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Gutenberg > Jacob Christoph Heer >

Felix Notvest

Jacob Christoph Heer: Felix Notvest - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
authorJ. C. Heer
titleFelix Notvest
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
year1901
printrun7
firstpub1901
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20051018
projectid8632c953
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XIX.

Die Ausgestaltung der neuen Landesverfassung ist ein langwieriges Werk, und die meisten ihrer Bestimmungen rufen frischen Streit. Die Partei der unversöhnlichen Unterlegenen, deren Sammellinse die Villa Venedig ist, hat, zu schwach zu einem ernsthaften Kampfe, von ihren Gegnern die Kunst der ›Skelette‹ gelernt, aus der Burg Robert Hohspangs stiegen die giftigen Pfeile in die Menge der Fortschrittsmänner. Die neue Partei bietet ihnen ja eine breite Zielscheibe! Wie viel Ehrgeiz, wie viel Eigennutz haben sich an die siegreiche Bewegung geschlossen. Namen, die man vorher nie gehört hat, beginnen zu klingen und bedecken sich mit dem flüchtigen Ruhm der Tagesgröße, manche, die mit großen Worten am Wohl des Landes arbeiten, suchen im stillen noch mehr das eigene, einen Sessel im Rat oder ein einträgliches Amt in ihren Bezirken. Was ist leichter als über die Selbstsucht, die den Mantel der Bürgertugend trägt, Satiren schreiben?

Einer nur steht zu hoch da, als daß ihn ein Pfeil der Gegner erreichen könnte. Felix Notvest, der siegreiche Führer, der »Cato von Reifenwerd«, wie man ihn mit achtungsvollem Scherze im Lande nennt.

Ruhig geht er seinen Weg durch die Stürme der Zeit.

An ihn wagen sich die Verunehrung, die persönlichen Angriffe, wie sie sich in schweren politischen Erregungen leicht ereignen, nicht heran. Gerade weil er schlichter Pfarrer geblieben ist, genießt er das erhabene Vertrauen des Volkes jetzt, anderthalb Jahre nach der großen Volksversammlung von Reifenwerd, wo er den Sieg über Robert Hohspang, den mächtigen Regierungspräsidenten, davongetragen hat, noch im gleichen Maß. Er schmeichelt den Leidenschaften seiner Partei nicht und übt seinen gewaltigen Einfluß im Sinne der Versöhnlichkeit. Selbst seine Gegner erkennen es an. Die Einsichtigsten unter ihnen haben es eingesehen, daß für sie durch treue Mitarbeit an dem Werk der neuen Verfassung mehr als durch Groll und Widerspenstigkeit zu gewinnen ist, und die wilden politischen Wogen glätten sich ein wenig.

Das ist der schönere Sieg Felix Notvests.

Neben dem »Cato« sitzt der »Stier« von Reifenwerd, der Kommandant, im Verfassungsrat. Er fühlt sich darin als der berufene Anwalt des Bauernvolkes, das bei der Neuordnung der Dinge nicht verkürzt werden soll. Seinen besonderen Haß hat er auf die mächtig ins Land dringenden Pläne für den Bau neuer Eisenbahnen geworfen. »Gotts Himmelsakrament! Muß denn jedes alte versteckte Nest seinen Bahnhof erhalten!« Wie ein Hagelwetter fährt sein Wort in die Spiegelfechtereien der Advokaten und Streber, die sich die Wahlgemeinde gefügig machen, indem sie ihnen Stationen an den kommenden Eisenbahnen versprechen.

Man bewundert seine knorrige Aufrichtigkeit, lächelt aber auch über die Eitelkeit, daß er sich so häufig wie möglich mit seiner schönen Tochter zeigt und sie Freunden und Bekannten vorstellt.

»Das ist meine Judith!« spricht er dann voll Vaterstolz, und seine grauen, großen Augen unter den buschigen Brauen leuchten warm.

