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Ferien vom Ich

Paul Keller: Ferien vom Ich - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Keller
titleFerien vom Ich
publisherDeutsche Buchgemeinschaft
year1916
correctorreuters@abc.de
sendergebler.dresden@yahoo.de
created20140918
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Herbst

Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn ich es überschaue, erfüllt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der äußeren Erfolge wegen. Unser Unternehmen steht glänzend da. Wir haben lange nicht alle aufnehmen können, die zu uns kommen wollten. Die Ernte auf den Feldern und in den Gärten war gut, unsere Bauern sind zufrieden, und unsere Kassen und Kasten sind gefüllt. Vieles, ja das meiste, verdankt dieser äußere Erfolg der glänzenden Organisation, die Stefenson dem Ganzen gegeben hat und die er von Amerika aus geleitet und weiter ausgebaut hat, wenn auch der Sonderling noch immer nicht nach Europa zurückgekehrt ist.

Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, dass kaum einer unserer Kurgäste ohne großen gesundheitlichen Gewinn von uns fortgezogen ist. Das bestätigt meine eigene Erfahrung, das bestätigen meine Kollegen, das sagen vor allem unsere Kurgäste selbst, die schweren Herzens Abschied nehmen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld zurückerhalten, liegen diese Dinge kalt und fremd in ihren Händen, und wenn sie im »Zeughaus« ihre eigenen Kleider wieder anlegen und, ohne noch einmal umkehren zu dürfen, durch die große Hinterpforte auf die Straße gelassen werden, wo der Wagen wartet, stehen die meisten befangen da wie ängstliches Volk, das zum ersten Male in die Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch haben sie sich in ihren Ferien vom Ich gefühlt.

Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und sagen, dass sie draußen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft gehörten Einwand begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, theatralische Sache, so beklagten sie alle diejenigen, die nicht wüssten, wie herzstärkend und verjüngend die Rückkehr zu kindlicher Schlichtheit sei und wie sie gerade vom Theatralischen erlöse, von der bösen, so raffiniert eingeübten und so schwer zu spielenden, immer aber im tiefsten Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ...

Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte ärztliche Kunst sowie durch die Gemütsruhe und Herzensheiterkeit, die sie umfing, die besten Erfolge gehabt.

Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Fröhlichkeit stirbt deswegen nicht aus.

Diese großen Kinder der Welt fühlen hier alle die tiefe Schönheit des Herbstes, von dem sie früher nichts wussten, als dass mit seiner Ankunft »Neuanschaffungen« nötig seien, die Gasrechnungen höher wurden und die Theater- und Konzertsaison beginne.

Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgäste will ich schildern, wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verläuft.

Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern rüttelt und welkes Laub und dürre Zweige an die Scheiben warf, hat sich das Menschlein fest in die Decke gehüllt und mit großen Augen ins Dunkle gestarrt. Langsam ist seine Phantasie an Bord eines schwarzen Wolkenschiffes gegangen, das durch das kalte Meer des Himmels fuhr zu einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand am Steuer des Schiffes; müde, schweigende Seelen lehnten oder saßen an seinen Bordwänden. Lautlos glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und wilde Gänse schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie große Möwen, und ihr weißes Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter dem Wolkenschiff war der große Ozean der Luft. Menschenhäuser lagen wie Muscheln auf dem Meeresgrund, die Wälder standen wie seltsames wirres Gewächs wilder Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine Insel, um die das Wolkenschiff herumschwimmen musste. Von der Insel glimmte das Licht einer Berghütte her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem Strandhaus. Ein Felsen ragte auf wie eine Klippe, an der ein unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. Das Luftmeer rollte, grollte, stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der Nacht hin und her. Die wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schönheit. Immerzu, immerzu ging es vorwärts. Da drang ein Läuten aus der Tiefe. Irgendein Vineta lag drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun wurde ein lichter Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weißen Berge des Morgens. Und im Morgenlande lag die Heimat.

Da fielen dem Träumer die Augen zu – er stieg herab von dem dunklen Schiff –, stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, und die guten Freunde kamen und schüttelten ihm die Hände.

Er erzählte ihnen, wo er gewesen sei.

Da klopfte es an die Tür.

»Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!«

Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf einem Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im Ferienheim, richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe.

Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein feiner Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wäre es wohlig, noch eine oder zwei Stunden zu schlafen. Ach, bloß noch ein paar Minuten! Sacht beginnt »Gottfried« wieder einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das Bewusstsein vom letzten Faden lösen will, schrickt er auf und springt mit beiden Beinen aus dem Bett. Er wird sich doch nicht von dem Barthel – dem Bauern – einen Meldezettel an den Arzt schreiben lassen wie ein Schuljunge, der was »pexiert« hat, von seinem Lehrer. Dieser Barthel ist ein ganz netter Kerl, aber er »klemmt« einen sofort, falls man über die Hausordnung hinweggeht. Und es ist so blöd, sich dann beim Doktor entschuldigen zu müssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch in die alten Pennälerängste zurücksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen hält man sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das Waschwasser ist kalt. Warmes müsste extra verordnet werden. Und man schämt sich hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Bedürfnisse erkennen lassen will. Es passt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe heißt. Eigentlich war's doch schön im Traume, so plötzlich zu Hause zu sein. Wie sie alle zärtlich und besorgt waren und nach den Augen schauten, ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier war das anders, hier hieß es nicht wünschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war's ja nicht, wenn man manchmal ein bisschen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts von Hause erfuhr. Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die erste Nachricht. »Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, dass Du Dich völlig erholst. Mit treuen Grüßen Dein Weib und Deine Kinder.« Das war alles. Es war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der Kurdirektion; aber Details fehlten gänzlich. Ob nun Fritzchen im Griechischen auf das volle »Genügend« gekommen war, ob Lenchen während der Ferien zum Großvater reiste, ob der Kollege Neumann sich wirklich den Adlerorden erschlichen hatte, wer Stadtverordnetenvorsteher geworden war, wie die Elektrizitätsaktien standen – ah, kein Wort! Das ging ihn wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried Stumpe. Auf die gewohnte Anrede »Herr Amtsgerichtsrat« hatte er beinahe völlig vergessen. Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war einfach Gottfried.

»Gottfried«, hatte gestern die dicke Susanne gesagt, »helfen Se mir mal meine Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muss die Butterrechnung schreiben.«

So wurde man sogar zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen. »Man«, der Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft überhaupt dieses Weib, die Susanne, die Brille verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art Soldatengurt gestiftet, daran hängt wie eine kleine Säbelscheide das Brillenfutteral. Da soll sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber sie trägt das Koppel nicht, sie hat es dem Methusalem um die Ohren schlagen wollen.

Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von hinten. Er sagt, er hätte einen interessanten Rücken.

Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er längst aufgegeben.

Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete Dackel, verbeißt sich in die herabhängenden Hosenträger und zieht und zerrt daran. »Man« macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten ausschlagen wollen, verliert dabei seinen Pantoffel und bemerkt, dass der Dackel die Hosenträger jählings loslässt, sich auf den Pantoffel stürzt und mit ihm unter dem Bett verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der Pantoffel gehört der Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. Einfach oktroyiert! Er hat Hunde nie leiden mögen. Schon gar nicht als Schlafkumpane. Er hat sie immer als wandelnde Flohfabriken verabscheut. Methusalem hat neulich einen »wissenschaftlichen« Vortrag im Rathaussaal gehalten und vorher durch öffentlichen Anschlag angekündigt. Das Thema lautete: »Kann der Mensch (homo sapiens) von dem Hunde (canis familiaris) einen Floh (pulex irretans) erhalten?« Er – Amtsgerichtsrat Dr. – nein, Gottfried Stumpe, hat den Blödsinn nicht mitmachen wollen. Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und – um die Zeit totzuschlagen – hingehen wollen. Aber da hat es geheißen: Der Saal sei überfüllt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am Rathaus eine »Rezension« des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natürlich Blech! Am Schluss hat es da geheißen: »So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, hinreißenden Art aufs überzeugendste nach, dass Hunde- und Menschenfloh zwei ganz verschiedene Spezien sind, dass es einem Hundefloh niemals einfalle, die schön behaarten Jagdgründe seiner tierischen Pfründe freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten Parkett der Menschenhaut unglücklich zu debutieren; dass dem Hundefloh das tierische Blut viel besser munde als das menschliche; dass ein bei einem Menschen gefundener Hundefloh eine außerordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten darstelle, der höllisch an Heimweh leide, kurz, dass wohl ein Dackel von einem Menschen einen Floh bekommen könne, aber nicht umgekehrt. Eine Resolution, die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehörige der Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, dass ein pulex irretans vom canis familiaris freiwillig zum homo sapiens übergehe, auszurotten, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die ohnmächtige geringe Opposition wurde ausgelacht.«

Das war also ein »wissenschaftlicher Vortrag« in diesen Ferien vom Ich.

