr dannoch, Junker, daß die Bäurischen ein freundlich Gemüt tragen wider Euch? Bei Unsrer Lieben Frauen! glaubet mir, bleiben die Bäurischen oben liegen, so wird die Prophezei wahr, darin es heißt: der gemeine Adel soll einstmals müssen Elend aus Essig speisen, mit Mangel beträufeln und in bitterer Wermut arme Ritter backen.

Viele Ritter schlagen an die Wehre, und es erschallt mehrmals der Ruf. Rache für Weinsberg!

Wolf von Hanstein. Itzt rufet ihr: »Rache für Weinsberg«, und Gott weiß es, daß ihr mit den Weinsberger Mordbuben nit wollet glimpflich verfahren, wann ihr an sie kämet. Wisset ihr aber auch, was die Bauern geschrien, als sie Weinsberg im Sturm genommen und Ritter, Bürger und Knechte zu Paaren trieben? »Rache für Wurzach! Rache für die siebentausend von Wurzach!« Luget, ihr Herrn, der Truchseß hätt auch kein Erbarmen mit ihnen gehabt und den bösen Krieg allenthalben ausschreien lassen. Läßt auch die Profossen in sie arbeiten mit Galgen und Rad und der Bauern beste Leut abtun, als wenn es Hühner wären. Denkt an den frommen Prediger Jakob Wehe zu Leipheim.

Hans von Lichtenstein. Ei, wohl und brav, so ist es recht; es sei mit Gewalt gered't und ihnen das Maul gestopfet, allen verfluchten, falschen, höllischen Propheten und Schwarmgeistern, wie sie der Satan allenthalben hat auferwecket. Heraus mit dem verfluchten, höllischen Unkraut, das er hat zwischen den Weizen gesäet, überall und allerwegen in deutschen Landen! Immer herausgerauft, gerissen, gestochen, gebrannt, immer darniedergemäht, sei es lutherisch, karlstattisch, münzerisch, hussitisch oder wiclefitisch. Der Bock ist schon viel zu weit in Garten kommen. Immer dareingewettert, Georg Truchseß! Sei ein echter, rechter St. Georg und Drachen töter, so gefällt es Gott und unserer gebenedeiten Jungfrau Maria. War es eh geschehen, die Ufruhr sollt schwerlich also überwälzig worden sein.

Gilgenessig liest. »Zum vierten ist bisher bräuchlich gewest, daß kein armer Mann Gewalt gehabt hat, das Wildpret, Vögel oder Fische im fließenden Wasser zu fahen. Gelächter in der Mehrzahl. Welches uns ganz unziemlich und unbrüderlich dünkt.«

Wolf von Kastell. Daß euch die Drüs, mit meinem Willen soll kein Rülze von einem Bauern in meinem Gejaide eine Armbrust aufbringen.

Gilgenessig liest. »Zum fünften sind wir auch beschweret der Beholzung halben, dann unsre Herrschaft haben ihnen die Hölzer alle allein geeignet. Zum sechsten ist unsre hart Beschwerung der Frondienst halben, welche von Tag zu Tag gemehret werden und täglich zunehmen.«

Heinz von Stein. Die Sach is itzt so bestellt: Der Bauer will alleweil auf der faulen Haut liegen, in der Trinkstuben sich auftun, über der Geschrift disputieren und den Prädikanten nachlaufen. Aber der Pflug ist ihm zu schwer worden. Wird er itzt aber bei Eiden und Pflichten gemahnt, oha, so ist er der Junker Dörflinger und rühret sich so wenig, als hätt ihn der Satan aus einem Leimklotz gemacht. Wendet die Herrschaft itzt aber den Ernst vor und läßt einen aufsässigen Lauskopf und widerspenstigen Esel in die Eisen tun – kotz Schweiß, so ist man der allergottloseste Tyrann und Wüterich!