Heute hat er, wie es oft geschieht, den Pfarrer eingeladen, mit ihm auf dem Bernerwägelchen aus der Stadt nach Reifenwerd zurückzufahren. Sie sind zwar nicht in allen politischen Fragen einig, aber doch Freunde.

Nie ist Felix Notvest das rötlichbraune, eherne Gesicht des soldatischen Bauern so hager und eingedorrt erschienen wie jetzt, das Stück Unterlippe, das zwischen den Flügeln des großen, grauen Schnurrbarts sichtbar ist, so zerquält und zerbissen.

Ihm schwebt eine vorwurfsvolle Frage auf der Zunge: Ihr habt also der Lony immer noch nicht geschrieben? Er schweigt aber, denn wenn der Kommandant nicht von selber mürbe wird, so hilft kein Zureden!

Schon rollt das Wägelchen die Steige hinunter. Vor den beiden Volksmännern liegt Reifenwerd im Abendsonnenglanze.

Jenseit des mit Obstwäldern umgebenen Dorfes ragen über die Steildächer der ehemaligen Abtei zwei aus Backsteinen gebaute neue Kamine in die Luft, und ihre langen, schwarzen Rauchfahnen werfen fließende Schatten in die sonnige Landschaft.

»Hauptmann Fürst baut ja wieder wie besessen!« knurrt der Kommandant. »Die beiden Schornsteine könnten mir Reifenwerd verleiden. Fürst schert sich um das in Aussicht stehende Fabrikgesetz keinen Pfifferling.«

»O doch,« erwidert der Pfarrer lebhaft. »Er weiß es so gut wie die anderen Fabrikanten, daß die Baumwollspinnereien von dem Tage an, wo der Kinderschutz eingeführt ist, aufhören, die Goldgruben ihrer Besitzer zu sein, und nur noch einen bescheidenen Nutzen abwerfen. Er ist aber gescheiter als sie mit ihrer leeren Drohung, vor dem Gesetze aus dem Lande zu wandern.«

»Eben, eben,« spricht der Kommandant grimmig, »zu seiner Baumwollspinnerei baut er jetzt eine Maschinenfabrik. Es wird in unserer Gemeinde stets schöner.«

»Nun,« meint Felix Notvest, »ein Stamm geschickter, wohlgelöhnter, selbstbewußter Metallarbeiter wird dem Dorfe besser als das ärmliche Spinnervolk anstehen.«

»Reifenwerd stehen nur die Bauern an!« grollt der Kommandant zornig. »Zum Teufel mit dem Fabrikgesetz, wenn es nur dazu gut ist, unser Dorf mit noch mehr Dienstleuten Rudolf Fürsts zu füllen!«

Bei dem Angriff auf seine Lieblingsschöpfung blitzt es im Auge des Pfarrers kampflustig auf.

»Haben Sie gehört,« versetzt er, den Kommandanten scharf anblickend, »daß Rudolf Fürst vor vierzehn Tagen in Lyon gewesen ist und mit Direktor Karl Wehrli einen Vertrag abgeschlossen hat, der ihm allein das Recht giebt, in unserem Lande die Wehrli-Webstühle herzustellen?«

Fast unmerklich läuft ein Zittern über das Gesicht des Kommandanten.

»Es muß doch etwas Sonderbares in der Brust Rudolf Fürsts vorgegangen sein,« fährt der Pfarrer lächelnd fort, »als ihm sein ehemaliger schlichter Angestellter die Bedingungen des Vertrages, bei dem es sich um Hunderttausende von Franken handelte, auseinandersetzte. Aber wer beugt sich nicht unter die Thatsachen und den Erfolg?«

»Ich beuge mich nicht,« knurrt der Kommandant, »es fiele mir leichter, an Lony zu schreiben, wenn sie das Weib eines armen Mannes wäre. Aber jetzt hat sie mich ja nicht nötig! Wehrli ist grad so einer wie Rudolf Fürst!«

Das Wägelchen hält vor dem Pfarrhaus.