Verrückt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die Plätze!

Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt – mit elenden Plüschüberresten in der Schnauze – höchst durchtrieben unter dem Bett hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun Keile oder nicht?

Er schlägt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen.

Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Früher würde er gekollert haben. Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten sehr egal sind.

Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter dem Bett, dann kommt er näher, macht ein äußerst treuherziges Gesicht, wedelt mit dem Schwanze und bietet das Bild unverdächtigster Harmlosigkeit. Gottfried sieht ihn an, beschließt, die abscheuliche Heuchelei zu übersehen und sagt einfach und gelassen:

»Du bist ein Schweinekerl!«

Der Dackel blinzelt nach dem Fuße, auf dem sein »Herrchen« in bloßen Socken steht, nimmt den »Schweinekerl« als etwas ganz Selbstverständliches hin und springt dann zärtlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in die Höhe. Und der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so lose sitzt wie ein viel zu weiter Anzug.

»Gottfried, mähren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkälten sich!«

Das war Vater Barthel. »Mähren« hatte er gesagt. Der Mann war nicht satisfaktionsfähig. Wenn ihm früher mal einer »Mähren Sie nicht so lange« gesagt hätte! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel contra Karsubke wegen eines Objektes von drei Mark und fünfzig Pfennig neun Termine ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte!

Tja – Ferien vom Ich!

Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen erleuchtet. Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum ist es wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, sehen alle aus wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust – halbbeleuchtete Höhlengesichter, die sich an den dunkel bleibenden Wänden doch hell abheben. Alles im Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, ein Wissen und Bekennen: draußen ist Nacht. Alles andere grellere Licht lügt den Tag vor.

Im Hausflur unten sagt die hübsche Magd Emilie: »Hoppla!«, weil Herr Gottfried an ihre Milchkanne stößt. Und dann tritt er in die große Bauernstube. Da umfängt ihn das ganze große Behagen des zu früh Erwachten, der in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um den Tisch sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, andere löffeln Milchsuppe. Er suppt. Susanne muss ihm den hübschen, wahrhaft künstlerisch geformten Napf zweimal füllen. Die Frühstücksunterhaltung ist spärlich und nüchtern wie überall. Zu Hause würde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung dazu lesen. Das bisschen Koffein würde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber dass er die Zeitung wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknüllt an die Wand schmeißen würde – das wäre schlimmer. Hier gibt's keine Zeitung. Es geht auch so. Sollten Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist's ihm völlig egal, wer dabei zugrunde geht, gleichgültiger als der vom Dackel zernagte Latschen.

Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein »Sauwetter« würde er zu Hause sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und auf dem schnellsten Wege zur Straßenbahn trachten, um zum Gericht zu fahren.

Hier – Gottfried Stumpe – oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel besser, und er hat Dünger fahren müssen. Die Arbeit verteilt Vater Barthel. Gottfried glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls – das steht fest – dieser Methusalem wird immer bevorzugt. Ist's schön und warm, dass er auf dem Kartoffelfelde Allotria mit dem Weibsvolk treiben kann, geht er hinaus; regnet es und bläst der Wind, wird er zu häuslichen Arbeiten verwandt. Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein, Gottfried Stumpe, hätte nie gedacht, es nötig zu haben, sich um das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne bemühen zu müssen. Er verschmäht auch alle Liebedienerei, um sich Vergünstigungen zu verschaffen. Dieser Methusalem – er ist ja sonst ein netter Kerl – ist schon fünf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; denn er soll Frau Susanne auf einem Schaffboden in einer fabelhaft geschmeichelten Weise porträtiert haben, dass er, trotz gelegentlicher Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. Denn Susannes Bild hängt jetzt in einer Münchener Ausstellung; das schmeichelt natürlich solch alter Schachtel gewaltig.

