Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Friedrich Wilhelm Hackländer >

Europäisches Sklavenleben. Zweiter Band

Friedrich Wilhelm Hackländer: Europäisches Sklavenleben. Zweiter Band - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Hackländer
titleEuropäisches Sklavenleben. Zweiter Band
publisherVerlag von Carl Krabbe
year1885
firstpub1854
illustratorArthur Langhammer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131110
projectid3c7e02da
wgs9110
Schließen

Navigation:

 

Siebenunddreißigstes Kapitel. Ueber das Husten bei Hofe

Der junge Graf Fohrbach hatte wieder einmal Dienst im Vorzimmer Seiner Majestät. Da es der Adjutanten gerade nicht viele waren, so kam die Reihe ziemlich häufig an ihn. Ehe er sich in das Schloß begab, war zu Hause nichts Wichtiges vorgefallen; er hatte keinen Besuch wie damals, deßhalb frühstückte er auch in aller Stille allein und zündete sich darauf eine Cigarre an, die heute mit besonderem Genuß geraucht wurde, denn sie war für diesen Tag, wenigstens bis zum späten Abend, die einzige und letzte. Dazu waren die Thüren in's Ankleidezimmer wie immer fest verschlossen, damit nicht die leiseste Ahnung eines Tabakgeruchs sich in der Uniform festsetzen könne und so eingeschwärzt werde in das königliche Residenzschloß, Seiner Excellenz dem Herrn Obersthofmeister zum größten Entsetzen, zu einem wahren Horreur aber für sämmtliche Hofdamen, mochten die letzteren auch in ihren respektiven, oft sehr beschränkten Familienappartements von Papa, Bruder oder sonst Jemand seit frühester Jugend gehörig eingeräuchert worden sein. – Das thut die Hofluft. Sie ist so rein, so ätherisch, und Lungen und Herzen werden in derselben so zart und gefühlvoll, daß der geringste befremdende Duft und oft das kleinste Wort ein sehr bemerkbares Hüsteln zur Folge hat.

Ueberhaupt ließe sich über das Husten bei Hof ein ganzes Buch schreiben. Da ist die Art, der Ton, die Stärke und Schwäche desselben von der allergrößten Bedeutung. Einer der Prinzen des allerhöchsten Hofes zum Beispiel stellt sich herablassend zu irgend einer Gruppe Kammerherren, Offiziere und höherer Hofbeamten; er tritt anscheinend ganz vertraulich heran und ein leichtes Hüsteln macht ihn bemerkbar und will andeuten, er wünsche nicht, daß man sich seinetwegen genire. Augenblicklich erweitert sich der bis jetzt kleine Kreis und will damit symbolisch das große und weite Vergnügen ausdrücken, welches Alle empfinden, daß Seine Königliche Hoheit die außerordentliche Gnade hat, sich so freundlich zu nähern. Die Kecksten oder Erfahrensten bringen dieses Gefühl der Treue und Anhänglichkeit durch einige tiefgefühlte Worte zu Tage, die Anderen aber begnügen sich mit einem respektvollen Räuspern, worauf der Prinz, wenn er zufälligerweise nichts Anderes zu sagen weiß, was zuweilen vorkommen soll, stärker hustet und laut versichert, das naßkalte Wetter sei unausstehlich, und wenn es sich nicht bald ändere, so würde es keinem Menschen möglich sein, den Katarrh los zu bringen. Natürlich stimmt Alles bei mit Worten und mit Husten; es zeigen sich auf einmal sehr viele Schnupfenanfälle, und ein junger Kammerherr, der begierig ist, seine tiefe Ergebenheit an den Tag zu legen, blickt verstohlenerweise zum Fenster hinaus und liebäugelt mit einem einsamen Sonnenstrahl so lange, bis ihn ein heftiges Niesen befällt, wodurch er so glücklich ist, auf's Allerdeutlichste die Bemerkung Seiner Königlichen Hoheit zu bewahrheiten.

