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Ferien vom Ich

Paul Keller: Ferien vom Ich - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorPaul Keller
titleFerien vom Ich
publisherDeutsche Buchgemeinschaft
year1916
correctorreuters@abc.de
sendergebler.dresden@yahoo.de
created20140918
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Die »Neustädter Umschau«

In Neustadt erscheint ein Blättchen, die »Neustädter Umschau«. Es kommt wöchentlich zweimal heraus in einem Umfang, dass eine einzige Nummer genügt, ein Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen Redakteur suchte, versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es meldeten sich drei Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben ehemalige Lehrer, ein »sehr gebildeter« Schlossermeister, davongejagte Seminaristen, freie Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der Verleger wählte von der ganzen Rotte den Unfähigsten, einen herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber Doctor juris war, was in der »Umschau« mit Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die »Umschau« in der Art, dass er in seiner nüchternen Tagesstunde, die vormittags nach seinem jeweiligen Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustädter Kurhauses den Stoff für die nächste Nummer aus großstädtischen Zeitungen abschreibt. Einen lokalen Teil hat die »Umschau« kaum; jedenfalls war er stets äußerst jämmerlich. Desto mehr fiel es auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, wenn auch dreist geschriebene Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim brachte.

Der erste Artikel beschäftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgeführt, dass ich nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen habe, um auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden Menschheit meine ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, mit dem ich zu tun gehabt hätte, wäre die Seekrankheit gewesen, und da sich gegen diese bekanntlich überhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja sicher ganz am Platze gewesen. Mein Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum Ausruhen gehabt, dass ich (wahrscheinlich unter dem verheerenden Einfluss der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt »Ferien vom Ich« gekommen sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse schicken, mir auch sonst alle mögliche Förderung angedeihen lassen; denn das moderne Weltbad spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es wäre nur zu bedauern, wenn sich die Neugründung nicht bis zum nächsten Fasching hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnügungsprogramm von Neustadt würde es sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit hieße: Morgen Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt »Ferien vom Ich«. Ängstliche seien versichert, dass ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu befürchten ist, da sich dieser in der Waltersburger Anstalt nur ganz harmlos und kindlich äußere.

*

Das war der Begrüßungsartikel, der meiner Gründung von dem freundnachbarlichen Neustadt zuteil wurde. Stefenson brachte ihn mir persönlich. Er beobachtete mich, als ich ihn las.

»Niedlich!« sagte ich; »ich hätte das den Kerlen gar nicht zugetraut.«

»Na, sehen Sie«, atmete Stefenson auf, »es freut mich, dass Sie nicht entrüstet sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen wollen. Der Artikel ist wirklich nett.«

Eine der nächsten Nummern der »Umschau« beschäftigte sich mit Mister Stefenson. Es hieß darin, nach authentischen Auskünften aus Amerika sei Mister Stefenson, der bekanntlich das Waltersburger Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der merkwürdigsten Geschäftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Seine geschäftliche Laufbahn habe Stefenson als Küchenboy in einem Hotel vierten Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Löffel, über den jenes Hotel verfügte, eines Tages verschwand und ganz zufällig in der Pappschachtel, die des jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, aufgefunden wurde, wohin er auf eine Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz unerklärliche Art gekommen wäre, sei der vielversprechende junge Mann nach Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom Unglück verfolgt worden. Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm den Jüngling wegen angeblichen Pferdediebstahls hingen, riss und also gewissermaßen ein Zeichen vom Himmel für die Unschuld des Gerichteten vorlag, hätten die barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fürchterlich geprügelt, dass Stefenson zwei künstliche Rippen als Andenken an jenes Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die Waltersburger im Begriff ständen, zu ihrem Ehrenbürger zu machen, sei ebenfalls recht bewegt und reich an Zwischenfällen gewesen. Stefenson sei einmal als Kutscher bei einem großen Petroleumtransport engagiert gewesen. Dieser Transport sei von Indianern überfallen, die ganze Begleitmannschaft tot- und sämtliche Petroleumfässer entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson sei am Leben geblieben, da er so vorsichtig war, bei der herannahenden Gefahr als erster zu fliehen. Es habe sich nun so gefügt, dass Stefenson am nächsten Tage zwei abenteuernde, reiche, aber recht dumme Kerls in einer benachbarten Stadt getroffen und diese vertraulich auf ein Gelände aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke Petroleumquellen vorhanden seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem er die Spuren des Überfalls gründlich beseitigt hatte, auf das Gelände geführt, allwo noch ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen hätten sich bereit erklärt, an Stefenson zunächst mal fünfhundert Pfund zu zahlen, damit er alles Nötige für die Erschließung der Quellen in die Wege leite. Als sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst überlegt habe, hätte er sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, müsse er an der Ergiebigkeit des Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern lieber weitere unnötige Kosten ersparen und, ohne sich erst durch »Good bye« und andere Abschiedsförmlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago verschwinden.