Die dicke Lene drüben am Nachbartisch – Gottfried müsste sich furchtbar täuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt hätte – sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei über seine Uhrkette, die ein klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet hat. Aber Barthel, der ein geriebener Patron ist, merkt den Braten und sagt:

»Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schön; aber Rüben abkloppen müssen Sie heute trotzdem.«

»Es ist so furchtbar kalt!« stöhnt die Dicke.

»Lene«, belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; »es is kalt, das is wahr. Aber Sie sind hier, um dünner zu werden, und Kälte zieht die Körper zusammen.«

Sämtliche Frühstücksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als er Dünger fahren musste, hat er sich bloß damit getröstet, dass es die Arbeiter auf dem Rübenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rüben aus dem nasskalten, manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu »klopfen«, damit überflüssige Erde abfällt, und sie für den Wagen zu sammeln, ist an solchen Regentagen keine schöne Arbeit und nichts weniger als Manikure. Die Finger werden blaurot. Nur Pulswärmer helfen etwas. Scheußlich. Er – Gottfried – freut sich auf seine Düngerfuhre. Da pendelt er so langsam neben seinen beiden nachdenklichen Rösslein einher, und der Ammoniakgeruch, den seine Ladung ausströmt, stört ihn nicht. Der soll sogar ausgezeichnet gesund für die Lungen sein.

»Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!« hört er Vater Barthel weiter reden.

Richtig! Es regnete – folglich blieb Methusalem im Trockenen.

Gottfried hasste in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den Kollegen gehasst hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche Leute verstehen es eben, immer »nach oben« zu schielen.

»Oben« – das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne.

Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei.

»Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein Bild auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!«

Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern fleißig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Briefträger in die Stube. Er hatte eine riesige Tasche umgehängt, und in dieser Tasche steckte ein einziger Brief.

»Herrn Methusalem auf dem Forellenhof.«

Methusalem öffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie ohnmächtig auf die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. Barthel hob den auf den Fußboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne weiteres vor:

»Sehr geehrter Herr!

Ihre von der gesamten Fachkritik glänzend beurteilte Zeichnung ›Bäuerin auf dem Schaffboden‹ ist heute für den Preis von fünftausend Mark verkauft worden.

Die Ausstellungsleitung.«

Große allgemeine Verwundernis.

Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte:

»Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, dass du so 'ne interessante Frau bist!«

Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers.

»Kinder«, sprach er mit zerknirschter Stimme, »ihr alle kennt mich und werdet daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes Jahr bin ich alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun werd' ich plötzlich ein Krösus. Dass ich in der kurzen Spanne Zeit meines irdischen Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben kann, werdet ihr einsehen. Und doch muss sie mangels jeglicher Leibeserben weggeschafft werden. Ihr könnt glauben, dass dieser Fall mein Gemüt hart bedrückt. Doch werden wir Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu feiern, bis ich von dem Alp des Geldes erlöst bin.«

Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin und her.

»Denken Sie doch, Frau Susanne – fünftausend Mark – in München auf der Ausstellung! Für Ihr Bild!«

»Ruhe!« kommandierte Barthel. »Wir müssen wieder an ernste Dinge denken. Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr'n 'runter nach Waltersburg zum Kaufmann Scholz und hol'n das Fässchen Heringe ab, das ich bestellt hab. Lassen Sie sich's aber recht festbinden, dass es nicht 'runterkugelt!«

»Jawohl!«

»Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen.«

Vierstimmiger piepsiger Frauenchor:

»Jawohl!«

»Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann Henschel werden Äppel pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe werden die Äppel nach der Äppelkammer tragen.«

Septett: »Jawohl!«

»Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im Winkel wird helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; Piesecke kommt zwei Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene und Joachim Hans von Ziethen helfen beim Rübenabkloppen. Fehlt noch jemand?«

Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein Gottfried Stumpe, erhob sich.

»Ich!«

»Ach so – Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Rübenabkloppen.«

Gottfried erblasste. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hörte nur noch mit beißendem Ingrimm, dass Barthel den Methusalem aus Anlass seines Briefes einen Tag beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurück.