»Herr Kommandant, darf ich Ihnen einen Rat in Ihr Heim mitgeben?« erwidert der Pfarrer; »warten Sie mit einem Brief an Lony nicht, bis Sie das Schicksal beugt. Und Karl Wehrli verwechseln Sie nicht mit Rudolf Fürst; der erfolgreiche Erfinder ist ein Fabrikant mit dem Wappen der Herzensgüte, sein Ruf auf dem Gebiet der Arbeiterwohlfahrt ist nicht kleiner als der seines technischen Genies. Er hat das Wort geprägt: Kinderarbeit und überlange Geschäftszeiten sind die Jugendkrankheit jedes Industrievolkes. Je rascher es sie überwindet, je glücklicher das Land! Es ist unsere geflügelte Losung geworden.«

Etwas ungeduldig hört ihm der Kommandant zu.

»Ich mache noch einen Halt ›im Hirschen‹!« lenkt er das Gespräch ab.

Die beiden Männer trennen sich.

»Kommandant, du bist ein armer Mann, dich stößt dein eigenes, stolzes Bauernhaus ab!« denkt der Pfarrer, »sonst gingest du nicht zuerst zum Wirt!«

Felix Notvest tritt noch einen Trostgang an in die Wohnungen jener armen Spinnerfamilien, in denen Armut und Krankheit zu Hause sind.

»Geben Sie nicht mehr an die Leute weg, als Sie selber besitzen,« ermahnt die treubesorgte Haushälterin Frau Wehrli sorgenvoll den Pfarrer.

»Ich bin noch lange nicht der Ritter St. Georg,« lacht Felix Notvest, »den Mantel habe ich noch nie mit den Armen geteilt!«

Der Kommandant aber sitzt als einziger Gast im Hirschen.

»Überall, sei's ehrlich, sei's hinterhältig, spricht man mir von Direktor Wehrli! Ich bin wie der Narr im Spiel!«

Gedankenabwesend starrt er ins halbvolle Glas. Das ist eine Gewohnheit, die langsam über ihn gekommen ist. Manchmal bewegen sich dann seine Lippen unter dem grauen Schnurrbart und er stößt irgend ein abgerissenes Wort hervor. Dann blicken die grauen Augen auf und er ist wieder bei der Welt.

Ein Kratzen an der Thüre weckt ihn aus seinen Gedanken, Barry, der ausgekundschaftet hat, daß sein Herr im Dorf ist, springt mit freudigem Winseln an ihm empor, und seine Augen leuchten beim Anblick des Hundes aus.

Das Tier wedelt mit dem buschigen Schweife, es ist, als ob seine Blicke den Herrn fragen: »Willst du nicht heimkommen?«

Ja, wenn er im Hause den Frieden hätte! Hier aber kann er so schön von Lony träumen. Das thut ihm so wohl. Er sieht sie, wie sie nach einem fröhlichen Nachtwerk im roten Licht der aufgehenden Sonne mit der Jugend des Dorfes am Waldrand des Rebberges steht und mit ihrer Glockenstimme das Lied anstimmt: »Unsere Berge lugen ins Land.« –

Seit ihm der Pfarrer den Brief gezeigt hat, ist er voll brennenden Heimwehs nach ihr, und die wandernde Zeit macht es nicht kleiner, es wächst und wächst, es ist eine zehrende Flamme.

»Und sie hat das gleiche fressende Heimweh nach mir, wie ich nach ihr! – Lony – Lony – wie seltsam ist es, daß wir nicht zusammen kommen können!« murmelt er.

Da tritt der Hirschenwirt in die Stube, später der dickköpfige Säckelmeister, man spricht über die Angelegenheiten der Gemeinde, dann ziehen andere Gäste den Kommandanten in ein Kartenspiel, bis er sich in der einbrechenden Dämmerung endlich an Barry wendet: »Gelt, wir werden heimgehen müssen!«

»Was ist auch das für eine Ordnung, Hans Ulrich, daß du den Weg ins Haus nicht mehr findest und zuerst das Roß ein paar Stunden vor das Wirtshaus stellst, ehe du zu den Deinen kommst,« klagt und zürnt die Kommandantin bei seinem Eintritt ins Haus und hat die rötlichen Flecken der Leidenschaft auf den Wangen. »Ich möchte dich nur wieder einmal auf dem Acker sehen, müssen wir uns nicht vor den Leuten schämen, daß wir mit den Feldwerken hinter ihnen bleiben. Wohin soll das führen, Hans Ulrich?«

Der Kommandant liebkost in düsterem Schweigen Barry und überlegt.