Gilgenessig liest. »Zum achten sein wir beschwert und diejenigen, die Güter innehaben, daß dieselben Güter die Gült nit ertragen können.«

Wolf von Kastell. Das nimmt mich nit wunder, wahrlich nit. Gebären sie sich nit schlimmer auf ihren Gütern mit Schlemmen, Dämmen und Verprassen als der lüderlichste Hauser von Edelmann? Da ist nichts dann Hochzeiten, Fressen, Weinsaufen und Wiedervonsichspeien. Statt groben Zwillichs, wie es einem groben Flegel gebühret, tragen sie Tuch aus Mecheln und London. Ihre Weiber wollen es den Edelfrauen zuvortun an Kleiderpracht, und manch eine hat einen Meierhof wert in einer Ketten um den Hals. Ihre Töchter behenken sie mit Seide und Sammet, Marder, Hermelin und Goldstoff, daß ein Edelfräulein dawidergehalten einer Stallmagd gleichsiehet.

Lorenz von Hutten kommt erschöpft und atemlos.

Lorenz von Hutten. Neue Zeitung, ihr Herrn!

Heinz von Stein. Ist dir der Teufel begegnet, Lorenz?!

Lorenz von Hutten. Gelobt sei Gott und die heilige Anna, daß ich im Trocknen bin! Hat mir einer den Gaul unterm Leib weggebirst, als wir beide, mein Gaul und ich, durch die Furt wollten und mitten im Main schwammen.

Wolf von Kastell. Sie schießen mit den Handrohren?

Lorenz von Hutten. Ei, freilich, wißt Ihr das nit? Die Würzburger Häcker, in den Weinbergen am Main, haben die Handrohre mit ihnen genommen und bei der Arbeit neben sich liegen. Wenn sie eines bischöflichen Reuters etwa von ungefähr ansichtig werden, ei nun, so machen sie Jagd auf uns, als ob wir Antvögel wären, piff, paff, hinter dem Mäuerlein hervor. Hab ein gut Roß, das mit dem Blei im Leib noch einen tapfren Sprung vorwärts getan, daß ich, Gott sei gelobt, wie die Katz auf die Füße zu stehen kam und nit, geharnischt wie ich war, im tiefen Wasser elendiglich ersoff.

Wolf von Kastell. Ist denn kein Henker meh unten zu Würzburg, der einen verdammten meuchlerischen Mörder und Friedbrecher voneinander kann schlagen, daß der Kopf das kleinere und der Leib das größere Teil ist?

Lorenz von Hutten. Ei nein. Dann die Würzburger haben den Meister Jakob davongejagt, weil er gesagt hat, es wird mit der Ufruhr zu Würzburg kein End nit nehmen, bevor er nit etlichen, dem Georg Bermetter voran, die Grint abgehauen. Dafür wollten ihn die Würzburger tot haben; so ist er itzt hie auf der Burg mitsamt seinen Knechten.

Gilgenessig. Heut ist zu Würzburg kein Zeuge, Herr Graf, der etwas ablegen, kein Notario, der etwas schreiben, kein Advokato, der den Prozeß formieren, kein Stadtdiener, der angreifen, kein Richter, der examinieren, keine Obrigkeit, die urteilen, gleichwie kein Scharfrichter ist, der exequieren kann.

Hans von Lichtenstein. Was ist's für Zeitung, die Ihr bringt, fester Junker?

Lorenz von Hutten. Was ich für Zeitung bringe, liebe Herrn? Nit mehr noch minder, als daß ich gute Kundschaft hab und glaublich bericht't bin, daß alle Haufen der Bauern uf Würzburg zu ziehn und daß, solange die Welt steht, kein solches Reisen, Webern und Inhaufenziehen gewesen ist mit Panieren, Schweinspießen, Flegeln, Hellebarden, Handrohren, Wägen und Hakenbüchsen. Ich bin glaublich bericht't, daß die Evangelischen von Amorbach her unterwegs sind, daß sie ein Kruzifix mit sich tragen und geschworen haben, wie sie das Kind im Mutterleibe wollten verderben, wenn ihnen der Bischof, unser allergnädigster Herr, das Schloß nit wollt gutwillig eingeben. Bewegung und Erregung unter den Rittern.