»Nimmermehr!« rief er pathetisch, »denn sehen Sie, Vater Barthel, eine ungeheure Lebenslust, ein Kraftüberschuss durchströmt plötzlich meinen fast tausendjährigen Leib. Ich komme mir vor wie ein Fünfunddreißiger. Wo soll ich hin mit der Freud? Austoben muss ich mich. Und das kann ich nur, wenn ich Holz hacke. Ich will keinen Urlaub, ich hacke Holz!«

Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklärte Barthel das Frühstück für aufgehoben. Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den Badehäusern, um ihre »Anwendungen« zu machen. Auch Gottfried Stumpe schritt hinaus in den fein sprühenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. Auf seinem Kurzettel stand heute ein zehn Minuten langes Bedampfen des Magens (er litt an Magennerven), dann ein Bürstbad mit nachfolgendem kühlen Abguss. Was so die Nervösen bekommen! Früher war er auch massiert worden und hatte im Gymnastiksaale turnen müssen. Jetzt fiel das weg. Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anständiger Behandlung. Jetzt musste er einfach arbeiten. Rüben abkloppen. Mit Mägden und alten Weibern zusammen. Scheußlich!

Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen ließ. Dass man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! Solche Schweinerei, wie Rüben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich nicht mit! Man reiste aber nicht ab. Man wusste, dass sich die Kurverwaltung aus einer Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf warteten, neu eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei dem Gedanken: sie brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war nicht zu leugnen, dass man hier absolut von Grund auf gesünder wurde.

Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann musste er sich nach der kühlen Abgießung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte er eine halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses verpusten.

Dann aber musste er unwiderruflich aufs Feld.

Rüben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Sprühregen aufhörte. Ein einziger Trost war, dass bei solchem Wetter das Äpfelpflücken vom nassen Baum auch kein Heidenspaß war.

Wie kämen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel dazu, dass sie ...

Neid und Missgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich oft schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch schon zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und gekollert, mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja mit Weib und Kind. Die Fliege an der Wand ärgerte ihn, das Klopfen des Regens ans Fenster regte ihn auf. Jetzt – wer diesen Dackel und diesen Vater Barthel vertrug, ohne tobsüchtig zu werden, musste schon sehr gesund sein.

Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem er wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen an einem Waldrande getroffen, jeder mit einem Körbchen und einem Messer bewaffnet, hatten einander gegenübergestanden und gelacht. Dann hatten sie sich einander vorbestellt: »Emanuel Geibel vom Sonnenhof – Gottfried Stumpe vom Forellenhof. Freut mich! Freut mich!« Und am sonnigen Waldrande gesessen und geschwatzt. Allmählich aber waren sie in zivilisiertes Gespräch gekommen, auf Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, auf hohe, schließlich auf ganz hohe Politik, dann noch höher hinauf auf die Kunst, haben sogar einen etwas torkeligen Aufstieg in metaphysische Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen der Philosophie und Religion verklettert und sind dann mit einem waghalsigen Sprung auf die letzte Gipfelhöhe der Menschheit gesetzt – auf den im Blauschnee glitzernden, aller gewöhnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar der heiligen Jurisprudenz.

Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel entpuppte sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter Verstandesmensch, als einer, der nicht nur über den Hanswurst, den jetzigen Justizminister, spottete, der mit seinem geistigen Zwergenmaß die Riesenschleppe des Ministertalars gar zu possierlich schleifte, sondern der auch an die Dogmen der anerkanntesten juristischen Größen mit geradezu souveräner Überlegenheit die Sonde legte. Wie er allein über Liszt urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, dass der Mann, der sich unter dem Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Größe der Rechtswissenschaft war, hoffentlich der künftige Minister. Dann würde vieles an den unhaltbaren verrotteten Zuständen der heutigen Rechtspflege gebessert werden. So beschloss der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber gar keine, als eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern reden zu lassen und ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise durchschimmern zu lassen, dass er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige Gegenströmungen ins Dunkle gestellt worden sei und gewissermaßen auch etwas mit der Jurisprudenz zu tun habe; drittens privatim sich als Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie Emanuel Geibels zu erwerben. Das alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel sogar mit ihm Brüderschaft gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen Verstand ein poetisches Gemüt, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen hatte, von denen jedes mit Schwefelsäure getränkt war, konnte plötzlich traumversunken stehenbleiben und seufzen:

»Oh, darum ist der Lenz so schön
Mit Duft und Strahl und Lied,
Weil singend über Tal und Höh'n
So bald er weiterzieht.«

Oder, weil ihm eben einfiel, dass gar nicht Frühlingszeit sei:

»Herbstlich sonnige Tage,
Mir beschieden zur Lust,
Euch mit leiserem Schlage
Grüßt die atmende Brust.
Oh, wie waltet die Stunde
Nun in seliger Ruh;
Jede schmerzende Wunde
Schließet leise sich zu.«

Der eiskalt schließende Jurist hatte sich ganz in die süßen, goldenen Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des Dichters Namen für seine Ferien vom Ich gewählt. Die Gegensätze berührten sich auch hier.

Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgießung »trocken lief«. Die Begegnung war nicht ganz zufällig. Gottfried wusste, dass Emanuel abreiste. Er habe nur sechs Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er könne nicht länger abkommen. Natürlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kräfte.

Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum »Zeughaus« hinunter.

»Nun gehe ich da hinein«, sagte Emanuel traurig, »und komme nicht mehr durch diese Tür in unser liebes Heim zurück, sondern trete auf der anderen Seite in meinem Weltanzug auf die Straße hinaus, die ins kalte Leben zurückführt. Ach, mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, wir wären jetzt oben im Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern gehabt.«

Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder vom Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben:

»Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt,
Das ist ein großes Leiden,
Wie's größ'res nimmer gibt;
Es klingt das Wort so traurig gar:
Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!
Wenn sich zwei Herzen scheiden,
Die sich dereinst geliebt.«

Wohl verwunderte sich Gottfried über diese große Zartheit, aber sie packte ihn, und die Augen wurden ihm feucht.

Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite würde er nun hinaus auf die Straße treten, die aus diesen friedlichen Ferien zurückführt in die harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus herum und gelangte durch ein Seitenpförtlein ebenfalls hinaus auf die Straße. Er wollte den Freund noch einmal sehen. Mochte er zu spät auf Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei.

Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast hätte ihn Gottfried in dem nüchternen Reiseanzug nicht erkannt.

»Ah, da bist du noch!«

»Ja, ich wollte dich noch einmal sehen.«

»Das ist lieb von dir!«

Emanuel zog die Uhr – eine einfache silberne Taschenuhr.

»Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zählt Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da dürfen einem nur eine Glocke oder der Großknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spät es ist. Und dann das Geld, das bedrückt mich am meisten. Was soll ich mit den paar Kröten tun? Mir eine Burg des Glücks davon bauen? Lieber Gott!«

»Du wirst noch hoch hinauf kommen!« tröstete ihn Gottfried.

»Nein!« sagte Emanuel bitter. »Da drinnen, da ist es ja geboten, über das eigene Ich zu schweigen. Aber hier draußen auf der Landstraße will ich mich dir gegenüber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Hätt' gern studiert. Aber wie ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da musste ich abgehen von der Schule. Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretär am Amtsgericht zu H.«

»Emanuel!«

Gottfried rang die Hände ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser Ministerstürzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstürzler von oben! Ein Sub – sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch wüsste!

»Emanuel!«

Gottfried stand so verdattert da, dass in die weichen Züge Emanuel Geibels wieder die essigsaure Schärfe trat, die aber doch nur zu den resignierten Worten führte:

»Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel – wer wir draußen sind, braucht uns nicht mehr zu kümmern, braucht Sie nicht zu genieren.«

»Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein«, sagte Gottfried noch ganz benommen.

»Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche Kur zu wünschen«, sagte Emanuel höflich, verneigte sich, ergriff seine kleine Handtasche und wollte gehen.

Da aber hatte ihn Gottfried am Arm.

»Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde – auch draußen –, verstehst du? Von dem blödsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden.«

Emanuel setzte die Handtasche auf die Straße.

»Ich danke dir!« sagte er schlicht, aber in tiefer Freude.

Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, das jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Rübenfelde. Da waren die Leute fleißig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, der auch zum Rüben »abkloppen« kommandiert war, sprang in kühnen Husarensprüngen über ein lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich warm zu machen, in Wirklichkeit aber – wie der Amtsgerichtsrat mit neidischem Grimm bei sich feststellte –, um sich von der Arbeit zu drücken.

Zehn Minuten später sprang er mit über das Feuer, bis von ferne die Gestalt Barthels auftauchte.

Da begaben sich die beiden Drückeberger schleunigst an die Arbeit.

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