»Wer hat gewollt, daß ich Großrat werde? – Du, Susanne, du,« bricht er dann los. »Ich kann die Ämter jetzt doch nicht aufgeben und die Eisenbahn über Reifenwerd bauen lassen, wie der Hauptmann es wünscht. Aber es kommt jetzt anders. Ich stelle einen jungen Oekonomen zur Leitung der Feldarbeiten ein.«

»Vater,« mengt sich Judith ins Gespräch, »ich würde nicht zu stark gegen die Eisenbahn anstreiten. Ich habe es schon lange gemerkt, daß die Dörfer im stillen die Bahn doch wünschen, sie hat überall, selbst in Reifenwerd, mehr heimliche Anhänger, als du denkst.«

»Judith – Judith,« zürnt er drohend, »was redest du in meine Angelegenheiten.«

»Ich bin erwachsen,« erwidert sie mit schmollendem Lachen, »ich habe gute Augen und sage gern die Wahrheit!«

Da gefällt ihm seine schöne Tochter mit den heidelbeerschwarzen Sternen doch wieder, es klingt so hübsch und frisch, wie sie spricht.

Einige Tage später ist Franz Wohlgut, der junge Ökonom, da, der, wenn der Herr Großrat in den Sitzungen oder auf gemeinnützigen Fahrten ist, die Arbeit auf dem Heimwesen leiten soll. Er trägt Rohrstiefel, einen grauen Anzug mit grünen Rändern und Manschetten, auf die er sich dann und wann etwas mit dem Bleistist notiert. Leichtbeweglich, schnell und sicher greift er bei der Arbeit zu, ist freundlich und bescheiden und wäre ein hübscher junger Mann, wenn er nicht auf der einen Wange eine Narbe mit häßlichen Rändern sitzen hätte.

»Das Mal ist abscheulich,« wendet sich Judith an den Vater und spreizt abwehrend die Hände; »nein, neben dem arbeite ich nicht!«

»Es ist nicht nötig, daß du ein Vergnügen an Franz findest, nur daß du höflicher mit ihm bist als mit einem Knecht, wünsche ich; er hat studiert und richtet uns jetzt eine Buchführung ein, wie sie auch einem rechten Bauernwesen wohl ansteht, und im Rebbau und in der Obstveredlung soll er ein wahrer Meister sein!«

Judith lacht, wie der Vater seinen Stellvertreter rühmt. »Ich soll den Obstveredler doch nicht etwa heiraten?« erwidert sie lustig.

»Nein, aber sonst dazu schauen, daß du einmal unter die Haube kommst. – Immer Anbändeleien; aber zur Verlobung mit einem jungen Bauern aus gutem Haus bringst du es nicht. – Das kommt von deinem Hochmut – es ist eine Schande und ein Spott!«

Beleidigt bricht Judith in bitterliches Schluchzen aus: »Soll ich einen Fabrikarbeiter nehmen wie die Lony?«

»Judith, so böse ist ja die Sache nicht gemeint,« versetzt der Kommandant begütigend und streichelt sein weinendes Kind.

Er kann nun ruhigen Blutes im Lande herumfahren, der große Wortführer der Bauernsache sein und den Bau der Eisenbahn bekämpfen, er kann auf seinen einsamen Fahrten ungestört an Lony denken, und vielleicht spürt er, daß es noch mehr als die Politik die Sehnsucht nach seiner Ältesten und das schlechte Gewissen ist, die ihn ruhelos durch die Dörfer treiben. Franz sorgt daheim.