Wolf von Kastell. Wer vor Dräuen stirbt, dem läutet man mit Eselsfürzen aus, ihr Herrn. Habt Ihr noch meh solcher Botschaften, Ritter?

Lorenz von Hutten. Ja, Kitzingen ist in der Brüderschaft.

Erster Ritter. Potz Blau, Kitzingen hat sich mit den Bauern verbrüdert?

Lorenz von Hutten. Auf Edelmannswort!

Hans von Lichtenstein. Wird den Markgrafen Kasimir zu Ansbach übel verdrießen!

Wolf von Hanstein. Meinet Ihr? Mir will viel eh scheinen, daß den ganzen bäurischen Handel zu Ansbach kein übel Aug ansiehet. – Ist nicht der Markgraf den lutherischen Materien zugetan, so gut wie der Henneberger? Ist es nit landkundig, daß der Schwarzenberger, der gewaltige Ritter und Lutheraner, zwischen Ansbach und den bäurischen Lägern Botschaft hin und wider reitet? Es dünket mich nit unmöglich, daß markgräfisches Geschütz mit den bäurischen Flegeln zu gleicher Zeit hie oben anklopfet.

Wolf von Kastell. Meinest du uns scheißbange zu machen, Wulf, mit überhirnischem Zeug und Spinnstubenmärlein? Mag es den Markgrafen gelüsten als einen Fuchs nach der feisten Gans und war auch all sein Gemüt darauf gericht't, des Stifts Güter zu erschnappen und als ein Herzog in Franken Einzug zu halten auf Unserer Frauen Berg, so weiß er doch, daß es mit dem Bundschuh just so wenig möglich sein kann, als daß man über dem Rheinsturz bei Schaffhausen auf einen Turm steiget.

Sebastian von Rotenhahn, Hofmeister des Bischofs, in Rüstung, tritt ein und durchschreitet den Raum, im Begriff sich zum Bischof zu begeben. Man hält ihn an.

Heinz von Stein. Saget, Euer Hochgelahrt, bestätigt sich das Gerücht? Hat sich Kitzingen dem Florian Geyer und seinen Schwarzen zugelobt?

Sebastian von Rotenhahn. Liebe, getreue Freunde und Herrn! Habet Geduld, verziehet ein wenig.

Erster Ritter. Weshalb hat man uns berufen, Euer Edel?

Sebastian von Rotenhahn. Das sollt ihr von Seiner Liebden, unserm gnädigsten Fürsten und Herrn, in höchsteigener Person erfahren.

Zweiter Ritter. Es heißt: von allen Seiten zögen die Gewalthaufen der Bauern wider uns, hätten geschworen, nichts Edles leben zu lassen.

Sebastian von Rotenhahn. Liebe Getreue, habet Geduld, verziehet ein wenig!

Zweiter Ritter. Wird der Bischof das Schloß zutun, oder wird er es räumen lassen?

Sebastian von Rotenhahn. Ihr Herrn, zu Weinsberg hatte der Florian Geyer leichtes Spiel, hie aber sind festere Mauern, ein unüberwindliches Schloß, sofern wir einig sind. Es wäre doch gar jämmerlich und schändlich, wenn wir einem so edlen Herrn, milden, gütigen und gerechten Fürsten, wie es unser Bischof Konrad ist, nit sollten beiständig sein. Würde auch einer hochberühmten fränkischen Reichsritterschaft zu unauslöschlicher Schmach und Schande gereichen.

Wolf von Hanstein. Wohlan, Bastian, der Bischof ist ein frommer und gerechter Herr, und ich hab nichts wider ihn; aber der ganze Handel hat in keinem Weg mit der Person zu tun. Ist einstmals ein Ritter gewest, und war nie keiner ihm gleich, stolz wie er, mutig wie er, treu und fest an die Wahrheit gehängt. Der hat wider die Pfaffen geschrieben, solang ihm ein Äderlein hielt: Ulrich von Hutten hat er geheißen. Ei nun, der Hutten ist tot und hin; die Pfaffen haben ihn in Armut, Elend und Tod gehetzt. Aber sein Werk ist blieben, seine Saat ist blieben und stehet in Blüte. »Wach auf«, hat er geschrieben, »du edle deutsche Freiheit«, und die edle deutsche Freiheit ist aufgewacht. Aber itzt, Bastian, da Gott in die Sachen geschaut und sie auferwecket hat, itzt schlafet Ihr. Dazumalen waret ihr ein Herz, du und der Hutten. Aber alsbald er dahin ist, bist du mit ihm gestorben. Oder willst du mir sagen, daß du noch lebst? Potz, wie hättest du deinen Blutsbruder ungerächt können lassen! Wie hättest du dich mögen von den Pfaffen brauchen und andern zu einem Wall auftürmen lassen wider die ...