Die fünfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), die Stefenson mitgenommen habe, hätten die Basis für seine weiteren geschäftlichen Unternehmungen gebildet, für Unternehmungen, die nicht weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermögen gekommen. Da aber die engherzigen amerikanischen Richter öfters an Herrn Stefensons Geschäftsusancen Anstoß genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen Manne trotz der geradezu luxuriösen Ausstattung der amerikanischen Gefängnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall gekommen, sein Wirkungsfeld vorübergehend mal nach Deutschland zu verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das weiße Lamm im grünen Felde in ihrem Wappen führe.

Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in große Aufregung. Stefenson verstand mich nicht.

»Es ist wahr«, sagte er; »der Artikel könnte farbenreicher gehalten sein, die Geschehnisse sind etwas nüchtern gegeben, aber, mein Lieber, der heutige Geschmack verpönt das Allzukrasse. Ich finde den Artikel ausgezeichnet, viel, viel besser als den, der neulich über Sie in dieser Zeitung stand.«

»Stefenson!« schrie ich ihn an; »sehen Sie denn nicht ein, dass uns dieser Zeilenschmierer, dieser Süffling unmöglich macht? Jetzt bleibt nicht anderes mehr übrig, jetzt müssen Sie den Mann verklagen.«

»Ja, glauben Sie, dass ich toll bin?« entgegnete Stefenson. Ich erzählte ihm, was schon der Artikel über mich für allerhand Unheil angerichtet habe. Nicht bloß, dass sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe geweint habe, ich hätte gehört, wie die Leute hinter mir zischelten. »Stefenson, unseren guten Ruf müssen wir behalten, sonst sind wir ruiniert.«

»Guten Ruf?« verwunderte er sich. »Wie kann man seinen guten Ruf behalten, wenn man Geschäfte macht? Das ist doch unmöglich. Er wird einem doch selbstverständlich kaputt gemacht. Wenigstens äußerlich – in der gegnerischen Presse – das ist ja unausbleiblich. Darüber regt man sich doch nicht auf!«

Ein Brüllen tönte von der Straße herauf.

»Der Pferdedieb! – Der Löffelstehler! – Der Petroleumstänker! Raus, raus!«

Stefenson lugte durch die Gardine.

»Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstädtisch. Petroleumstänker ist bei der Kürze der Zeit schon ein ganz gut geprägter Zuruf!«

»Stefenson, es geht nicht – Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie sind hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren.«

»Desto besser.«

»Die Geschäftsleute werden nicht mehr liefern.«

»Gegen bar werden sie bestimmt liefern.«

»Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen Artikel nicht Zeile für Zeile in öffentlichem Gerichtsverfahren als Lüge brandmarken.«

»Das soll mir gewiss nicht einfallen«, lachte er.

Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. Das Lärmen auf der Straße wurde indes lauter, die demonstrierende Schar wurde größer. Da verließ mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen Zylinderhut bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg betroffen und gab eine Gasse frei, dann lärmten die Leute hinter Stefenson her. Ich war so verbittert, dass ich wohl eine Stunde lang planlos vor der Stadt am Bache hin und her ging, ehe ich Stefensons Büro aufsuchte.

»Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?« fragte er gleich bei meinem Eintritt. »Seinen Kontrakt mit mir hat er gelöst. Der Esel! Mir hat er einen großen Gefallen getan; denn ich weiß einen tüchtigeren und billigeren Mann, als er ist, und bin froh, dass ich ihn loswurde. Glück muss man haben!« Er rieb sich die Hände.

»Mister Stefenson«, sagte ich ernst; »wir werden wohl unsere Kontrakte alle lösen müssen. Denn obwohl ich natürlich von dem Schundartikel eines verkommenen Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, dass unsere Situation hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem Schmutz, der auf Sie geworfen wurde, reinigen. Wir vermögen nicht ohne die Achtung unserer Mitbürger zu bestehen. Wir werden unmöglich!«

Stefenson ging mit großen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner pechschwarzen Zigarre. Ganz milde sagte er dann:

»Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren – meine Mutter war ja auch 'ne Deutsche ...«

»Und Ihr Großvater väterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg«, wollte ich dazwischenwerfen, verschluckte es aber.