Darauf ersucht vielleicht der Prinz, die angefangene Konversation fortsetzen zu wollen. – »Hm! hm!« macht er, »wie es scheint, wurde soeben eine pikante Geschichte erzählt. Darf ich daran theilnehmen?«

Der ganze Kreis lächelt verstohlen, und nur ein Einziger hustet auffallend und verlegen. Es ist das ein so bedeutungsvoller Husten, daß sich Seine Königliche Hoheit veranlaßt sieht, ihn in der gleichen Tonart zu beantworten, wobei er leicht mit einem Auge zwinkert und dann freundlich sagt, er bitte, dennoch fortzufahren, er liebe zuweilen eine recht pikante Geschichte.

Die Geschichte wird nun erzählt, nicht ohne viel hm! hm! hm! hm! von allen Seiten, und wenn nun die Pointe kommt, die einigermaßen saftig zu nennen ist, so ergeht sich Seine Königliche Hoheit in einem auffallenden Gehuste, vielleicht der Erzählung beistimmend, worauf sich Alle bemühen, einen ähnlichen Ton von sich zu geben, bis zu dem Erzähler, der nun vor Freude einem völligen Erstickungsanfall fast zu erliegen scheint. Ist dagegen die Geschichte höchsten Orts nicht recht ergriffen oder begriffen worden, so werden die Augenbrauen in die Höhe gezogen, der Husten ist bei Seiner Königlichen Hoheit ein ziemlich trockener, bei den Andern ein mißbilligender, der Erzähler aber, um seine Verlegenheit zu verbergen, zieht sein Tuch aus der Tasche und hustet lange und anhaltend da hinein.

Wie verschieden aber von diesem ist der Ton des Hustens, den vielleicht in der Mitte der Geschichte plötzlich der Kammerherr von sich gibt, als er mit scharfem Auge erspäht, daß sich ein paar unschuldige Hofdamen zufällig dem Kreise nähern. Es ist das wie der Pfiff einer auf Vorposten ausgestellten Gemse; die Geschichte wird plötzlich unterbrochen, und der ganze Kreis spitzt die Ohren. – Wir ersuchen den geneigten Leser, dies jedoch natürlicherweise nur bildlich verstehen zu wollen.

Sind nun die unschuldigen Hofdamen, die sich nähern, wirklich unschuldige Damen, so husten sie mit einer kleinen Verlegenheit, daß sie so plötzlich an einem Kreis tangiren, in welchem sich Seine Königliche Hoheit befindet. Sind sie aber schon vollkommen erfahren in der Sitte des Hofes und lesen an dem Ausdruck der Gesichter, an der Stellung und Haltung einer Gruppe, um was es sich gerade handelt, so wird der erzählende Kreis in einem großen Bogen umgangen, die älteste der Hofdamen blickt hinter ihrem Fächer auf den Kreis, hustet sehr laut und auf eigentümliche Art und gibt die Übersetzung dieses Hustens ihrer Gefährtin, indem sie ihr zuflüstert: »Da werden wieder schöne Geschichten abgemacht!«

Um einige Stufen tiefer hinabzusteigen, so wissen namentlich alte gediente Lakaien, Tafeldecker und Kammerdiener ihre verschiedenen Husten auf's Feinste zu nuanciren. Der Lakai, der den Schlag des Wagens schließt, räuspert sich gelinde, wenn vielleicht eine Hofdame in tiefen Gedanken versunken nicht angibt, wohin sie fahren will, wonach er sich hintenauf schwingt und nun oftmals den Kutscher mit lautem Gehuste dirigirt.

Der Kammerdiener im Zimmer des Herrn blickt hustend auf die Uhr, wenn irgend eine bestimmte Stunde herangekommen ist, und erweckt mit einem lauten Gehuste den Thürsteher aus seinen Träumereien, der fast vergessen hätte, voraus zu springen und den Wagen vorfahren zu lassen.

Endlich bei Tafel dirigirt der Hoffourier mit einer wahren Verschwendung von dem feinsten und leisesten Husten das ganze Diner, der Tafeldecker macht den Lakaien auf gleiche Art mit vielsagendem Räuspern auf seine Dummheit aufmerksam, die er begangen, auf einen zerbrochenen Teller oder ein leeres Glas, und ein junger Hofbedienter prallt erschreckt und gelinde hustend vor dem fürchterlichen Abgrund zurück, in den er fast gestürzt wäre, da er im Begriffe war, dem ersten Kammerherrn einen wilden Schweinskopf von der rechten Seite zu präsentiren.