Sebastian von Rotenhahn. Was redest du dich in Hitze, Wolf! Wider wen redest du, wider was redest du? Soll eine allgemeine, große Reformation sich anfahen, wohlan, setze ich mich dawider, setzt sich der Bischof dawider? Hat er sich nicht vielmehr hoch erboten, wo gerechte Beschwerden seien, dieselben zu hören, unbillige Bürden zu ringern und abzutun, allem Folge zu tun und Statt zu lassen, was andere Fürsten, Herren und Hintersassen beschließen und ufrichten würden? Siehest du nit, daß es hie allein heißt, sich wider Tollheit und Raserei setzen, die alles darniedertritt, zerstampfet und verwüstet, sauren Schweiß des Armen, Häuser der Reichen, Schlösser, Kirchen, Schätze der Kunst und Gelehrsamkeit? Ei, Wolf, in welche Verblendung bist du geraten! Lebte der Ulrich von Hutten, hie sollt er neben mir stehen, so wahr ich sein Freund bin.

Lorenz von Hutten. So wahr Gott lebet, hie stünd er neben uns.

Sebastian von Rotenhahn. Ja, Wolf, so ist es, und siehe doch um dich! Hat nicht der Luther sich wider die Bauern gewandt und wider ihre blutgierigen, höllischen Haufen und Rotten geschrieben?

Der Bischof Konrad von Würzburg mit großem Gefolge.

Wolf von Kastell, den Bischof zuerst gewahrend. Unser allergnädigster Herr, der Bischof Konrad zu Würzburg und Herzog von Franken, vivat hoch!

Die Mehrzahl der Ritter. Hoch! Hoch!

Der Bischof begibt sich nach dem Thronsessel; das Gefolge, darunter der junge Oberste Hauptmann, Dompropst Friedrich von Brandenburg, gruppiert sich um ihn. Nachdem Stille eingetreten, redet der Bischof stehend.

Bischof Konrad. Liebe Freunde, ich weiß, daß ihr es alle treulich und gut mit mir meinet als meine Diener, Vasallen und Stiftsverwandte. So hab ich euch dann berufen lassen, um euch kundzutun, wie ich mich in diesen geschwinden und je länger je mehr bedrohlichen Läuften fürder zu halten gesonnen bin.

Es ist euch bekannt, wie dieserzeit allenthalben in deutscher Nation sich eine Aufruhr erhebt hat und der gemeine Mann sich bedrückt vermeinet mit unbilligen und unträglichen Lasten.

Als sich im März die Bauern in der Rothenburger Landwehr zu Ohrenbach und Bretheim erhoben und rottieret, hab ich dem Statthalter zu Mainz, auch dem Pfalzgrafen Ludwig um Hilf zugeschrieben. Als danach Markgraf Kasimir einen Tag gen Neuenstadt ausgeschrieben, wie man sich ufs fürderlichste und fruchtbarlichste wider das Vornehmen der Bauern in Rüstung schickte, zu beraten, hab ich meine Räte dorthin verordnet. Aber es ist nichts Fruchtbarliches und Fürderliches auf dem Tag gehandelt worden. Nu hab ich meine Ritterschaft und Landschaft beschrieben und in des Stifts Amten ufbieten lassen.