Nach etwa vierzehn Tagen sagt er aber: »Es muß an Franz doch ein falsches Härchen sein. Sobald er kommt oder geht, knurrt Barry. Der Hund will sich nicht mit ihm vertragen.«

Wie er selber der Thüre den Rücken wendet, macht Judith, den Blick vielsagend zur Mutter gerichtet, mit dem Finger das Zeichen eines Ringes an die Stirne. »Merkst du nichts, Mutter? Der Vater spinnt. Jetzt soll ein Kalfakter von Hund, wie unser Barry, die guten und bösen Eigenschaften der Menschen herausriechen!«

Der Kommandant spinnt ein wenig. Selbst dem Pfarrer fällt im Ratssaal manchmal das nach innen gewandte Wesen des Mannes auf, den er als junger Verweser so kraftvoll und kernfröhlich gesehen hat.

Allein auch über das Haupt Felix Notvests ziehen die dunkeln Wolken heran, bittere Tropfen fallen in den überschäumenden Becher des Erfolgs.

Es ist, als müsse seine Liebe zu Christli welken, ohne daß sie je Wort gewonnen hat. Das seltsame Kind vermeidet es, so viel es kann, ihm zu begegnen, besonders, wenn es unter vier Augen geschehen könnte, und besucht seine Mutter, wie er wohl merkt, mit Vorliebe an den Tagen und Stunden, an denen ihn Sitzungen vom Pfarrhause fernhalten. Wenn er sie dennoch einmal überrascht, ein jähes Erschrecken, ein tödliches Verlegensein. Darin liegt etwas wie Selbstanklage, das Eingeständnis, daß sie ihren Lehrer Cella liebt. Er aber kann seinen Hoffnungstraum begraben.

Sein schwerstes Leid ist indessen die stets tiefer fressende Entfremdung von seinen Eltern.

Der ehrfurchtgebietende Vater, die feine, herzensgütige Mutter kränken sich bis in den Tod, daß ihr einziger Sohn, der Sprosse eines der angesehensten Geschlechter, den sie fern von den verderblichen Einflüssen der Welt in christlicher Liebe für das sanfte Amt eines Pfarrers erzogen haben, unter die Neuerer gegangen ist und an ihrer Spitze steht.

Dazu tritt jetzt die Frage nach der Abschaffung der lebenslänglichen Ämter ernst in den Vordergrund und füllt die Verhandlungen der Räte. Hunderte von Amtsbrüdern erwarten von ihm, dem Volkstribunen, dem Sohn des Antistes, in grenzenloser Sorge und Spannung Hilfe und Rettung. Er soll seinen mächtigen Einfluß dafür verwenden, daß sein Stand nicht den Launen der Volksgunst ausgeliefert werde, und ihnen die Lebenslänglichkeit des geistlichen Amtes in der neuen Verfassung sichern.

Ist er aber für die Lebenslänglichkeit der Beamtungen seines Standes, dann wird der Hohn der politischen Gegner furchtbar über ihn hereinbrechen. »Seht,« werden sie ihm zurufen, »wie der uneigennützige Volksführer auf feinen eigenen Schutz bedacht ist!« In der eigenen Partei wird ein großer Abfall von ihm sein. Spricht er sich gegen das Privilegium der Geistlichkeit aus, so schreien ihm seine gehetzten, geängstigten, empörten Amtsbrüder das Wort »Judas« zu. Sie drängen, daß er handle und Farbe bekenne, und es hat sich unter ihnen bereits eine wühlende Gegnerschaft gebildet, die sein Zaudern zum Gegenstand ihrer Angriffe macht. Sie hat ihren Kern in der Stadt und ihren Herd in der Villa Venedig, wo die trauernde Witwe Sigunde Hohspang gute Freundschaft mit einigen Geistlichen hält.

Mit allen Mitteln weiblichen Hasses und weiblichen Scharfsinns arbeitet sie an seinem Sturz, überall spürt er die Hand des rachsüchtigen Weibes.

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