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Faust - der Tragödie dritter Teil

Friedrich Theodor Vischer: Faust - der Tragödie dritter Teil - Kapitel 15
Quellenangabe
typetragedy
booktitleFaust ? der Tragödie dritter Teil
authorFriedrich Theodor Vischer
year1978
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-006208-X
titleFaust ? der Tragödie dritter Teil
pages3
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1862
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Nachspiel

Erster Auftritt

Valentins Wirtsstube. Valentin, Bärbel.

Valentin.
Was jetzt wohl unser Doktor macht?
Wird schöne lange Weil ausstehn!

Bärbel.
Weißt, Vältl, hab schon manches Mal gedacht,
Es müsse hinter dem, den damals wir gesehn,
Ein zweiter Himmel noch, ein nicht so leerer, sein
Mit viel Musik und schönen Engelein.
Valentin.
Vielleicht hast recht, doch nicht wahr, der Verzicht,
Den wir geleistet, reut dich darum nicht?

Bärbel.
O nein! Ich wüßte keinen bessern Stand,
Als Wirtsfrau sein dahier am Himmelsrand!
Ich wünschte nur, es gäb' noch mehr zu tun,
Mag niemals gerne mehr als nötig ruhn.
Je mehr der Gäste sind, so wohler wird es mir,
Laut muß es hergehn, so gefällt's auch dir.
Zu still nur war's die letzten Tage her,
Bergauf geht jetzt der Reisezug nicht sehr.

Valentin.
's gibt eben Zeiten, wo hinauf zum Himmel
Nicht eben stark der Reisenden Gewimmel,
Jetzt vollends, wo sie in gedrängten Haufen
Nach Gelde nur, zu Bank und Börse laufen.
Doch, hör ich, ist, den Frömmeren zu dienen,
Ein Reisebuch im deutschen Land erschienen,
Ein Himmelsbädeker. Die Wirkung wird sich zeigen.
Der Himmelsgang wird wohl zum Modereigen;
Fehlt nur noch eine Himmelszahnradbahn,
Wie finge dann die Völkerwandrung an!
Schließt man dort oben strenge nicht die Pforte,
Sie drücken sich hinein ins Heiligtum,
Besehen sich die ungewohnten Orte
Und kehren dann gelangweilt wieder um.
Bald werden sie den Himmel selbst verderben,
Denn wo es hintritt, das Kulturgeschmeiß,
Da wird der Boden hohl und mürb und heiß,
Da muß der Grashalm dorrend sich verfärben;
Das letzte Tal, tief im Gebirg versteckt,
Ist bald von dem Touristenpack entdeckt,
Bald lernt an den verbrühten, heikeln Tröpfen
Der letzte Hirte, der vor einem Jahr
Genügsam treu der Vätersitte war,
Die schnöde Kunst, zu saugen und zu schröpfen.
Zwar bin ich Wirt, auf Einkehr muß ich halten,
Doch ehrbar will ich meines Amtes walten,
Mein Tisch und Keller sollen einfach bleiben,
Die Preise werd ich nimmer übertreiben,
Und kommt ein Gast, dem hoch die Nase steht:
Sollst sehen, Bärbel, wie es ihm ergeht.

Bärbel (am Fenster).
Komm her, da guck hinaus und sieh:
Da kommt ja eine ganze Kompanie
Mit roten Büchlein in der Hand
Heraufgekeucht in Sand und Sonnenbrand.

Valentin (hinausschauend).
Die sehen nach gelehrten Schluckern aus,
Sie werden nicht von den Verwöhnten sein,
Nicht abgereizt durch überwürzten Schmaus,
Denn ihre Löhnung ist, man weiß es, klein.
Geh nach der Küche! Halt, besorge schneller
Ein Fäßchen gutes altes aus dem Keller.

(Bärbel ab.)

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