Haben auch meine Bauern allsogleich zu den Wehren griffen, Reispanier ufgesteckt, Schläge und Führten vermacht, aber, als itzt am Tag ist, allein mir zuleid, nit mir zulieb. Nachdem der Bauern unchristlich und unbrüderlich Fürnehmen im hohen und niedern Deutschland immer bedrohlicher anwuchs und der Florian Geyer Weinsberg im Sturm genommen, hab ich zum andern Malen Seiner Liebden, dem Markgrafen zu Ansbach, meinem lieben Freund und Herrn, Werbung um Hilfe tun lassen und hab ihme durch Seiner Liebden leiblichen Bruder, unsern lieben getreuen Freund und Dompropst – dabei legt er die Hand auf Markgraf Friedrichs Schulter – Markgrave Friedrich in Person angesucht. Ist mir aber keine tröstliche Antwort gefallen, da Seiner Liebden nit minder bedroht ist und die gleiche Ufruhr, Empörung und Not zu gewärtigen hat dann wir. Derweilen ist die Sintfluß immer mehr gestiegen, hat alles überwälzet, Herrschaften, Fürstentümer, Klöster, Burgen und Städte; hab ich mich um Bundshülfe umgetan bei dem Bund zu Schwaben, hab meine Räte in der Bauern Läger geschickt, hat aber alles nit mögen fruchten.

Liebe Freunde und Herrn, es kann euch das alles nit unbekannt sein, ingleichen, wie ich mich hoch und willig erboten, zur Abwendung und Milderung gerechter Beschwerden meiner bischöflichen Stadt und Landschaft. Gott weiß es, daß ich alles in Güte zu tun bereitwillig war, damit die Sachen zu dieser Weiterung nit erwachsen möchte, war aber alle Geschicklichkeit und Vernunft gar umsonst, kein gütlich Wort nit gehöret, alles in Luft geblasen. So ist es zu Würzburg dahin kommen, daß sie die Haufen der Bauern mit Schriften zu sich geladen; Bürgerschaft und Rat sind eines Sinns, möchten je eher je lieber zu den Bauern fallen und helfen, unser festes Schloß ab dem Berg werfen. Nachdem ich dies alles nu hab sehen müssen und erkannt hab, daß auch von Grave Wilhelm von Henneberg Hilfe nit meh zu gewärtigen ist, auch nichts Gewissers ist, dann daß die Bauern vor Unserer Frauen Berg ziehen, den belägern und zu nötigen unterstehen werden, hab ich mit meinen Räten Gespräch halten und für gut befunden, mich auf und hinweg zu tun. Ja, lieben Freunde, so stehe ich itzt vor euch. Mit starker innerer Bewegung. Von all meinem Fürstentum und Landen ist mir nichts überblieben als dies einige Schloß, und davon muß ich itzt auch ziehen. Gott aber mag wissen, ob ich je wieder dareinkomme.

Pause der Ergriffenheit, stumme Bewegung und Flüstern unter den Rittern.

Es ist mir nit wenig beschwerlich, hinwegzuziehn und so viele Fürsten, Grafen, Ritter und Knecht in der Burg «zu verlassen. Aber es ist von mir und meinen Räten für gut angesehen, daß ich mich hinweg und zu Pfalzgrave Ludwigen, Kurfürsten, tue, um persönlich Hülf zu erlangen oder des Schwäbischen Bundes zu Ulm Hülfe. Seid gewiß, daß ich keine Müh sparen, auf nichts andres denken will bei Tag und Nacht, dann wie ich euch erlöse aus Fahr und Ängsten, darin ich euch zurücklaß.

Gemurmel und Geflüster unter den Rittern.

Sebastian von Rotenhahn tritt vor. Hochwürdiger Fürst und Herr! Euer fürstlichen Gnaden Willen und Meinung haben wir vernommen und bitten Euer fürstliche Gnaden, nit anders von uns zu denken, als daß sich ein jeder von uns zu halten gedenkt, wie ihm nach adligen Ehren gebührt und zusteht. Entschiedene Zustimmungsbezeugung bei der Mehrzahl. Es ist keiner unter uns Franken, der nit gewillt ist, Leib und Gut bei seinem Herzog und Herrn zu lassen ...

Wolf von Hanstein, leise. Der Teufel hat ihn zu einem Herzog in Franken gemacht!

