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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 48
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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17

Die Hochzeit der Lucrezia wurde bald hierauf mit allem asiatischen Pracht gefeiert, und jeder Römer strebte, dieses Fest durch allen möglichen Glanz zu verherrlichen. Den Tag der Vermählung läutete man alle Glocken, die Artillerie donnerte von der Engelsburg, man hielt Stiergefechte, spielte sittenlose Komödien, und das betäubte Volk schrie vor dein Vatikan: »Es lebe Papst Alexander! Es lebe Lucrezia, die Herzogin von Este!« Faust brüllte mit, und sagte zum Teufel: »Wenn nun dieses Geschrei mit dem Gewinsel der Ermordeten an das Gewölbe des Himmels anschlägt, wem soll der Ewige glauben?« Der Teufel beugte sich zur Erde und schwieg.

Um das Ende der Feierlichkeiten der Hochzeit zu krönen, hatte Alexander mit seiner Tochter auf den Abend eines Sonntags ein Schauspiel angeordnet, wovon bisher die Jahrbücher der Greuel der Menschheit noch kein Beispiel gegeben haben. Der Papst saß mit seiner Tochter auf einem Ruhebette, in einem großen hellerleuchteten Saale; Faust, der Teufel, und die übrigen zu diesem Fest erlesenen stunden um sie herum. Auf einmal öffneten sich die Türen, und es traten funfzig reizende Kurtisanen in dem Stand der Natur herein, die nach dem wollüstigen Geflüster blasender Instrumente einen Tanz aufführten, den uns der Wohlstand verbietet zu beschreiben, ob gleich ein Papst die Stellungen dazu erfunden hat. Nach dem Tanz gab Seine Heiligkeit ein Zeichen zu einem Wettkampf, den wir noch weniger beschreiben können, und hielt den Preis des Sieges in den Händen, um die Kämpfenden mutiger zu machen. Die unparteiischen Römer riefen endlich Fausten als Sieger aus; Lucrezia bekränzte ihn mit Rosen unter Küssen, und der Papst übergab dem wackern Teutschen, als Preis des Sieges, einen goldnen Becher, worauf Lucrezia die Schule der Wollust hatte graben lassen. Faust schenkte ihn seinem feinsten Kuppler, einem venezianischen Mönch, bei dem ihn lange hernach der göttliche Aretino sah, und seine berüchtigte Situationen darnach kopierte. Dieser Sieg kostete indessen Fausten so viel, daß er mit der letzten Kraft seines Körpers auch die letzte Kraft seines Geistes zerbrach. Der Teufel, der ihn nun zu seinem Zwecke völlig reif sah, frohlockte ihm lauten Beifall entgegen.

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