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Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 44
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
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13

Das Gerücht von der Ermordung des Herzogs von Gandia erscholl bald durch Rom und ganz Italien. Der Papst ward davon so gerührt, daß er sich der wildesten Verzweiflung überließ, und drei Tage ohne Speise und Trank blieb. Nachdem man endlich seinen Körper in der Tiber gefunden, gab er die strengsten Befehle, alle Mühe anzuwenden, die Mörder zu entdecken. Seine Tochter, die vermutete, woher der Streich käme, gab ihrer Mutter Vanosa Nachricht von dem strengen Entschlusse des Papsts, und diese begab sich die folgende Nacht in das Vatikan. Der Teufel, der als Liebling des Papsts während seiner Trauer allein in seinem Zimmer bleiben durfte, entfernte sich bei der Ankunft der edlen Vanosa, suchte Fausten auf, der die Lucrezia tröstete, und führte ihn an die Türe, folgendes Gespräch zu belauschen.

Als sie der Türe nahten, hörten sie diese Worte des Papsts:

»Ein Brudermörder, und Kardinal! Und du, die Mutter von beiden, verkündigest mir dies mit einer Kälte, als hätte Cäsar einen der Colonne oder Orsinis vergiftet! Er hat in seinem Bruder seinen guten Ruf ermordet, hat das Gebäude der Größe im Grund erschüttert, das ich durch meine Familie aufführen wollte; aber der Kühne soll der Strafe und meiner Rache nicht entgehen,«

Vanosa. Roderico Borgia, du hast bei meiner Mutter geschlafen, darauf bei mir, schläfst nun mit meiner und deiner Tochter, und wer mag die zählen, die du heimlich ermorden und vergiften ließest? Gleichwohl bist du Papst, Rom zittert vor dir, und die ganze Christenheit betet dich an. Sieh, so viel kommt darauf an, in welcher Lage man sich befindet, wenn man Verbrechen begeht. Ich bin beider Mutter, Roderico, und wußte, daß Cäsar den Francisco ermorden würde.

Papst. Ha der Abscheulichen!

Vanosa. Bin ich's, so bin ich es nur in deiner Schule geworden. Der kalte, bedächtliche, sanfte Francisco mußte dem feurigen, unternehmenden Cäsar Platz machen, damit dieser die glänzenden Hoffnungen erfülle, die du meinem Busen vertraut hast, als du den päpstlichen Stuhl bestiegst. Francisco war zum Mönch geboren, mein Cäsar zum Helden, und darum nannte ich ihn so im prophetischen Geiste. Nur er ist fähig, alle die kleinen und großen Tyrannen Italiens zu vernichten, und sich eine Krone zu erkämpfen. Er muß Gonfalonier des päpstlichen Stuhls werden, und die Borgias zu Herren von Italien machen. Ist dies nicht dein Wunsch? Hast du nur für Francisco gemordet und vergiftet? Würden diese Verbrechen uns nützen, wenn Cäsar Kardinal bliebe, und der ermordete Schwächling einst euren Raub verteidigen sollte? Nur von ihm kann ich Schutz erwarten, wenn du nicht mehr bist, er achtete seiner Mutter, während dieser Kalte mich vernachlässigte, und dem Vater allein schmeichelte, von dem er seine Größe hoffte. Cäsar fühlt, daß ein Weib wie ich, die einen Helden gebären konnte, ihm auch den Weg zu unsterblichen Taten vorzuzeichnen weiß. Heitere dich auf, Roderico, und sei weise; denn wisse nur immer, die Hand des Mörders deines Lieblings wird von einem solchen kühnen Geiste geleitet, die auch des Vaters nicht schonen würde, wenn er es wagen sollte, den Schleier aufzuheben, der diese nötige Tat verbirgt.

Papst. Dein großer Sinn, Vanosa, erhebt mich, ob er gleich mein Herz durchschaudert. Francisco ist kalt, und Cäsar lebt; er lebe, sei der Erstgeborne, werde groß, weil es das Schicksal so haben will. – Er klingelte, ließ auftischen, und war heitern Muts.

Faust. Teufel, befreie die Welt von diesem Ungeheuer; oder du sollst die Wut empfinden, die mir sein Dasein einflößt.

Teufel. Sprichst du abermals Unsinn, die Sprache der Söhne des Staubs? Vergißt du, wer der Mann ist, wen er bildlich vorstellt? Wer ich bin? Was ich kann und darf?

Faust. Du sollst!

Teufel. Geh und kühle deine Wut in den Armen seiner Tochter und Buhlerin; freue dich, so nah mit dem verwandt zu sein, der da bindet und löset; vielleicht daß dir die Verwandtschaft am Tage der Rechnung nutzet.

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