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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 56
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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7

Faust stieg den Galgen hinauf, und löste den Strick von dem Halse seines Sohns; trug ihn auf das nahe Feld, das der Pflug frisch aufgerissen, grub mit seinen Händen unter Schluchzen und Tränen ein Grab, und legte den Unglücklichen hinein. Hierauf trat er vor den Teufel, und sprach mit wildem Tone:

»Das Maß meines Jammers ist voll, zerschlage das Gefäß, das ihn nicht mehr fassen kann; aber noch habe ich Mut, mit dir um mein Leben zu kämpfen, denn ich will nicht sterben wie der Sklave, der unter der Gewalt seines Herrn ohne Widerstand hinsinkt. Erscheine mir unter welcher Gestalt du willst, ich ringe mit dir. Um der Freiheit, der Unabhängigkeit, zog ich dich aus der Hölle, am Rande der Hölle will ich sie behaupten, am Rande der furchtbaren Wohnung will ich noch meine Kraft gebrauchen, und fühlen, daß ich dich einst an meinem Zauberkreise gefesselt sah, und dich zu geißeln drohte. Was du in meinen Augen siehst, sind Tränen der Verstockung, Tränen grimmigen Unwillens – Teufel, nicht du, mein eignes Herz siegt über mich!«

Teufel. Ekelhafter Prahler! mit diesem Fleische reiß ich dir die Maske ab, die mir Mut vorlügt, und stelle dich hin in deiner elenden, scheußlichen Nacktheit. Die Rache rauscht heran, und Ewigkeit ist ihr Name.

Er stund in Riesengestalt vor ihm. Seine Augen glühten wie vollgefüllte Sturmwolken, auf denen sich die untergehende Sonne abspiegelt. Der Gang seines Atems glich dem Schnauben des zornigen Löwens. Der Boden ächzte unter seinem ehernen Fuße, der Sturm sauste in seinen fliegenden Haaren, die um sein Haupt schwebten, wie der Schweif um den drohenden Kometen. Faust lag vor ihm, wie ein Wurm, der fürchterliche Anblick hatte seine Sinne gelähmt, und alle Kraft seines Geistes gebrochen. Dann faßte ihn Leviathan mit einem Hohngelächter, das über die Fläche der Erde hinzischte, zerriß den Bebenden, wie der mutwillige Knabe eine Fliege zerreißt, streute den Rumpf und die blutenden Glieder mit Ekel und Unwillen auf das Feld, und fuhr mit seiner Seele zur Hölle.

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