Um nicht zu ausführlich zu werden, wollen wir nur noch des vielsagenden Hustens gedenken, in welchem sich zwei vornehme Staatsbeamte, die sich durchaus nicht leiden können und die nun plötzlich im Vorzimmer zusammenstoßen, steif und gemessen begrüßen. Jeder hat geglaubt, er komme dem Andern zuvor und könne Allerhöchsten Ortes seinem Kollegen eine unangenehme Suppe einbrocken. Dieser Husten klingt wahrhaft nervenerregend, und wir sind überzeugt, daß sich in gleicher Weise zwei Tigerkatzen begrüßen würden, die nur durch ein breites Wasser verhindert sind, sich ihrem glühendsten Wunsche gemäß die Augen auszukratzen.

Ein Husten der furchtbarsten Art aber stört oft den Minister in seinem Vortrage, wenn er zum Beispiel irgend eine Auszeichnung, einen Orden, ein Geschenk für einen armen Künstler verlangt und er mit eindringlichen Worten spricht, wie aufmunternd ein solcher Sonnenstrahl der Allerhöchsten Huld sei, wie das Talent nur wachsen und gedeihen könne im warmen Schein der Königlichen Gnade: ein Husten Seiner Majestät nämlich, wobei sie sich an das Fenster wendet und die Excellenz versichert, es werde doch jetzt endlich ein beständigeres Wetter eintreten. –

Doch kehren wir in die Wohnung des Grafen Fohrbach zurück, der unterdessen Cigarre und Toilette beendigt hat, und nun, im Begriff an den Wagen zu gehen, durch den Kammerdiener einen Augenblick aufgehalten wird, der sich erlaubt, ihm den neuen Jäger vorzustellen.

Das war, wie wir bereits wissen, ein großer, schlank gewachsener Mann, der sich jetzt in der glänzenden Livrée, mit dem schwarzen, wohl gekämmten und frisirten Barte ungemein stattlich ausnahm. Dabei hatte sein Gesicht ein angenehmes Aussehen und sein Auge hielt den festen Blick des Grafen, der ihm einige Fragen stellte, sehr gut aus.

Um drei Viertel auf elf Uhr fuhr Graf Fohrbach am Schlosse vor und stieg die breiten Treppen hinauf bei zahlreichen Wachen, Thürstehern und Lakaien vorbei. Ein verschmitzt aussehender Kammerdiener legte die Hand an den Drücker, um die Thüre zu öffnen und hustete in diesem Augenblicke ziemlich bedeutungsvoll. Es war dies wieder einer jener Husten, von denen wir vorhin gesprochen.

Der Adjutant wandte augenblicklich den Kopf herum und der Kammerdiener lächelte.

»Gibt es was Neues?« fragte Graf Fohrbach leicht hin.

»Nicht viel Besonderes,« entgegnete der Kammerdiener, indem er die Augenbrauen in die Höhe zog. »Die Herren und Damen vom Dienste frühstücken in der gelben Gallerie und es erscheint heute zum ersten Mal das neue Ehrenfräulein Ihrer Majestät.«

Nach diesen Worten öffnete der Kammerdiener leise die Thüre, und sobald der Adjutant eingetreten war, zog er sie geräuschlos wieder in's Schloß, zupfte seine weiße Halsbinde in die Höhe und rieb sich alsdann still lächelnd die Hände.

Graf Fohrbach schritt durch mehrere Vorzimmer, die, wie in den Königlichen Schlössern gewöhnlich, einander ziemlich ähnlich sahen, nur daß Farben der Tapeten und Möbelstoffe in jedem verschieden waren, daß in diesem Alabaster- und Marmor-Vasen, dort welche aus China und Japan standen. Um diese kleine Verschiedenheit aber wieder auszugleichen und eine gewisse Harmonie herzustellen, waren die Gemälde an den Wänden meistens Protektionskäufe, gleich unbedeutend, gleich langweilig.

