Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Maximilian Klinger >

Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt

Friedrich Maximilian Klinger: Faust's Leben, Taten und Höllenfahrt - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
authorFriedrich Maximilian Klinger
year1986
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-003524-4
titleFaust's Leben, Taten und Höllenfahrt
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1791
Schließen

Navigation:

9

Der Richter wollte nachmittags seinem geliebten Weibe die tausend Goldgulden des Teufels vorzählen, zog sehr hastig die Schublade heraus, und fuhr bei ihrem Anblick bebend zurück. Die Goldstücke hatten sich in Mäuse und große Ratten verwandelt, die alle herausfuhren, und wütend nach seinem Gesicht und Händen sprangen. Der Richter, der von Natur einen großen Abscheu gegen diese Tiere hatte, floh aus der Stube, sie ihm nach, und hingen sich an seine Ferse. Er stürzte zu dem Hause hinaus, lief durch die Straßen, das Ungeziefer verfolgte ihn. Er rannte aufs Feld, sie ließen nicht ab. So trieben sie den Angstvollen bis in den steinernen Mautturm im Rhein. Hier dachte er das Ende ihrer Verfolgung gefunden zu haben; aber Ratten und Mäuse aus der Hölle scheuen das Wasser nicht. Sie schwammen hindurch, fielen über ihn her, und fraßen ihn lebendig auf. Von dieser Zeit an nannte man diesen Turm den Mäuseturm. Seine Frau erzählte in der Bestürzung die Geschichte der Verwandlung der Goldstücke, wodurch sich ihr unglücklicher Mann hätte verblenden lassen, und seit diesem Vorfall hat man im ganzen Erzstift Mainz kein Beispiel erlebt, daß sich ein Richter oder Advokat hätte bestechen lassen. Der Teufel muß dieses nicht bedacht haben, sonst hätte er gewiß den Spuk bleiben lassen.

 << Kapitel 17  Kapitel 19 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.