Sebastian von Rotenhahn, fortfahrend ... und sich zu gebrauchen, weil er ein'n Arm zu regen die Kraft hat.

Meine guten Freunde, Gesellen und Brüder von den fränkischen Adelsbänken wissen allzuwohl, was itzt auf dem Spiel steht.

Der Pöbel hat sich erhebt allenthalben, und wo etwas hoch ist, da recket er seine Arme nach, da greifen sie mit ihren unreinen Händen. Nennen sich evangelische Brüder und ihre Einung eine christliche Brüderschaft, unserm Herrn und Seligmacher Jesu Christo zu einem Greuel und Schmach. Hießen viel baß höllische Brüder und ihre Einung eine türkische Brüderschaft, da sie überall wüten mit Weingärten zerreißen, Früchte zertreten, mit Mord, Brand, Weiber schänden, Kisten fegen und Säckel leeren.

Es ist leider am Tag, daß Fürsten, Herrn und Gewaltigen, kurzum der Oberheit allenthalben das Schwert und das Herz entsunken ist. Ein großer Schrecken ist in sie gefahren und hat sie gelähmet. Keiner reichet dem andern die Hand und rühret sich nit, bis ihm die Mauer, daran er sich lehnet, selbst zu heiß wird.

Gnädigster Herr, durchlauchtigster Fürst! Uns alle hier lähmet der Schrecken nit. Wahr ist's: das Gesindel fleugt und schneit zu, allweg, als die Fliegen im Sommer. Es ist schier, als habe es in deutschen Landen allenthalben Bauern geregnet und gehagelt, aber es ist der mehre Teil ein nackt, ungeniet Volk, die den Hasen im Busen haben, Weinbuben und Tabernierer, die zuallererst nach den Fässern und Würsten laufen und nit gewohnt sind, einen Mann zu finden.

Liebe, fromme Gesellen! In unsrer Besatzung ist keiner, der nit ein Mannskerl, von unserm Obersten Hauptmann, Markgrafen Friedrich von Brandenburg, bis herab zum allergeringsten Buben. Laßt sie nur kommen und ihnen die harten bäurischen Grützköpf an unsern Mauern zerstoßen. Wir wollen sie mit Stückkugeln laus'n, daß ihnen soll angst und bange werden.

Rufe der Ritter, kriegerisch begeistert. Her! her!

Sebastian von Rotenhahn. Wir wollen ihnen die Würzburger Osterfladen mit Pulver bestreuen und mit Pech und Schwefel begießen. Sie sollen bleierne Birnen dabei zu schlucken bekommen, soviel sie nur immer mögen.

Geschrei der Ritter. Her! her!

Sebastian von Rotenhahn. Unsere Mauern sind fest, die Gräben tief; Zwergzäune sind ufgericht't, ein Lichtzaun ist gemacht, Zwinger, Tor, Turm sind in gutem Stand. Wir haben Pulver und Proviant, Wasser, Wein, Holz, Kohle, Mehl, Speck. Wir können in Hülle und Fülle leben und uns ihrer erwehren zween Monat und länger hinaus. Wir wissen wohl, es ist nit allein um das Schloß getan, es ist um die ganze deutsche Nation getan. Dies ist der Fels, Freunde; unterspület ihn die Flut, so stürzet alles nach und versinket, und bleibet nichts über von ganzer großer deutscher Nation dann ein Haufe elender Steine und Trümmer.

Gnädigster Herr und Fürst! Gott hat uns auf diesen Felsen gestellt, und wir wollen mit Gott ausharren, ihn hüten und verteidigen, und war es wider den Teufel selbst, weil wir noch einen Blutstropfen im Leib und einen Hauch in der Brust haben.

Bischof Konrad. Das walte Gott und der Ritter St. Georg!

Ein Tumult und Begeisterungstaumel bricht jetzt los. Die Ritter schreien Her! Her!, umarmen sich, schütteln sich die Hände unter Tränen. Vivat, Bischof Konrad! Vivat unser Bischof und Herr! und wiederum Her! Her! schallt es durcheinander.

