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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 45
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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14

Francisco war vergessen, und der Papst sann nun, wie er dem verwegnen Geist Cäsars einen weitern Schauplatz zur Ausübung seiner gefährlichen Kräfte eröffnen möchte. Dieser krönte indessen den König von Neapel mit denen von seines Bruders Blute befleckten Händen, und Friedrich von Neapel zog daraus eine düstre Ahndung, in welcher er sich auch nicht betrog.

Der Teufel sorgte dafür, daß Fausten von allem diesem nichts entging, und dieser sah mit hämischen Lachen alle die Kardinäle, die Gesandten von Spanien und Venedig dem Brudermörder, den sie alle dafür erkannten, bis an die Tore der Stadt entgegen gehen, ihn darauf von einem großen Konsistorium empfangen, und im Triumphe zur Audienz des Papsts begleiten, der ihn mit vieler Zärtlichkeit empfing.

Vanosa legte die Trauer ab, und feierte den Abend seiner Rückkunft mit einem Feste, wobei alle Großen Roms erschienen.

Bald hierauf zog Cäsar den lästigen Kardinalshut aus, vertauschte ihn mit dem Schwerte, und ward mit allem Pracht zum Gonfalonier des päpstlichen Stuhls geweiht.

Der Teufel sah mit vielem Vergnügen, wie Faust den Wurm, der an seinem Herzen zu nagen anfing, durch die wildesten Genüsse zu betäuben suchte. Er sah, wie jeder schwarze Streich, den er erlebte, sein Herz mehr vergällte, und sein verblendeter Geist sich immer mehr überzeugte, daß alles das, was er sah und hörte, in der Natur des Menschen gegründet sei, und man sich ebenso wenig über diese Greuel zu verwundern habe, als darüber, daß der Wolf ein Räuber sei, der alles ohne Schonung zerreiße, seinen Heißhunger zu stillen. Der Teufel unterstützte dies mit den Sophismen, die spätere Philosophen in Systeme gebracht haben, leerte die Schätze der Erde, schleppte Kleinodien zusammen, und Faust wütete unter den Jungfrauen und Matronen Roms, zerstörte tausend moralische und glückliche Verhältnisse der Familien, und glaubte nicht genug an dem Menschengeschlecht verderben zu können, das, wie er meinte, der Verwüstung geweiht sei. Der Unterricht der Lucrezia hatte längst seine Sinne vergiftet, und die Wollust seine dämmernde gute Gefühle so vernichtet, daß sich bald zu Menschenhaß Menschenverachtung gesellte, welche Empfindung, wie der Teufel ihn versicherte, die einzige ist, die den Mann von Verstand von dem Dummkopf unterscheidet. Die Bande der sanften Menschheit zogen sich in seinem Herzen zusammen, und er glaubte in der Leitung des Himmels die Hand eines Despoten zu entdecken, der unbekümmert auf das Einzelne nur für den Gang und die Erhaltung des Ganzen wache. Die Welt kam ihm nun wie ein stürmisches Meer vor, auf welches das Menschengeschlecht geworfen ist, von dem Winde hin und her getrieben, der diesen an einem Felsen zerschmettert, den andern in den Hafen bläst, und wo der Verunglückte noch dafür verantworten muß, daß er sein Steuer nicht besser geführt, ob man ihm gleich eines aus so schwachem Stoffe gegeben, das sich an jeder einherrauschenden Welle zerbricht.

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