»Ja, also die Deutschen«, fuhr Stefenson fort, »bilden sich was ein auf den Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Völker, gar nicht haben. Schön – ich gebe zu, Sie haben Dichter, die ausgezeichneten Humor haben, und auch deutsche Geisteszivilisten sind vielfach mit einer beträchtlichen Dosis von Humor begabt. Aber das ist alles so – entschuldigen Sie – so sparsam, so auf Kleinbetrieb, auf Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Große geht, der fehlt Ihren Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anständiger Mann sein Geld und seine Zeit auf eine große, aber sehr wackelige Sache setzt, und es kommt so 'n Pressäffchen und kläfft was von Pferdedieb und Petroleumstänker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat doch der Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn der Leser nur ein bisschen Hirnschmalz hat, fällt's ihm nicht ein, ein Wort zu glauben. Aber er tut so, als ob er's glaubte, er mimt mit in der Maskerade und amüsiert sich dabei königlich. Und der, dem der Feldzug gilt, wird ein bekannter, ein berühmter, ein reicher Mann. So sind alle zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht hat, die Leser, die eine amüsante Frühstückslektüre gehabt haben, und der Mann, der angegriffen worden ist und seinen Profit hat. Ich sage Ihnen, in Amerika ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Öffentlichkeit angehangen zu werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem Grunde des Vertrauens seiner Mitbürger. Aber der Humor, Mensch, der Humor darf nicht fehlen!«

»Wir in Deutschland haben einen anderen Humor«, sagte ich und war froh, dass es so ist.

Da kam einer unserer Bauführer und meldete kleinlaut, dass wahrscheinlich fast alle unsere Arbeiter kündigen würden. Als er gegangen war, saß Stefenson gesenkten Hauptes am Tisch.

»Werden Sie nun begreifen«, fragte ich, »dass Sie die gerichtliche Klage anstrengen müssen, dass es absolut Zwang für uns ist?«

»Ich kann die Leute nicht verklagen«, sagte Stefenson schwermütig.

»Sie können nicht?« fragte ich betroffen. »Warum können Sie nicht?«

»Weil ich den Artikel über Sie und über mich selbst geschrieben habe.«

Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand.

»Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in das Neustädter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist billig. Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der Verleger, so dass sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in ihrem Blatte recht kräftig zu beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte so durch zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger Stadtblatt ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustädter ›Umschau‹ loslassen. Das sollte so hübsch hinüber und herüber gehen, bis zuerst die Provinz- und dann die hauptstädtische Presse davon Notiz nahm und im bunten Teil Auszüge brächte, etwa unter der Überschrift: ›Der Sturm im Wasserglase‹ oder ›Krieg der Zaunkönige‹ oder ›Ein Mordsskandal in Dingsda‹ oder so ähnlich. Da hätte nun das große Publikum auf einmal etwas von uns gehört, hätte die bittere Pille unserer Idee in der Verzuckerung sensationellen Humors geschluckt, und überall hätte man von uns und unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir wären durchgewesen. Diese ganze schöne Propagandaidee hätte mich etwa lumpige tausend Mark gekostet, und nun fällt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute zusammen.«

Ich kam aus der Verblüffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, was zu tun sei.

Es stellte sich heraus, dass Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, dass also Beleg- und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile einen kurzen Artikel für unser »Waltersburger Tageblatt«. Er lautete:

»Einen fürchterlichen Reinfall haben die Neustädter erlebt. Ihre weitverbreitete ›Umschau‹ hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein Druckfehler) Schauermären über die Unternehmer der in Waltersburg zu begründenden großen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu grotesker Dummheit. Während das gebildete Waltersburger Publikum diese klatschfetten Zeitungsenten als solche natürlich sofort erkannt hat, sollen sie gewissen Neustädter Kreisen über die Maßen gemundet haben. Denn der Hass gegen das aufblühende Waltersburg ist zu groß, als dass nicht auch die eselhafteste Lüge, wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet ist, in Neustadt Glauben fände. Wie schwer der Reinfall ist, möge folgender Aufschluss bekunden: Mister Stefenson hat der von ihm hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmähten Stadt ›mit dem weißen Lamm als Wappentier‹, eine Genugtuung geben wollen, indem er die Neustädter Bevölkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen ließ. Mister Stefenson hat – wie vorliegende Dokumente beweisen – die beiden aufsehenerregenden Artikel, die natürlich von A bis Z erfunden sind, nämlich selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn Redakteur und Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der ›Neustädter Umschau‹ veröffentlicht. So viel war ihm der Spaß wert. Die Neustädter aber mögen nun die Zoologie nach einem für sie passenden Wappentier gefälligst selbst durchforschen.«

Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drückte er mir die Hand.

»Ich danke Ihnen«, sagte er anerkennend; »Sie sind gar nicht so unamerikanisch.«

*

Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so fabelhaft schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten mich oft, und wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und lärmen hörte, dachte ich daran, wie schön es war, als noch die stillen Raine durch grüne Felder liefen. Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich fühlte mich auf diesen Bauplätzen außerordentlich unbehaglich, und wenn ein schöner Baum zum Opfer fallen muss, bereitet es mir Schmerz, als ob einem unschuldigen Freund ein großes Unrecht geschähe.

Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein Haus immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich glaube, ich sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, wie ich es träume. Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. Erst, wenn »aufgeräumt« sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu gefallen.

Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft werden.

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