Inmitten der allgemeinen Bewegung entfernt sich der Bischof und sein Gefolge. Dompropst Markgraf Friedrich von Brandenburg bleibt mit kleinem Gefolge zurück.

Kunz von der Mühlen schreit. Ich will den Florian Geyer in ein Mauseloch prügeln.

Erster Ritter. Bauer, hüt dich, mein Roß schlägt dich!

Kunz von der Mühlen. Wohl her! wir wollen den Florian Geyer und seine Weinsberger Mordbuben in ein Mauseloch prügeln.

Sebastian von Geyer, zu Wolf von Hanstein. Wolf, Wolf, ich halt mich nit länger. Soll der Bärenhäuter meinen leiblichen Bruder also beschimpfen dürfen?

Wolf von Hanstein, laut zu Kunz von der Mühlen. Der Florian Geyer ist ein so ehrlicher Ritter und Reuter von Adel als irgendeiner im Lande zu Franken.

Kunz von der Mühlen. Der Florian Geyer ist ein halssträflicher Schuft.

Wolf von Hanstein, zu Sebastian Geyer, der losfahren will. Leid dich, Sebastian; laß das gespornte Hähnlein krähen auf seinem Mist. Wann wollt Ihr doch Euren Adelsbrief bezahlen, he, Junker Straßenfeger?

Kunz von der Mühlen schreit. Der Florian Geyer ist ein Ächter, ein Feind des Kaisers und ganzer deutscher Nation. Hat zu Pavia dem Franzosen gedient.

Wolf von Hanstein, dicht an Kunz von der Mühlen. Männlein, ob dir der Henker unter deinen gepichten Haaren noch Ohren gelassen hat, das weiß ich nit. Aber du bist ein gehelmter Esel, wann du sie nit hast. Und wenn du nit aufhörst zu schreien, will ich dir die Harnischhand in dein Lästermaul stopfen, daß der rote Schweiß hernachgehet.

Sebastian von Geyer. Wolf, tritt beiseit. Die Gecksnase ist von den Bauern entloffen. Denket sich hie groß aufzutun am Hof, leicht ein Lehen zu erschnappen, mit Gramanzen und Maulmachen. Der Teufel geseg'n es ihm.

Wolf von Kastell. Friede, ihr Herrn. Unser Oberster Hauptmann, der Markgraf Dompropst, begehrt zu reden.

Wolf von Hanstein. Sebastian –!

Sebastian von Geyer. Daß dich potz Marter schänd! der Hund soll mir büßen!

Wolf von Hanstein. Komm mit mir!

Sebastian von Geyer. Wohin?

Wolf von Hanstein. Der Pfaff führt euch am Seil. Ich geh zu den Bauern. Gehst du mit?

Sebastian von Geyer. Es geht nit an, Wolf, streitet mir wider Pflicht und Gewissen.

Markgraf Friedrich. Lieben Freunde, von unserm gnädigsten Herrn zum Obersten Hauptmann über dies Schloß gesetzt, tu ich euch kund und zu wissen, daß ich von Stund an die Burg zutun will und zur Verteidigung beschicken. Drum welcher Lust hat, in der Besatzung zu bleiben, der begebe sich auf den Schloßhof. Allda wird der Eid verlesen werden, danach sich zu halten jeder geloben und schwören soll. Wer aber nit Lust hat, uns fürder beiständig zu sein, der trete itzt ab.

Wolf von Hanstein tritt, während alles still ist, aus der Reihe.

Wolf von Kastell. Wo willst du hin, Wolf?

Wolf von Hanstein. Dem Evangelium einen Beistand tun.

Die Ritter. Schuft, Schurk, Verräter, Memme!

Wolf von Hanstein schreit rasend zurück. Fresse die Pest alle Pfaffenknechte! Es lebe die deutsche evangelische Freiheit!

Die Ritter. Hoch unser Bischof und Herr, hoch Bischof Konrad von Würzburg!

Wolf von Hanstein. Bundschuh! Bundschuh! Ab.

 << Kapitel 2  Kapitel 4 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.