In der gelben Gallerie, wo der Frühstückstisch servirt war, befand sich außer einigen Lakaien, die emsig und wichtig, geräuschlos und schnell auf einem Nebentische Porzellan und Silber ordneten, vorderhand nur ein alter einsilbiger Kammerherr, der damit beschäftigt war, nachdem er den Barometer prüfend betrachtet, die grauen am Himmel hinziehenden Schneewolken zu beobachten, und unser Bekannter, der Major S., den Graf Fohrbach heute ablöste. Der Major stand in einer Fenstervertiefung, und als er bemerkte, daß ihn der Graf mit den Augen suche, hustete er leicht.

»Wie geht's?« sagte der neue Adjutant, während er zu seinem Freunde in die Ecke trat.

»So, so! – Das Wetter ist nicht ganz klar, es scheinen mir trübe Wolken umher zu ziehen; auch haben wir noch keine Rapporte gehabt, was kein gutes Zeichen ist. Ferner wurde der Intendant des Hoftheaters auf ein Uhr bestellt.«

»Da wird man aufpassen müssen.«

»Für dich gibt's eigentlich nicht viel zu thun. Nach dem Rapport sind einige Audienzen, deren Namen du im Vorzimmer aufgeschrieben findest; das Papier liegt im Pult.«

»Schön. – Wirst du mit uns frühstücken?«

»Ich habe nicht Lust, muß auch nach Hause. – Apropos! du wirst eine Bekanntschaft machen: das neue Ehrenfräulein Ihrer Majestät hat heute den ersten Dienst und kommt zum Frühstück.«

»Ist sie schön?«

Der Major erhob den Kopf, zog die Augenbrauen in die Höhe und entgegnete: »Ob sie schön ist! – ein glänzender Stern am dunkeln Nachthimmel.«

»Nun, wir können dergleichen Sterne brauchen, es war zuweilen recht finster bei uns. – Wie heißt sie? – Nicht wahr, es ist ein Fräulein von S.? Ihr seid ja wohl weitläufig verwandt.«

»Ziemlich entfernt. Sie heißt Eugenie von S. – eine vornehme, aber nicht reiche Familie. Das Mädchen ist kaum Neunzehn, aber groß und majestätisch gewachsen, eine Figur wie Ihre Majestät; dabei dunkles Haar, ein glänzendes Auge und die herrlichsten Zähne von der Welt, ah! ich sage dir, Zähne, glänzend weiß; man ist glücklich, wenn sie den Mund öffnet.«

»Nur wegen der Zähne?« fragte lachend der Graf.

»O nein, sie ist zugleich eines der gebildetsten und gescheidtesten jungen Mädchen, die ich seit längerer Zeit kennen lernte.«

»Natürlicherweise wird sie häufig in euer Haus kommen?«

»Ich hoffe so; weißt du – eine Verwandte –«

»So werde ich mich bemühen, deine Frau zu warnen.«

»Damit du einen Vorwand hast, öfters zu kommen,« erwiderte lachend der Major. »Nimm dich in Acht, junger Mann, wenn sie dich anblitzt und du hast gerade einen erregbaren Moment, so ist's um deine Ruhe geschehen. – Aber,« fuhr er lebhafter fort, während er einen Schritt vortrat, »sage mir offenherzig, hast du sie schon irgendwo gesehen – kennst du sie?«

»Ich gewiß nicht.«

»Du wußtest nicht, daß sie so außerordentlich schön und liebenswürdig ist?«

»Auf mein Wort, nein. Ich habe nur im Allgemeinen von ihr sprechen gehört. – Aber wozu diese Fragen?«

»Nun, ich glaube dir. Vorhin unterhielt ich mich mit der Frau von B. –«

»Mit der Obersthofmeisterin?«

Der Major nickte mit dem Kopfe. »Wir sprachen über die Einrichtung der jungen Dame, über ihre Wohnung und dergleichen –«

»So, über ihre Wohnung! Wird die im Schlosse selbst sein?«

»Natürlicherweise; sie ist aber sehr gut ausgewählt, das kleine Appartement Numero sechzehn, die Fenster der Zimmer gehen auf den geschlossenen Hof, wo es euch nicht vergönnt ist, mit euren armen Pferden halsbrechende Courbetten zu machen. – Aber jetzt höre! Wir sprachen auch von ihrer Dienerschaft: eine ältere Kammerfrau brachte sie mit, ein jüngeres Kammermädchen bekommt sie hier.«

