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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 49
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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18

Der Papst hatte bei der Vermählung seiner Tochter eine Kardinalsbeförderung vorgenommen, wozu er die reichsten Prälaten auslas, und da Cäsar Borgia zu dem künftigen Feldzuge große Summen brauchte, so nahm er sich vor, einige davon bei einem Feste, das sein Vater auf der Villa gab, in die andre Welt zu schicken. Der Papst fuhr mit seiner Tochter, dem Teufel, Fausten, dem Borgia und der Gemahlin des Venezianers früh nach dieser Villa. Um der Lucrezia ein neues Vergnügen zu machen, ließ er einige rosigte Stuten in den Hof führen, sie von feurigen neapolitanischen Hengsten bespringen, und dieses Schauspiel ergötzte Lucrezia auf eine ganz besondre Art. Die Neuvermählte, von diesem Schauspiel gereizt, zog Fausten in ein Seitenzimmer, fand aber bald, daß seine Kleinodien einen dauerhaftern Wert hätten als er. Borgia begab sich mit der Venezianerin in ein andres Seitenzimmer, und der Papst blieb mit dem Teufel allein. Die Gesichtsbildung Leviathans hatte schon lange besonders auf ihn gewürkt, und erhitzt von dem, was er gesehen, fing er an, dem Teufel gewisse Anträge zu machen, bei welchen sich dieser in ein wildes Lachen ausschüttete; da aber der Papst immer heftiger in ihn drang, und er merkte, daß er in Gefahr sei, seine hohe unsterbliche Person von einem verächtlichen Menschen, und gar von einem Papste, besudelt zu sehen, so erwachte der schwarze Groll der Hölle in seinem Geist, und er stund in dem entscheidenden Augenblick in einer Gestalt vor ihm, die nie ein lebendes Auge gesehen, noch zu sehen wagen darf. Der Papst, der ihn gleich erkannte, erhub ein Freudengeschrei:

»Ah ben venuto, Signor diavolo! Wahrlich, du kannst mir zu keiner gelegnern Zeit erscheinen als jetzt, und schon lange habe ich deine Gegenwart gewünscht, denn ich weiß, wozu man einen so mächtigen Geist, wie du bist, brauchen kann. Ha! ha! ha! du gefällst mir weit besser so als vorher. Du Schäker du! Komm! und sei mein Freund, nimm deine vorige Gestalt an, und ich will dich zum Kardinal machen, denn nur du allein kannst mich schnell auf die hohe Stufe heben, die ich zu ersteigen strebe. Ich bitte dich, hilf mir meine Feinde vertilgen, schaffe mir Geld, und jage mir die Franzosen aus Italien, die ich nicht mehr brauche. Dies ist für einen Geist, wie du bist, das Werk eines Augenblicks, und du kannst zum Lohn von mir fordern, was dir gefällt. Nur offenbare dich nicht meinem Sohne Cäsar, er ist ein so großer Bösewicht, daß er mich selbst vergiften würde, um durch dich König von Italien und Papst zugleich zu werden.«

Der Teufel, den es anfangs ein wenig verdroß, daß sein furchtbares Äußere nicht mehr auf den Papst würkte, konnte sich doch endlich des Lachens nicht enthalten. Denn das, was er sah und hörte, übertraf alle Taten der Menschen, die die Hölle zu ihrer Ergötzung aufgezeichnet hat. Er sagte hierauf mit ernster Miene:

»Papst Alexander, der Satan zeigte einst dem Sohne des Ewigen alle Herrlichkeit der Welt, und bot sie ihm an, so er niederfiele und ihn anbetete« –

Papst. Ich verstehe dich. Er war ein Gott, und bedurfte nichts, wäre er ein Mensch und Papst gewesen, er hätte es gemacht wie ich.

Er fiel nieder, betete den Teufel an, und küßte seine Füße.

Der Teufel stampfte auf den Boden, daß die Villa erbebte. Faust und Lucrezia, Cäsar und die Venezianerin sahen durch die losgefahrnen Türen den Papst vor der schrecklichen Gestalt des Teufels mit gefaltnen Händen knien; dann rief dieser mit bittrem Hohne:

»Sodomie und dann Anbetung des Teufels! bei dem Satan, dem Herrscher des dunklen Reichs, ein Papst kann in keinem schönern Augenblick seines Lebens zur Hölle fahren.«

Er faßte den Bebenden, erwürgte ihn, und übergab seinen Schatten einem Geiste, ihn nach der Hölle zu fördern. Borgia sank vor Schrecken zusammen, und der furchtbare Anblick zog ihm eine Krankheit zu, die ihn außer alle Tätigkeit setzte, um alle Früchte seines Frevels brachte, und die schwarzen Taten der Borgias dienten nur zur Vergrößerung des päpstlichen Stuhls. Der erwürgte und scheußlich verstellte Papst wurde mit vielem Pompe begraben, und die Geschichtschreiber, die mit seinem tragischen Ende nicht so bekannt waren, wie ich es bin, erfanden die Fabel, die eines Teils auf Wahrheit gegründet ist: er und sein Sohn hätten aus Versehen eines Dieners aus einer den Kardinälen bestimmten, vergifteten Flasche getrunken, und sich so in ihrem eignen Netze gefangen.

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