»Ja, was geht das mich an?«

»Ein jüngeres Kammermädchen, das – du empfohlen.«

»Ich empfohlen? – Und an wen?«

»Besinne dich. Du hast der Frau von B. neulich von einem Kammermädchen gesprochen, das eine Stelle suche.«

»Ah richtig!« sagte sich erinnernd der Adjutant. »Ich kenne sie aber nicht; der Baron Brand hat mich darum gebeten.«

»So, so, Baron Brand,« erwiderte der Major nachdenkend. »Das ist ein gefährlicher Mensch bei den Damen; sogar die alte Obersthofmeisterin schwärmt für ihn, und das will viel sagen. Er war gestern Abend bei ihr zum Thee, zugleich mit Fräulein Eugenie von S.; da kam die Rede auf deine Empfohlene und ob sie vielleicht passend sei für das neue Ehrenfräulein. Die Obersthofmeisterin schüttelte lächelnd den Kopf und meinte, sie wisse doch nicht recht, ob deine Rekommandationen in dieser Richtung zu beachten seien; aber Baron Brand erinnerte sich zufällig desselben Mädchens, – was weiß ich! sie habe bei einer seiner Cousinen gedient und besitze die glänzendsten Zeugnisse. – Was glaubst du wohl? Darauf änderte sich mit einem Mal die Ansicht Ihrer Excellenz und deine Empfohlene ist angestellt.«

»Das sind schöne Geschichten!« sprach lachend Graf Fohrbach, indem er seine Säbelkuppel herabzog. »Nun, ich hoffe, die Person wird vorkommenden Falles einiges Dankbarkeitsgefühl besitzen.«

»Gegen dich oder gegen den Baron?«

»Ich denke gegen mich, denn ich bin doch der unmittelbare Empfehler.«

»Aber nimm dich in Acht, coeur de rose ist ein verfluchter Kerl. Es sollte mich gar nicht wundern, wenn er der schönen Eugenie nächstens ein Parfüm aufschwätzt.«

»Nein, dazu ist er zu klug; das könnte sie in einen üblen Geruch bringen. – Aber stille! der Kammerdiener an der Thüre hat sich schon dreimal geräuspert – man kommt.«

Die Flügelthüren des anstoßenden Saales wurden jetzt in der That geöffnet und die Damen vom Dienste erschienen. Es waren das meistenteils gereifte Schönheiten, künstlich erhaltene Blumen, aber ohne erquickenden Duft, gerade so wie ihre Schwestern von Papier und Seide, und ebenso wie diese rauschend und klappernd.

Eugenie v. S., die bescheiden als die Letzte kam, hätte nicht so wunderbar schön zu sein gebraucht, als sie wirklich war, um zwischen ihren Kolleginnen wie eine Sonne aus grauem Gewölk hervorzustrahlen.

Graf Fohrbach war in der That überrascht von der lieblichen Erscheinung der jungen Dame und einigermaßen befangen, als er ihr von seinem Freunde, dem Major, vorgestellt wurde. Sie verneigte sich auf's Freundlichste und versicherte im Laufe des Gespräches, sie wisse ganz genau, daß sie von ihrer Mutter Sr. Excellenz dem Herrn Kriegsminister empfohlen sei, sie hoffe, diese Empfehlung werde freundlich aufgenommen worden sein und ihr so recht bald Gelegenheit werden, einen Mann kennen zu lernen, den sie sehr schätze und verehre.

Natürlicherweise erwiderte der Graf etwas auf diese Worte Passendes, dann setzte man sich zum Frühstück, der Major empfahl sich, Messer und Gabeln fingen an zu klappern, die Bedienten schossen hin und her wie emsige Schwalben, und bald war das Frühstück beendigt, worauf sich die Damen dahin zurückzogen, woher sie gekommen. Der einsilbige Kammerherr und der Adjutant begleiteten sie bis an die Thüre, und hier hoffte der Letztere noch einen Blick der schönen Eugenie aufzufangen. Sie verneigte sich auch freundlich gegen die beiden Herren, doch galt ihnen Gruß und Blick zu gleichen Theilen, worüber der Graf eben nicht besonders erfreut war.

 

 << Kapitel 1  Kapitel 3 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.